Team: Byron
Fandom: Yu-Gi-Oh
Charaktere: Kaiba, Joey
Challenge: Teilchenbewegung
Wörter: ~2000
Vorwort: Vor gefühlten Urzeiten habe ich mal eine FF geschrieben, in der Joey einen Hund hat, der "Seto" heißt. Was Kaiba natürlich als persönlichen Angriff und absolute Demütigung empfindet. Zu finden hier. Man muss sie nicht unbedingt kennen um das hier zu verstehen. Denke ich.
„… und dann hat Seto nach ihm gebissen! Also, eigentlich nur geschnappt, ich glaube nicht, dass er so etwas Ekelhaftes wie diesen Kerle wirklich beißen wollte … ich meine, ich hätte ihn nicht beißen wollen. Ist er nicht furchtbar mutig? Er hatte überhaupt keine Angst! Vergesst nicht Leute, der Typ war mindestens 1,90 m oder zwei Meter … der war größer als Kaiba! Und er hatte Haare auf den Armen, wie ein Gorilla! Er war ja so was von sauer auf mich. Also ohne Seto dürftet ihr mich jetzt im Krankenhaus besuchen kommen, ganz ehrlich …“
Joey gehörte zu den Menschen, die absolut nicht stillstehen konnten, wenn sie etwas erzählen. Er wedelte mit den Armen und seine weizenblonden Haare flogen, als er den Kopf zurückwarf. Seine Augen vergrößerten sich an den dramatischen Stellen und sein lachender, plappernder Mund war praktisch ununterbrochen in Bewegung.
Ihm zuzusehen, war wie eine One-Man-Show zu erleben, während er abwechselnd sich selbst, den lächerlichen Köter und den ‚Kerl mit den Gorillaarmen’ darstellte – wobei er ohne Zweifel gnadenlos übertrieb. Unbewusst zog er dabei die Aufmerksamkeit aller Anderen auf sich. Ich sah, wie viele Schüler auf dem Schulhof stehen blieben, ihm ganz offen einen kurzen, unwillkürlichen Blick zuwarfen und begannen breit zu grinsen. Man konnte ihn einfach nicht übersehen, und noch weniger überhören.
Sogar ich sah ihm zu.
Hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich mir vorgekommen, wie ein Stalker. Aber in diesem Fall sah mich eher als einen Wissenschaftler, der einen neuen und äußerst seltsamen Organismus unter dem Elektronenmikroskop betrachtete. Zugegeben, der Schulhof war nicht grade ein Elektronenmikroskop, das hier war mehr … ‚ein Joey in seinem natürlichen Lebensraum’.
Oder so.
Mein Interesse an der Spezies Joey Wheeler war selbstverständlich rein wissenschaftlicher Natur. Es galt Fragen zu erklären – und zwar einige. Ich hatte das gesamte Wochenende Zeit gehabt um darüber nachzudenken, und mir war klar geworden, dass ganz entschieden etwas im Busch war, was ich nicht länger ignorieren konnte.
Spätestens als ich diesen Samstag drei vollkommen überflüssige Stunden lang im Park verbracht hatte und der Verlierer einfach nicht aufgetaucht war, wurde mir klar, dass sein seltsames Verhalten langsam begann meinen Verstand zu beeinträchtigen. Ich war noch nie freiwillig im Park gewesen …
Ich konnte das nicht länger hinnehmen!
Deswegen wurde es jetzt Zeit herauszufinden, was für einen hinterhältigen, heimtückischen Plan dieser billige Abklatsch eines drittklassigen Duellanten verfolgte und dem Ganzen einen Riegel vorzuschieben.
