KZP

May. 23rd, 2010 09:01 pm
[identity profile] maxwellgirl.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Kurzzeitpause
Autor: Inge McMax
Fandom: Originale
Challenge: Pause
Wörter: 1400
Disclaimer: alles meins!

Kommentar: nicht beta gelesen

 

"Soweit alles klar, oder haben Sie noch Fragen?“ Mein neuer Chef sieht mich lächelnd an.

„Danke, aber bisher nicht.“ Ich lächle freundlich zurück und sitze an meinem neuen Schreibtisch. Vor mir fährt der Rechner hoch und die Sekretärin bringt mit ein paar Stifte und Post-it’s in unterschiedlichen Farben, ehe sie genauso leise wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist.

„Gut“; meint mein Chef nur und wendet sich von mir ab um mein Büro zu verlassen. „Wenn sonst noch etwas ist, oder sie etwas brauchen, wenden sie sich an Frau Müller. Sie wird ihnen alles zeigen. Ansonsten machen sie sich heute erst mal mit ihrem neuen Arbeitsplatz vertraut und später schauen wir dann mal, dass sie schon etwas tun können.

Ich nicke, doch noch ehe ich etwas sagen kann, ist er bereits aus meinem neuen Büro verschwunden. Mein Büro. Wie das klingt. Aber genau das ist es. Mein neues Büro bei meinem neuen Job in einer neuen Stadt. Ich bin Samstag erst hier her gezogen. Von Hamburg nach München. Einmal quer durchs ganze Land. Aber langsam legt sich meine Nervosität. Ist nicht mein erster Job, nicht meine erste Stadt und ich bin bisher auch immer ganz gut zu Recht gekommen.

Ich entspanne mich, strecke die Beine unter dem Tisch aus, sortiere meine neuen Stifte ein und gucke aus dem Fenster, während mein Rechner hoch fährt. Netter Ausblick. Ich sitze im Erdgeschoss und habe einen Kirschbaum vor dem Fenster stehen. Dahinter sogar eine Wiese. Die Firma liegt recht abseits und mit nur einer einzigen Busverbindung. Daher auch meine anfängliche Nervosität heute Morgen. Für einen kurzen Moment dachte ich, ich sei im falschen Bus auf der falschen Strecke in eine völlig falsche Richtung unterwegs. Ich war schon drauf und dran wieder aus zu steigen, als endlich auf dem kleinen Monitor, der immer die nächsten acht Haltestellen anzeigt auch die für meine Firma auftauchte. Das war mehr Stress, als ich am Morgen vertragen kann.

Ich hole meine Wasserflasche aus meiner Tasche und genehmige mir einen Schluck. Wir haben auch eine Teeküche, aber da traue ich mich noch nicht hin. Ich kann durch meine nur angelehnte Tür Stimmen auf dem Flur hören. Leise fast flüsternd. Ich frage mich, ob sie sich über die Neue unterhalten. Also über mich. Oder über etwas anderes. Ich kann das hier noch gar nicht einschätzen. Nette Kollegen, zickige Kollegen oder auch geschwätzige? Ich weiß es noch nicht aber hoffe es auch nicht. Alles nur das nicht. Mit sowas kann ich nicht besonders gut umgehen.

Ich sehe auf meine Uhr. Es ist zehn. Und mir ist jetzt schon langweilig. Keine Ahnung, was ich machen soll. Chef meinte ich solle mich an meinen Arbeitsplatz gewöhnen. Ich sehe mich in meinem noch leeren Büro um. Ein Poster muss an die Wand entscheide ich spontan und mache mir meinen ersten Post.it fertig. Wenn auch nur für mich und für zu Hause. Blumen können nicht schaden, also schreibe ich sie noch dazu. Vielleicht ein persönliches Bild von meinem Freund oder Kater überlege ich und kaue nachdenklich auf meinem Bleistift rum.

Auf dem Flur wird es etwas lauter, ich höre mehrere Stimmen und Gelächter die an meinem Zimmer vorbei gehen und dann wieder leiser werden. Dann klopft es an meiner Zimmertür und die Sekretärin steckt ihren Kopf durch die angelehnte Tür. „Ich mache jetzt ihr Namensschild“, erklärt sie mir und wackelt mit dem Gerät in meine Richtung. „Wie wollen sie es haben?“

Ich stehe auf und gehe zu ihr hinüber auf den Flur, der mit Ausnahme von uns jetzt leer ist und zucke mit den Schultern. „Nichts weiter. Einfach ‚Frau Dr. Steinkamp‘“, meine ich schlicht.

Sie sieht mich an. „Sie wollen ein ‚Frau‘ davor?“, will sie sicherheitshalber noch mal wissen.

Ich nicke. „Ist besser wenn die Besucher gleich wissen auf was sie sich einzustellen haben. Spart den Spruch ‚Oh, ich hatte nicht mit einer Frau gerechnet“.

Sie lacht und nickt, ehe sie anfängt meinen Wunsch in das Gerät zu tippen. „Da haben sie wohl Recht. Also dann: Frau Doktor.“

Ich lächle charmant zurück und beobachte sie bei ihrem Handwerk und wie sie meinen Namen noch auf das Schild neben der Tür klebt. Ich sehe es eine Weile an und lächle. Mein Büro. Die Sekretärin verschwindet wieder und ich sehe den Flur einmal hoch und runter. Immer noch niemand zu sehen. Ich gehe also wieder zurück in mein Zimmer und werfe einen Blick in den schmalen Schrank und die rollenden Schubladen unter meinem Schreibtisch. Bis auf ein paar Kataloge, die mein Vorgänger wohl vergessen hat, ist nichts zu finden.

