[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Hana Kimi
Personen: Umeda, Akiha
Challenge: Kommunikationsprobleme (von letztem Donnerstag)
Kommentar: Ich kann nicht genau sagen wie lang ich daran geschriebe habe, weil ich nie mehr als ne Viertelstunde am Stück Zeit hatte. Aber vielleicht waren es alles zusammen genommen auch drei Stunden und nicht zwei ... disst mich nicht. Und sie haben mich gekillt. x__X Gott, das war Schwerstarbeit ...
Widmung: Für Maddle




Manchmal dachte Umeda, dass er und Akiha ein Kommunikationsproblem hatten. Ein schwerwiegendes, generelles Kommunikationsproblem, dass es vollkommen unmöglich machte sich zu verständigen.

„Senpai, du siehst wundervoll aus!“
„Verschwinde.“
„Hey, wollen wir heute Abend Essen gehen?“
„Nein.“
„Was hältst du von diesem kleinen Griechen in der Altstadt …?“
„Ich hasse griechisch.“
„Waren die Oliven nicht toll? Kann ich wieder deine Oliven haben?“


Zu diesem Kommunikationsproblem gehörte die Tatsache, dass Akiha Beleidigungen einfach nicht zur Kenntnis nahm und dass er ein ‚nein’ immer als ‚ja’ auffasste. Oder die Tatsache, dass Umeda mit einem ‚nein’ manchmal ‚ja’ meinte. Und manchmal wirklich ‚nein’.
Manchmal wusste er irgendwann selbst nicht mehr, was er gemeint hatte … und das war dann immer der Punkt, wo Akiha sich vorneigte und ihm einfach einen Kuss auf die Lippen drückte, und Umeda sich dafür verfluchte, dass er sein Skalpell zu Hause gelassen hatte. Es war kleinlich, aber er wollte wirklich das letzte Wort behalten.

Es war alles sehr verwirrend.
Es war nicht einmal alles Akihas Schuld. Nur ein bisschen, und nur weil Akiha einfach immer ein bisschen Schuld war.

„Oh, Kaffee! Krieg ich auch eine Tasse?“
„Sieht das hier aus wie ein Café?!“
„…“
„…“
„…“
„…bevor du das trinkst, solltest du wissen, dass das was du dir grade großzügig in deinen Kaffee gestreut hast kein Zucker ist und dich mit großer Wahrscheinlichkeit umbringt.“
„Senpai – du liebst mich! Du hast mir das Leben gerettet.“
„Meine Versicherung deckt diese Art von Arbeitsunfall nicht.“
„Awww - wer braucht Zucker, wo Senpais Anwesenheit so viel süßer ist …“
„Raus, oder ich vergesse mich!“


Er sollte nicht darüber nachdenken. Jedes Mal wenn Umeda anfing darüber nachzudenken, wie schrecklich verkorkst und verdreht ihre Kommunikation war, bekam er Kopfschmerzen. Es war wie in einem dieser dämlichen Filme, wo es drei identische Koffer gab, nur dass einer Sprengstoff, einer gestohlenes Bargeld und einer Damenunterwäsche enthielt und am Ende keiner mehr wusste, wer grade welchen Koffer in der Hand hatte. Irgendwann mitten im Gespräch verlor er jedes Mal den Überblick und hatte das dumme Gefühl, immer die Damenunterwäsche abzubekommen.

Vermutlich machte das keinen Sinn.
Aber genau das passierte mit den eigenen Gehirnwindungen, wenn man zu oft mit Akiha redete.

Es war beinah tragisch. Denn Akiha zählte tatsächlich zu den wenigen intelligenten und unterhaltsamen Menschen, die Umeda kannte und mit denen es lohnte, sich abzugeben. Mit denen man sich nicht nach fünf Minuten halbtot langweilte, weil sie nichts Spannendes zu erzählen hatten. Es gab überhaupt keinen rationalen, vernünftigen Grund dafür, wieso er sich in Umedas Gegenwart die meiste Zeit wie ein hirnloser Idiot benehmen musste.
Das war ein Teil des Problems.
Das und die Tatsache, dass es Umeda kribbelig machte, nett zu ihm zu sein. Zumindest dann, wenn jemand zusah.

