[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sartre
Autor: Jenchan
Challenge: Hunde, die bellen, beißen nicht
Word count: 1132
Fandom: Original
Titel:  Unbetitelt -  (ich will es nicht "der Nachbar" nennen >.<)
Warnungen:  Klischee F 495 aka "Hassliebe"  (+ die obligatorische Fehleranzahlmeldung - ich habs nicht nochmal durchgelesen)

Kommentar: Yay! Mein erstes Päckchen und ich habe wirklich lange am Plot überlegt >.< schrecklich, dass  es nur für sowas gereicht hat, aber  für mich war das irgendwie der schwierigste Begriff @.@
Wie dem auch sei...jetzt muss ich mir überlegen, wie ich die Woche bis zum nächsten Päckchen überbrücke.
(Ein Hoch auf Team Sartre! Wir führen - weiter so Mädels (und jungs?) ^^****)

Hunde, die bellen, beißen nicht

Sie hasst ihn, sie kann ihn auf den Tod nicht ausstehen. Immer hat er irgendetwas auszusetzen. Immer beginnt er Streit und provoziert sie. Als hätte sie nicht schon genug zu tun, nachdem ihr Freund sie geschwängert und dann zurückgelassen hatte. Und dann kam nicht nur ein Kind, sondern gleich zwei heraus. Jeden Tag bemühte sie sich nach Kräften, dass genügend Geld ins Haus kam - jetzt wo die Kinder endlich in die Schule kamen, waren auch ihre Kosten explodiert.
Da konnte sie sich nicht auch noch um ihren bescheuerten Nachbarn kümmern. Warum musste ausgerechnet so jemand in das Haus neben ihr ziehen, das so lange leergestanden hatte. Insgeheim war es ja ihr Traumhaus und sie hätte es so gerne gehabt. Aber als alleinerziehende Mutter zweier Kinder mit einem mittelmäßigen Job war das wirklich nur pure Träumerei.
Das Haus war weiß vertäfelt und hatte einen Dachgibel mit diesen schnuckelig kleinen Fensterausbuchtungen. Nicht solche ekelhaften Dachschrägenfenster, bei denen man sich immer herumärgern musste, bis sie geschlossen waren. Offen waren sie ja schnell, aber für so kleine Menschen wie sie es war, war das Schließen einfach unglaublich anstrengend. Und putzen ließen die Dinger sich ja auch nicht.
Sie war zwar wirklich froh, dieses kleine Häuschen zu besitzen, aber es instandzuhalten fraß beinahe genauso viel Ressourcen, wie die Kinder es taten. Die waren ständig hungrig - fraßen ihr quasi die Haare vom Kopf - und brauchten immer Geld. Ständig ging es 'Mama ich brauch das morgen für die Schule', ' Mama, wann kriegen wir wieder Taschengeld?' und 'Mama ich habe diesen urtollen Schulrucksack gesehen, jeder hat heutzutage so etwas, bitte bitte - ich wünsch mir den so sehr'.
Natürlich galt auch, was der eine bekam, kriegte auch der andere. Es kam gar nicht in Frage, dass sie begann ihre Zwillinge ungerecht zu behandeln, aber das legte sich schwer auf ihre Bilanz. Sehr schwer - so schwer, dass ihr Bankkonto mittlerweile fast ständig rot anläuft, weil es sich so anstrengt.
Sie hatte also wirklich genug Probleme. Und da kam dann dieser bescheuerte Nachbar, der ihr Traumhaus einfach so okkupierte und nörgelte nur herum. Wenn sie dann einmal schlagfertig war, sagte er irgendetwas Gemeines, etwas vollkommen unlogisches und am Liebsten würde sie dann in die Luft gehen.
Und dann diese ständigen Drohungen. Immer will er sie verklagen, als ob sie Geld dafür hätte. Das war wirklich schrecklich und ärgerlich und überhaupt! Was bildete dieser Mensch sich überhaupt ein. Sie war schon viel länger hier. Sie hatte hier das Vorrecht und der hatte überhaupt nichts zu melden!
Mittlerweile war sie ja schon so weit, dass sie sich ärgerte, wenn sie bloß das Haus sah, weil sie genau wusste, dass er hinter den Mauern lauerte und sich schon die nächste Fiesigkeit ausdachte. Dabei hatte sie für solche Spinnereien nun wirklich keine Zeit. Sie musste sehen, dass ihr Konto wieder ordentlich ausgeglichen ist und ihren Kindern beibringen, wie man spart. Die Zeiten wurden nicht besser und sie würden in Zukunft zurückstecken müssen.
