[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Hana Kimi
Charaktere: Umeda, Akiha
Challenge: Warten
Warnungen: Schmoop, kitsch, h/c
Wörter: ~1800
Für: [livejournal.com profile] maddle



Das Telefon klingelte um halb elf. In seiner Kaffeepause.
Umeda hatte grade genug Koffein in seinem Blutkreislauf, um wenigstens überhaupt in Erwägung zu ziehen dran zu gehen, aber noch nicht genug, um darüber sonderlich erfreut zu sein.

„Was?“
Er schnappte es in den Hörer, ganz ohne Ort, Funktion und vollständigen Namen zu nennen und einen „schönen guten Tag“ zu wünschen, so wie die Schulregeln es vorschrieben. Aber wenn sie das hören wollten, hätten sie ihm gefälligst die Sekretärin bewilligen sollen, die er schon tausend Mal beantragt hatte.

Sekundenlang war die Leitung still.
„Hokuto …“

Es war Akiha. Und dann wieder nicht, denn Akiha klang niemals … so.
Nervös. Angespannt. Erschöpft. Es war wie eine abstrakte Parodie auf Akiha. Und sehr, sehr beunruhigend. Unwillkürlich nahm Umeda die Beine von seinem Schreibtisch, stellte die Kaffeetasse ab und setzt sich etwas aufrechter hin.
„Was ist los?“

Er war ziemlich sicher, dass das keiner von Akihas albernen, aber erschreckend regelmäßigen „Ich habe grade an dich gedacht …!“-Anrufen war.

„Ich bin im West-Krankenhaus …“ Seine Stimme klang seltsam gepresst, so als würde er die Zähne zusammenbeißen und Umeda konnte hören wie er ein paar Mal tief durchatmete. „Es ist was mit Ebi … Kannst du …? Ich meine, ich weiß, dass du grade arbeitest, aber …“

„Welche Station?“, hörte Umeda sich zu seiner eigenen Überraschung sagen. Was nicht geplant war. Weil … Kaffeepause. Arbeit.
Einfach alles sprach dagegen. Und nur Akiha sprach dafür.

„Ich weiß nicht … in der Inneren? Ich glaube, es ist die Innere. Es ist im dritten Stock und hier hängt ein scheußliches Stillleben mit lila Blüten und …“ Er hielt inne und Umeda war bereits auf halbem Weg aus der Tür, bevor Akiha ein „Danke“ nachschob. Es war so leise, dass Umeda es kaum verstand und schaffte es trotzdem den ganzen Weg über nachzuhallen.

~*~

Als Umeda endlich da war (es war tatsächlich die Innere Medizin und das Stillleben war ausgesprochen scheußlich) sah er Akiha schon von weitem. Seine Haare waren ein auffallender, heller Farbklecks in dem tristen, grau-braunen Warteraum.

Er lehnte an einem der Fenster, hatte den Kopf weit in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen. Vermutlich sah er für jeden, der nur einen flüchtigen Blick auf ihn warf oder ihn nicht sonderlich gut kannte ausnahmslos entspannt und lässig aus.
Aber er hielt den Kaffeebecher in beiden Händen, als bräuchte er etwas um sich daran festzuklammern und seine Finger spielten nervös mit dem Deckel. Und Umeda kannte ihn gut genug. Vielleicht besser als jeder andere.

Er blieb stehen und räusperte sich.

Akiha öffnete die Augen und senkte langsam den Kopf. Er blinzelte und sah aus, als würde er grade aus einem unwirklichen Traum aufwachen. „Hey … du bist hier.“ Seine Stimme klang rau und erleichtert.

Es gab eine Menge, was Umeda darauf hätte erwidern können. Aber stattdessen bestätigte er diese offensichtliche Feststellung mit einem Nicken und trat einen Schritt näher.

Akiha streckte die Hand aus und zog ihn mit einer sanften Bewegung zu sich, bevor er die Arme um ihn schlang.
Es war eine behutsame und durch und durch nicht-sexuelle Umarmung, so dass sie nicht einmal hier in einem Wartesaal voller Leute unangenehm auffielen. Umeda ließ es widerspruchslos geschehen. Ihm war schon in dem Augenblick, als Akiha am Telefon seinen Namen gesagt hatte, klar gewesen war, dass so was kommen würde.
Sein Herz fühlte sich unangenehm eng an in seiner Brust, als ihm klar wurde, dass das erste Mal war, dass Akiha so etwas von ihm wollte.
Beistand.

