[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Autor: Jenchan / Exile (oder unter welchem Namen man mich auch immer kennt - können nur die  zwei sein <.<)
Fandom: Original
Challenge:  It takes backbone to lead the life you want - one way ticket booked / Ein Bild
Word count: 3338 (19 Minuten hatte ich noch übrig ...)
Warnings: es ist laaaaaaaaaangweilig - es passiert nichts und es sind tausende Tippfehler drin... vergessene Wörter oder Satzteile, Buchstabendreher, Wortdreher, Zeitfehler... einfach alles... (auch wenn ich es besser kann, aber ich habs ja einfach nur runtergetippt >.< es tut mir Leid)
Kommentar: Also...  das  ist alles sehr interpretierfreudig geworden. Ich hatte natürlich gewisse Charaktere im Sinn (und müsste dann wohl bei den Warnungen slight shonen ai hinzufügen), aber ich habs letztlich bewusst vage gehalten. Es ist ja nicht wichtig, wer sich da sein Gehirn zermartert, wichtig ist... dass die Person es tut.  Also kann sich jeder denken und vorstellen, was er will - mir gehört kein Fandom und keine Charaktere - mir gehört nur der Plot XD
Oh... und sry - aber mir ist dazu wirklich kein Titel eingefallen

It takes backbone to lead the life you want

Es war schon spät als er aus der Arbeit ging. Seine braunen Augen waren müde und matt. Eigentlich fühlte er sich schon eine ganze Weile nicht mehr wohl. Nicht so wohl, wie er sich in seinem Alter eigentlich fühlen sollte.
Es war, als würde ihn das Leben erdrücken. Als würde er unter all den Pflichten und Erwartungen begraben werden. Ein Grab mit tonnenschwerer Erde.
Dabei konnte er sich wirklich nicht beschweren. Er war gesund, er hatte einen guten, sicheren Arbeitsplatz. Er hatte eine Verlobte, der Weg in die Zukunft war eigentlich geebnet. Eigentlich. Warum war die Stadt dann grau, überfüllt und laut? Wieso war da dieses neckende Gefühl der Einsamkeit, dass ihn im jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit, in der Arbeit und auf dem Weg nach Hause begleitete, egal wievielen Menschen er auch begegnete. Nicht nur in der Bahn und auf dem Gehsteig. Kollegen, Familie, Freunde, Bekannte... Partner. Egal, in welches Gesicht er auch sah, er hatte nicht das Gefühl, dort zu finden, was er im tiefsten Inneren sich ersehnte. Sein Herzenswunsch.
Er hatte sich sein Leben so schön erdacht. Schon als er noch ein kleiner Junge war, hatte er genau gewusst, was er einmal machen wollte. Dazwischen gab es einige Leidenschaften, denen er gefröhnt hatte, aber er hatte immer sein Ziel vor Augen gehabt. Immer ganz genau gewusst, wo es ihn hinzog, was er mal werden wollte.
Später hatte er sogar gewusst, wen er dafür an seiner Seite haben wollte. Er hatte doch schon den besonderen Menschen getroffen, mit dem er selbst heute noch viele Dinge teilte. Nur nicht das Leben.
„Wann hast du deinen Traum verloren“, hatte dieser besondere Freund ihn eines Abends gefragt. Das machten sie häufig, besonders wenn sich ein Tief über ihn hereinschlich und er es nicht ganz merkte. Auf den wohl besten Freund der Welt konnte er sich allerdings verlassen.
Der nahm ihn bei der Hand, führte ihn ins Wohnzimmer, wo er es sich erst einmal auf dem Sofa bequem machte und kurz darauf ein Gläschen Weißwein in die Hand bekam. Nur weiß - auf Rotwein bekam er schreckliche Kopfschmerzen und das war nicht gerade dienlich, wenn man am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gehen musste. Es war nicht einmal schön, wenn der nächste Tag ein freier Tag war.
Deshalb tranken sie auch nie viel. Zwei Gläser vielleicht, das war es dann auch schon.
