der_jemand: (Default)
[personal profile] der_jemand posting in [community profile] 120_minuten
Autor: [livejournal.com profile] der_jemand
Fandom: Prince of Tennis
Challenge: 10 Jahre vor oder zurück
Charaktere: Shishido Ryou, Ootori Choutarou
Wörter: 1036
Warnungen: "Und"s. Kiloweise "und", egal ob's passt oder nicht. Oh, und sap und fluff und so. Silver Pair halt. Potentiell OOC.
Kommentar: Es war aufeinmal da, ich kann nichts dafür. Dafür habe ich sogar meinen headcanon mit verheiraten Geschwistern vernachlässigt...
Widmung: Für [livejournal.com profile] rei17 und [livejournal.com profile] keksdiebin, ob ihr wollt oder nicht.


Zehn Jahre vor, sieben zurück, zwei nach vorne, fünf nach links. - Es war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Er war jetzt zweiunddreißig und Lehrer an der Junior High. Seit Ouchiyama-sensei vor zwei Wochen ins Krankenhaus gegangen war um ein neues Kniegelenk zu bekommen, trainierte er das Tennisteam. Es machte sogar fast ein bisschen Spaß. Seine Mutter hatte inzwischen aufgehört, ihn darum zu bitten, doch endlich zu heiraten, und Anikis besorgte Blicke und das verständnisvolle Lächeln wurden seltener. Er sollte, wenn schon nicht glücklich, wenigstens zufrieden sein. - Aber es war so unglaublich ungerecht.

Vor siebzehn Jahren war er von der Junior High abgegangen, hatte sich geweigert weiter die Hyotei zu besuchen, auch wenn er damit jedwede Chancen auf eine gute Uni verspielte. Da hätte es vorbei sein müssen. Aber natürlich... Sein Handy hatte eine Melodie von Mozart gespielt. Er wusste nicht einmal, wie man solche Klingeltöne einstellte, aber er hatte Choutarou damals erlaubt, ihm Musik aufzuspielen. Mozart also. Er hatte nie herausgefunden, wie man den Klingelton änderte, nicht, bis das Handy vor dreizehn Jahren bei Aniki in die Badewanne gefallen war. Wenigstens da hätte es vorbei sein müssen.

War es auch gewesen, für ein paar Jahre. Bis er an seinem Geburtstag vor zehn Jahren so unglaublich sturzbesoffen gewesen war und natürlich hatte Gakuto die Handynummer noch und natürlich freute Choutarou sich über die vor Rechtschreibfehlern strotzende SMS und natürlich rief er dann wieder an und natürlich fehlte Shishido jetzt auf einmal der verdammte Mozart.

Sie wurden wieder Freunde. Choutarou las seine Seminararbeiten Korrektur, Shishido zerrte ihn in Clubs, weil so ein Jurastudium ihm das Leben noch früh genug versauen würde, Gakuto riss dämliche Witze. So hätte es weitergehen können.

Aber wie immer, wenn Shishido zwar nicht unbedingt glücklich, aber doch von Grund auf zufrieden war, kam es anders. Anikis Sohn wurde geboren und irgendwie übertrug sich die ganze Nervosität und der Freudentaumel und der Wahnsinn auf den werdenden Onkel. Er küsste Choutarou. Und Choutarou küsste ihn und wenn Shishido fragen würde, würde er auch den Mozart-Klingelton wieder einstellen, bestimmt, und, verdammt, er war glücklich. Bis ihm wieder einfiel, dass Choutarou in nicht einmal einem Monat zum Auslandssemester nach England fliegen würde. Wozu er ihn überredet hatte. Vor ziemlich genau achteinhalb Jahren.

Er brachte Choutarou zum Flughafen und küsste ihn nicht, weil die ganze Familie Ootori auch da war, und auf dem Weg nach hause warf er das Handy aus dem Fenster.

Aus dem Semester wurde ein Jahr und irgendwann erzählten ihm weder Aniki noch Gakuto oder Atobe noch davon, dass Choutarou verzweifelt versuchte, ihn zu erreichen. Für die erfolgreiche Flucht hatte er nach dem Abschluss nur nach Kyoto ziehen müssen.

Es war vorbei. Mit Sicherheit.

Und dann hatte Choutarou vor der Tür gestanden. Mit einem neuen Handy. 'Geschenke darf man nicht verlieren, Senpai, das ist unhöflich.' Mozart war voreingestellt. Shishido hatte nicht die geringste Ahnung, wie Choutarou ihn gefunden hatte, aber es war auch egal. Sie waren wieder auf der Junior High. Spielten Tennis, wenn sie neben der Arbeit Zeit fanden. Aus den Clubs wurden Kneipen und Choutarou entwickelte ein gewisses Faible für Cocktails. Natürlich. Sie lagen sich mehr als einmal betrunken in den Armen, als Aniki eine SMS von Choutarou las, fragte er, seit wann sie zusammen wären und irgendwie... Es war Junior High. Sie küssten sich nie. Wenn Gakuto Witze machte, wurde Choutarou knallrot und Shishido wütend. Es war komisch, nichts halbes und nichts ganzes, ungemein frustrierend aber irgendwie auch wunderschön. Shishido hatte seinen Choutarou wieder, natürlich funktionierte das mit dem Flüchten nie.