„Hey …“, murmelte Akiha erneut und ließ den Kopf auf Umedas Schulter sinken. Er atmete tief und langsam aus und vergrub das Gesicht in seinem Pullover. „Danke.“

„Was heißt hier überhaupt ‚Danke’?“ erwiderte Umeda. „Du klingst als ob ich einen guten Grund bräuchte, um von meiner Arbeit abzuhauen. Ich hasse meine Arbeit.“

„Nein, du liebst deine Arbeit.“

Nicht nur die.
„Möglich.“
Er spürte wie Akihas Körper vibrierte, als er leise lachte und trat einen Schritt zurück. „Krieg ich trotzdem eine Zusammenfassung, was eigentlich passiert ist?“

„Ja. Ja, natürlich, sorry.“ Akiha nickte und hob den Kopf. Er sah blass und durcheinander aus, und einzelne helle Strähnen aus seinem Pferdeschwanz umrahmten in variierenden Stadien von Unordnung sein Gesicht.
Auch wenn er es nicht schon am Telefon gesagt hatte, hätte Umeda nach einem Blick auf ihn sofort gewusst, dass es irgendetwas mit Ebi zu tun hatte. Sie war vermutlich die Einzige, die ihn so aus der Fassung brachte, wenn ihr etwas zustieß.

„Sie hatte gestern schon Bauchschmerzen und ich habe sie nachhause geschickt.“ Akiha fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und zog Umeda ein Stück näher ans Fenster und weg von den anderen Leuten.
„Heute Morgen war sie natürlich wieder da und sagte, alles in Ordnung, sie trinkt Kamillentee, alles ist gut. So wie sie eben ist.“ Er machte eine vage Handbewegung, die zu gleichen Teilen liebevoll und frustriert war. „Und auf einmal wurde es … schlimm. Sie hatte furchtbare Schmerzen und … dann ist sie zusammengebrochen. Wir haben einen Krankenwagen gerufen …“

„Blinddarm?“ riet Umeda, der meistens richtig lag, auch mit Ferndiagnosen.

„Ich weiß es nicht. Kann sein.“ Akiha schüttelte hilflos den Kopf. „Sie sagen mir nichts. Ich weiß nicht wieso.“

„Weil du kein Angehöriger bist“, erwiderte Umeda, auch wenn sich dieser Satz wie eine Lüge anhörte. Aber er weiß wie Krankenhäuser funktionieren, immerhin hat er lange genug als Student in einem gearbeitet. Und er weiß, dass ‚aber sie war meine Ex-Frau und ist jetzt meine beste Freundin!‘ nicht zählt, wenn es um Informationen geht.

Akiha klappte den Mund auf und wieder zu, als ob er dagegen Protest einlegen wollte. Aber stattdessen schwieg er und fuhr sich hoffnungslos mit der Hand über das Gesicht.

„Senpai …“, murmelte er hilfesuchend.
Das hatte er schon ewig und drei Tage nicht mehr zu ihm gesagt, und wieso auch. Immerhin waren sie schon genauso lange aus der Schule raus. Aber aus unerfindlichen Gründen ging dieses Wort Umeda durch und durch und schnitt tiefer als jeder peinliche Kosename es je getan hätte.
Irgendwas an der Art wie Akiha es sagt, erwecket in ihm den Wunsch alles wieder gut zu machen oder überhaupt irgendwas zu machen, damit Akiha aufhörte so verstört auszusehen.

„Mach dir keine Gedanken. Blinddarm ist wirklich Kleinkram“, hörte er sich selbst sagen. „Das kann jeder Chirurg. Sogar wenn es eine totaler Vollidiot ist. Mit verbundenen Augen. Das hätte sogar ich in der Mittagspause erledigen können. Mit einem Zirkel und einem Bindfaden.“

Ein unerwartetes Lächeln zerrte an Akihas Mundwinkeln, und sein Gesicht sah plötzlich entspannter aus und ein bisschen mehr wie er selbst. „Mit einem Zirkel?“

„Bezweifle nicht meine medizinische Kompetenz.“

„Würde ich niemals wagen.“

Danach versuchte Umeda produktiv zu sein, weil er keine Ahnung hatte, was er sonst tun sollte. Er schüchterte die Schwestern ein und trieb einen Stationsarzt auf, den er kannte (er verriet Akiha allerdings nicht woher), und der versprach ihm Informationen zukommen zu lassen, sobald er etwas wusste.
Alles in allem fühlte er sich unangenehm nutzlos und ungenügend. Er mochte es nicht, wenn er nicht selbst der Arzt war. Genauso wie er auch in allen anderen Bereichen nicht gerne die Kontrolle abgab.
Und am meisten hasste er Warten.

Warten machte ihn kribbelig und frustriert und ungeduldig.
Warten war nur die Zeit, bis man endlich irgendwas machen konnte und bis dahin war man zu angespanntem Stillstand verurteilt. Warten war die Zeit, in der man nie jemandem wirklich helfen konnte. Warten war die Zeit, wo man eigentlich irgendetwas hätte tun müssen, aber nicht wusste was.

