Mittel gegen Schlafprobleme
May. 23rd, 2010 11:56 pmTitel: Mittel gegen Schlafprobleme
Autor: Inge McMax
Fandom: Originale
Challenge: Zu viel/ Zu wenig UND Schlafprobleme
Wörter: 1247
Disclaimer: Alles meins!
Kommentar: nicht beta gelesen. Außerdem habe ich hier mal zwei Challenges in einem Text zusammen gefasst. Passte gerade so gut.
Es ist vier Uhr morgens, als du wie üblich einmal mehr nachts aus deiner Ruhe herausgerissen wirst. Entnervt drehst du dich ein Weilchen von einer Seite auf die andere, in der Hoffnung, dass du noch einmal in die Kissen sinkst und Schlaf finden kannst.
Nach einer halben Stunde, weißt du, das es nicht mehr funktionieren wird und du erhebst dich.
Ganz vorsichtig, um die Katzen nicht zu stören schleichst du dich aus dem Bett. Deine Katzen, schnaufen und rollen sich auf der noch warmen Matratze, aber deiner Wärme entzogen neu zusammen und schlafen weiter.
Du gehst ins Wohnzimmer, schaltest die schwache Deckenbeleuchtung ein und den Laptop.
Nach dem du dich auf Toilette erleichtert und einen Tee aufgekocht hast, tust du, was du in solchen Momenten immer tust.
Du verschanzt dich mit Zigaretten und literweise Tee hinter dem Laptop und schreibst.
Du sitzt ein Weilchen vor deinem Rechner und überlegst, was du heute niederschreiben willst. Zehn Minuten verstreichen, ohne dass du ein Wort geschrieben hast. Etwas was nicht häufig passiert.
Dein Blick fällt auf die Flasche Rotwein, die du geschenkt bekommen hast. In deinem Mund kannst du ihn schmecken. Rauchig und voll gleitet er über deine Zunge. Beim ersten Schluck, wird dein Speichelfluss angeregt, du kannst fühlen, wie sich die Poren zusammenziehen und er austritt.
Wie die Fruchtigkeit des Weines an Intensivität gewinnt und du fasst das Gefühl hast, die Trauben selbst in deinem Mund zergehen zu lassen.
Du schwelgst in Erinnerungen. Ob nun Lamm in Rotweinsauce, Fasan, Wild oder nur abends zum Fernsehen. Du hast viele Weine getrunken. Schlechte wie gute, liebliche wie trockene. Welche, die Perlen am Glas hinterlassen und solche, die sich wie ein Film über die Oberfläche legen. Du favorisierst trockene rote Weine. Die Schweren, die am nächsten morgen bei jedem Kopfschmerzen hinterlassen. Nur nicht bei dir.
Kater. Ein Fluch, der jeden nach einem feucht fröhlichen Abend am nächsten morgen heimsucht. Alle nur nicht dich.
Egal wie viel du trinkst. Egal was du trinkst. Sechs Stunden Schlaf und du bist wieder da. Langsam, müde und eventuell ein wenig flau im Magen, aber nie mit einem Kater.
Ist es erblich bedingt, oder einfach nur antrainiert?
Antrainiert in deiner frühen Jungend oder ein Vermächtnis deiner trinkfreudigen Familie? Wahrscheinlich ist es wirklich nur Training. Ein Körper gewöhnt sich an ziemlich viel. Erhöhter Alkoholkonsum ist nur eines von vielen.
Du warst sechzehn, als die Schlafprobleme anfingen. Zunächst ging dein Bedürfnis von zehn Stunden am Tag auf sechs hinunter. Ziemlich schnell, innerhalb von nur wenigen Wochen, wachst du ohne Wecker nach diesen wenigen Stunden wieder auf. Bist immer vor deinem Wecker wach und starrst an die Decke. Wartest auf das Summen.
Nach einem weiteren halben Jahr, fing es an, das du nicht mehr durchschlafen konntest. Zweimal, dreimal manchmal viermal die Nacht bist du hoch. Zunächst versuchst du noch schnell wieder ein zu schlafen. Kuschelst dich tief unter die Decke, drehst dich mit dem Gesicht zur Wand und schließt krampfhaft die Augen.
Schnell merkst du, es hat keinen Sinn. Du fängst an aufzustehen. Rauchst eine Zigarette. Trinkst einen Tee und sitzt in der Küche. Je nach dem wie spät oder früh es schon ist, manchmal nur eine halbe Stunde, ehe du wieder ins Bett gehst und dein Glück versuchst.
Du begreifst schnell, dass wenn du weniger als zwei Stunden zum Wecker hast, du dich nicht noch mal hinlegen solltest. Es macht dich nur müde und laugt dich aus. Du bist den ganzen tag ohne Elan.
Du fängst an Bücher zu lesen und auf den Wecker zu warten. Heute sitzt du vorm Rechner und schreibst.
Damals hast du gelauscht, wie der Wecker deiner Mutter ging und sie sich fertig für die Arbeit gemacht hat. Manchmal bist du dann aus deinem Zimmer gekommen und ihr habt zusammen eine geraucht. Gefragt warum du schon auf bist hat sie nie. Oder zumindest erinnerst du dich daran nicht.