Natürlich wäre das zu einfach gewesen. Choutarou war ein erfolgreicher Staatsanwalt, er begann Kyoto wirklich zu mögen und spielte mit zwei Musiklehrern von Shishidos Schule und einem Kollegen in einem Streicherquartett. Und dann bekam Shishido einen Job in Tokyo und zum Abschied und nach ein paar Cocktails küsste Choutarou ihn. Nach ein paar Cocktails mehr landeten sie zusammen im Bett.

Das Handy ließ Shishido auf dem Nachttisch liegen.

Choutarou schickte es ihm nach. 'Geschenke darf man nicht einmal beabsichtigt verlieren.' Den Klingelton hatte er gelöscht und wenn Shishido anrief, hatte er selten Zeit.

Das war gut. Sie mussten beide wollen, dass es vorbei war. Man konnte nicht so in der Zeit springen, versuchen nacheinander befreundet zu sein und in einander verliebt und nicht miteinander zu reden und eine Beziehung zu führen. Sie hatten sich für eine Sache entschieden. Es war vorbei.

Es war seit fünf Jahren vorbei. - Es war wirklich ungerecht.

„Fahr“, war alles, was Aniki dazu gesagt hatte. Gakuto hatte seinen Rat mit sehr plastischen Schilderungen, was er mit Choutarou anstellen sollte unterlegt, aber im Grunde lief es auf das selbe hinaus. - Wie konnte es eigentlich sein, dass Gakuto konstanter war als Choutarou?

Natürlich war er gefahren. Er war nicht unglücklich, sogar wirklich zufrieden. Es wurde Zeit, dass sich etwas änderte.

Also saß Shishido jetzt in diesem Café, versteckt hinter einer Tageszeitung und schielte immer wieder zu dem schlaksigen Mann im Anzug, der langsam seinen Kaffee trank und in einem Roman las. Es war fünf Jahre her, dass er diese silbernen Haare gesehen hatte. Das war unfair.

Choutarou sah nicht einmal zu ihm hinüber. Als er bezahlte und ging, blieb Shishido an seinem Tisch sitzen. Ja, jetzt war er unglücklich. Natürlich.

Eigentlich hatte er noch an diesem Abend zurück nach Tokyo fahren wollen, aber irgendetwas hatte ihn ihre alte Stammkneipe gezogen. Choutarou saß am Tresen. Und sah ihn sofort, als er eintrat.

Sie tranken Cocktails, redeten, lachten, als wäre nie etwas gewesen. Nach dem dritten Caipirinha legte Choutarou seinen Kopf an Shishidos Schulter und es fühlte sich wieder an wie die Junior High. Die Nacht endete schließlich im selben Bett wie vor fünf Jahren.



„Du bist noch hier, Shishido-san?“
„Hm.“
Choutarou lachte leise.
„Ich hab die Schnauze voll vom hin und her springen. Wir sollten uns entscheiden.“
„So wie vor fünf Jahren?“ Choutarou klang beinahe traurig.
„Hm.“
„Also ist es wieder vorbei?“
„Muss wohl. Ich wohne immer noch in Tokyo.“
„Ich habe mich nach Tokyo versetzen lassen. Nächsten Monat ziehe ich um.“
„Oh.“
„Hm.“
„Choutarou, ich glaube, ich bin zu alt zum Weglaufen.“
„Und ich zu vernünftig.“
Und das hatte wirklich nur achtzehn Jahre gedauert.

Date: 2010-05-26 07:20 pm (UTC)
From: [identity profile] keksdiebin.livejournal.com
Awwww, Silver Pair *-*!! Und dann noch von dir *__*!!
Die beiden sind sooo süß! Und so tragisch.
Ich finde es toll, dass du ihre Geschwister integrierst <3

Und gott sei Dank gibt es ein Happy End!!!
Chou ist so ein Puschel und Ryou so ein... *ihn packen und schütteln will*!

Vielen Dank fürs Schreiben - es war toll und sehr nostalgisch, eine PoT-FF von dir zu lesen!

Date: 2010-05-27 08:25 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Awwwwww~!
Das ist ein ganz bittersüßes, wehmütiges Awwww.
Wunderschöne Bestandsaufnahme einer Beziehung mit viel zu vielen wundervollen, treffenden Sätzen, die ich gar nicht alle zitieren kann.

Es war komisch, nichts halbes und nichts ganzes, ungemein frustrierend aber irgendwie auch wunderschön.

Ich denke, DAS fasst viele Beziehungen perfekt zusammen. Ich liebe es, wie du in der Zeit hin und herspringst und damit eben auch genau diese Zerrissenheit und das "aneinander vorbei lieben" einfängst. Diese Vergänglichkeit und das immer "grade so verpassen", von dem was einen glücklich macht. Als ob man es mit den Fingerspitzen streift und zack ist es wieder weg oder man hat es verbaut. Und immer nur weil das Raum-Zeit-Kontinuum und die eigene Sturheit nicht zulassen dass man sich einmal, nur einmal, zur selben Zeit, am selben Ort liebt.

Ich schließe mich Keks an und bin auch sehr froh über das Happy end! *-*
Vielen lieben Dank für die Widmung. Und ich freu mich grade total über die PoT-Nostalgie-Welle die wir losgetreten haben. *g*
Edited Date: 2010-05-27 08:25 am (UTC)

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