[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: Jenchan
Titel: Auszug aus einem Leben
Fandom: Prince of Tennis
Personen: Tezuka Ayana - erwähnt: Kuniharu, Kunikazu, Kunimitsu und Chitose Miyuki
Challenge: Nostalgie
Word count: 2242
Warnings: Kitsch? keine Ahnung >.< schlechtes Deutsch wahrscheinlich (evtl Ooc-ness <.< aber das liegt denke ich im Blickpunkt des betrachters.) Unlogik nicht ausgeschlossen @.@

Kommentar: Das ist mir so ins Gehirn gesprungen - ganz plötzlich war es da. Und dann war es auch schon geschrieben und irgendwie hab ich es lieb. (Vor allem, da ich einen Tezuka x Miyuki plot habe, der sich irgendwie nicht schreiben lassen will -.- naja) Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass Ayana das irgendwann einmal macht. (Auch wenn es nicht so wirkt - ich habe es Korrektur gelesen...)

Auszug aus einem Leben

Lächelnd strich die faltige Hand über das Foto. In letzter Zeit tat Ayana das sehr gerne - sich an die gute alte Zeit zurückerinnern. Auf dem Foto, das sie gerade berührt hatte, waren zwei Personen zu sehen. Damals war sie noch recht jung gewesen und sie strahlte regelrecht in die Kamera. Ihre Augen glitzerten vor Übermut und Energie.
Aber ihre Hand hatte sacht über die andere Person gestreichelt: Ihrem Mann.
Bildhübsch lächelte auch er etwas in die Kamera. Es war ein aufgesetztes Lächeln, aber man konnte auch in seinen Augen sehen, dass er sich freute. Er konnte es nur nich so zeigen und der Fotograf hatte von ihm gewollt, dass er lächelte.
Deshalb wirkte er auf dem Foto auch viel steifer als er eigentlich war. Nur sie kannte ihn von der liebevollen, sanften Seite. Nur sie hatte das Privileg sein ehrliches, aufrichtiges Lächeln zu sehen. Nur ihr war es vorbehalten, die romantische Ader ihres Mannes mitzuerleben und auch nur sie wusste einfach alles über ihn.
Kuniharu - sie war so jung, als sie ihn kennen gelernt hatte. Sofort hatte sie sich in ihn verliebt. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie ihn in einem sehr zerstreuten Moment erwischt hatte. Jedenfalls hatte er ein ziemlich konzentriert-frustriertes Gesicht gezogen, während er offenbar kurz davor war, seine Tasche vollständig zu entleeren.
Ayana wusste bis heute nicht, woher sie den Mut genommen hatte, ihn anzusprechen, aber sie hatte es ihr lebenlang nicht bereut. Nicht ein einziges Mal hatte sie gedacht, dass dieser Mann der Falsche wäre. Dass sie einen Fehler gemacht hatte, mit ihm auszugehen oder - wie das Foto zeigte - ihn zu heiraten.
Vierundzwanzig war sie gewesen und hatte kurz vor ihrem Uniabschluss gestanden. Ihre Eltern hatten ihr damals im Nacken gesessen, dass sie doch endlich ein Omiai akzeptieren sollte. Sie würde ihre Zeit mit der Universität verschwenden und sollte doch lieber heiraten und Kinder kriegen - an ihre Zukunft denken.
Sie hatten sich so gerne Enkeln gewunschen. Am liebsten wahrscheinlich einen ganzen Stall voll Kinder.
Ein Glück, dass sie Kuniharu getroffen hatte. Er war ebenfalls Student dort gewesen und so hatte sie sich ein Omiai erspart. Ihr hatte noch nie das Konzept davon gefallen, zu einer Verabredung zu gehen, ohne vorher die Person wirklich kennen gelernt zu haben. Nur ein Vermittler, der aufgrund von irgendwelchen Daten den Partner auswählte, für den man sich wenn möglich dann auch noch entscheiden sollte.
Das war einfach nicht in ihrem Sinn gewesen. Sie wollte modern sein und sich nicht in diesen Traditionswahn reinreiten lassen. Das machte ja doch nur unglücklich.
Traditionen, Heiraten, Kinderkriegen - Hausfrau sein.