„… sorry Leute, heute kann ich nicht mitkommen.“ Joey hob die Schultern in einer bedauernden Bewegung und sein Blick war auf den Zwerg Muto gesenkt. „Ich muss echt dringend für Mathe lernen und außerdem diesen dämlichen Aufsatz schreiben, den wir morgen abgeben müssen …“
„Sag bloß den hast du immer noch nicht geschrieben?“ Tea sah ihn strafend an. „Wieso hast du das nicht am Wochenende gemacht? Wo hast du überhaupt die ganze Zeit gesteckt - ich habe pausenlos versucht dich anzurufen.“
Verlegen fuhr Wheeler sich mit einer Hand über den Hinterkopf. Seine Haare dankten es ihm, indem sie nachher um wenigstens 40% Prozent chaotischer aussahen, als vorher. „Ich musste doch das ganze Wochenende arbeiten. Ich hatte echt für gar nichts Zeit. Ich bin sogar nachts mit Seto Gassi gegangen …“
Mit Seto … Gassi gegangen …
Das war einer dieser Sätze, bei denen ich unwillkürlich zusammenzuckte und sich mir sämtliche Nackenhaare aufstellten. Das war einfach so durch und durch falsch!
ER war hier der Hund, nicht ich! Ein Hund, der einen anderen Hund Gassi führt. Wie ungemein passend. Langsam fragte ich mich, ob diesem Spatzenhirn überhaupt diese Art von heimtückischen, perfiden Plan zuzutrauen war, die ich ihm grade unterstellte. Auch wenn einiges dafür sprach …
Die Fakten?
Erstens: Joey (im folgenden ‚das Subjekt‘) hatte mir letzte Woche an meinem Spind aufgelauert. Bedenklich war neben der Tatsache, dass das Subjekt überhaupt wusste, wo mein Spind sich befand, viel eher, dass die letzte Stunde dieses Versagers meinen Informationen entsprechend ausgefallen war.
Das Subjekt hatte also eine geschlagene Stunde länger in der Schule zugebracht als notwendig, nur um auf mich zu warten. Dieses Verhalten fiel nicht einmal mehr unter ‚ungewöhnlich’ – das fiel unter ‚äußerst suspekt’!
Zweitens: Das Subjekt hatte offensichtlich einen hinterhältigen Plan, welcher beinhaltete, dass ich mich im Park aufhielt. Anders war es nicht zu erklären, dass der Idiot sich ständig diese Mühe machte mich dorthin zu bekommen.
Drittens: Das Subjekt hatte in letzter Zeit verstärkt versucht verbalen Kontakt zu mir aufzunehmen, und auch wenn seine Kommunikationsfähigkeit sich hauptsächlich auf Knurren und Jaulen beschränkte, wurde er langsam so aufdringlich, dass es beinah unmöglich war ihn zu ignorieren.
Vierter und wichtigster Fakt: Das Subjekt besaß einen Hund, der auf meinen Namen hörte!
(Okay, ob das Vieh auf irgendwas hörte, war mir nicht bekannt. Aber Whee- das Subjekt nannte ihn ‚Seto‘. In der Öffentlichkeit.)
Mir war klar, dass mir das alles zusammengenommen irgendetwas sagen sollte … ich wusste nur nicht was. Es war wie eine mathematische Gleichung, zu deren Lösung mir nur noch eine einzige Zahl fehlte. Und ich hasste unaufgelöste Gleichungen.
„Wir sehen uns heute Abend, Leute!“ Joey hatte eine Hand in die Hosentasche geschoben, seinen Rucksack hing lässig über einer Schulter und winkte dem Kindergartenverein mit einigem Bedauern hinterher. Dann drehte er sich um.
Abwartend betrachtete ich ihn. Wheeler – mein neustes Forschungsprojekt. Die Gleichung, die keinen Sinn ergab. Das eine Teilchen, das die gesamte Bewegung durcheinander brachte.
Zu meiner Überraschung hob er den Kopf, blickte genau in meine Richtung und setzte sich in Bewegung. Das Teilchen diffundierte weg von seiner Gruppe, dachte ich spöttisch.
Direkt darauf zuckte ich überrascht zurück. Joey lief so zielsicher auf mich zu, als hätte er die ganze Zeit gewusst, dass ich da war und mich über ihn ärgerte.
„Hey Kaiba!“ Er blieb direkt vor mir stehen.
Ich hob verärgert eine Augenbraue. Wie konnte er eigentlich wagen so vertraulich mit mir zu reden, als seien wir Freunde, oder etwas ähnlich Lächerliches. Knie nieder, du Wicht!
„Wartest du auch auf jemanden?“ fragte er gut gelaunt.