Es war in dieser Zeitspanne, dass sie über alles mögliche redeten. Die Arbeit, die Familie, die Freunde, das Wetter, manchmal sogar über wirklich sinnlose, aber dennoch witzige Sachen. Da konnte er sich lebhaft an das Gespräch über die Regenwürmer in irgendeinem kleinen osteuropäischen Land erinnern. Er hatte keine Ahnung mehr, wie sie darauf gekommen war, aber es hatte gut getan. Es hatte ihn aufgeheitert und er hatte sich am Ende sogar ein Schmunzeln abringen können. Wobei es wohl eher unwillkürlich war.
Sein bester Freund konnte das einfach. Der hatte ein ständiges Lächeln auf dem Gesicht, wusste immer, wann er ernst sein musste und wann ihm einfach der Sinn nach... Lachen stand. Selbst die Gesprächsthemen ließ er ausschließlich ihn auswählen. Er selbst war darin auch nicht wirklich gut. Er war schon immer zurückhaltend bis unkommunikativ gewesen. Zielstrebig hatte er sein Ziel verfolgt und sich den Überblick über alles behalten - dafür hatte er von allem und jedem Abstand genommen. Das war etwas, das er sich nicht aussuchen konnte, nie gekonnt hatte. Wenn er einmal mitten in einer Sache war oder jemand ihm etwas erzählte, verlor er viel zu schnell den Blick für das Gesamte. Das Gefühl widerstrebte ihm heute noch, auch wenn er es nur noch selten mitbekam.
Das schlimme war ja wahrscheinlich genau das. Er befand sich in einigen Situationen, die er sich so eigentlich nie erdacht hatte. Die nicht in seinem Plan standen. Die Frage von seinem besten Freund hatte das nur alles ein wenig aufgerüttelt. Wann hatte er wirklich den Blick für seine Ziele verloren? Wann hatten sich seine Ziele geändert? Hatten sie sich geändert, oder lebte er gerade wirklich das Leben, das er wollte? Wenn es so war, warum fühlte er sich dann so unruhig? Warum war er nicht zufrieden, obwohl er alles hatte? Wie konnte es sein, dass es sich einfach nicht richtig anfühlte, was er da tat?
Beging er einen großen Fehler? Wenn ja, welcher war es? Sein Verlobte? Sollte er nicht heiraten? Sein Job? War er dort falsch, obwohl er seine Arbeit wirklich gut erledigte und er es nicht uninteressant fand? Hatte er zu wenig Freizeit für Familie und Freunde? Vernachlässigte er irgendwen? Ihm fiel auf Anhieb niemand ein. Er beantwortete immer brav alle Emails, die er bekam und mit seinem besten Freund lebte er ja quasi fast zusammen.
Jedenfalls war er in den letzten Jahren immer häufiger bei diesem aufgetaucht und hatte seine Abende und manchmal sogar Nächte dort verbracht. Er hatte sogar ein wenig Wechselkleidung dort, was doch wirklich seltsam war, oder? Nein, eigentlich fand er persönlich das als vollkommen normal. Es gab ja auch keine Person, der er mehr vertraute. Warum sollte er dann nicht auch seine Sachen zum Teil dort bunkern? Daran war nun wirklich nichts Verwerfliches.

Innerlich schüttelte er den Kopf und stellte fest, als er aus seinen Gedanken etwas auftauchte, dass er gerade die Grünphase verpasst hatte. Also war er hier sicher einige Minuten einfach nur dumm an der Kreuzung gestanden und er wollte lieber nicht darüber nachdenken, wieviele Menschen ihm einen befremdlichen Blick zugeworfen hatten. Die hatten sich sicher alle ihre eigenen Gedanken gemacht, so wie er.
Diesmal passte er allerdings auf, dass er nicht noch eine Grünphase verpasste und lenkte seine Schritte zügig über die Straße. Er war recht großgewachsen, seine Figur zeigte eine sportliche Eleganz, wobei er annahm, das die Eleganz sicher nur vom Anzug kam, den er trug. Er hatte sich sagen lassen, dass ihn das imposant erscheinen ließ. Eine natürliche Authorität hatte er schon allein dadurch, dass es ihm schwerfiel, auch ihn sehr witzigen Situationen zu lachen. In seiner Kindheit hatten ihn deshalb viele gemieden und ihn für eine Spaßbremse gehalten. Dabei machte er das ja nicht absichtlich. Es war einfach nur... ja was?
