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Titel: Rache ist süß
Autor: Nachanca/Servena XD
Fandom: Elfquest
Challenge: Frühjahrsmüdigkeit
Team: Van Gogh
Kommentar: Für diejenigen, die das Fandom nicht kennen (also fast alle...?): Es geht um Elfen, das meiste erklärt sich von selbst, und die Anspielungen auf Fandom-Wissen kann man getrost überlesen. Skot, Krim und Werfer bilden eines der seltenen Trios der Geschichte, sie sind also so etwas wie ein Pärchen - nur zu dritt. Ach ja, und Traumbeeren haben auf Elfen eine ähnliche Wirkung wie Alkohol auf Menschen. ;)
Warnung: Seltsame Formulierungen.



„Für Friedenszeiten sind wir einfach nicht gemacht“, stellte Skot fest und rückte ein wenig auf dem breiten Ast des Baumes zur Seite, so dass sich Krim neben ihn setzen konnte. 

„Da hast du wohl recht“, seufzte diese.

Und es war allzu friedlich im Lager der Wolfsreiter. Seitdem sie den Palast von den Trollen zurückerobert hatten und sich die Schneeelfen Krim und Skot den Wolfsreitern angeschlossen hatten, hatte es keine großartigen Schwierigkeiten gegeben – Beute gab es in dem Wald, der ihr neues Zuhause geworden war, genug, und bis jetzt hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes noch keine Menschenseele blicken lassen.

Fünkchen, die Tochter ihres Anführers, war mit einigen anderen hinunter zum Fluss gegangen, um zu schwimmen. Der Rest des Rudels vertrieb sich mit einfachen Tätigkeiten die Zeit oder lag einfach irgendwo herum und genoss die Wärme des Sommers. Reinwasser und Mondschatten saßen im Schatten des großen Baumes und nähten neue Kleidung, während Langbogen neue Pfeile fertigte. Rotspeer war eingeschlafen, und seine Gefährtin Abendrot hatte sich mit Leetah auf die Suche nach Früchten und Wurzeln gemacht.

Die Wölfe hatten sich in den Schatten verzogen und dösten.

Es war viel zu still für den Geschmack der Schneeelfen.

„He, Werfer!“ Skot beugte sich vor und warf dem rothaarigen Elfen, der gerade zwischen den Bäumen hervortrat, einen Tannenzapfen an den Kopf. „Hast du nicht eine Geschichte für uns?“

Dieser wandte sich um und rieb sich den Kopf. „Gibt es irgendeine Geschichte, die ihr noch nicht gehört habt?“, gab er zurück.

„Aber es ist langweilig“, murrte Krim. Und als Werfer näher getreten war, fügte sie leise hinzu: „Es wird mal wieder Zeit für einen Streich, findet ihr nicht?“

„Hast du noch nicht genug?“, fragte Skot amüsiert. „Das nächste Mal wirft Abendrot uns den Wölfen zum Fraß vor.“

Die Schneeelfe tat, als hätte sie nicht gehört. „Ich dachte an Langbogen.“

„Bist du lebensmüde?“, fragte Werfer ungläubig. „Der frisst uns selbst, wenn wir irgendetwas wagen.“ Der schweigsame Bogenschütze war nicht gerade dafür bekannt, Spaß zu verstehen.

„Aber ich sterbe vor Langeweile“, protestierte Krim.

„Ich habe gehört, der Busch auf der großen Lichtung trägt wieder Traumbeeren“, warf Reinwasser ein, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.

„Tatsächlich?“ Sofort begannen Werfers Augen zu leuchten.

Die Elfe mit den langen silberfarbenen Augen lächelte leicht. „Abendrot hat mir davon erzählt. Sie ist gestern bei der Jagd darauf gestoßen.“

„Klingt doch gut“, sagte Skot, und sprang von dem Ast. Krim folgte ihm. „Worauf warten wir?“

Werfer sah sich um, doch sein Wolfsfreund hob nur träge den Kopf und machte keine Anstalten aufzustehen. „Wenn selbst Hitzkopf döst, ist es Zeit, sich Sorgen zu machen“, meinte die Schneeelfe.

„Was soll’s, Traumbeeren, Leute!“, rief Werfer aus und rannte los. Die beiden anderen folgten ihm mit einem Jauchzen.

Baumstumpf warf Reinwasser über seine Axt hinweg einen Blick zu. „Du machst mir Angst, Reinwasser. Ich hätte nicht gedacht, dass du so überzeugend sein kannst.“

Die weise Elfe behielt ihr Lächeln bei und erwiderte: „Bei der Aussicht auf Traumbeeren braucht es nicht viel Überzeugungskraft.“

 

„Wie kann man nur so langweilig sein?“ Krim schüttelte den Kopf. „Vielleicht kommt mir das nur so vor, aber in den Eisigen Bergen ist irgendwie mehr los.“

„Natürlich, denn sobald man den Kopf aus eurem Zuhause steckt, muss man damit rechnen, von einem Troll erschlagen zu werden“, gab Werfer zurück und lachte, verstummte dann aber schlagartig. Der Gedanke an Einauge, der bei der Schlacht in den Eisigen Bergen von einem Troll getötet worden war, war trotz all der vergangenen Zeit immer noch schmerzhaft.

