[Sommerpäckchen #1] Schritt halten
Jun. 8th, 2010 10:29 amTeam: Sartre
Autor: Jenchan
Challenge: Schritt halten
Word count: 1634
Fandom: Original
Titel: (Hat es eigentlich keinen...) Generationen des modernen Lebens
Warnungen: Nur massig viele Tipp- und Grammatikfehler - ich bin zu müde, um es nochmal durchzulesen.
Kommentar: Irgendwie--- ist es zwischendurch zu ner Themenverfehlung geworden. Ich hab mich da total verrannt. Aber was solls. Das ist es nun einmal, was mir zu 'Schritt halten' eingefallen ist und ja... ich hoffe, das gibt keinen Punkteabzug XD mein Gehirn denkt nun mal in verqueren Bahnen.
Generationen des modernen Lebens
Eins zwei drei im Sauseschritt, läuft die Zeit wir laufen mit. -Wilhelm Busch in „Julchen“
'Früher war alles anders', denkt die alte Dame, die sich auf einer Parkbank niederlässt, weil ihre müden, gebrechlichen Knochen sie nur noch schwerlich tragen wollten. Früher war so ein Spaziergang kein Problem gewesen. Früher... als sie noch jung und gesund war.
Ihr Blick schweift durch den Park. Ein paar Vögel zwitschern, aber sie kann ihnen nicht lauschen, da sich ein etwas beleibterer junger Mann sich einfach ungefragt neben sie hinsetz. Aus seinen Ohren baumelten Kabel heraus und ein leises 'TuschTuschTusch' machte dem Vogelgezwitscher Platz. Der kahlrasierte Kopf wippte dabei leicht im Takt mit, während er auf seinem Schoß eine große Tüte von McDonalds öffnete.
'Du solltest etwas gesünderes Essen und mehr Bewegung machen', denkt sich die alte Dame und hatte das Gefühl, dass es auf der kleinen Parkbank plötzlich unglaublich eng geworden war. Sie konnte es nicht gut erkennen, aber ein Blick zur Seite verriet ihr, dass die Sitzgelegenheit ein paar Meter weiter noch frei gewesen wäre. Warum also musste sich ausgerechnet dieser freche junge Mann hierhersetzen. Von dem Geruch des Fastfoods wurde ihr beinahe übel.
Früher hatte es das nicht gegeben. Früher... als sie noch jung und gesund war.
Während sie darauf wartete, dass der beleibte Mann neben ihr aufstand oder wahlweise ihre Beine sagten, dass sie weitergehen konnte, ließ sie ihren Blick noch einmal schweifen. Der Park, so stellte sie fest, war in den letzten Jahren richtig laut geworden. Nicht, dass ihre fast tauben Ohren davon etwas mitbekamen, aber es war ja auch nicht nur der Park, in dem sie das mitbekam. Sie hatte auch so schon festgestellt, dass sich die Welt scheinbar immer schneller drehte - oder wurde sie auf ihre alten Tage immer langsamer?
In für sie rasender Geschwindigkeit schmatzte der Mann neben ihr, der etwas nach Schweiß und Zigaretten roch, und leerte seine offenbar bodenlose Papiertüte. Was sie mehr ärgerte, als dass sie sich generell von dessen Dasein belästigt fühlte, war die Tatsache, dass er offenbar keinen Sinn für Umwelt hatte. Nachdem die Tüte leer war und das 'TuschTuschTusch' einem 'Dupadummdupadumm' gewichen war, stand der Beleibte auf und ließ die Tüte und seinen sonstigen Mist einfach auf der Parkbank liegen.
Sie wollte ihn noch nachrufen, aber es wäre sinnlos gewesen. Stattdessen murmelte sie Verärgert vor sich hin: „Früher hätte es ein paar hinter die Ohren gegeben. Die Jugend von heute hat wirklich vor nichts mehr Respekt.“
Nun zwang sie sich doch, sich zu erheben und als sie ächzend wieder stand, nahm sie den Mist von dem jungen 'TuschTusch'-Mann und warf ihn in den Mülleimer, der eine Armlänge von der Bank entfernt stand. Wie konnte die Welt, die ihre Generation nach dem Krieg so mühevoll aufgebaut hatten, nur so verkommen? Die Jungen hatten keinen Respekt mehr vor der Natur und noch schlimmer vor ihren Mitmenschen. Wieso konnten die heutigen Eltern ihre Kinder nicht mehr richtig erziehen?