Er konnte es nicht einmal beschreiben. Er dachte nicht darüber nach, aber er konnte sich einfach nicht gehen lassen.
Der Einzige, der ihm ein Lächeln entlocken konnte, war sein bester Freund. Der hatte aber auch jahrelang an seiner Strategie gefeilt und ihn als Versuchskaninchen missbraucht. Immer hatte dieser irgendetwas angestellt, ihm irrwitzige Dinge erzählt und ihn dabei beobachtet, um genau die Reaktionen zu katalogisieren. Das war meist ein sehr befremdliches Gefühl und er hatte dem anderen auch immer einen irritierten Blick geschenkt.
Aber letztlich hatte sein bester Freund wohl ein sehr gutes Gespür für ihn bekommen. Zumindest war er der Meinung, dass sein bester Freund ihn am besten kannte und umgekehrt war es sicher genauso. Es gab natürlich auch Situationen, in denen sein bester Freund Beistand brauchte. Das kam seltener vor, aber sie waren da - die Abende und Nächte, wo es umgekehrt ablief.
Irgendwie hatte er in letzter Zeit auch das Gefühl, dass bald wieder so ein Gespräch fällig war. Die letzten Wochen war es ihm immer bewusster geworden, dass zunehmend etwas aus den Fugen geriet. Mittlerweile schätzte er schon, dass es zu sechsundachzig Prozent sein eigenes Leben war, das da aus der Bahn lenkte. Eine Bahn, die er vielleicht nie einschlagen hatte wollen?
Wieder schüttelte er innerlich den Kopf. Diese eine Frage seines besten Freundes ließ und ließ ihn einfach nicht los und er wusste nicht warum. Wo waren sie wirklich - seine Herzenswünsche? Hatte er sich so sehr den Blick verstellt, dass er sogar verlernt hatte, auf sich selbst zu hören? War dieses miese Bauchgefühl schon die ganze Zeit dagewesen und er hatte einfach nicht darauf geachtet? Es einfach verdrängt?
Dabei stellte er sich doch eigentlich immer allen Problemen. Er war nicht der Typ dazu, der sich einfach irgendwo versteckte und hoffte, dass es von selbst vorbeiging. Im Gegenteil, er packte aktiv mit an, dass jedes Hindernis, das seine Zukunft beeinträchtigen konnte, schnellstmöglich weg war.
Warum also war plötzlich alles trist geworden, und warum musste es ihm auffallen?
Warum musste sein bester Freund ihn mit der Nase darauf stoßen, dass hier etwas nicht mehr richtig lief? Er traute es sich ja gar nicht erst eingestehen, dass er unglücklich war. War er auch nicht - er hatte alles, was er für das Leben brauchte, und es war auch das Leben, das er wollte. Er war sich so sicher, dass er nicht seinen eigentlichen Weg verloren hatte.

Ein Hupen schreckte ihn abermals aus den Gedanken und er sprang schnell zurück auf den Gehweg. Sein Herz raste und er nahm sich erneut vor, mehr auf seinen Weg zu achten - wenn er schon dabei war, über Wege nachzudenken, war das vielleicht mal der bessere Ansatzpunkt; immerhin wollte er heute ja noch nach Hause kommen und das am besten noch heil.
Aber schon auf der anderen Straßenseite begann sein Gedankenrad sich wieder zu drehen. Jetzt kam ohnehin sein Lieblingsstück auf dem Heimweg: Der Park.
Sein bester Freund hatte ihn einige Male schon darauf hingewiesen, dass er ihn zu spät nicht mehr benutzen sollte, aber irgendwie konnte er davon einfach nicht Abstand nehmen. Er konnte Karate und Judo. Außerdem war er kräftig, auch wenn ihm das im Ernstfall wahrscheinlich wenig nützen würde. Aber es gab einfach keinen solchen Fall. Der Park war viel zu angenehm und ruhig, um ihn zu meiden und dafür fast zwanzig Minuten später nach Hause zu kommen. Gerade wenn es Nacht war, wollte er eigentlich nichts anderes als Heim.
