No empathy in emotional slaughter
May. 23rd, 2010 02:57 pmFandom: Original
Charaktere: Misha, Lux, (Jamil)
Challenge: "Wo sind wir stehen geblieben? / Fortsetzung folgt"
Warnungen: Angst, angst, angst, ANGST, ziemlich zusammenhangslose Storyfetzen
Wörter: ~1800
Vorwort: Die Personen, so wie das ganze Universum stammt aus meiner Nano-original. Und nein, Lux ist kein Vampir.
when you´re
bored by yourself you wanna
care for another but empathy
don´t fit in emotional slaughter
„Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja.“
Die unerwartete Stimme hinter sich ließ Misha herumfahren.
„Wa- …?!“ Er spürte wie eine Hand sich unsanft in seinem Hemd verkrallte. Dann wurde er ruckartig nach vorne gezogen. Und geküsst.
Sekundenlang war er wie erstarrt.
Irgendwo in seinem Frontalhirn wurden in Windeseile und gleichzeitig die Informationen prozessiert, dass er grade angegriffen wurde (in seinem eigenen Haus!), dass sein Bruder unten war und ihm nicht helfen konnte, dass er sich gefälligst wehren sollte und dass hier irgendwo noch Salz oder Silberwaffen herumlagen.
Dann sickerte die Information nach, dass das ein ziemlich guter Kuss war.
Ausgehungert, ungeduldig und mit Zunge. Und dass er nur einen Menschen auf der ganzen Welt gab, der sich so unverschämt von hinten an ihn heranmachen würde.
Misha wehrte sich auf die einzige Art und Weise, die ihm einfiel. Er biss zu.
Mit einem Seufzen ließ Lux ihn los, trat einen Schritt zurück und fuhr sich mit der Hand über den Mund. Seine Lippen verzogen sich zu einem schrägen, kleinen Grinsen, als er das Blut auf seinem Handrücken sah.
„Autsch“, sagte er spöttisch.
Das Dachfenster, das eben noch geschlossen gewesen war, stand jetzt weit offen.
„Da waren wir nicht stehen geblieben“, erwiderte Misha kühl und strich sein zerknittertes T-Shirt glatt. Sein Herz hämmerte wild gegen seine Rippen.
„Stimmt.“ Lux lächelte sanft und tödlich und Misha wich unwillkürlich einen Schritt zurück, bis er mit den Hüften gegen den Tisch hinter sich stieß. „Wir waren da stehen geblieben, wo ich dir deinen kleinen, verlogenen Hals umdrehen wollte.“
Mishas Atem stockte und seine Finger begannen hinter seinem Rücken auf dem Tisch nach irgendetwas zu angeln, was er als Waffe benutzen konnte.
„Manchmal komme ich selbst ganz durcheinander“, fuhr Lux fort, während er näherkam. „Wann immer ich dich sehe, vergesse ich, ob ich mit dir schlafen oder dich umbringen wollte. Kann sein, dass ich mal durcheinander komme. Ups.“
Mitten in der Bewegung blieb er stehen und neigte den Kopf, als ob er auf etwas lauschte.
Er entblößte kleine, spitze Eckzähne als sein Grinsen breiter wurde.
„Die Kavallerie naht“, stellte er fest, im selben Augenblick als auch Misha die eiligen Schritte auf der Treppe hören konnte. „Schade.“
In einer Bewegung, die so schnell war, dass man ihr mit bloßem Auge kaum folgen konnte, war Lux wieder am offenen Fenster und schwang sich auf das Fensterbrett. „Beste Grüße an deinen Bruder.“
Er winkte. „Bis bald, mein Engel.“
Misha spürte mehr als das er sah wie hinter ihm die Tür aufgerissen wurde; der ruckartige Luftzug ließ die Gardinen aufflattern. Dann war Jamil vor ihm und Misha wurde an den Schultern gepackt und geschüttelt bis seine Zähne klapperten.
Nein, dachte er wie benebelt und mit einem beinah hysterischen Lachen, das in seiner Kehle steckte wie Glassplitter, fröhliche Familienfeiern mit seinem Bruder und einem radikalen Anarcho-Magier, der sie alle umbringen wollte, würde es in nächster Zeit definitiv nicht geben.
