Der Kaffeebecher
Jun. 7th, 2010 10:22 pmTitel: Der Kaffeebecher
Fandom: Original
Challenge: Hunde, die bellen, beißen nicht
Genre: Angst? denk schon
Warnung: ein böses Wort, nicht beta gelesen
Der Fernseher plärrte zu laut. Er konnte nicht nachdenken. Er rieb seine schweißnassen Hände auf seiner Hose trocken. Ihm war schlecht. Er hatte schon während des Essens mehrere Male aufstoßen müssen. Der Geschmack des Hühnchens wurde vom sauren Geschmack des Magensaftes überdeckt. Seine Hände waren schon wieder nass. Der Fernseher plärrte.
"Schatz?" Er schreckt zusammen. "Bringst du mir deinen Kaffeebecher aus dem Arbeitszimmer? Der steht da schon seit Tagen." Ihr Ton ist leicht vorwurfsvoll.
Er schleppt sich ins Arbeitszimmer. Der Becher ist noch von letzter Woche, Donnerstag. Er hätte ihn schon längst in die Küche bringen müssen. Und sie hat nichts gesagt. Er stützt sich auf dem Tisch ab, Kopf nach unten gesenkt. 'Sie weiß es.' Er muss Erbrochenes hinunterwürgen. Abrupt richtet er sich auf, starrt aus dem Fenster. 'Sie hat nichts gesagt.'
'Hunde, die bellen, beißen nicht.', hatte einer seiner Arbeitskollegen mal zu ihm gesagt. Dessen Frau hatte den Abend damit verbracht, der sämtlichen Belegschaft ein Ohr abzukauen und mit Banalitäten zu belästigen. Dieser Satz sollte Antwort auf seine Frage sein.
"Wie hälst du das nur aus?"
"Naja, du weißt schon, Hunde, die bellen, beißen nicht. Sie redet und redet. Sie ist mir bei zwei Seitensprüngen auf die Schliche gekommen. Sie hat mich nicht angeschrien, sie hat mich nicht rausgeschmissen. Sie hat zwei Tage lang nicht mit mir geredet, und 'ne Woche später konnte ich sie wieder ficken. Alles schick. Is' ne tolle Frau." Und er grinste.
Er schluckte noch einmal, und nahm dann den Becher. Sie stand an der Spüle, Hände unter der Seife versteckt, fleißig arbeitend. Sie schaute nicht zu ihm, als er die Küche betrat. Leise summend stand sie da und arbeitete und ließ ihn in Ruhe, wie immer. Er stellte den Becher neben das Becken. Kein Lächeln, kein Danke. Es war eine Selbstverständlichkeit. Er würde zurück ins Wohnzimmer gehen, weitergucken. Sie würde zu ihm kommen, wenn sie fertig war, sich hinsetzen, und zugucken. Wenn er reden wollte, fragte er sie was. Wenn sie reden wollte, wartete sie, bis Werbung kam, bis er den Fernseher ausmachte, bis sie ihm Bett lagen.
Er ging zum Fenster. Sie würde nicht wagen, etwas nach ihm zu werfen, wenn er beim Fenster stand. Sie wusch weiter das Geschirr. Er machte drei Schritte nach rechts, zum Kühlschrank. Sie hatte das Recht, Sachen nach ihm zu schmeißen. Er wischte seine Hände an der Hose ab.
"Ich hab am Freitag mit einer anderen Frau geschlafen."
Er zitterte, und ihm war schlecht. Sie wusch ab.
"Ich weiß."
Fandom: Original
Challenge: Hunde, die bellen, beißen nicht
Genre: Angst? denk schon
Warnung: ein böses Wort, nicht beta gelesen
Der Fernseher plärrte zu laut. Er konnte nicht nachdenken. Er rieb seine schweißnassen Hände auf seiner Hose trocken. Ihm war schlecht. Er hatte schon während des Essens mehrere Male aufstoßen müssen. Der Geschmack des Hühnchens wurde vom sauren Geschmack des Magensaftes überdeckt. Seine Hände waren schon wieder nass. Der Fernseher plärrte.
"Schatz?" Er schreckt zusammen. "Bringst du mir deinen Kaffeebecher aus dem Arbeitszimmer? Der steht da schon seit Tagen." Ihr Ton ist leicht vorwurfsvoll.
Er schleppt sich ins Arbeitszimmer. Der Becher ist noch von letzter Woche, Donnerstag. Er hätte ihn schon längst in die Küche bringen müssen. Und sie hat nichts gesagt. Er stützt sich auf dem Tisch ab, Kopf nach unten gesenkt. 'Sie weiß es.' Er muss Erbrochenes hinunterwürgen. Abrupt richtet er sich auf, starrt aus dem Fenster. 'Sie hat nichts gesagt.'