Nach Hause. Noch so ein Begriff, der ihm schwer im Magen lag. Zu Hause war doch da, wo man sich am wohlsten fühlte, oder? So sagte man das doch immer wieder. Aber er fühlte sich in seiner Wohnung gar nicht so wohl. Auch nicht, nachdem sein bester Freund Hand angelegt und ihm etwas beim Einrichten geholfen hatte. Aber trotzdem konnte er nicht behaupten, dass er gerne in seine Wohnung zurückkehrte. Er konnte nicht einmal behaupten, dass er gerne zu seinen Eltern ins Haus fuhr, in dem er aufgewachsen war.
Eigentlich... eigentlich gab es nur zwei Plätze, an denen er sich wirklich wohl fühlte. Einer war in der Natur - und da kam ihm dieser Park sehr gelegen, da es zumindest so aussah und klang wie Flora und Fauna. Allerdings war das nicht im Gegensatz zu all den anderen Flecken, die es außerhalb der Stadt gab. Weitab von Zivilisation, wo man wirklich noch frische Luft tanken und den Pflanzen beim Wachsen zuhören konnte.
Dort - dort zog es ihn hin. Dort war er immer am Liebsten gewesen.
Natürlich auch auf bestimmten Sportplätzen, aber nichts war über die regelmäßigen Ausflüge mit seinen Eltern in die Berge gegangen. Nichts hatte er lieber getan und mit nichts hätte er das Privileg eingetauscht. Er war ein richtige Naturbursche. Er kannte fast jedes heimische Pflanze und beinahe jedes Tier, vom Insekt bis zum Raubtier.
Wann hatte er aufgehört, sich das aktiv anzusehen? Wann hatte er sich das letzte Mal Zeit genommen, um wirklich in die Berge zu fahren und sei es nur auf ein Wochenende? Wann hatte sein bester Freund aufgehört, ihn zu fragen, ob er dieses Jahr wieder wegfahren würde? Und warum fiel ihm das ausgerechnet jetzt ein?
Nachdenklich blieb er stehen und sah in den Nachthimmel hinauf. Die Sterne glitzerten schwach durch die vielen irritierenden Neonbeleuchtungen der umliegenden Gebäude. Dennoch waren sie hier, mitten in diesem Stadtpark doch noch am deutlichesten zu sehen.
Er war schon ewig nicht mehr im Urlaub gewesen. Er hatte schon ewig nicht mehr darüber nachgedacht, sich überhaupt welchen zu nehmen. Eine Auszeit zum Entspannen.
Unwillkürlich schlich nun auch eine Hand in den Nacken, der fast so hart wie Marmor war. Jedenfalls fühlte es sich so an, als er an sich selbst die Muskelstränge erfühlte. Sein bester Freund schaffte es wirklich immer wieder, ihn auf Dinge zu stoßen, ohne sie direkt anzusprechen. Er war sich sicher, dass alles nur die letzte ernsthafte Frage gewesen war, die dieser ihm gestellt hatte: „Wann hast du deinen Traum verloren?“
Plötzlich kamen sie wieder. Jetzt nach fast zwei Wochen, wo ihm diese Frage, auf die er nach wie vor keine Antwort hatte, schlichen sich nach und nach seine Erinnerungen in sein Bewusstsein; verstaubt und vergilbt grub sie sein geistiges Ich aus einer imaginären Schublade. Er hatte mal einen Traum gehabt; einen, den er bis aufs Äußerste verfolgt hatte.
Wie hatte ihm das nur entgleiten können?
Die Erkenntnis schlug ein wie ein greller Blitz und er freute sich tatsächlich darüber, dass er zumindest etwas auf diese Frage sagen konnte. Beantworten konnte er sie nach wie vor nicht, wahrscheinlich konnte das niemand. Dennoch war es doch sicher das, was sein bester Freund erreichen wollte. Ihm indirekt sagen, dass er endlich mal zu Sinnen kommen sollte.
In seiner nicht nach außen getragenen Euphorie - für einen Mann Ende zwanzig in Anzug sah das sicher bescheuert aus, wenn er nun einfach wie Rumpelstilzchen herumspringen würde - setzte er sich eilig wieder in Bewegung. Nicht, dass sein Gang sich wesentlich änderte und auch von der Schrittgeschwindigkeit war wahrscheinlich keine Verschnellerung sichtbar. Es lag wirklich nur daran, dass er sich nun so energiegeladen und frisch fühlte.
Aber das hielt nicht lange, als er keine zehn Minuten später bei seinem besten Freund klingelte und klopfte, aber niemand öffnete. Dabei hätte dieser doch schon lange zu Hause sein müssen. Irgendwie war das seltsam und sein mieses Bauchgefühl wurde wieder stärker. Hatte er zuvor nicht festgestellt, dass in den letzten zwei Wochen etwas anders gewesen war? Dass das letzte Gespräch mit seinem besten Freund anders abgelaufen war als bisher? Überhaupt hatte er schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass etwas mit dem anderen nicht stimmte, aber er konnte es nicht greifen. Hatte es etwas mit dessen Abwesenheit zu tun?
„Der junge Mann ist heute morgen ausgezogen. Die Möbelpacker haben einen unglaublichen Lärm gemacht...“, riss ihn eine altklingende Stimme aus den Gedanken und er konnte die zeternde Nachbarin seines besten Freundes entdecken. Die alte Dame hatte ihre Ohren und Augen überall und ihre Lieblingsbeschäftigung war über alles und jeden zu lästern.
Normalerweise machte sich sein bester Freund immer einen Spaß daraus, ihr einfach nur zuzuhören und zu nicken. Ihm selbst ging es immer schrecklich auf die Nerven. Aber jetzt, hier in diesem Moment, war er unglaublich froh darüber, dass dieser so eine Nachbarin hatte.
Schnell hatte er sich bei der alten Dame bedankt und war auch schon im Treppenhaus verschwunden, sodass er nur noch den Nachhall des Gezeters mitbekam. Das war nun alles nebensächlich. Die Realität war tonnenschwer auf ihn zurückgekracht und hatte sein schweres Gemüt erneut begraben.
Toll, er hatte die Erkenntnis gewonnen, dass er sein Ziel aus den Augen verloren hatte, seinen großen Traum mit Füßen trat und er irgendwie alles getan hatte, um immer weiter davon abzudriften. Was brachte ihm diese Erkenntnis schon? Jetzt war doch ohnehin alles zu spät. Viel zu spät.
Er war verlobt, sowas konnte er nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das konnte er nicht einfach so rückgängig machen, egal wie die Sache auch lief. Außerdem hatte er einen Job. Er hatte Verpflichtungen und Verantwortungen, die alle nichts mit seinem Traum zu tun hatten, aber die er trotzdem wahrnehmen musste. Er konnte nicht einfach die Erwartungen aller anderen zerstören.
Das sah ihm auch gar nicht ähnlich, immerhin hatte er viele Jahre nur das gemacht. Seit er sich erinnern konnte, war er immer brav gewesen und hatte getan, was man von ihm verlangte. Er hatte seinen Eltern nie Kummer bereitet, ein paar kleinere Sorgen vielleicht, wenn er sich mal verletzte, aber nie wirklich großen Kummer. Er hatte nie Dinge getan, die bestraft werden mussten.
Wie konnte er da nur so euphorisch werden, nur weil er sich an einen zerplatzen Traum erinnerte? Ja... sein Traum war zerplatzt, hatte sich still und heimlich einfach in tausend kleine Glasscherben aufgeteilt. Glasscherben, in denen er schon wusste Gott wie lange herumwatete. Er war wirklich bescheuert, wenn er dachte, dass sich jetzt noch irgendetwas ändern konnte.

Betrübt und ein wenig über sich selbst verärgert kam er schließlich zu Hause an. Jetzt hätte er seinen besten Freund wirklich gut gebrauchen können. Wie konnte dieser überhaupt einfach so ausziehen und ihm gar nicht Bescheid geben? Das war doch einfach nur irrwitzig, wie dieser sich aufführte. Da waren sie solange miteinander bekannt und der Typ haute einfach ab, nachdem er soetwas in ihm gesät hatte. Er hätte zumindest noch bis zur Ernte bleiben können.
Natürlich hätte er auch anrufen können. Wahrscheinlich sollte er das auch tun, aber was sollte er schon sagen? Er hatte keine befriedigenden Anworten und auch er hatte eigentlich auch kein Recht, jemanden aufzuhalten, der sein Leben weit eigenständiger führte als er selbst. Immerhin war sein langjähriger bekannter noch ein richtiger Freidenker. Er hatte es nie erlebt, dass dieser sonnige Mensch sich von irgendetwas lenken oder leiten ließ außer ihm stand gerade selbst der Sinn danach. Das hatte ihn so unberechenbar gemacht. Spontan hatte dieser immer irgendeine Idee in den Raum geworfen und innerhalb kürzester Zeit umgesetzt.