„Sieht so aus.“ Misstrauisch sah ich ihn an. Mich konnte er mit diesem billigen Smalltalk nicht hinters Licht führen. Das war alles Teil seines hinterhältigen Plans, um … um … keine Ahnung wozu, aber es war definitiv irgendein perfider, heimtückischer Plan, um mich fertig zu machen und aus dem Konzept zu bringen.
Das kannst du vergessen, Joey!
„Auf deine Limousine?“
„Was geht es dich an?“
„Hm - Interesse am Leben meiner Mitmenschen?“ Er legte den Kopf schief.
Ich schnaubte. „Wheeler - bezeichne uns nicht als Mitmenschen. Das könnte die Illusion aufkommen lassen, wir befänden uns auf derselben Entwicklungsstufe oder hätten sonst irgendetwas gemeinsam.“
Aus unerfindlichen Gründen, fühlte ich mich ertappt.
Interesse am Leben meiner Mitmenschen – hah!
Dabei war es ja nicht, als ob ich mit einem Fernglas hinter der nächsten Ecke auf ihn gelauert hätte. Was wusste Joey schon von wissenschaftlicher Forschung? Genauso viel wie eine Zelle unter dem Mikroskop. Nämlich nichts.
Ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass ich offensichtlich nicht bereit war mit ihm zu sprechen, pustete er eine Wolke blonder Haare aus dem Gesicht und blickte mich interessiert an.
„Willst du gar nicht wissen, auf wen ich warte?“ fragte er schließlich.
„Lass mich nachdenken – nein?“
„Aber ich könnte ein Date mir einer superscharfen Braut haben“, gab er zu bedenken.
Unwillkürlich schossen meine Augenbrauen nach oben und ich ließ einen langen, spöttischen Blick an ihm hinab wandern. Das war ja nun wirklich höchst unwahrscheinlich. „Du klingst erstaunlicherweise so, als müsste mich das interessieren, Wheeler.“
„Na ja, ich habe ja keins. Natürlich könnte ich eins haben!“
„Ja sicher.“
„Ich warte auf meine Schwester. Und auf Seto“, erklärte er ungefragt.
Ich zuckte zusammen und spürte wie sich meine Nackenhaare aufrichteten. Meine Zähne knirschten unerfreut übereinander.
Dieser Name. Ich würde mich nie daran gewöhnen, dass ausgerechnet Joey Wheeler meinen Namen dermaßen leichtfertig und persönlich in den Mund nahm. Grrr.
Und dann dieser verdammte Köter.
Ungeduldig blickte ich auf meine Uhr. Wo zum Teufel blieb Roland? Ich musste hier weg, bevor dieses sabbernde, tollpatschige Fellknäuel hier auftauchte, das meinen Namen trug. Damit ich nicht noch einmal eins dieser Übelkeit induzierenden Wiedersehen miterleben musste, in denen Joey das dumme Vieh knuddelte und wuddelte, an seine Brust drückte und inflationär mit lächerlichen, infantilen Kosenamen überschüttete.
Allein der Gedanke ließ mich schaudern.
„Serenity hat auf ihn aufgepasst“, fuhr Joey fort, als ob mich das interessieren würde. „Und er auf sie. Ich versuche ihn nämlich zu einem Wachhund zu erziehen, wie ein Ninjahund. Das wäre so cool! Dann kann er auf sie aufpassen, wenn sie allein durch die Stadt läuft. Da sind so viele miese Ecken und ich …“
„Danke für die überflüssige Information“, unterbrach ich ihn. Hrgh. Wer auch immer Wheeler beigebracht hatte Buchstaben aneinanderreihen und so viele unwichtige Wörter in einer Reihe zu produzieren, hatte der Welt keinen Dienst erwiesen.
Natürlich ignorierte Joey weiterhin eiskalt, dass ich nicht mit ihm reden wollte, während er auf penetrante, unerfreuliche heitere Art und Weise auf den Fußballen auf und ab wippte. „Hey, die anderen und ich gehen heute Abend in den Park! Hast du nicht auch Lust?“
Da! Punkt zwei!
Das Subjekt verfolgte offensichtlich das Ziel, dass ich mich im Park aufhielt.