'Hunde, die bellen, beißen nicht.', hatte einer seiner Arbeitskollegen mal zu ihm gesagt. Dessen Frau hatte den Abend damit verbracht, der sämtlichen Belegschaft ein Ohr abzukauen und mit Banalitäten zu belästigen. Dieser Satz sollte Antwort auf seine Frage sein.
"Wie hälst du das nur aus?"
"Naja, du weißt schon, Hunde, die bellen, beißen nicht. Sie redet und redet. Sie ist mir bei zwei Seitensprüngen auf die Schliche gekommen. Sie hat mich nicht angeschrien, sie hat mich nicht rausgeschmissen. Sie hat zwei Tage lang nicht mit mir geredet, und 'ne Woche später konnte ich sie wieder ficken. Alles schick. Is' ne tolle Frau." Und er grinste.
Er schluckte noch einmal, und nahm dann den Becher. Sie stand an der Spüle, Hände unter der Seife versteckt, fleißig arbeitend. Sie schaute nicht zu ihm, als er die Küche betrat. Leise summend stand sie da und arbeitete und ließ ihn in Ruhe, wie immer. Er stellte den Becher neben das Becken. Kein Lächeln, kein Danke. Es war eine Selbstverständlichkeit. Er würde zurück ins Wohnzimmer gehen, weitergucken. Sie würde zu ihm kommen, wenn sie fertig war, sich hinsetzen, und zugucken. Wenn er reden wollte, fragte er sie was. Wenn sie reden wollte, wartete sie, bis Werbung kam, bis er den Fernseher ausmachte, bis sie ihm Bett lagen.
Er ging zum Fenster. Sie würde nicht wagen, etwas nach ihm zu werfen, wenn er beim Fenster stand. Sie wusch weiter das Geschirr. Er machte drei Schritte nach rechts, zum Kühlschrank. Sie hatte das Recht, Sachen nach ihm zu schmeißen. Er wischte seine Hände an der Hose ab.
"Ich hab am Freitag mit einer anderen Frau geschlafen."
Er zitterte, und ihm war schlecht. Sie wusch ab.
"Ich weiß."
no subject
Date: 2010-06-07 08:57 pm (UTC)Das ist richtig düster und beklemmend und die Tristesse trieft aus allen Pohren. Im positiven Sinn.
Ich find es toll, dass jemand das mal aufgreift. Diesen Grundgedanken, dass Beziehungen leise kaputt gehen und dass nicht Hass das Gegenteil von Liebe ist, sondern Gleichgültigkeit. Oder das diese leise Kälte viel schlimmer ist als jeder hitzige Wortwechsel oder zerbrochenes Geschirr ...
no subject
Date: 2010-06-07 09:09 pm (UTC)irgendwann schaffe ich es noch mal, eine lustige geschichte zu schreiben. irgendwann...
no subject
Date: 2010-06-07 08:59 pm (UTC)Hat mir sehr gut gefallen. Vor allem die kurzen, knappen Sätze passen perfekt zu der Situation, in der sich der Mann gerade befindet. Man spürt den Stress, den er gerade empfindet richtig.
Und dann diese "Ich weiß.". Ich sehe den Moment wirklich vor mir, wenn ich das lese.
Tolle Geschichte!
no subject
Date: 2010-06-07 09:10 pm (UTC)ich musste mich mal zu kurzen Sätzen zwingen, und es scheint ja wirklich gewirkt zu haben. normalerweise fallen meine Sätze seeeehhhrrr viel länger aus.
no subject
Date: 2010-06-07 09:01 pm (UTC)no subject
Date: 2010-06-07 09:11 pm (UTC)ich liebe deinen icon.
no subject
Date: 2010-06-08 08:54 pm (UTC)ach, bin ich froh, dass das mit den kurzen sätzen funktioniert hat.
no subject
Date: 2010-06-08 09:46 pm (UTC)Ich stimme meinen Vorrednern zu, ds ist wirklich bedrückend und beklemmend...und der Schreibstil passt sehr gut dazu, beschwört ja dieses Gefühl erst herauf. Das Ganze hat wirklich Hand und Fuß (Also, nicht wirklich +drop+). Ohne Gelaber, ganz geradeaus - gerade das, was nicht ausgesprochen wird, gibt dem ganzen ja erst Gewicht.
Finde ich gut, das.
no subject
Date: 2010-06-09 08:29 pm (UTC)