Fast ein Jahr lebst du unter diesen Bedingungen, hältst sogar eine weile Mittagsschlaf, doch das gestatten deine Eltern nicht. Du bist zu jung dafür und könntest dann abends nicht zur Bettzeit schlafen sind die Argumente. Im Endeffekt noch nicht einmal falsch. Aber auch ohne Mittagschlaf holt dich die Traumwelt nicht.
Dann kam der Tag, an dem dein Onkel vorbei kam und eine Kiste Wein unter dem Arm hatte. Wieso ist dir entfallen. Wahrscheinlich einfach, weil er sie nicht trinkt.
Kein teurer, kein toller, aber er schmeckt dir. Deine Leidenschaft für Rotwein ist erwacht. Deiner Mutter ist er zu trocken. Sie ist eh schon gut beschwipst von der ersten Flasche und geht schlafen.
Du bleibst auf der Terrasse sitzen und genießt die zweite Flasche allein. Die Sonne geht unter und der Mond erscheint. Langsam aber stetig wird die Flasche immer leerer, genau wie deine Zigarettenschachtel.
Du weißt aus Erfahrung, dass du nicht vor Mitternacht schlafen gehen musst, sonst bist du zu früh hoch.
Es ist halb eins, wenn du die Flasche leer hast, keine Zigarette mehr da sind und du dich bettfertig machst.
Zähne putzen und umziehen funktioniert schon nicht mehr einwandfrei. Du bist noch nicht total betrunken, doch gut angetrunken, soviel ist klar. Um die Pyjamahose anzuziehen, musst du dich setzen.
Du legst dich hin, kuschelst dich unter die Decke und bist in wenigen Minuten eingeschlafen.
Am nächsten morgen, wirst du vom Wecker geweckt. Du schlägst danach und willst dich schon auf die andere Seite rollen, als der Gedanke zu dir durchdringt:
Du bist vom Wecker geweckt worden.
Du blinzelst verwirrt den Gegenstand und die Uhrzeit an. Stehst dann auf und siehst dich in der Wohnung um. Deine Mutter ist weg. Zur Arbeit. Du hast nichts mitbekommen. Weder ihren Wecker, noch wie sie durch die Wohnung ging. Du bist zwischendurch nicht einmal wach geworden.
Ein Lächeln stiehlt sich auf deine Lippen. Schlafprobleme zu Ende? Du wagst es zu hoffen und freust dich auf den Abend. Ausschlafen. Etwas, dass dich den ganzen Tag in Hochstimmung versetzt.
Aber nein. Am nächsten Abend, alles wieder beim Alten. Die gleichen Probleme. Du bist frustriert. Traurig und erledigt.
Allerdings bist du nicht auf den Kopf gefallen und begreifst schnell, dass wenn du trinkst du besser schläfst. Das hast du in nur zwei Wochen herausgefunden.
Du fängst mit ein, zwei Gläsern am Abend an. Steigerst dich zu eineinhalb Flaschen jeden Abend und das in knapp sechs Monaten.
Weder deinem Vater, noch deiner Mutter fällt es auf. Zumindest werden sie nie ein Wort darüber verlieren. Ganz im Gegenteil, während deine Großeltern dich bei Familienfeiern mit Argusaugen beobachten und genau überprüfen wie viel du trinkst, bekommst du von deinem Vater Wodka geschenkt. Mit Goldplättchen drin, hat er heilende Wirkung, du sollst jeden Abend ein Schnapsglas voll nehmen.
Irgendwann hast du aufgehört zu trinken. Von heut auf Morgen. Du hast fast zwei Jahre lang keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt, wie es dazu kam, das du wieder mit dem Trinken angefangen hast weist du nicht mehr.
Heute trinkst du wieder. Bier, Rotwein, Bacardi… alles durcheinander und in großen Mengen. Aber nicht regelmäßig. Nur hin und wieder auf einer Party.
Du verfällst selbst heute noch in das alte Trinkmuster zurück, wenn du ein zwei Wochen jeden Abend deine Flasche Rotwein trinkst, während du am Rechner sitzt oder im TV was guckst.
Heute fällt es dir von alleine auf und du kannst da einen Riegel vorschieben. Trinkst ein paar Wochen evtl. Monate nicht. Bis du wieder in das Muster zurückfällst. Ein stetiges auf und ab. Trinken und nicht trinken.
Du hast gerade eine Trinkperiode abgeschlossen. Es ist dir aufgefallen und du legst eine Pause ein.
Bis zumnächsten Mal.
no subject
Date: 2010-05-26 09:02 pm (UTC)ich find's sehr gut, dass du aus der perspektive einer zweiten Person erzählt hast. geschichten, deren person ein 'du' ist, gibt es selten genug. und es war sehr angenehm auch zu lesen. schön flüssig.
nur eins: du hast zweimal weist geschrieben, es müsste aber weißt sein. aber ist ja auch nich beta-gelesen. ich möcht nicht wissen, wie viele fehler bei mir drin sind^^.
no subject
Date: 2010-05-26 09:19 pm (UTC)freut mich, dass dir der text gefallen hat. die "du" version einer person wird in der tat nicht oft verwendet, wobei ich sie eigentlich auch recht gerne mag^^
danke für den beta-tip, ich werd gleich mal gucken, ob ich die beiden "weist" finden kann.