Müde und grummelig nahm die alte Dame ihren Heimweg wieder auf. Für heute war sie genug an der frischen Luft gewesen. Dabei hatte sie solche Spaziergänge früher gerne gemacht. Früher... als sie noch schnell genug war, solchen frechen Bengeln die Leviten zu lesen.
Irgendwo in der Nähe des Parks, kam der beleibtere junge Mann, der seine Mahlzeit im Park neben der alten Dame zu sich genommen hatte, nach Hause. Ohne Gruß - er hätte eine Antwort sowieso nicht mitbekommen - schlüpfte er aus den Schuhen und schaltete seinen iPod erst aus, als er in seinem Zimmer angekommen und den PC aufgedreht hatte.
Seine Mutter steckte den Kopf in die Zimmertüre und wirkte etwas gehetzt. „Ich habe dir Geld auf den Tisch gelegt. Kauf dir damit bitte Abendessen - heute wird es spät.“ Dann war sie auch schon wieder in der Küche verschwunden und rief noch: „Und vergiss bitte nicht, Milch zu kaufen.“
Der junge Mann - er sah aus wie zwanzig - murmelte nur ein leises Zugeständnis und setzte sich Kopfhörer mit Mikrofon auf. Auf seinen zwei Bildschirmen erschien das Logo von Windows 7 und wenn man sich in dem recht kleinen Raum umsah, blitzte und funkelten unter sonstigem Chaos von schmutziger Wäsche und zerwühlten Bettlaken eine ganze Menge elektronischer Geräte, die der Bewohner des Zimmers nicht zu beachten schien.
Stattdessen war sein Blick starr auf den Computerbildschirm gerichtet, auf dem sich nach und nach Programme aufpoppten. Kurz darauf waren auch schon wieder dumpfe Bassgeräusche aus den Kopfhörern zu vernehmen und ganz plötzlich schien in diese Fülle von Mann Leben zu kommen.
Ganz unvermittelt begann er in das Mikrofon zu sprechen, nachdem er in ein paar Klicks getätigt hatte:
„Hey, Alter... hast du schon gehört? Die bringen jetzt eine neue Version von Counterstrike raus. Angeblich soll es noch authentischer sein, als die jetzige.“ Während er sprach, erschien auf dem Monitor, den er hauptsächlich zu benutzen schien der Ladescreen eines Computerspiels.
„Ich habe gerade im Park einer alten Schachtel Gesellschaft geleistet. Du weißt ja, meine Mutter beschwert sich immer, dass ich keinen Respekt hab und dass ich irgendwann einmal froh sein werde, wenn ich jemanden habe, der sich um mich kümmert. Aber echt mal - die hat so gestunken... das mache ich nicht mehr - da vergeht einem ja der Appetit... Headshot!... pass doch mal auf Alter! Hinter dir steht einer.... treffen wir uns nachher? Meine Mum hat mir wieder Geld dagelassen. Darum geht sich sicher ne Kiste Bier aus...“
Unregistriert, wie es so oft der Fall war, verabschiedete sich die Mutter von ihrem Sohn, der im Zimmer schon wieder Selbstgespräche führte. Natürlich wusste sie, dass er offenbar mit Freunden über das Internet telefonierte, aber so wirklich verstand sie von dem Kram nichts.
Sie hatte auch gar keine Zeit dazu, da sie sehen musste, dass sie genügend Geld verdienten. Sie wäre froh, wenn ihr Sohn sie ein wenig mehr unterstützen würde und wenn er schon zu Hause war, wenigstens eine Kleinigkeit im Haushalt zu helfen. Aber es war anstrengender ihn dazu anzutreiben, als es spät abends einfach selbst zu tun. So viel war es ja nicht.
Eilig lief die schlanke Frau die Treppen hinunter und warf noch einmal einen Blick auf ihre Uhr. Sie war spät dran und sie beeilte sich wirklich, aber der Bus fuhr ihr vor der Nase davon. Leise fluchend und ungeduldig stellte sie sich also zur Haltestelle und wanderte bald wie ein gereizter Tiger auf und ab. Wann kam den der nächste Bus - sie musste zur Arbeit!
Natürlich hätte sie auch laufen können, es waren schließlich nur zwei Stationen und wahrscheinlich wär sie auch schneller gewesen, aber das fiel ihr zu spät ein. Da konnte sie nun warten auch schon und wozu existierten die öffentlichen Verkehrsmittel, wenn man sie nicht benutzte. Es war doch viel bequemer.
Der nächste Bus kam auch sieben Minuten später und war rappelvoll. Nicht einmal ein Fliege hätte sich da noch reinquetschen wollen, aber die junge Frau hatte es eilig. Wenn man nur genug stopfte, passte sie noch rein. Und sie fuhr ja nur zwei Stationen. Fluchen stand bei dieser Buslinie auf der Tagesordnung und sie ignorierte es einfach. Sie musste da mitfahren und wenn sich die Leute etwas zusammenschoben hatten da bestimmt noch mehr Platz. Man musste sich ja nicht so ausbreiten.
Der Bus fuhr ab, blieb stehen. Sie wurde von einigen Menschen fast aus dem Bus gedrängt, die fluchten, dass man die Leute doch aussteigen lassen konnte. Aber bevor sie riskierte, ihren Platz zu verlieren, hielt sie sich lieber fest, um nicht von der Flut an Menschen mitgerissen zu werden. Sowohl mein Aus- als auch Einsteigen. Bei der nächsten Station war sie mit einer der Menschen, die über diejenigen fluchten, die den Ausgang blockierten. Wirklich, man konnte doch die Leute aussteigen lassen.
In der Arbeit angekommen, wurde sie dann auch gleich informiert, dass sie morgen auf eine Weiterbildung musste. Wieder einmal. Offenbar bekamen sie ein neues System und da mussten natürlich alle Mitarbeiter eingeschult werden. Vor drei Monaten war es ein neues Programm und sie kam immer noch mehr schlecht als recht damit zurande. Konnten die Manager sich denn nicht endlich entscheiden und bei einer Sache bleiben? So jung war sie nun auch wiederum nicht.
Aber sie wusste auch, wenn sie sich nicht anstrengte, konnte sie das ihren Arbeitsplatz kosten. Sie musste effektiv bleiben und die Arbeit von fünf alleine machen. Denn natürlich würden sie auch bei der guten Auftragslage, die sie hatten, nicht mehr Personal bekommen. Sie mussten einfach sehen, wie sie das bewältigten.
Und die Überstunden sollte sie auch noch abbauen, aber heute war wieder so ein Tag, wo sie eher aufgebaut wurden, als dass sie sich dezimierten.
Fleißig machte sie sich also an die Arbeit, damit sie nicht zu lange in der Firma bleiben musste. Dennoch war es schon dunkel, als sie endlich mit einem der letzten Busse wieder ihre zwei Stationen zurückfuhr. Als sie zu Hause ankam, merkte sie sofort, dass ihr Sohn nicht da war. Ein Blick in den Kühlschrank verriet ihr, dass er auch die Milch nicht gekauft hatte. Sie würde sich morgen dann ihren Café wohl bei Starbucks holen müssen. In der Mittagspause konnte sie ja selbst einkaufen gehen. Wer wusste schon, wann der Junge wieder zu Hause aufkreuzen würde. Sie hoffte nur, dass er auch wirklich brav zur Schule ging - ewig hatte sie nicht vor, ihn durchzufüttern.
Als sie schließlich im Bett lag und an die Decke starrte, um sie zu entspannen und ein paar Stunden zu schlafen, dachte sie bei sich: 'Wo läuft die Zeit nur hin?'
Wieder war ein Tag rum und wenn sie so darüber nachdachte, konnte sie sich für den Moment nicht einmal daran erinnern, was sie heute alles getan hatte. Als würde sie einen Autopiloten haben, der für sie übernahm, wenn es besonders stressig wurde. Wenn man älter wurde, war es wohl nicht mehr so einfach mit allem Schritt zu halten.
