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Jun. 5th, 2010 12:15 amChallenge: Party
Titel: Curry schreibt man mit C
Kommentar: Die Protagonisten sind alles Charas, die ich irgendwann einmal für eine längere Story (on anderem Zusammenhang) verwenden will und an denen ich noch immer feile. Deswegen ist das mehr eine Charakterskizze für mich. Dennoch hab ich versucht, eine Story reinzubringen XD
Tom ließ sich mit einem glücklichen Seufzer in den Sessel fallen. „Was gibt es da groß zu planen?“ Die Frage war rhetorisch, dennoch blickte er zu Kerstin, als ob er eine Antwort erwarten würde. „Sex, Drugs and Rock’n’Roll! Mehr braucht man nicht!“ Kerstin wusste, dass man Tom am besten ignorierte. Jeder wusste das. Aber niemand konnte das. Schon gar nicht sie. So verdrehte Kerstin entnervt die Augen und setzte zu einer schnippischen Antwort an. Aber Lisa kam ihr zuvor.
„Hm, aber die Dinge müssen ja auch erst organisiert werden!“ meinte diese amüsiert. Typisch Lisa. Dauernd lächelnde Lisa. Kerstins Ex-Freund hatte einmal gemeint, Lisa, mit ihrer ruhigen, gelassenen Art und dem sanften Lächeln, könne jede blutige Vendetta sofort beenden. Kerstin hatte nur geschnaubt. Lisa würde ruhig und gelassen eine blutige Vendetta entfachen und sich mit einem sanften Lächeln im Blut der Opfer suhlen, aber sie sicher nicht beenden. Jedenfalls nicht solange Lisa sich nicht langweilte. Und Hass und Leid Anderer langweilten sie selten. Aber diese Wahrheit kannten wohl nur Tom und Kerstin. Für alle anderen war sie eben nur Lisa mit dem sanften Lächeln.
„Kein Problem! Für die Musik nehmen wir Kerstins Monsteranlage, dann wird die wenigstens mal richtig genutzt. Die Drogen bringt jeder selber mit und um den Sex kümmer ich mich persönlich!“ Tom grinste breit. Lisa lachte kurz auf während Kerstin erneut die Augen verdrehte.
„Danke, aber ich bevorzuge doch lieber eine Party meiner Art!“ erwiderte Kerstin genervt.
„ Spitzendeckchen und Tee?“
„Das kann auch ganz witzig sein!“ meinte Lisa fröhlich.
„Nein, aber für jede gute Party bedarf es Planung. Und da es meine Party ist, werde ich sie auch planen. Ihr könnt mir entweder mit konstruktiver Kritik zur Seite stehen oder euch wieder in eure Zimmer zurückziehen!“ Kerstin entging nicht die Grimasse, die Tom kindischer Weise schnitt. Kerstin entging nie etwas. Schon gar nicht bei Tom.
„Du kannst uns nicht aus dem gemeinsamen Wohnzimmer werfen, Leu!“
„Ich werfe euch nicht raus, Weißfeld, ich habe euch Optionen zur Wahl gestellt!“
„Ich liebe es, wenn du mich mit Nachnamen anredest, das macht mich ganz schwach!“
„Ach, halt die Klappe, Tom!“
Tom lehnte sich in seinem Sessel ein wenig nach vorne, seine Augen glitzerten spöttisch und sein Mund war zu einem leichten Grinsen verzogen. „Kein Grund, rot zu werden!“ Kerstin warf einen Kugelschreiber nach Tom, verfehlte diesen aber.
„Du machst mich wahnsinnig!“
„Oh, das hat Sandra Samstagnacht auch gesagt. Oder war es Sabrina? Oder beide?“
Kerstin verdrehte die Augen. Konnte man davon Muskelkater bekommen? Schließlich war das nun schon das dritte Mal seit Tom vor zehn Minuten ins Wohnzimmer stolziert war und Kerstin und Lisa bei ihrer Partyplanung unterbrochen hatte.
„ Keine Details bitte!“
„Dein eifersüchtiges Herz würde es nicht ertragen?“
„Du…ARGH!“
Kerstin war der wortgewandteste Mensch, dem Tom jemals begegnet war. Für ihn war Kerstin mittlerweile ein Synonym für Eloquenz geworden. Sie zu billigen Retorten oder gar kurzen Gewaltausbrüchen zu zwingen, fand Tom deswegen unglaublich erheiternd. Und es war gar nicht so schwer, wie viele meinten. Man durfte sich durch ihre autoritäre und kalte Art einfach nur nicht einschüchtern lassen und schon war Kerstin so irritiert, dass ihr die Worte auslieben. Aber kaum einer traute sich. Tom schon.
Kerstin hatte mittlerweile ihren Kugelschreiber wieder aufgelesen und nagte nun nachdenklich an dessen Ende.
„Wenn wir Getränke stellen und die Gäste auffordern, ihr Essen selbst mitzubringen, wird jeder wieder nur mit einer Tüte Chips auftauchen und um Mitternacht sind alle am verhungern und sturzbetrunken.“
„Vielleicht essen sie sich in ihrem Suff dann gegenseitig auf?“ scherzte Lisa. Jedenfalls tat sie so, als ob sie scherzte. Tom war sich da jedoch nicht so sicher und sah aus dem Augenwinkel, dass Kerstin ebenfalls kurz aufgehört hatte, ihren Kugelschreiber zu malträtieren.
„Dann soll eben jeder etwas zu Trinken mitbringen und wir stellen das Essen!“ meinte Tom hilfreich.
„Ja, aber wir haben zwei Veganer, eine Glutamatallergikerin und Paula isst nichts, was den Buchstaben K beinhaltet.“ Tom hatte es schon lange aufgegeben, sich über Kerstins Freunde zu wundern. Oder die Tatsache, dass sie welche hatte. Außer Lisa natürlich. Aber Lisa war jedermanns Freund. Beziehungsweise Feind.
„Dann bestellen wir was beim Inder. Der ist Irrenfreundlich!“ Kerstin warf Tom einen warnenden Blick zu. „Ich meine natürlich Glutamatallergiker- und Veganerfreundlich. Und Curry schreibt man mit C!“
Kerstin schien der Vorschlag zu gefallen. Sie nickte kurz und schrieb schnell etwas in ihren Kalender. Womöglich den Termin, an dem Kerstin nach der Telefonnummer des Inders suchen würde. Kerstin war so durchschaubar. Das sagte jeder. Sogar Tom.
„Kommen wir zur Gästeliste. Lisa und ich sind eigentlich fast fertig damit!“
Lisa mochte die Gästeliste nicht. Sie hatte sich auf die Party gefreut, es wäre Abwechslung gewesen. Ihr Leben hatte gedroht, langweilig zu werden. Entgegen Toms Behauptungen wusste Lisa, dass es schon lange keine Sandras und Sabrinas mehr bei ihm gegeben hatte. Lisa hatte die Sandras und Sabrinas gemocht, deren Verwirrung und die langsam eintretende Erkenntnis, wenn Lisa mal wieder dummer Weise die Namen verwechselt hatte, waren immer ein erfrischender Start in den Tag gewesen. Für Tom weniger. Für Kerstin schon gar nicht, schließlich wurde sie von dem Geschrei regelmäßig geweckt. Lisa hatte gehofft, ein paar potenzielle Sabrinas und Sandras auf der Party zu sehen, aber Kerstin hatte die Gästeliste knapp und skandallos gehalten. Lisa war empört. Dennoch hatte sie gelächelt. Schließlich wusste Lisa, warum. Tom sah auch erleichtert aus, als er die Gästeliste studierte.
„Wie gedacht, nur Langweiler und Freaks!“
„Nein, Menschen, die ebenfalls meinen, das ABC rückwärts rülpsen zu können, sei kein Talent!“
„Neider!“ Zum vierten Mal verdrehte Kerstin nun wegen Tom die Augen und dieser nahm es glücklich zur Kenntnis. Aber er machte keinen Versuch, etwas an der Gästeliste zu ändern. Also musste Lisa das wohl tun, wenn sie die Party retten wollte. Auf der Part Tatsache zu diskutieren, dass man Curry im Dänischen mit K schreibt, wäre nur für eine kleine Weile unterhaltsam.
Morgen hatte Lisa ein paar Vorlesungen mit einigen Sabrinas und Sandras, die Lisa schon immer mal näher kennen lernen wollte. Das hatte Lisa soeben beschlossen. Und Tom verstand sich sicher gut mit ihnen. Auch Kerstins Ex-Freund sollte man einladen. Er mochte Lisa. Sie hatte keine Ahnung warum. Aber er hasste Tom. Und Lisa wusste genau, warum. Lisa lächelte zufrieden. Man sollte ihr das Planen von Partys überlassen.