Ich blättere sie durch und lese mir ein paar Artikel zur aktuellen Krebs- und Genforschung durch, die ich durchaus interessant finde. Kurzeitig spitze ich noch mal die Ohren, als ich meine Kollegen im Büro neben mir laut lachen höre. Sie scheint Besuch von einem weiteren Kollegen zu haben. Ich konzentriere mich wieder auf meine Lektüre.

Als ich das nächste Mal auf dir Uhr sehe, ist es kurz nach elf Uhr. Alles ist still und mir ist immer noch langweilig. Ich zögere noch kurz und überlege hin und her, doch dann entscheide ich mich für eine KZP. Kurzeitpause oder auch Zigarettenpause genannt. Ich schnappe mit eine Zigarette, das Feuerzeug und meinen Schlüssel und verlasse das Büro. Kurz überlege ich abzuschließen, aber wird wohl keiner was klauen. Zumal ja eh nichts da ist zum Klauen. Ich gluckse. Weder im Flur, noch auf dem Weg nach draußen begegnet mir ein Mensch. Nichts zu sehen. Da ich nicht weiß wohin, setzte ich mich im Eingangsbereich einfach auf die Stufen und zünde mir die Zigarette an.

Ich bin schon zur Hälfte fertig, als das erste Mal jemand an mir vorbei und ins Gebäude geht. „hallo“, sage ich freundlich. „Hallo“, kommt es gleichgültig zurück. Ich zucke schwach mit den Schultern, als die Frau an mir vorbei ist und ziehe wieder an meiner Zigarette. Höre den Vögeln zu und schnappe vereinzelnd ein paar Wortfetzen aus einem Telefonat auf. Wahrscheinlich einer meiner Kollegen aus dem Erdgeschoss, die das Fenster offen haben.

Ich stütze den Ellenbogen auf mein Knie und mein Kinn in die Hand, währen dich langsam den Rauch aus meiner Lunge puste.

„Hallo“, werde ich da plötzlich von hinten angesprochen und drehe mich um. Ein junger Mann ist aus dem Gebäude bekommen, ohne dass ich es gemerkt habe.

„Hallo“, grüße ich freundlich zurück und lächle.

Er zieht seine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche und zündet sich ebenfalls eine Zigarette an. „Du bist die neue Biologin, oder?“

Ich lache leise auf und nicke. Reiche ihm meine Hand. „Ja bin ich. Sabine. Und du?“

Ich schüttelt meine Hand fest und kräftig. „Thomas. Ich bin der Technische Assistent.“

Ich nicke verstehend und betrachte ihn etwas genauer. „Und welche Forschung machst du gerade?“, frage ich neugierig nach, doch er winkt ab.

„Momentan machen wir nur die Datenausarbeitung der alten Ergebnisse. Mit den nächsten Versuchen fangen wir erst in zwei Wochen an. Ist also gerade etwas ruhiger bei uns.“

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Das erklärt, warum ich mich noch an mein Büro gewöhnen soll, anstatt im Labor zu arbeiten.“

Er lacht. „Ja, ist wohl etwas doof gelaufen. Aber wenn du Lust hast, kannst du mir auch gern etwas abnehmen. Sind aber nur Daten, die in den Computer gegeben werden müssen.“

Ich stimme geradezu begeistert zu. „Besser als aus dem Fenster zu gucken.“

Er gluckst und inhaliert noch einmal kräftig an der Zigarette, ehe er sie wegschnippt und einen Blick auf die Uhr wirft. „Wir gehen in einer guten halbe Stunde rüber in die Cafeteria zum Mittagessen. Wenn du Lust hast, hole ich dich ab. Dann kannst du die anderen kennenlernen und wie weißen dich etwas in die aktuelle Arbeit ein. Anschließend kannst du dann ein paar Daten von mir haben.

Ich gehe mit ihm zurück in das Gebäude, wo wir gleich nach dem Eingang stehen bleiben. Ich muss links herum, er rechts in den Flur. „Bis gleich dann. Ich hab das Büro 113“, lasse ich ihn wissen und er hebt zum Gruß zu Hand. „Bis gleich. Ich bin gegen zwölf Uhr da.“
Ich gehe zurück in mein Büro und setzte mich an meinen Schreibtisch. Erleichtert atme ich aus. Endlich den ersten Kontakt gemacht. Einen kenne ich schon mal. Ich sehe mich in dem verlassenen und kahlen Büro um. Wollen wir hoffen, dass mich auch bald Kollegen besuchen kommen und ich schnatternd auf dem Flur stehen kann. Man fühlt sich so ganz allein und abgeschieden wenn man neu ist. Aber das ist jetzt vorbei. 
 



 

Date: 2010-05-28 06:26 am (UTC)
From: [identity profile] leviathans-moon.livejournal.com
neu sein kann schrecklich sein. bei der Bus-Sache musste ich so lachen, weil ich das auch oft habe^^. ich sitz da, und warte darauf, dass die nächsten Stationen angesagt werden, um zu sehen, ob meine dabei ist XD.
hat mir gefallen^^. was ich dir nur vorschlagen wollte, bei diesem Satz: Alles ist still und mir ist langweilig würde ich vielleicht schreiben, immer noch langweilig, weil du vorher schon mal das langweilig hast, würde ich es vielleicht noch ein bisschen mehr variieren, aber das ist jetzt glaub ich auch eher eine persönliche Vorliebe meinerseits.

oh, und das mit dem Namensschild fand ich auch gut. Frau Doktor^^. hätte ich vermutlich auch gemacht, aus genau demselben GrundXD

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