Leise blätterte die nun mehr fast neunzigjährige Ayana eine Seite weiter. Da gab es ein Bild von ihrem Schwiegervater. Die treibende Kraft des Tezuka-Clans. Ayana konnte sich noch genau daran erinnern, wie sie zum ersten Mal Kunikazu begegnet war. Sie hatte unglaubliche Angst vor ihm gehabt. Sie war nervös gewesen und brachte kaum ein Wort heraus, als sie sich mit einer höflichen Floskel vor ihm verbeugt hatte.
Kunikazu war ein Mensch, der Disziplin, Authorität und Selbstbewusstsein offenbar gepachtet hatte. Aber nicht nur das: Ayana fand im Laufe der Zeit noch weit mehr an positiven und auch wenige negative Eigenschaften - eine ungeheuerliche Verbohrtheit, die Kuniharu glücklicherweise nicht so vererbt bekommen hatte, gehörte zu letzterem - an Tezuka Kunikazu und dessen Sohn Kuniharu.
Diese Familie, so lernte sie recht bald, war nicht nur traditionsgebunden, sondern auch unglaublich beliebt und egal wohin sie mit Kuniharu auch gegangen war, so hatte sie immer Blicke auf sich gespürt. Schlimmer war es, wenn Kunikazu ebenfalls dabei gewesen war. Dann hatte sie sich besonders klein und unbedeutend gefühlt - und doch auch auf gewisse Weise stolz, dass sie in diese Runde gehörte.
Sie hatte das stets auf die Arbeit geschoben, die Kunikazu damals sogar noch ausgeübt hatte. Er war Trainer bei der Polizei und hatte viele junge Kadetten ausgebildet und für den Dienst bei der Exekutive vorbereitet. Ayana - so modern sie auch sein wollte - lernte dadurch auch recht schnell, wo ihr Platz sein würde und sie hatte ihn mit Hochachtung angenommen. Immerhin war auch in ihr damals das Bedürfnis entstanden, ihren Teil dazu beizutragen, dass sich diese Familie entfalten konnte - auch wenn sie dadurch ihren Abschluss an der Universität aufgegeben hatte.
Das war es Wert gewesen und auch das bereute sie kein bisschen.
Nichts hatte ihre Aufmerksamkeit jemals so sehr gefesselt, wie diese Familie.

Mit sanftmütigem Blick folgte sie den Bildern im Fotoalbum, als sie gedanklich eine Reise durch die Vergangenheit machte. Ihre Augen funkelten immer noch lebhaft, auch wenn sie bereits das Glimmern der Altersweisheit zeigten. Soviele Jahre waren vergangen und so viel hatte sie erlebt und kennenlernen können.
Erneut musste sie leicht schmunzeln, als sie die nächste Seite ihres Lebens aufschlug und dort ihren Mann mit einem irritierten Blick auf einen Schneehaufen erkannte. Auch an diese Episode konnte sie sich erinnern. Eigentlich hatte sie immer von Sommer, Sonne und Strand geträumt. Sie hatte es eigentlich eher zum Meer hingezogen - romantischer Sonnenuntergang, rauschende Wellen, salzige Luft.
Gelandet war sie hoch oben auf einem Berg, wo es sogar im Sommer sehr frisch war und sie meistens gefroren hatte. Aber sie fand auch kaum schönere Erinnerungen als die Urlaube auf dem Berg. Winterausflüge waren ihr da die liebsten gewesen und dieser hier hatte drei Jahre nach ihrer Hochzeit stattgefunden. Sie war damals schon etwas frustriert gewesen, da es mit der Familienplanung nicht so recht funktionieren wollte. Eigentlich hätte sie da schon lange mit dem zweiten Kind schwanger sein sollen. Trauriger Fakt war allerdings gewesen, dass nciht einmal ansatzweise eines unterwegs war. Sie hatte da schon das Gefühl gehabt, dass sie offenbar auf ganzer Linie als Frau versagte.
Kuniharu hatte sich da als besonders fürsorglich erwiesen und sie abgelenkt. Sie hatte sich schlichtweg zuviel Druck gemacht und nahm sich auch das Gerede der Leute viel zu sehr zu Herzen. Immerhin war es nach drei Jahren keine Seltenheit, dass die Leute häufiger nach den Kindern fragten und irgendwann war sie es auch Leid gewesen, darauf höflich zu antworten.
Natürlich hatte sie das trotzdem immer getan, denn sie wollte ihren Mann nicht enttäuschen und auch Kunikazu hätte es ihr wahrscheinlich wenig verziehen, wenn sie sich solch einen Faux pax geleistet hätte. Nein - das konnte sie einfach nicht. Aber innerlich hätte sie am Liebsten jeden angeschrien.
Insofern war sie wirklich überrascht gewesen, als ihr Mann eines schönen Winterfreitags früher als normal heimgekommen war und verkündet hatte: 'Komm, pack deine Sachen, wir machen Urlaub.'
Urlaub hatte bedeutet, dass sie über das Wochenende in die Berge fuhren und dieses Mal waren es nur sie beide gewesen. Später irgendwann hatte ihr Mann dann erklärt, dass er einfach nicht mehr mitansehen hatte können, wie sehr sie sich selbst unter Druck setzte und er einfach irgendetwas hatte unternehmen müssen, um ihr wieder ein Lächeln ins Gesicht zu treiben.
'Das süße, sanfte Lächeln, das mich schon vom ersten Tag an verzaubert hat.'
Ayana hatte da einfach nichts anderes tun können, als ihm genau so ein Lächeln zu schenken und erneut festzustellen, dass sie den wundervollsten Mann auf Erden geheiratet hatte.
Es war das einzige Foto, dass sie von diesem Kurzurlaub hatte, denn danach hatte sie kaum noch Gelegenheit bekommen, den Fotoapparat überhaupt anzusehen. Aber sie war niemals glücklicher gewesen und einen Monat später hatte sie dann auch eine frohe Botschaft von ihrem Arzt erhalten, den sie konsultierte, nachdem ihre Periode ausgeblieben war.
Für sie war diese Nachricht ein unglaublicher Segen gewesen.