„Bis heute Abend. Ich werde dich vermissen und den ganzen Tag an dich denken!“
„Ich nicht.“
„Auf Wiedersehen, Senpai. Rio-chan.“
„Wiedersehen, Hara-san.“
„…“
„…“
„…“
„… was?!“
„Senpai…“
„Argh, jetzt lass los und verschwinde schon!“

„Ihr seid wirklich ein süßes Paar.“
„Was redest du denn? Wir sind kein Paar. Wir sind … vage Bekannte.“
„Ja sicher, Nii-san.“
„Überhaupt – du solltest noch gar keine Ahnung von Beziehungen haben, junge Dame. Beziehungen sind Gift! Davon kriegt man Falten und graue Haare und unschöne Geschlechtskrankheiten und … jetzt wisch dir endlich das Grinsen aus dem Gesicht.“
„So niedlich.“
„Hmpf. Iss dein Eis.“


Es war wie ein Gen-Defekt. Eine Krankheit. Ein Fluch.
Umeda konnte nett sein, wirklich. Aber eben … nicht in der Öffentlichkeit. Nicht wenn jemand zusah. Und schon gar nicht zu intelligenten, witzigen Kerlen, die auch noch in ihn verliebt waren. Nicht zu Akiha.

Denn das machte ihn nervös. Als ob er die ganze Zeit einen Zug verpasste. Als ob seinem Fluchtwagen in den Tank geschossen wurde. Es ging nicht.

„Lass uns ein Date haben.“
„Nein.“
„So wie letzte Woche, als wir Schlittschuhlaufen waren. War das nicht lustig?“
„Zum letzten Mal - es ist KEIN Date, wenn einer von beiden versucht zu fliehen.“


Mit zu dem Problem gehörte die Tatsache, dass Umeda oft Dinge anders meinte als er sie sagte … oder andere Dinge sagte als er meinte oder äh beides. Akiha dagegen sagte immer genau, was er meinte … und dann lachte er und machte einen dummen Scherz daraus und damit kam Umeda auch nicht zu Rande.

Manchmal kam es ihm vor, es als ob sie in verschiedenen Sprachen redeten. Oder aneinander vorbei. Oder als ob einer taubstumm und der andere blind war. So oder so war die Kommunikation problematisch. Nervenaufreibend. Gänzlich unmöglich.

Manchmal – ganz selten - schafften sie es das Kommunikationsproblem einfach zu umschiffen.

Sex war ein gutes Beispiel. Beim Sex war immer alles ganz einfach.
Er wusste nie, wie es so weit kam, weil vorher immer alles schief ging. Aber alles funktionierte plötzlich wie von selbst … und Akihas Hände waren subtiler als seine Worte und Umedas leises Stöhnen ehrlicher als jede Beleidigung.
Sex klappte ohne Worte. Akiha war zwar laut dabei (Akiha war immer laut), aber Umeda musste zugeben, dass ihn das unter diesen Umständen sogar irgendwie … anmachte.
Beim Sex funktionierte alles ganz ohne Reden. Beim Sex funktionierte sogar die ganze Sache mit dem Nettsein, ohne dass er irgendetwas sagen musste.
Und wenn er zuließ, dass Akiha sich danach an ihn kuschelte und seine Arme um ihn schlang, konnte Umeda immer noch so tun, als er sei er einfach nur zu müde, um ihn weg zu schieben.

Vielleicht hatte er das Problem und nicht Akiha.

„Hey …“

Umeda blickt auf, als ein Gesicht vor ihm auftaucht und sieht prompt in zwei fragende, rehbraune Augen. Bambiaugen. „Was?“ schnappt er hastig und fühlt sich ertappt.

„Alles in Ordnung?“

Und er fragt sich ernsthaft, was ihn geritten hat, jetzt, hier und in diesem Moment über diese ganze Sache nachzudenken …

„Nein“, erwidert er und verdreht die Augen.
Hier und jetzt ist mitten im Park und um fünf Uhr morgens, und in diesem Moment ist Akiha mit einer Kamera.
Das klassische Ergebnis einer fehlerhaften Kommunikation.
Was zum Teufel macht er hier?! Wie ist das passiert? Er könnte im Bett liegen. Er könnte schlafen wie alle anderen Menschen um fünf Uhr morgens an einem Samstag. Normale Menschen.

Aber die Bambiaugen sind immer noch abwartend auf ihn gerichtet, also winkt Umeda seufzend ab. „Schon okay. Ich bin zu müde, um dich zu hassen.“

Akiha lacht, ein leiser und überraschend angenehmer Laut. „Hältst du das mal?“

Was immer ‚das’ ist, es ist schwarz und rund und gehört offenbar zu Akihas sündhaft teurer Photoausrüstung. Umeda nimmt es mit einem Ausdruck entgegen als hätte es Zähne.