Über diesen Gedanken schlief sie ein - der Morgen kam sicher viel zu früh.
Autor: Jenchan
Challenge: Schritt halten
Word count: 1634
Fandom: Original
Titel: (Hat es eigentlich keinen...) Generationen des modernen Lebens
Warnungen: Nur massig viele Tipp- und Grammatikfehler - ich bin zu müde, um es nochmal durchzulesen.
Kommentar: Irgendwie--- ist es zwischendurch zu ner Themenverfehlung geworden. Ich hab mich da total verrannt. Aber was solls. Das ist es nun einmal, was mir zu 'Schritt halten' eingefallen ist und ja... ich hoffe, das gibt keinen Punkteabzug XD mein Gehirn denkt nun mal in verqueren Bahnen.
Generationen des modernen Lebens
Eins zwei drei im Sauseschritt, läuft die Zeit wir laufen mit. -Wilhelm Busch in „Julchen“
'Früher war alles anders', denkt die alte Dame, die sich auf einer Parkbank niederlässt, weil ihre müden, gebrechlichen Knochen sie nur noch schwerlich tragen wollten. Früher war so ein Spaziergang kein Problem gewesen. Früher... als sie noch jung und gesund war.
Ihr Blick schweift durch den Park. Ein paar Vögel zwitschern, aber sie kann ihnen nicht lauschen, da sich ein etwas beleibterer junger Mann sich einfach ungefragt neben sie hinsetz. Aus seinen Ohren baumelten Kabel heraus und ein leises 'TuschTuschTusch' machte dem Vogelgezwitscher Platz. Der kahlrasierte Kopf wippte dabei leicht im Takt mit, während er auf seinem Schoß eine große Tüte von McDonalds öffnete.
'Du solltest etwas gesünderes Essen und mehr Bewegung machen', denkt sich die alte Dame und hatte das Gefühl, dass es auf der kleinen Parkbank plötzlich unglaublich eng geworden war. Sie konnte es nicht gut erkennen, aber ein Blick zur Seite verriet ihr, dass die Sitzgelegenheit ein paar Meter weiter noch frei gewesen wäre. Warum also musste sich ausgerechnet dieser freche junge Mann hierhersetzen. Von dem Geruch des Fastfoods wurde ihr beinahe übel.
Früher hatte es das nicht gegeben. Früher... als sie noch jung und gesund war.
Während sie darauf wartete, dass der beleibte Mann neben ihr aufstand oder wahlweise ihre Beine sagten, dass sie weitergehen konnte, ließ sie ihren Blick noch einmal schweifen. Der Park, so stellte sie fest, war in den letzten Jahren richtig laut geworden. Nicht, dass ihre fast tauben Ohren davon etwas mitbekamen, aber es war ja auch nicht nur der Park, in dem sie das mitbekam. Sie hatte auch so schon festgestellt, dass sich die Welt scheinbar immer schneller drehte - oder wurde sie auf ihre alten Tage immer langsamer?
In für sie rasender Geschwindigkeit schmatzte der Mann neben ihr, der etwas nach Schweiß und Zigaretten roch, und leerte seine offenbar bodenlose Papiertüte. Was sie mehr ärgerte, als dass sie sich generell von dessen Dasein belästigt fühlte, war die Tatsache, dass er offenbar keinen Sinn für Umwelt hatte. Nachdem die Tüte leer war und das 'TuschTuschTusch' einem 'Dupadummdupadumm' gewichen war, stand der Beleibte auf und ließ die Tüte und seinen sonstigen Mist einfach auf der Parkbank liegen.
Sie wollte ihn noch nachrufen, aber es wäre sinnlos gewesen. Stattdessen murmelte sie Verärgert vor sich hin: „Früher hätte es ein paar hinter die Ohren gegeben. Die Jugend von heute hat wirklich vor nichts mehr Respekt.“
Nun zwang sie sich doch, sich zu erheben und als sie ächzend wieder stand, nahm sie den Mist von dem jungen 'TuschTusch'-Mann und warf ihn in den Mülleimer, der eine Armlänge von der Bank entfernt stand. Wie konnte die Welt, die ihre Generation nach dem Krieg so mühevoll aufgebaut hatten, nur so verkommen? Die Jungen hatten keinen Respekt mehr vor der Natur und noch schlimmer vor ihren Mitmenschen. Wieso konnten die heutigen Eltern ihre Kinder nicht mehr richtig erziehen?
Müde und grummelig nahm die alte Dame ihren Heimweg wieder auf. Für heute war sie genug an der frischen Luft gewesen. Dabei hatte sie solche Spaziergänge früher gerne gemacht. Früher... als sie noch schnell genug war, solchen frechen Bengeln die Leviten zu lesen.
Irgendwo in der Nähe des Parks, kam der beleibtere junge Mann, der seine Mahlzeit im Park neben der alten Dame zu sich genommen hatte, nach Hause. Ohne Gruß - er hätte eine Antwort sowieso nicht mitbekommen - schlüpfte er aus den Schuhen und schaltete seinen iPod erst aus, als er in seinem Zimmer angekommen und den PC aufgedreht hatte.
Seine Mutter steckte den Kopf in die Zimmertüre und wirkte etwas gehetzt. „Ich habe dir Geld auf den Tisch gelegt. Kauf dir damit bitte Abendessen - heute wird es spät.“ Dann war sie auch schon wieder in der Küche verschwunden und rief noch: „Und vergiss bitte nicht, Milch zu kaufen.“
Der junge Mann - er sah aus wie zwanzig - murmelte nur ein leises Zugeständnis und setzte sich Kopfhörer mit Mikrofon auf. Auf seinen zwei Bildschirmen erschien das Logo von Windows 7 und wenn man sich in dem recht kleinen Raum umsah, blitzte und funkelten unter sonstigem Chaos von schmutziger Wäsche und zerwühlten Bettlaken eine ganze Menge elektronischer Geräte, die der Bewohner des Zimmers nicht zu beachten schien.
Stattdessen war sein Blick starr auf den Computerbildschirm gerichtet, auf dem sich nach und nach Programme aufpoppten. Kurz darauf waren auch schon wieder dumpfe Bassgeräusche aus den Kopfhörern zu vernehmen und ganz plötzlich schien in diese Fülle von Mann Leben zu kommen.
Ganz unvermittelt begann er in das Mikrofon zu sprechen, nachdem er in ein paar Klicks getätigt hatte:
„Hey, Alter... hast du schon gehört? Die bringen jetzt eine neue Version von Counterstrike raus. Angeblich soll es noch authentischer sein, als die jetzige.“ Während er sprach, erschien auf dem Monitor, den er hauptsächlich zu benutzen schien der Ladescreen eines Computerspiels.
„Ich habe gerade im Park einer alten Schachtel Gesellschaft geleistet. Du weißt ja, meine Mutter beschwert sich immer, dass ich keinen Respekt hab und dass ich irgendwann einmal froh sein werde, wenn ich jemanden habe, der sich um mich kümmert. Aber echt mal - die hat so gestunken... das mache ich nicht mehr - da vergeht einem ja der Appetit... Headshot!... pass doch mal auf Alter! Hinter dir steht einer.... treffen wir uns nachher? Meine Mum hat mir wieder Geld dagelassen. Darum geht sich sicher ne Kiste Bier aus...“
Unregistriert, wie es so oft der Fall war, verabschiedete sich die Mutter von ihrem Sohn, der im Zimmer schon wieder Selbstgespräche führte. Natürlich wusste sie, dass er offenbar mit Freunden über das Internet telefonierte, aber so wirklich verstand sie von dem Kram nichts.
Sie hatte auch gar keine Zeit dazu, da sie sehen musste, dass sie genügend Geld verdienten. Sie wäre froh, wenn ihr Sohn sie ein wenig mehr unterstützen würde und wenn er schon zu Hause war, wenigstens eine Kleinigkeit im Haushalt zu helfen. Aber es war anstrengender ihn dazu anzutreiben, als es spät abends einfach selbst zu tun. So viel war es ja nicht.
Eilig lief die schlanke Frau die Treppen hinunter und warf noch einmal einen Blick auf ihre Uhr. Sie war spät dran und sie beeilte sich wirklich, aber der Bus fuhr ihr vor der Nase davon. Leise fluchend und ungeduldig stellte sie sich also zur Haltestelle und wanderte bald wie ein gereizter Tiger auf und ab. Wann kam den der nächste Bus - sie musste zur Arbeit!
Natürlich hätte sie auch laufen können, es waren schließlich nur zwei Stationen und wahrscheinlich wär sie auch schneller gewesen, aber das fiel ihr zu spät ein. Da konnte sie nun warten auch schon und wozu existierten die öffentlichen Verkehrsmittel, wenn man sie nicht benutzte. Es war doch viel bequemer.
Der nächste Bus kam auch sieben Minuten später und war rappelvoll. Nicht einmal ein Fliege hätte sich da noch reinquetschen wollen, aber die junge Frau hatte es eilig. Wenn man nur genug stopfte, passte sie noch rein. Und sie fuhr ja nur zwei Stationen. Fluchen stand bei dieser Buslinie auf der Tagesordnung und sie ignorierte es einfach. Sie musste da mitfahren und wenn sich die Leute etwas zusammenschoben hatten da bestimmt noch mehr Platz. Man musste sich ja nicht so ausbreiten.
Der Bus fuhr ab, blieb stehen. Sie wurde von einigen Menschen fast aus dem Bus gedrängt, die fluchten, dass man die Leute doch aussteigen lassen konnte. Aber bevor sie riskierte, ihren Platz zu verlieren, hielt sie sich lieber fest, um nicht von der Flut an Menschen mitgerissen zu werden. Sowohl mein Aus- als auch Einsteigen. Bei der nächsten Station war sie mit einer der Menschen, die über diejenigen fluchten, die den Ausgang blockierten. Wirklich, man konnte doch die Leute aussteigen lassen.
In der Arbeit angekommen, wurde sie dann auch gleich informiert, dass sie morgen auf eine Weiterbildung musste. Wieder einmal. Offenbar bekamen sie ein neues System und da mussten natürlich alle Mitarbeiter eingeschult werden. Vor drei Monaten war es ein neues Programm und sie kam immer noch mehr schlecht als recht damit zurande. Konnten die Manager sich denn nicht endlich entscheiden und bei einer Sache bleiben? So jung war sie nun auch wiederum nicht.
Aber sie wusste auch, wenn sie sich nicht anstrengte, konnte sie das ihren Arbeitsplatz kosten. Sie musste effektiv bleiben und die Arbeit von fünf alleine machen. Denn natürlich würden sie auch bei der guten Auftragslage, die sie hatten, nicht mehr Personal bekommen. Sie mussten einfach sehen, wie sie das bewältigten.
Und die Überstunden sollte sie auch noch abbauen, aber heute war wieder so ein Tag, wo sie eher aufgebaut wurden, als dass sie sich dezimierten.
Fleißig machte sie sich also an die Arbeit, damit sie nicht zu lange in der Firma bleiben musste. Dennoch war es schon dunkel, als sie endlich mit einem der letzten Busse wieder ihre zwei Stationen zurückfuhr. Als sie zu Hause ankam, merkte sie sofort, dass ihr Sohn nicht da war. Ein Blick in den Kühlschrank verriet ihr, dass er auch die Milch nicht gekauft hatte. Sie würde sich morgen dann ihren Café wohl bei Starbucks holen müssen. In der Mittagspause konnte sie ja selbst einkaufen gehen. Wer wusste schon, wann der Junge wieder zu Hause aufkreuzen würde. Sie hoffte nur, dass er auch wirklich brav zur Schule ging - ewig hatte sie nicht vor, ihn durchzufüttern.
Als sie schließlich im Bett lag und an die Decke starrte, um sie zu entspannen und ein paar Stunden zu schlafen, dachte sie bei sich: 'Wo läuft die Zeit nur hin?'
Wieder war ein Tag rum und wenn sie so darüber nachdachte, konnte sie sich für den Moment nicht einmal daran erinnern, was sie heute alles getan hatte. Als würde sie einen Autopiloten haben, der für sie übernahm, wenn es besonders stressig wurde. Wenn man älter wurde, war es wohl nicht mehr so einfach mit allem Schritt zu halten.
Über diesen Gedanken schlief sie ein - der Morgen kam sicher viel zu früh.