Dennoch wurde Ayanas Blick wehmütiger und etwas traurig als sie auf die nächsten Bilder sah. Sie sah auf jedem Bild glücklich aus. Man konnte ihre Vorfreude regelrecht aus ihren Augen springen sehen. Nur wusste sie zu genau, dass nicht alles so rosig gewesen war. Im Gegenteil hatte ihre schmale Gestalt doch unglaubliche Probleme für die Entwicklung des Kindes in ihrem Leib heraufbeschworen. Sie hatte oft unglaubliche Schmerzen gehabt, die sie mit Fassung getragen hatte.
Ihre Entschlossenheit war immer mehr gewachsen, genauso wie die Angst, dieses Kind zu verlieren. Sie hätte das einfach nicht ertragen, wenn das passiert wäre und so hatte sie alles gegeben, was sie geben konnte, um nicht zu versagen. Sie hatte gekämpft, Tränen und Blut geschwitzt, um alles gut über die Bühne zu bringen.
Und doch hatte es an einem Punkt beinahe so ausgesehen, als ob alles umsonst gewesen wäre. Sie war zusammengebrochen und hatte hohes Fieber bekommen. Der Arzt im Spital hatte gemeint, das läge daran, dass ihr Körper das einfach nicht schaffte und sie das Baby rausnehmen sollten, um nicht ihr Leben zu gefährden. Sie war zu schwach zum Protestieren gewesen und hatte die Hand von Kuniharu gedrückt, der für sie eingestanden hatte und dem Kittelfritzen erklärte, dass Ayana das nicht wollte - und er auch nicht.
Die Entscheidung war wieder richtig gewesen und ihre Augen wollten überquellen, als sie auf das Foto blickte, das ihren kleinen Kunimitsu zeigte. Erneut wurde sie von den Gefühlen überschwemmt, die sie damals auch schon erfasst hatten. Diese Erleichterung und diese unfassbar tiefe Liebe, die nur eine richtige Mutter ihren Kindern entgegenbringen konnte.
Ihr erster und einziger Sohn, der sie so sehr mit Stolz erfüllt hatte, dass man diese Glückseligkeit auch in ihrem warmherzigen Blick auf dem Foto danach sehen konnte. Da hielt sie das kleine Bündel in den Armen und zeigte, dass sie durch und durch Mutter war. Da war es ihr sogar egal gewesen, dass der Doktor später zu ihr gekommen war und ihr gesagt hatte, dass sie keine weiteren Kinder mehr bekommen konnte.
Dieses eine war Segen genug und sie hatte sich schon davor vorgenommen, es zu hegen und pflegen, sodass es einmal so großartig werden würde, wie ihr Mann und dessen Vater.
Das war ihr auch gelungen.
Ihr Lächeln wurde sonniger, als sie umblätterte - sie wusste ja genau, welche Fotos nun kamen, immerhin war das seit jeher ihre Lieblingslektüre gewesen.

Kunimitsu war ein ruhiges Kind gewesen. Manchmal hatte sie sich gefragt, ob sie nicht einen alten Mann geboren hatte, so unbeeindruckt schien ihr kleiner Sohn von der Welt zu sein. Natürlich gab es ein paar Momente, wo er sich lauter zu Wort gemeldet hatte, aber genausoschnell hatte er sich immer wieder beruhigen lassen.
Und er war so schnell gewachsen.
Sie hatte ein Foto, auf dem er drei Jahre alt war und auf einem Spielplatz eine Schaukel finster ansah, weil diese offenbar nicht tat, was er von ihr wollte - was auch immer es war, das er von ihr verlangt hatte. Natürlich hatte sie auch ein paar andere Fotos von ihrem süßen kleinen Kunimitsu, aber am liebsten mochte sie die, wo er schon in jungen Jahren zeigte, dass er einmal so werden würde, wie sein Großvater.
Da hatte sie eines, wo er vor einem kleinen Baum stand, der gerade mal so groß wie er war und versuchte, ihn so zum Wachsen zu bringen, wie den kleinen Bonsai, den Kunikazu damals zu pflegen begonnen hatte. Kunimitsu hatte seinem Großvater dabei immer begeistert zugesehen und war erpicht darauf, das selbst ebenso gut zu machen.
Sie hatte manchmal nur fasziniert die Geschwindigkeit bewundern können, in der ihr Sohn erwachsen wurde. So intelligent und geschickt - ihr Stolz war mit jedem Jahr mehr gewachsen. Eigentlich war es fast schade, dass so wenige Fotos von ihrer Familie existierten. Sie hatten wirklich sehr viele schöne Erinnerungen und sie war jeden Tag mehr froh darüber, dass sie alle zu ihr zurückkehrten, wann immer sie dieses Fotoalbum ansah.

Heute war ihr Sohn erwachsen und hatte seine eigene Familie. Das hatte ihr viele graue Haare gekostet, als es soweit gewesen war. Kunimitsu war da gerade mal zwanzig gewesen, als er ihnen dieses Mädchen eines Abends vorgestellt hatte. Braungebrannt und in Schuluniform einer Schule, die nicht aus der Gegend war. Aus Kyuushu, waren ihr Mann und sie aufgeklärt worden. Aber am schockierendsten hatte Ayana gefunden, dass die großgewachsene junge Dame damals erst fünfzehn gewesen war.
Kein Alter um eine Familie zu gründen und sie hatte ihrem Sohn da zum ersten Mal wirklich enttäuscht angesehen, als er ihr - nachdem das Mädchen von ihrem Bruder abgeholt worden war - im Vertrauen erklärte, was passiert war. Wirklich böse hatte sie Kunimitsu nicht sein können, dazu hatte sie ihm ansehen können, wie sehr ihn diese Sache selbst belastete und wie sehr er nun ihren Beistand brauchte.
Enttäuscht war sie trotzdem gewesen, dass ihr Mustersohn, den alle so hoch lobten, sich solch einen Fehltritt geleistet hatte. Andererseits... wenn sie heute so auf ihr Leben blickte und wie gut ihr Sohn seines meisterte - erst letztens war er mit seinen beiden Kindern auf Besuch gewesen - dann konnte sie nichts anderes, als sich für das Glück bedanken, dass sie seit jeher begleitet hatte.
Sie wusste von Kunimitsu, dass er diesen Fehltritt nie bereut hatte und wenn sie ehrlich war: Die aufgeweckte Miyuki passte unglaublich gut zu ihrem stoischen Kunimitsu. Die Tezuka-Männer schienen nun einmal Frauen zu brauchen, die wussten, wo es im Leben lang ging und auch entschlossen genug waren, sie ewig zu begleiten.

Leise schloss Ayana das Album wieder und sah nach draußen, wo die Sonne langsam dem Horizont entgegensank. Wieder ging ein Tag zu Ende an dem sie nichts anderes getan hatte, als die wenigen Fotos anzusehen, die sie von ihrem Leben hatte. Mit einem leichten Schmunzeln dachte sie bei sich: 'Du wirst noch richtig sentimental auf deine alten Tage, Tezuka Ayana.' Dann erhob sie sich schwerfällig und brachte das Album zurück an seinen Platz, bevor sie das Licht löschte und zu Bett ging. Morgen war auch noch ein Tag.
Vielleicht.

Vielen Dank fürs Lesen.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios