(no subject)
May. 25th, 2010 07:55 pmChallenge: Nostalgie
Kommentar: Ist ein wenig Hippie-mäßig geworden mit dem Schluss. Aber Love, Peace and Ice-cream mag eben jeder ^-^
„Hier…. ich habe… Zimmer.“ Die Worte krochen langsam und schwerfällig über die Lippen des nervösen Mädchens, fanden nur mühselig den Weg zur Dame hinter dem schweren Schreibtisch und blieben schließlich keuchend vor ihr liegen. Die Empfangsdame schürzte die Lippen.
„Du hast hier ein Zimmer?“ Die Abneigung der Dame fegte abschätzig die kränkelnden Worte des Mädchens vom Tisch und blickte selbstgefällig auf das junge Mädchen.
„Ja!“ Panisch machte die Nervosität des Mädchens ihrer großen Schwester, der Angst Platz, welche sich zur Abneigung gesellte. Beide waren sie raumausfüllend und atemluftraubend.
„Dein Name?“
„Mein… Name ist Akemi Matsushita.“
„Was ist Vor- und was ist Nachname?“ die Worte schossen auf Akemi zu, doch die Angst hielt ihr finster grinsend die Ohren zu und so verletzten die Worte nur, blieben aber unverstanden.
„Bi-Bitte?“
„Was. Ist. Dein. NACHname?“ Gehässig piekte die Abneigung mit ihren spitzen Fingern in die Brust Akemis.
„Ich…Matsushita!“
„Moment!“ Die Dame durchsuchte einige Blätter vor ihr während Akemi stumm wartete. Angst und Abneigung tanzten weiterhin durch den Raum, hinderten Akemi am Atmen und drückten auf ihre Schultern.
„Matsushita?“ Aus dem Mund der Dame klang ihr Name seltsam fremd und beleidigend.
„Ja!“
„Zimmer 218!“ Die Dame erhob sich steif, schritt durch den tristen Raum und griff nach einem der vielen Schlüssel, die an der Wand neben Akemi wie Gehängte am Galgen hingen. Ohne Worte wurde einer der Schlüssel Akemi unsanft in die Hand gedrückt. Die Abneigung kratze über Akemis Brust. Es würde Narben hinterlassen.
„In deinem Zimmer findest du eine Tasche, in der alles Nötige ist. Unter anderem auch zwei Formulare, ein blaues und ein orangenes. Das Blaue füllst du sofort aus, nachdem du nachgeschaut hast, dass alles in Ordnung ist, dann bringst du es zu mir, verstanden?“ Die fremden und seltsamen Worte sprangen kreischend aus dem Mund der Dame auf Akemi zu, eines nach dem anderen griff nach dem Mädchen, doch sie alle prallten an der Angst ab und erreichten Akemi nicht. Dennoch nickte Akemi, sie wollte aus diesem Raum raus.
Mit einem knappen Kopfschütteln wurde das Mädchen nach draußen gejagt, in den kaum freundlicher anmutenden Flur mit den zwei Koffern, die Akemi gehörten. Akemi nahm ihre Koffer und ging langsam auf den Aufzug zu, Angst und Abneigung waren im Zimmer der Dame geblieben, doch Einsamkeit hatte sie im Flur erwartet und saß nun erschwerend auf ihren Koffern.
Ihr Zimmer war weniger trostlos, hell und freundlich sogar, doch die Einsamkeit stellte sich breit vor das große Fenster, sperrte aufmunterndes Licht aus. Akemi sah die zuvor erwähnte Tasche, ignorierte sie aber und ließ sich auf das Bett im Zimmer fallen. Sie war gerademal zwei Tage in Deutschland, doch sie wollte schon zurück nach Japan. Dort war es schon warm und frühlingshaft, hier in Deutschland hatte es seit ihrer Ankunft nicht aufgehört zu regnen, dennoch war Akemi fast die einzige, die einen Regenschirm benutzte, etwas, was sie verunsicherte. Dass Deutsche größer als Japaner waren, hatte Akemi gewusst, dennoch kam sie sich winzig zwischen all den Fremden vor. Akemi blickte auf die Uhr an der Wand. Es war Mittag, in Japan aber schon Abend. Auf einmal sehnte sie sich nach einer Schale Misosuppe ihrer Mutter und ihrer Lieblingssendung im Fernseher. Müde kramte sie in einem Koffer nach Kujichi. Die Einsamkeit beobachtete sie Mitleidig, als Akemi den kleinen Plüschwal aus dem Koffer zog und ihr Gesicht an ihn drückte. Traurigkeit umfing das Mädchen mit ihren sanften Armen hielt es tröstend bis zum Morgen fest.
Kujichi war immer noch in Akemis Besitz, ein wenig ausgebleicht und nicht mehr ganz so kuschlig thronte er jetzt auf dem Regal hinter Akemis Schreibtisch. Die junge Frau fuhr kurz mit den Fingerspitzen über den Wal, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Vom Trostspender zum Erinnerungsstück. Manchmal, aber nur selten, diente er auch als stumme Mahnung. Ein zaghaftes Klopfen holte Akemi aus ihren Gedanken.
„Herein!“
„Entschuldigung…ich…bin Austausch-tauschstudent!“ die japanischen Silben wurden mühsam hervor gewürgt und kullerten langsam zu Akemi. Die junge Japanerin lächelte.
„Ah, setz dich doch!“ antwortete sie. Die Nervosität, die mit dem Jungen in das Büro hineingekrochen kam, wurde ein wenig kleiner, als sie die Freundlichkeit sah, die ihr fröhlich zuwinkte.
no subject
Date: 2010-05-25 08:49 pm (UTC)ansonsten mag ich es, wie du mit den Nomen spielst, wie Abneigung und Einsamkeit und sie so personifiziert. Das verschlimmert sie irgendwie, find ich und so passen sie noch mehr zur Situation.
und das Ende ist so schön herzerweichend.
no subject
Date: 2010-05-26 11:09 am (UTC)Ist einer der beiden folgenden Sätze leichter Verständlich?
Panisch machte die Nervosität des Mädchens ihrer großen Schwester, der Angst, Platz, welche sich zur Abneigung gesellte
Panisch machte die Nervosität des Mädchens ihrer großen Schwester Platz, der Angst, welche sich zur Abneigung gesellte
no subject
Date: 2010-05-26 06:00 pm (UTC)