Finster starrte ich ihn an.
Was hatte Wheeler vor? Was war sein perfider Plan? Dachte er, ich durchschaue ihn nicht?
Pah.
„Vergiss es“, erwiderte ich kühl und wandte mich ab. Wo war Roland? Wo war meine Limousine? Was war das für ein Service? Wozu bezahlte ich eigentlich meine horrenden Gehälter?
„Aber Sonne würde dir gut tun! Das würde deine miese Laune erheblich verbessern.“
„Wenn du aufhören würdest, mich zu verfolgen, würde das meine Laune auch erheblich verbessern“, zischte ich. „Lauf mir nicht nach.“
„Ich lauf dir nicht nach“, flötete er. „Wir haben nur zufällig dieselbe Richtung.“
Ruckartig blieb ich stehen und fuhr zu ihm herum. Unwirsch packte ich am Kragen seiner Jacke, zerrte ihn zu mir und blickte bedrohlich auf ihn hinab. „Dann geh in eine andere Richtung!“
Unbeeindruckt blinzelte er zu mir hoch. Irgendwie hatte ich das dumpfe Gefühl, dass er mich nicht mehr so einschüchternd fand wie früher. Ich hatte nur leider keine Ahnung wie und wann das passiert war. Vielleicht hatte es etwas mit diesem räudigen Köter zu tun.
„Aber … du wartest. Ich warte. Wir können doch zusammen warten!“, sprudelte er hervor.
„Ich würde nicht mal mit dir zusammen …“ Mir fiel überhaupt nichts ein, was stark genug war, um meine Ablehnung auszudrücken. „Wieso?“ fauchte ich schließlich und schüttelte ihn.
„Wieso was?“
Wieso bist du so penetrant und schrecklich?
Wieso liegt dir was daran, dass ich sinnlos im Park herumsitze, wenn ich so viel zu tun habe?
Wieso hast du so viele Haare und wieso schaffst du es nie, sie ordentlich zu kämmen?
Wieso nennst du deine schreckliche, sabbernde Töle nach mir?
Wieso …
„Wieso bist du noch aufdringlicher und nerviger als sonst, wenn es warm ist?“ fauchte ich schließlich. „Liegt es an der Sonne? Schadet die Hitze deinen wenigen Gehirnzellen?“
„Huh?“ Sekundenlang sah er überrascht aus. Dann schien er ernsthaft nachzudenken.
„Keine Ahnung“, erwiderte er schließlich ehrlich. „Vielleicht ist es so wie wir in Chemie gelernt haben?“
Unwillig ließ ich ihn los und starrte ihn an. „Wovon zum Teufel redest du?“
Joey zuckte mit den Schultern und schulterte erneut seinen Schulrucksack, der während unserer Konfrontation nach unten gerutscht war. „Sorry, ich muss weg“, stellte er fest und drehte sich um. Er klang beinah entschuldigend. „Da hinten ist Serenity.“ Er winkte heftig. „Und Seto!“
Von irgendwo wurde gebellt.
Oh Gott. Ich stöhnte innerlich.
Der Köter. Das Hundebaby. Die räudige Ansammlung aus Pfoten, Sabber und Knopfaugen.
Ich konnte gar nicht hinsehen. Alles nur das nicht.
Das Vieh machte mich fertig.
„Chemie?“ rief ich ihm mit zusammengebissenen Zähnen nach, obwohl ich es gar nicht wirklich wissen wollte.
„Sehen wir uns nachher im Park?“ fragte er ohne sich umzudrehen.
„Nie im Leben!“, fauchte ich. „Was ist mit Chemie?“
Joey blieb noch einmal stehen und drehte sich zu mir um. „Also, ich hab das nicht so kapiert“, gab er zu und kratzte sich verplant am Hinterkopf. „Aber die Teilchen bewegen sich doch auch immer mehr, je wärmer es ist, oder?“
Er grinste breit, bevor er winkte und mich stehen ließ.
Ich starrte ihm ungläubig nach.
Teil II folgt ... morgen oder so
Fandom: Yu-Gi-Oh
Charaktere: Kaiba, Joey
Challenge: Teilchenbewegung
Wörter: ~2000
Vorwort: Vor gefühlten Urzeiten habe ich mal eine FF geschrieben, in der Joey einen Hund hat, der "Seto" heißt. Was Kaiba natürlich als persönlichen Angriff und absolute Demütigung empfindet. Zu finden hier. Man muss sie nicht unbedingt kennen um das hier zu verstehen. Denke ich.
„… und dann hat Seto nach ihm gebissen! Also, eigentlich nur geschnappt, ich glaube nicht, dass er so etwas Ekelhaftes wie diesen Kerle wirklich beißen wollte … ich meine, ich hätte ihn nicht beißen wollen. Ist er nicht furchtbar mutig? Er hatte überhaupt keine Angst! Vergesst nicht Leute, der Typ war mindestens 1,90 m oder zwei Meter … der war größer als Kaiba! Und er hatte Haare auf den Armen, wie ein Gorilla! Er war ja so was von sauer auf mich. Also ohne Seto dürftet ihr mich jetzt im Krankenhaus besuchen kommen, ganz ehrlich …“
Joey gehörte zu den Menschen, die absolut nicht stillstehen konnten, wenn sie etwas erzählen. Er wedelte mit den Armen und seine weizenblonden Haare flogen, als er den Kopf zurückwarf. Seine Augen vergrößerten sich an den dramatischen Stellen und sein lachender, plappernder Mund war praktisch ununterbrochen in Bewegung.
Ihm zuzusehen, war wie eine One-Man-Show zu erleben, während er abwechselnd sich selbst, den lächerlichen Köter und den ‚Kerl mit den Gorillaarmen’ darstellte – wobei er ohne Zweifel gnadenlos übertrieb. Unbewusst zog er dabei die Aufmerksamkeit aller Anderen auf sich. Ich sah, wie viele Schüler auf dem Schulhof stehen blieben, ihm ganz offen einen kurzen, unwillkürlichen Blick zuwarfen und begannen breit zu grinsen. Man konnte ihn einfach nicht übersehen, und noch weniger überhören.
Sogar ich sah ihm zu.
Hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich mir vorgekommen, wie ein Stalker. Aber in diesem Fall sah mich eher als einen Wissenschaftler, der einen neuen und äußerst seltsamen Organismus unter dem Elektronenmikroskop betrachtete. Zugegeben, der Schulhof war nicht grade ein Elektronenmikroskop, das hier war mehr … ‚ein Joey in seinem natürlichen Lebensraum’.
Oder so.
Mein Interesse an der Spezies Joey Wheeler war selbstverständlich rein wissenschaftlicher Natur. Es galt Fragen zu erklären – und zwar einige. Ich hatte das gesamte Wochenende Zeit gehabt um darüber nachzudenken, und mir war klar geworden, dass ganz entschieden etwas im Busch war, was ich nicht länger ignorieren konnte.
Spätestens als ich diesen Samstag drei vollkommen überflüssige Stunden lang im Park verbracht hatte und der Verlierer einfach nicht aufgetaucht war, wurde mir klar, dass sein seltsames Verhalten langsam begann meinen Verstand zu beeinträchtigen. Ich war noch nie freiwillig im Park gewesen …
Ich konnte das nicht länger hinnehmen!
Deswegen wurde es jetzt Zeit herauszufinden, was für einen hinterhältigen, heimtückischen Plan dieser billige Abklatsch eines drittklassigen Duellanten verfolgte und dem Ganzen einen Riegel vorzuschieben.
„… sorry Leute, heute kann ich nicht mitkommen.“ Joey hob die Schultern in einer bedauernden Bewegung und sein Blick war auf den Zwerg Muto gesenkt. „Ich muss echt dringend für Mathe lernen und außerdem diesen dämlichen Aufsatz schreiben, den wir morgen abgeben müssen …“
„Sag bloß den hast du immer noch nicht geschrieben?“ Tea sah ihn strafend an. „Wieso hast du das nicht am Wochenende gemacht? Wo hast du überhaupt die ganze Zeit gesteckt - ich habe pausenlos versucht dich anzurufen.“
Verlegen fuhr Wheeler sich mit einer Hand über den Hinterkopf. Seine Haare dankten es ihm, indem sie nachher um wenigstens 40% Prozent chaotischer aussahen, als vorher. „Ich musste doch das ganze Wochenende arbeiten. Ich hatte echt für gar nichts Zeit. Ich bin sogar nachts mit Seto Gassi gegangen …“
Mit Seto … Gassi gegangen …
Das war einer dieser Sätze, bei denen ich unwillkürlich zusammenzuckte und sich mir sämtliche Nackenhaare aufstellten. Das war einfach so durch und durch falsch!