Er selbst war da etwas steifer, ungelenker. Er tat, was von ihm erwartet wurde und war wenig flexibel, was andere Dinge betraf. Meistens war er ziemlich skeptisch, besonders wenn es spaßige Ideen von seinem Freund waren. Die waren manchmal ja auch einfach nur zu schräg und grenzwertig gewesen.
Er seufzte, als er sich daran erinnerte, was sie alles zusammen erlebt hatten. Das war doch wirklich ungerecht, dass es nun so schnell enden musste. So ganz ohne Vorwarnung. Er war doch gar nicht darauf vorbereitet.
Mit einem weiteren Seufzen, hatte er sich die Schuhe ausgezogen und hörte sich halbherzig die Nachrichten auf seinem Tonband an. Da war auch nichts wirklich dabei. Seine Eltern wegen Hochzeittermin, seine Verlobte wegen der Hochzeit und ein paar andere Leute, die sich einfach nur wieder melden wollten. Dafür hatte er nun wirklich keinen Kopf mehr. Nicht, nachdem er eine schwerwiegende Erkenntnis bekommen hatte und erfahren musste, dass er sie mit der einzigen Person, der er bedingungslos vertraute, nicht teilen konnte.
Er fühlte sich gerade richtig mies, eingeengt, zerschlagen, beschränkt. Gefangen in einer Welt, die er aufgebaut hatte und eigentlich gar nicht bewohnen wollte. Er wollte hinaus, er wollte in die Berge, wie es sein Traum gewesen war. Bergführer oder irgendetwas anderes in dieser Art. Das war es gewesen, was er angestrebt hatte. Etwas in der freien Natur machen zu können.
Was war er geworden? Irgendein Bürohengst, der mit Zahlen jonglierte und hin und wieder ein paar nichtssagende Zeilen an unbekannte Leute schickte. Gut bezahlt wurde er ja, aber es konnte nicht weiter von seinem Ziel entfernt sein.
Missmutig ließ er sich auf sein Sofa sinken und erst da fiel ihm etwas Essentielles auf. Etwas, das heute morgen garantiert noch nicht dagelegen hatte. Es war ein großes, elegantes Stück Papier, ein bisschen sah es aus wie Pergament. Darauf stand mit einem dicken schwarzen Filzstift geschrieben: „Es braucht Rückrat, das Leben zu leben, das man sich wünscht.“ In der Ecke war kleiner und doch unheimlich groß hinzugefügt: „Einwegticket gebucht.“
Irgendwie verstand er die Nachricht nicht ganz, aber die Handschrift deutete darauf hin, dass sein bester Freund noch da war. Nur dieser konnte so kryptische Nachrichten verfassen. Nur dieser konnte ihm mit wenigen Worten Dinge vermitteln, die kein anderer so rüberbringen konnte, dass er sie auch annehmen würde.
Etwas frustriert, da er schon wieder nicht verstand, was der andere ihm sagen wollte, fragte er laut in die Stille: „Was meinst du denn jetzt schon wieder?“ Er erschrak etwas über die Lautstärke, die diese Aussage hatte, aber das Herzrasen brachte neue Erinnerungen mit sich und mit ihnen kamen neue Erkenntnisse.
Sein bester Freund war nicht abgehauen. Sie hatten sich vor einigen Wochen darüber unterhalten, dass er wegziehen würde, weil er ein lukratives Jobangebot weiter nördlich bekommen hatte.
Und es war niemals zu spät, sein Leben irgendwie in die Hand zu nehmen.

Aufgeregt begann er nach dem versprochenen Ticket zu suchen und fand es schließlich im Schlafzimmer. Dort lag es auf einem gepackten Koffer, angeheftet mit einer Klebenotiz: „Wir sehen uns in deinem Leben.“
 

Öhm... ja... autoren-tag "jenchan"
Habe ich sonst irgendwas vergessen? 

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios