[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Digimon 02 (+ein paar Jahre)
Pairing: DaiKeru
Challenge: Zusammenbruch
Wörter: 990


Die Tatsache, dass Hikari ihm entgültig und unmissverständlich einen Korb gab, verursachte bei Daisuke einen Zusammenbruch. Es war in diesem Fall kein hübscher, mit Blümchen geschmückter Korb gewesen, er hatte aus einigen, aus Gründen angenagter Nerven schroffen Worten bestanden.

Bei Twitter, in welchem sämtliche (Ex)Digiritter ihr virtuelles Dasein fristeten (war man einmal digitalisiert gewesen, kam man scheinbar nie so ganz zurück in seinen bloßen, analogen Urzustand), führte das zu kollektivem Unwohlsein.
Es begann damit, dass Daisuke nicht mehr zum Fußball ging.
Undenkbar! Das ist wie wenn er nicht mehr isst!, zwitscherte Taichi.
Es muss ihn echt hart getroffen haben. Wir wussten ja alle, dass sie seine erste große Liebe war, fügte Iori hinzu. Es gab einige Mitleidsbekundungen und Diskussionen, welche die genervte Hikari schnell verließ und dann legte sich Schweigen über die Sache.
Takeru hatte das nur halbherzig mitbekommen.
Bis zu dem Tag, an dem ihn sein Bruder anrief.

„Ken sagt, dass Daisuke nicht auf seine Mails antwortet.“
Man hörte im Hintergrund Töpfe klappern und Küchenschranktüren auf- und wieder zugehen. Das war bisher in der Geschichte der Freundschaft des Kreises nicht vorgekommen. Daisuke hatte ihm sogar aus dem Krankenhaus nur Stunden nach seiner Blinddarm-OP geschrieben.
„Nicht dass mich ein Vollpfosten wie der großartig interessieren würde“, murmelte Yamato.
„Aber wenn er nicht mal Ken zuhört...“
„Meint ihr nicht, ihr übertreibt da etwas?“, fragte Takeru. Er kannte Daisuke. Der war ein Fels in der Brandung und so sensibel wie ein Baumstamm. Ein grundsolider Typ, der immer wieder ganz gut auf die Beine kam.
„Geh wenigstens mal bei ihm vorbei“, sagte Yamato.
„Damit die anderen ihr Gewissen beruhigen können.“
„Und du deins“, neckte Takeru ihn. Es war schon beinahe niedlich wie angestrengt sein Bruder zu verbergen versuchte, dass er sich Sorgen um den Jungen machte.

Seitdem seine Schwester zum Studium weggezogen und seine Mutter wieder eine Halbtagsstelle angenommen hatte, war bei Daisuke scheinbar nicht mehr viel los. Im Hause Motomiya schien es still geworden zu sein und so kam niemand eifrig zur Tür gelaufen als Takeru klingelte. Er hatte vorsorglich Daisukes ausgeliehene Transformer-DVD mitgenommen um zur Not einen Vorwand zu haben („Die verstaubte bei mir und ich guck solchen Kram ohnehin nicht an!“)

Erst nachdem er eine Minute lang Sturm geklingelt hatte, hörte er drinnen langsame, schlurfende Schritte. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit und zwei große braune Augen starrten ihn finster an.
„Komm schon, lass mich rein“, sagte Takeru.
„Ich geh dir auch nicht lange auf die Nerven.“

Er setzte sich an den Küchentisch, den Frau Motomiya mit einem Blümchentischdeckchen geschmückt hatte und schaute Daisuke dabei zu wie der in etwas, das aussah wie Zeitlupe, Kaffee aufsetzte.
„Alle machen sich Sorgen.“
Er legte die DVD auf den Tisch.
„Die denken, du springst vom Dach. Ist schon ungewöhnlich wenn du nicht mal mehr mit deinem besten Freund redest.“

Dabei sah er gar nicht so schlecht aus. Er hatte keine Ringe unter den Augen, war nicht abgemagert und schien sich bester Gesundheit zu erfreuen. Nach einem Zusammenbruch sah das nicht gerade aus.