In Krankenhäusern durfte er nicht rauchen und das machte Umeda auch unter besseren Bedingungen schon irre. Er wollte nicht wie ein wartender Vater vor dem Hintereingang stehen und hektisch an einer Zigarette ziehen. Er wollte ruhig und gelassen sein, damit Akiha ruhig und gelassen blieb und dafür brauchte er seine Zigaretten, verdammt. Aber es ging nicht. Keine Zigaretten. Nur Kaffee. Viel zu viel Kaffee in kleinen, sterilen, braunen Pappbechern.
Und das war genau der Grund wieso er keine Beziehung haben wollte, dachte er. Nicht wegen der Pappbecher, sondern weil er das nicht konnte. Da war irgendein Trick dabei, den Umeda nie verstanden hatte.

Akiha war die ganze Zeit ungewohnt still und (nicht ganz so ungewohnt) anhänglich. Er klebte an Umedas Seite und ein paar seiner Finger war immer unruhig in Umedas Pullover geklammert, als brauchte er irgendetwas um sich festzuhalten.

„Ich bin schlecht in sowas“, gab Umeda schließlich widerwillig zu, nur weil er es nicht mehr ertragen konnte, zu sehen wie Akihas Kopf hochflog, sobald jemand den Raum betrat, nur um dann wieder in sich zusammenzusacken.

Akiha wandte den Blick von der Tür ab. Sogar jetzt hatte er diesen aufmerksamen Ausdruck in seinen Augen, als ob alles, was Umeda sagte unglaublich wichtig war und nicht nur frustriertes, hilfloses Gezicke. „In was?“

„Das.“ Umeda runzelte ungeduldig die Stirn, unfähig es in Worte zu fassen. „Hier. Alles. Du … du musst mir schon sagen, was ich machen soll.“
Es klang patziger als geplant. Er war ja willig, so war es nicht. Er wäre bereit eine Menge zu tun, damit Akiha nicht mehr so blass und angespannt und unglücklich aussah.

Aber er konnte nicht über blutige Details aus seiner Zeit in der Notaufnahme erzählen (das machte sich hervorragend um langweilige Familienessen drastisch abzukürzen), denn das hätte Akiha kein bisschen abgelenkt. Sex war auch grade kein Thema. Er konnte nicht einmal mit ihm streiten, wie er das sonst tat, weil Akiha grade so aussah, als ob er sich nicht wehren konnte und dann machte das alles keinen Spaß mehr.
Aber es war das erste Mal, dass Akiha darum gebeten hatte, für ihn dazu sein, und Umeda wollte ja, so war es nicht. Er hatte nur keine Ahnung wie man moralische Unterstützung lieferte oder jemanden tröstete oder sich ganz generell in so einem Moment wie ein sinnvoller Freund verhielt.

Akiha konnte das. Besser als jeder andere. Bei ihm funktionierte es wie automatisch, dass er immer das richtige sagte und das richtige tat und dass Umeda sich danach immer besser fühlte, ohne dass er genau benennen konnte wieso eigentlich.

Zu seiner Überraschung sah Akiha nach diesem Geständnis seiner eigenen Fehlbarkeit als nützliches Mitglied der Gesellschaft nicht sauer aus. Nicht einmal enttäuscht.
Er lächelte dieses irritierend sanfte Lächeln und legte seinen Kopf auf Umedas Schulter.
„Du machst das gut“, versicherte er.

„Ich mache gar nichts!“ gab Umeda zurück, mehr verblüfft als frustriert.

„Du bist doch hier“, war die leise Erwiderung.

Natürlich war er hier. Wo sollte er auch sonst sein.
Diese Erwiderung lag auf seiner Zunge, aber Umeda schluckte sie hinunter.
Denn vielleicht lag da der ganze Trick, den Umeda nie durchschaut hatte.
„Okay“, sagte er.

Warten war frustrierend und nervig und nutzlos. Die Plastikstühle wurden nicht bequemer und der Kaffee nicht weniger grässlich.
Aber wenn es Akiha irgendwie half, dass er neben ihm hier herumsaß und mit ihm wartete, dann war das schon irgendwie auszuhalten.
Und Ebi würde später sowieso jemanden brauchen, der Akiha von ihrer Seite wegzerrte und ihn davon abhielt sie Tag und Nacht zu belästigen.
Umeda dachte, dass er diese ganze Sache mit Akiha vielleicht doch hinkriegen könnte.

Date: 2010-06-03 04:14 pm (UTC)
luinaldawen: (kawaii)
From: [personal profile] luinaldawen
Awwwwww! *-*
Armer Akiha! >_< Wie gut, dass er Umeda hat, der für ihn alles stehen und liegen lässt *ihn pattet* So macht man das richtig, wenns um die große Liebe geht. ^.^
Ich fands vor allem toll, wie schön überfordert Umeda mit der ganzen Situation war, das ist so wunderbar IC! *o*
Jetzt hab ich Lust bekommen, wieder Hana Kimi zu lesen! XD

Date: 2010-06-03 05:18 pm (UTC)
ext_114511: (yay!)
From: [identity profile] schwarze-elster.livejournal.com
Yay! Es ist so ein flauschi-liebes Fandom.
Du fängst Umedas mürrische Besorgnis toll ein =D

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