„Was tun wir hier?“ bohrt er. Der Himmel über ihnen ist grau und violett und färbt sich am Horizont langsam in zartes orange und kitschiges rosa. „Es ist Samstag. Es ist kalt. Und du magst Landschaftsaufnahmen nicht einmal.“

„Doch, tue ich“, widerspricht Akiha. „Nur meine eigenen nicht.“

„Wieso nicht? Das macht keinen Sinn.“

„Ich weiß.“ Einen Moment lang fummeln seine langen, schmalen Finger konzentriert an der Kamera herum. „Aber meine werden nie gut.“

„Blödsinn.“

Beinah überrascht blickt Akiha auf und lächelte. Seine Wangen sind gerötet von der kalten Morgenluft. „Danke.“

Umeda fühlt sich überrumpelt, denn eigentlich war das nicht als Kompliment gemeint. Oder vielleicht nur ein bisschen. Nachdenklich blickt er zur Seite dorthin wo der Sonnenaufgang sich schon androht und erste Sonnenstrahlen ihm ins Gesicht scheinen.
Für ihn ist das nur pink und kitschig, endgültig verkorkst und verdorben von zu vielen Filmen und Hollywoodschnulzen. Aber er weiß, dass Akiha dieses Szenario ganz anders sieht. In Filtern und Blendeneinstellungen, in Licht und Schattierungen und unzähligen vielen, feinen Farbabstufungen. Er weiß inzwischen so viel über Fotografie, wie er niemals wissen wollte. Das allein ist irgendwie bedenklich.

Es klickt leise neben ihm.
Umeda wendet den Kopf und wirft Akiha einen fragenden Blick zu. Die Kamera ist auf sein Gesicht gerichtet und Akiha sieht hochgradig fasziniert aus. Umeda runzelt die Stirn.
„Wolltest du nicht den Sonnaufgang fotografieren?“

Akiha nickt und dreht mit kurzen, präzisen Bewegungen an irgendwelchen Rädchen herum. Sein Lächeln ist eine seltsame Mischung aus ernsthaft und spöttisch und überraschend liebevoll. „Aber der ist nirgendwo so schön …“

Umeda spielt mit dem Gedanken, ihm das Objektiv an den Kopf zu werfen.

„Hey – nein! Was soll ich denn mit der Kamera?!“

„Okay, wenn du hier durchsiehst …“

„Nimm die sofort zurück! Argh …“

„Genau. Ganz vorsichtig … nicht zu schnell ranzoomen…“

„Wozu braucht eine Kamera überhaupt zwanzig Knöpfe und Räder? Ist das Zeitalter der Digicams schon bei dir angekommen?“

„Du kannst die Schärfentiefe mit der Abblendtaste einstellen … genau hier …“

„Okay, okay …und was macht man damit?“

„Warte, das ist für die Belichtungszeit …“

„Da ist ein Schatten auf der Linse …“

„Das ist ein Daumen, Senpai.“

„... lachst du etwa?!“


Und manchmal … manchmal funktioniert ihre Kommunikation. Einfach so. Vielleicht weil sie nicht hinsehen und nicht so genau darauf achten. Dann vergisst Akiha sich wie ein Idiot zu benehmen, und Umeda vergisst darüber nachzudenken, was er sagt und was er meint und er vergisst Akiha zur Sicherheit zu beleidigen.
Und er findet es ein bisschen beängstigend, wie reibungslos und einfach es zwischen ihnen funktionieren könnte, wenn sie nicht dieses generelle Kommunikationsproblem hätten …

„Ist dir immer noch kalt …?“

„Hm … jetzt nicht mehr …“


Aber nur ein bisschen.

*-*!

Date: 2007-04-23 06:24 pm (UTC)
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From: [identity profile] schwarze-elster.livejournal.com
Also erstmal bin ich total begeistert und inspiriert und alles =D

Umedas Gedankengänge sind so scharf und verpeilt und... oh Mann, mir fehlt wirklich ein Wort für die Sache mit den Koffern, aber es ist genial XD Obwohl ich schon denke, dass er tief in seinem Herzen nicht wirklich etwas gegen Damenunterwäsche hat *eg*

Hach, es ist toll und wahr. Sie haben wirklich ein Kommunitationsproblem. Es ist lustig und ein bisschen tragisch, aber zum Schluss sieht es doch nicht schlecht aus für die beiden *-*

Umeda ist ganz schön mutig, nem professionellen Fotographen mit DigiCams zu kommen... er hat einfach keinen Respekt...

Ah, und wir wussten doch alle, das Rio ein kleines Fangirl ist ^^

Date: 2008-04-11 08:53 pm (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
eifnach irre wie sehr ich diesen text liebe!
nicht nur wegen sätzen wie diesem:
>Er wusste nie, wie es so weit kam, weil vorher immer alles schief ging<

man fühlt ein bisschen umedas verzweiflung durch,...irgendwie will er ja, aber er bekommts nicht hin, wenn er darüber nachdenkt.
zeigt eigentlich im großen und ganzen, dass man nicht so viel nachdenken sollte, wenn es um gefühle geht, denn dann funktionierts doch ganz gut (siehe sex)
oder auch das spontane >blödsinn< das akiha doch sehr glücklich gemacht hat.
und wenn du mich bis dahin nicht hattest, dann bei dem sonnenaufgang (selber fotoirre bin)...die situation im park war so wundervoll beschrieben *seufz*
ich hör lieber auf ^^"""

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