ER war hier der Hund, nicht ich! Ein Hund, der einen anderen Hund Gassi führt. Wie ungemein passend. Langsam fragte ich mich, ob diesem Spatzenhirn überhaupt diese Art von heimtückischen, perfiden Plan zuzutrauen war, die ich ihm grade unterstellte. Auch wenn einiges dafür sprach …
Die Fakten?
Erstens: Joey (im folgenden ‚das Subjekt‘) hatte mir letzte Woche an meinem Spind aufgelauert. Bedenklich war neben der Tatsache, dass das Subjekt überhaupt wusste, wo mein Spind sich befand, viel eher, dass die letzte Stunde dieses Versagers meinen Informationen entsprechend ausgefallen war.
Das Subjekt hatte also eine geschlagene Stunde länger in der Schule zugebracht als notwendig, nur um auf mich zu warten. Dieses Verhalten fiel nicht einmal mehr unter ‚ungewöhnlich’ – das fiel unter ‚äußerst suspekt’!
Zweitens: Das Subjekt hatte offensichtlich einen hinterhältigen Plan, welcher beinhaltete, dass ich mich im Park aufhielt. Anders war es nicht zu erklären, dass der Idiot sich ständig diese Mühe machte mich dorthin zu bekommen.
Drittens: Das Subjekt hatte in letzter Zeit verstärkt versucht verbalen Kontakt zu mir aufzunehmen, und auch wenn seine Kommunikationsfähigkeit sich hauptsächlich auf Knurren und Jaulen beschränkte, wurde er langsam so aufdringlich, dass es beinah unmöglich war ihn zu ignorieren.
Vierter und wichtigster Fakt: Das Subjekt besaß einen Hund, der auf meinen Namen hörte!
(Okay, ob das Vieh auf irgendwas hörte, war mir nicht bekannt. Aber Whee- das Subjekt nannte ihn ‚Seto‘. In der Öffentlichkeit.)
Mir war klar, dass mir das alles zusammengenommen irgendetwas sagen sollte … ich wusste nur nicht was. Es war wie eine mathematische Gleichung, zu deren Lösung mir nur noch eine einzige Zahl fehlte. Und ich hasste unaufgelöste Gleichungen.
„Wir sehen uns heute Abend, Leute!“ Joey hatte eine Hand in die Hosentasche geschoben, seinen Rucksack hing lässig über einer Schulter und winkte dem Kindergartenverein mit einigem Bedauern hinterher. Dann drehte er sich um.
Abwartend betrachtete ich ihn. Wheeler – mein neustes Forschungsprojekt. Die Gleichung, die keinen Sinn ergab. Das eine Teilchen, das die gesamte Bewegung durcheinander brachte.
Zu meiner Überraschung hob er den Kopf, blickte genau in meine Richtung und setzte sich in Bewegung. Das Teilchen diffundierte weg von seiner Gruppe, dachte ich spöttisch.
Direkt darauf zuckte ich überrascht zurück. Joey lief so zielsicher auf mich zu, als hätte er die ganze Zeit gewusst, dass ich da war und mich über ihn ärgerte.
„Hey Kaiba!“ Er blieb direkt vor mir stehen.
Ich hob verärgert eine Augenbraue. Wie konnte er eigentlich wagen so vertraulich mit mir zu reden, als seien wir Freunde, oder etwas ähnlich Lächerliches. Knie nieder, du Wicht!
„Wartest du auch auf jemanden?“ fragte er gut gelaunt.
„Sieht so aus.“ Misstrauisch sah ich ihn an. Mich konnte er mit diesem billigen Smalltalk nicht hinters Licht führen. Das war alles Teil seines hinterhältigen Plans, um … um … keine Ahnung wozu, aber es war definitiv irgendein perfider, heimtückischer Plan, um mich fertig zu machen und aus dem Konzept zu bringen.
Das kannst du vergessen, Joey!
„Auf deine Limousine?“
„Was geht es dich an?“
„Hm - Interesse am Leben meiner Mitmenschen?“ Er legte den Kopf schief.
Ich schnaubte. „Wheeler - bezeichne uns nicht als Mitmenschen. Das könnte die Illusion aufkommen lassen, wir befänden uns auf derselben Entwicklungsstufe oder hätten sonst irgendetwas gemeinsam.“
Aus unerfindlichen Gründen, fühlte ich mich ertappt.
Interesse am Leben meiner Mitmenschen – hah!
Dabei war es ja nicht, als ob ich mit einem Fernglas hinter der nächsten Ecke auf ihn gelauert hätte. Was wusste Joey schon von wissenschaftlicher Forschung? Genauso viel wie eine Zelle unter dem Mikroskop. Nämlich nichts.
Ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass ich offensichtlich nicht bereit war mit ihm zu sprechen, pustete er eine Wolke blonder Haare aus dem Gesicht und blickte mich interessiert an.
„Willst du gar nicht wissen, auf wen ich warte?“ fragte er schließlich.
„Lass mich nachdenken – nein?“
„Aber ich könnte ein Date mir einer superscharfen Braut haben“, gab er zu bedenken.
Unwillkürlich schossen meine Augenbrauen nach oben und ich ließ einen langen, spöttischen Blick an ihm hinab wandern. Das war ja nun wirklich höchst unwahrscheinlich. „Du klingst erstaunlicherweise so, als müsste mich das interessieren, Wheeler.“
„Na ja, ich habe ja keins. Natürlich könnte ich eins haben!“
„Ja sicher.“
„Ich warte auf meine Schwester. Und auf Seto“, erklärte er ungefragt.
Ich zuckte zusammen und spürte wie sich meine Nackenhaare aufrichteten. Meine Zähne knirschten unerfreut übereinander.
Dieser Name. Ich würde mich nie daran gewöhnen, dass ausgerechnet Joey Wheeler meinen Namen dermaßen leichtfertig und persönlich in den Mund nahm. Grrr.
Und dann dieser verdammte Köter.
Ungeduldig blickte ich auf meine Uhr. Wo zum Teufel blieb Roland? Ich musste hier weg, bevor dieses sabbernde, tollpatschige Fellknäuel hier auftauchte, das meinen Namen trug. Damit ich nicht noch einmal eins dieser Übelkeit induzierenden Wiedersehen miterleben musste, in denen Joey das dumme Vieh knuddelte und wuddelte, an seine Brust drückte und inflationär mit lächerlichen, infantilen Kosenamen überschüttete.
Allein der Gedanke ließ mich schaudern.
„Serenity hat auf ihn aufgepasst“, fuhr Joey fort, als ob mich das interessieren würde. „Und er auf sie. Ich versuche ihn nämlich zu einem Wachhund zu erziehen, wie ein Ninjahund. Das wäre so cool! Dann kann er auf sie aufpassen, wenn sie allein durch die Stadt läuft. Da sind so viele miese Ecken und ich …“
„Danke für die überflüssige Information“, unterbrach ich ihn. Hrgh. Wer auch immer Wheeler beigebracht hatte Buchstaben aneinanderreihen und so viele unwichtige Wörter in einer Reihe zu produzieren, hatte der Welt keinen Dienst erwiesen.
Natürlich ignorierte Joey weiterhin eiskalt, dass ich nicht mit ihm reden wollte, während er auf penetrante, unerfreuliche heitere Art und Weise auf den Fußballen auf und ab wippte. „Hey, die anderen und ich gehen heute Abend in den Park! Hast du nicht auch Lust?“
Da! Punkt zwei!
Das Subjekt verfolgte offensichtlich das Ziel, dass ich mich im Park aufhielt.
Finster starrte ich ihn an.