„Denken das alle, ja?“, fragte Daisuke und es waren die ersten Worte, die er überhaupt sagte.
„Dann ist ja gut.“
„Moment mal.“
Takeru blinzelte.
„Spielst du uns etwa nur was vor?“
Sein Gegenüber lehnte sich gegen die Theke und eine kurze Weile war das Röcheln der Kaffeemaschine das einzige Geräusch, welches den Raum füllte.

„Das war es doch, was ihr erwartet habt, oder?“, sagte er schließlich.
„`Oh, seine große Liebe jagt ihn zum Teufel, er muss doch total fertig sein deswegen!´ oder so ähnlich.“
„Ich hab das nicht gedacht“, verteidigte Takeru sich.
„Du nicht, aber die Mädels. Taichi. Jou. Eben die meisten.“
Takeru lehnte sich zurück im Stuhl und verschränkte locker die Arme.
Das war interessant.

„Das heißt, es gibt ihn gar nicht, den großen Liebeskummer? Aber wieso dann dieses Theater mit dem Clubschwänzen und dem Stillschweigen?“

Daisuke fischte zwei Tassen aus dem Schrank, kleckerte Milch hinein und Kaffee. Er schien sich damit zu begnügen, außer sturem Schweigen nichts von sich zu geben.

Takeru rollte innerlich mit den Augen. Dafür war er extra hierhergekommen!

„Niemand hat was von dir erwartet. Kann es nicht vielleicht sein, dass nur du selbst etwas erwartet hast?“

Sein Freund starrte auf die Kaffeetassen. Es schien einen Moment so, als würde er nach Worten suchen, er machte sogar ein-zweimal den Mund auf, doch es kam nichts hinaus.
Schließlich drehte er sich zu Takeru um, sah ihn ernst an und stürzte plötzlich geradezu los, um den Tisch herum. Takeru hatte kaum Zeit, sich zu erschrecken. Ehe er so richtig wusste wie ihm geschah, legten sich zwei warme Hände an seine Wangen und zwei Lippen auf die seinen. Geradezu süß und ziemlich weich. Sein Puls schoss in unermessliche Höhen.
Als er die Augen wieder öffnete, von denen er nicht einmal gemerkt hatte, sie geschlossen zu haben, war Daisuke noch ganz nah.

„...oh“, machte Takeru.
„Oh...“
„Genau.“
Daisuke machte keine Anstalten, ihn wieder loszulassen.
„`Oh´ umschreibt es ziemlich gut. Auch wenn es in meinem Kopf eher klang wie `Aaaargh´.“
Sein rechter Daumen streichelte Takerus Wange.
„Jetzt sag mir, was leichter an die Außenwelt mitzuteilen ist: ein vorgetäuschter Zusammenbruch oder `Oh´?“

Die Art und Weise wie er ihn hielt, verriet jedoch, dass die ganze Sache nicht einfach so an Daisuke vorübergegangen war.
„Punkt für dich“, gab Takeru zu.
„Ja.“
Ganz langsam ließ der Junge ihn los.
„Und was jetzt?“
„Keine Ahnung. Du bist hierhergekommen.“
„Ich wurde geschickt.“
„Das ändert nichts an der Tatsache.“

Die Atmosphäre war komplett umgeschlagen. Plötzlich eröffneten sich ganz neue Perspektiven für Takeru. Er musste sein Weltbild, was Daisuke anging, erst einmal etwas umbauen. Und wahrscheinlich nicht nur das.

Er tippte nachdenklich auf der DVD-Hülle herum.
„Ich hab ihn dir wiedergebracht, aber gesehen habe ich ihn nicht.“
„Hättest du machen sollen...“ Vorsichtig beäugte sein Freund ihn. Dann breitete sich ein schmutziges Grinsen auf seinem Gesicht aus.

„Wenn du schon mal hier bist, können wir uns den auch ansehen.“

Date: 2010-05-23 11:16 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
OMG!!!!!!
*kreisch* *_______________________________*
*dich anspring*
*hyperventilier*
Gnah! ♥ ♥ ♥ *in die Tischkante beiß*
Ist DAS wundervoll. *_* *selig schwelg*
Ich liebe Daisukes verquere Logik und Takeru, der sich gar keine Sorgen macht. Und wie alle miteinander twittern und voll connected sind, und trotzdem aneinander vorbei reden.
Und wie man so ein kompliziertes Gefühl in "Oh" zusammenfassen kann.
Wunderschön. *___*
Danke!

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