Skot überging die prekäre Situation. „Vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass die Wolfsreiter in Wirklichkeit Feiglinge sind“, sagte er provozierend.

„Wenn nennst du hier einen Feigling?!“ Werfer stemmte die Hände in die Hüften.

„Jaja, sobald es friedlich wird, werden sie dick und faul wie ihre Wölfe“, stimmte Krim zu.

„Dir will ich zeigen, wer hier ein Feigling ist!“ Und schon waren sie wieder in eine ihrer allzu häufigen Rangeleien verstrickt. Schnitter hatte letztens erst gespottet, es könnte unmöglich sein, dass Werfer älter wäre als er selbst, schließlich würden sie sich alle drei benehmen wie die Kinder.

Skot fand, dass da nichts gegen einzuwenden wäre.

Werfer war gerade dabei, Skot in den Schwitzkasten zu nehmen, als Krim sagte: „Jungs, hört auf mit dem Quatsch und schaut euch das an.“ Etwas in ihrer Stimme bewog die beiden dazu, innezuhalten.

„Was?“, fragte Werfer.

„Wildschweine, da vorne.“ Sie deutete in das schattige Unterholz und jetzt konnten auch sie die Tiere erkennen.  „Was meint ihr, bringen wir frisches Fleisch mit heim?“

Sie schlichen sich gegen den Wind an, so leise, wie nur Elfen es vermochten. Kein Zweig durfte unter ihren Füßen knacken. Sie duckten sich hinter ein Gebüsch, nur wenige Meter von ihrer Beute entfernt. Die Wildschweine hatten mit ihren Nasen und Hufen den Boden aufgewühlt und waren auf der Suche nach Wurzeln und Würmern.

‚Ich kümmere mich um den da’, sandte Werfer ihnen kraft seiner Gedanken zu und deutete auf einen großen Keiler mit kräftigen Hauern.

‚Bist du verrückt geworden?!’, gab Krim zurück und schüttelte den Kopf.

‚Wer ist jetzt der Feigling?’ Er sah sie bedeutungsvoll an und schlich dann weiter. Skot zuckte die Schultern und folgte ihm.

Krim verdrehte die Augen. Jungs!

Werfer packte den Speer in seinen Händen fester. Er nahm ihn überall mithin, selbst zum Traumbeerensammeln, und das war jetzt sein Glück. Lautlos richtete er sich auf, sammelte die Kraft in seinem rechten Arm und warf.

In dem Moment drehte der Keiler sich um und starrte ihn aus kleinen dunklen Augen an. Der Speer, der eigentlich in seine Nacken hätte dringen sollen, streifte das große Tier nur.

„Verdammt!“, fluchte Werfer. Er verfehlte nur selten sein Ziel.

„Ich glaube, du hast ihn wütend gemacht“, sagte Skot beunruhigt.

Während der Rest der Wildschweine durch den Angriff aufgeschreckt worden war und jetzt flüchtete, schnaubte der Keiler und ging zum Angriff über.

„Vorsicht!“ Sie sprangen zur Seite, Werfer lief los um seinen Speer wiederzuholen, musste jedoch erneut in Deckung gehen. Skot und Krim zückten ihre Dolche. „Passt bloß auf, der ist – FLINK!“, stieß Skot aus, sprang hoch und zog sich an einem Ast hinauf, um den spitzen Hauern des Keilers auszuweichen.

Auch Werfer und Krim hielten es für ratsamer, sich auf die Bäume zurückzuziehen.

„Vielleicht sollten wir einfach gehen, der ist eine Nummer zu groß für uns“, gab sie zu bedenken. „Whoa!“ Sie hielt sich am Stamm fest, als der Keiler in seiner Wut den Baum rammte.

„Willst du wirklich aufgeben?!“, fragte Werfer ungläubig.

Erneut erbebte der Baum und Krim verstärkte ihren Griff. „Eigentlich nicht!“, gab sie zu. War das nicht das, worauf sie die ganze Zeit gewartet hatte – ein wenig Abwechslung und Spannung?

„Na also! Wenn ihr ihn ablenkt, kann ich meinen Speer wiederholen.“ Werfers Augen leuchteten, eine schwierige Jagd konnte ihn beinahe ebenso begeistern wie Traumbeeren.

„Wenn’s weiter nichts ist!“ Als der Keiler unter ihnen einmal innehielt, um Atem zu schöpfen, richtete sie sich auf und setzte mit einem Sprung über zum nächsten Baum. „He, was ist, bist du schon erschöpft?“, rief sie, und warf kleine Äste und Eicheln nach dem Tier. Dieses drehte sich ihr wutschnaubend zu, doch als es die Eiche mit seinem Gewicht zum wanken brachte, war die Elfe schon auf den nächsten Baum übergewechselt. „Du musst schneller sein!“ Eine Eichel traf das Wildschwein am Kopf und es schnaufte wutentbrannt.

Während dessen war Werfer leise den Baum hinuntergeklettert und schlich sich auf leisen Sohlen auf den Speer zu, der im Gras lag. Der Keiler wandte ihm den Rücken zu und schien unentschlossen.

„Na komm schon, hol mich!“ Erneut warf sie etwas nach ihm, um ihn zu provozieren, und setzte dabei einen Fuß auf einen anderen Ast. Hätte sie hingesehen, hätte sie bemerkt, dass dieser morsch und tot war, doch so gab es nur ein bedrohliches Knacken, bevor sie stürzte.

Mit einem dumpfen Geräusch kam sie auf dem weichen Waldboden auf. Hastig rappelte sie sich auf, nur um zu sehen, wie der Keiler auf sie zugestürzt kam.

„Krim!“ Skot ließ sich selbst keine Zeit zum Nachdenken, er sprang. Er landete auf dem Rücken des Keilers und hieb ihm den Dolch in die Seite, doch das massige Tier schüttelte ihn ab wie ein lästiges Insekt. Er prallte mit dem Rücken gegen einen Baum, der Keiler setzte zum Angriff an, doch dann gab er ein furchtbares Kreischen von sich und brach zusammen.

Werfers Pfeil steckte in seinem Rücken.

„Krim, Skot! Ist euch was passiert?“ Der Wolfsreiter eilte herbei, einer Panik nahe.

Skot rappelte sich auf. „Guter Wurf“, brachte er hervor.

„Bei Timmorns Blut, ich hätte mir nie verziehen…“ Er fiel nacheinander Krim und Skot um den Hals. „Ich hatte eigentlich nicht vor, meine neue Familie gleich wieder zu verlieren.“

„So schnell wirst du uns auch nicht wieder los.“ Skot fuhr ihm durch die wuscheligen roten Haare.

„Versprich uns nur eins“, sagte Krim und verschränkt die Arme.

„Alles“, japste Werfer.

„Nächstes Mal jagen wir ein Reh.“

 

Kurze Zeit später erreichten sie die große Lichtung. Strahlendes Sonnenlicht tauchte den Ort in gelben schein und zwischen dem hohen Gras wuchsen alle Arten von Wiesenblumen. Es war wahrhaftig ein wunderschöner Ort.

Dafür hatte Werfer jedoch im Moment keinen Blick. „Traumbeeren!“, rief er aus und lief quer über die Lichtung auf einen Busch zu, der am Waldesrand wuchs. An seinen Zweigen trug er dicke blaue Beeren. Die beiden Schneeelfen folgten ihrem Freund auf dem Fuße.

 Plötzlich hörte man ein schnappendes Geräusch und sie verloren den Boden unter den Füßen. „Bei den Hohen, was…?!“, rief Werfer aus. Sie baumelten in einem Netz, das wohl verborgen im Gras gelegen hatte und dessen Seil jemand um einen kräftigen Ast geschlungen hatte.

Ein Rascheln ertönte, und dann trat eine Elfe mit langen roten Haaren zwischen den Bäumen hervor.

„Abendrot“, sagte Werfer unsicher, „ähm, wärst du vielleicht so freundlich…?“

Die Elfe grinste. „Rache ist süß“, sagte sie schlicht.

Das Trio beschloss hinterher einhellig, die nächsten Tage lieber friedlich zu verbringen.



Date: 2010-06-08 07:30 pm (UTC)
der_jemand: (rogue)
From: [personal profile] der_jemand
Ist es schlimm, wenn ich einfach nur hier sitze und mich darüber freue, dass es offenbar "Trios" gibt? *hust*

Nein, es ist süß.^^ Also, in Gänze, Krims Absturz und die Rettung sind schön dramatisch (und kurz, atemlos, wie auch immer, mir hat's gefallen). - Aber davon abgesehen... mich fasziniert das. Canon-Dreier? Familie? ...Ich will mehr über dieses Fandom wissen. ;)

Date: 2010-06-09 09:32 am (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Die Geschichte ist süß ^^
Ich hab zwar keine Ahnung von dem Fandom und eigentlich bin ich auch nicht so der Fantasy-Typ, aber du hast eine sehr schöne Art, Geschehnisse zu beschreiben.

Auch wenn mich die vielen seltsamen Namen etwas verwirren, aber alles in allem ist es wirklich ausgesprochen schön beschrieben.
Und so verfehlt ist es gar nicht ^.~ Immerhin kommt eine sehr ruhige und träge Stimmung rüber, die ja bei der Frühjahrsmüdigkeit das Hauptsymptom ist.

Date: 2010-06-09 10:40 am (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Gut so XD mal sehen, vielleicht schaff ich es bis morgen, das Päkchen abzuschließen oder zumindest ein paar reguläre Challenges in Angriff zu nehmen ^^

Sowas wäre mir echt zu verwirrend, wenn ich mir nen eigenen Stammbaum erstellen müsste, um den Überblick zu behalten ^^***

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