Was hatte Wheeler vor? Was war sein perfider Plan? Dachte er, ich durchschaue ihn nicht?
Pah.
„Vergiss es“, erwiderte ich kühl und wandte mich ab. Wo war Roland? Wo war meine Limousine? Was war das für ein Service? Wozu bezahlte ich eigentlich meine horrenden Gehälter?
„Aber Sonne würde dir gut tun! Das würde deine miese Laune erheblich verbessern.“
„Wenn du aufhören würdest, mich zu verfolgen, würde das meine Laune auch erheblich verbessern“, zischte ich. „Lauf mir nicht nach.“
„Ich lauf dir nicht nach“, flötete er. „Wir haben nur zufällig dieselbe Richtung.“
Ruckartig blieb ich stehen und fuhr zu ihm herum. Unwirsch packte ich am Kragen seiner Jacke, zerrte ihn zu mir und blickte bedrohlich auf ihn hinab. „Dann geh in eine andere Richtung!“
Unbeeindruckt blinzelte er zu mir hoch. Irgendwie hatte ich das dumpfe Gefühl, dass er mich nicht mehr so einschüchternd fand wie früher. Ich hatte nur leider keine Ahnung wie und wann das passiert war. Vielleicht hatte es etwas mit diesem räudigen Köter zu tun.
„Aber … du wartest. Ich warte. Wir können doch zusammen warten!“, sprudelte er hervor.
„Ich würde nicht mal mit dir zusammen …“ Mir fiel überhaupt nichts ein, was stark genug war, um meine Ablehnung auszudrücken. „Wieso?“ fauchte ich schließlich und schüttelte ihn.
„Wieso was?“
Wieso bist du so penetrant und schrecklich?
Wieso liegt dir was daran, dass ich sinnlos im Park herumsitze, wenn ich so viel zu tun habe?
Wieso hast du so viele Haare und wieso schaffst du es nie, sie ordentlich zu kämmen?
Wieso nennst du deine schreckliche, sabbernde Töle nach mir?
Wieso …
„Wieso bist du noch aufdringlicher und nerviger als sonst, wenn es warm ist?“ fauchte ich schließlich. „Liegt es an der Sonne? Schadet die Hitze deinen wenigen Gehirnzellen?“
„Huh?“ Sekundenlang sah er überrascht aus. Dann schien er ernsthaft nachzudenken.
„Keine Ahnung“, erwiderte er schließlich ehrlich. „Vielleicht ist es so wie wir in Chemie gelernt haben?“
Unwillig ließ ich ihn los und starrte ihn an. „Wovon zum Teufel redest du?“
Joey zuckte mit den Schultern und schulterte erneut seinen Schulrucksack, der während unserer Konfrontation nach unten gerutscht war. „Sorry, ich muss weg“, stellte er fest und drehte sich um. Er klang beinah entschuldigend. „Da hinten ist Serenity.“ Er winkte heftig. „Und Seto!“
Von irgendwo wurde gebellt.
Oh Gott. Ich stöhnte innerlich.
Der Köter. Das Hundebaby. Die räudige Ansammlung aus Pfoten, Sabber und Knopfaugen.
Ich konnte gar nicht hinsehen. Alles nur das nicht.
Das Vieh machte mich fertig.
„Chemie?“ rief ich ihm mit zusammengebissenen Zähnen nach, obwohl ich es gar nicht wirklich wissen wollte.
„Sehen wir uns nachher im Park?“ fragte er ohne sich umzudrehen.
„Nie im Leben!“, fauchte ich. „Was ist mit Chemie?“
Joey blieb noch einmal stehen und drehte sich zu mir um. „Also, ich hab das nicht so kapiert“, gab er zu und kratzte sich verplant am Hinterkopf. „Aber die Teilchen bewegen sich doch auch immer mehr, je wärmer es ist, oder?“
Er grinste breit, bevor er winkte und mich stehen ließ.
Ich starrte ihm ungläubig nach.
Teil II folgt ... morgen oder so
no subject
Date: 2010-06-12 08:36 am (UTC)Das war eigentlich auch nur als ein Teil geplant gewesen, aber wie immer wurde ich einfach zu weitschweifig und musste es halbieren. *g*