Das wurde besonders klar, als sie an einem Morgen aus dem Haus trat, um schnell die Kinder zur Schule zu bringen und in die Arbeit zu fahren. Aber ihr alte Rostlaube suchte sich natürlich just den stressigsten Tag aus, um den Geist vollends aufzugeben. Das war wirklich zum Heulen, aber vor den Kindern durfte sie nicht verzweifeln.
Angesprungen war das Auto ja und sie hatte auch rückwärts aus ihrer Einfahrt schieben können, aber als sie den Gang wechselte machte diese Karre nur noch ein paar Sprünge vorwärts und zeigte ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Zunge.
Mit einem tiefen Seufzen ließ sie die Stirn gegen das Lenkrad sinken und ausnahmsweise waren auch ihre Kinder einmal wirklich still. Offenbar merkten wenigstens die, dass sie besser dran waren, sie jetzt nicht anzusprechen. Es gab nur einen Menschen, der diese Anzeichen nicht erkannte und der riss sie mit einem lauten Klopfen gegen ihre Seitenscheibe aus den Gedanken. Ohnehin schon gereizt kurbelte sie ihr Fenster hinunter und funkelte ihn mit einem bissigen „Was!?“ finster an.
Er starrte auf selbe Weise zurück und begann schon wieder zu zetern. Als wäre er ein altes Waschweib lud er einen mit Gemeinheiten durchsetzen Redeschwall auf sie ab. Sie blockiere die Einfahrt und ihr Auto wäre ja sowieso ein Schandfleck für die ganze Nachbarschaft. Eine Shiatsu-Behandlung war da sicher ein Klacks dagegen, so wie diese Worte in ihrer Brust stachen und zwickten. Ohnehin hatte dieser Typ ein Talent dafür, immer genau die richtigen Worte zu treffen. Immer genau das zu sagen, was sie am meisten verletzte.
Zuerst fiel es ihr nicht auf, aber während des Gezeters fielen auch immer wieder kleinere Befehle, die zu noch mehr Gemeinheiten führten, aber sie machte instinktiv, was er von ihr verlangt. Während sie sich stumm anhören durfte, was für ein mieser Mensch sie doch war und klein und hässlich und ungeschickt, schob dieser Mann ihren Wagen zurück in die Einfahrt und schlimmer noch, fand sie sich schließlich in dessen schicken Wagen wieder.
Sowas wäre natürlich optimal und würde nie auf der Straße einfach so liegen bleiben. Das Auto passte zu ihrem Traumhaus. Zu der Vorstellung, die sie von einem wunderschönen leben hatte.
Als sie abends am Bett lag grübelte sie über den seltsamen Tag nach. Sie hatte nicht einmal Danke sagen können, so runter war sie am Ende. Aber was sie noch mehr irritierte, war die Tatsache, dass sie sich tatsächlich auf einen Kaffee hatte einladen lassen. Eigentlich, so stellte sie gerade fest, war der Typ vielleicht doch nicht so schrecklich. Für solche Menschen gab es doch ein Sprichwort - irgendetwas mit Hunden, aber ihr wollte das einfach nicht einfallen. Jedenfalls nahm sie sich vor, morgen als erstes bei ihrem Nachbarn zu klingeln und sich bei ihm zu bedanken. Es war Sonntag und vielleicht konnte er sich dazu überreden lassen, mit ihrer Familie zu frühstücken. Sie hatte zwar nichts besonderes zu Hause, aber wer wusste das schon.
Am nächsten Morgen tat sie genau das und die Türe wurde ihr von einem verschlafenen Nachbarn geöffnet, der sie finster ansah und ihr ins Gesicht bellte, was ihr doch einfiele ihn Sonntag morgens so früh zu wecken. Da fiel ihr das Sprichwort wieder ein: Bellende Hunde, beißen nicht.
Mit einem sonnigen Lächeln begrüßte sie ihn, bedankte sich für die gute Tat und lud ihn zum Frühstück ein. Jetzt, wo sie wusste, dass er eigentlich eine liebe Seite hatte, konnte sie sich vielleicht ein wenig arrangieren. Und es war die Tatsache, dass sie kurz darauf in seiner Küche Tee braute, die ihr sagte, dass sie jetzt wohl die richtige Art gefunden hatte, mit diesem Nachbarn umzugehen. Gemein war er immer noch und seine Worte zwickten und stachen weiterhin in ihrem Brustkorb. Aber das war vielleicht einfach nur seine Art, ihr zu sagen, dass er sie sehr mochte. Der Gedanke half, es erträglicher zu machen.

So... *lernen geh* 

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