Möglicherweise war es keine gute Idee gewesen, mit ihm zu schlafen, nur um herauszufinden, wie er seinen Bruder retten konnte.
Wenn Lux so etwas wie Gefühle gehabt hätte, hätte man annehmen können, das habe ihn getroffen.
Aber wer hätte auch ahnen können, dass die einzige Möglichkeit, um Jamil zu retten, Lux eigenes, schmerzhaftes, möglichst baldiges Ableben war …?
Das ‚bald‘ kam schneller als erwartet.
Schneller und unerfreulicher.
„Wo waren wir stehen geblieben?“ Lux lachte atemlos und rasselnd. „Ach ja. Mord und Todschlag. Das Übliche.“
Es dauerte einen Augenblick bis Mishas Augen sich an das fahle Licht in der düsteren Zelle gewöhnt hatte und Lux‘ formlose Gestalt in den Schatten scharfe Konturen annahm. Blut klebte auf seinem Gesicht, rote Striemen zogen sich über seine Schulter und sein rechter Arm lag seltsam angewinkelt in seinem Schoß. Um den linken schlangen sich schwere Ketten aus Silber.
Natürlich Silber. Nichts anderes hätte ihn zurückhalten können.
Lux lehnte den Kopf zurück und fuhr mit der Zungenspitze über seine aufgesprungenen Lippen. Sein überheblicher Blick wanderte zwischen Misha und Jamil hin und her. „Arbeitet ihr seit neustem für die Leute in den schwarzen Anzügen? So tief seid ihr gesunken. Ich hoffe, wenigstens das Gehalt und die Urlaubstage stimmen. Was ist euer Aufgabengebiet? Folter für Anfänger?“
„Wir arbeiten für niemanden“, erwiderte Jamil kühl. Zu Misha gewandt, fragte er: „Bist du sicher, dass wir ihn brauchen? Können wir ihn nicht hier verrecken lassen?“
Misha nickte kaum merklich und sein Bruder fluchte leise.
„Wir müssen aufhören uns unter diesen Umständen zu begegnen“, sagte Lux höhnisch und ohne Jamil zu beachten. „Immer liege ich blutend vor dir. Langsam habe ich den Verdacht, du stehst darauf.“
Misha schwieg noch immer. Jamil trat einen Schritt nach vorne.
Lux belauerte jede seiner Bewegung mit schmalen, hungrigen Augen.
Er erinnerte Misha an ein gefangenes, verwundetes Tier. Blut klebte auf seinen Zähnen, als er die Lippen zu einem grausamen kleinen Lächeln verzog. „Wusstest du das? Dein kleiner, niedlicher Bruder steht darauf, andere zu dominieren. Er liebt die totale Kontrolle“, schnurrte er. Es war an Jamil gerichtet, aber seine Augen verließen nicht einmal Mishas Gesicht. „Deswegen ist der Sex mit ihm auch so scharf. Aber das weißt du vielleicht aus eigener Erfahrung. Oder bist du deswegen immer so frustriert, weil er dich nicht ranlässt?“
„Bring ihn zum Schweigen oder ich bringe ihn um“, sagte Jamil leise und ohne sich zu Misha umzudrehen.
Zögernd griff Misha in seine Tasche. Aber er hatte Glück und es erübrigte sich, ihn zu betäuben. Lux verlor das Bewusstsein, noch bevor Jamil begann seine Ketten löste.
Vielleicht und vielleicht nicht, war Misha beinah froh, als es ihm später gelang zu entkommen und es zu keiner Befragung mehr kam. Auch wenn sich niemand erklären konnte, wie er es geschafft hatte, die magischen Siegel zu durchbrechen, in denen er eingesperrt war.
Sie waren verdammt dazu, zu scheitern.
Denn das einzige worin es enden konnte, war im Desaster.
Rechts und links um sie herum zerfiel die Welt in Trümmern und es gab keine Seite, auf der man sich sicher fühlen konnte. Kein Rettungsboot, kein Notausgang. Keine Guten, keine Bösen, nur Chaos und keine Kontrolle mehr.
„Ich dachte, wir reden nicht mehr miteinander.“ Lux Stimme war tief und rau. Sein Atem war heiß auf Mishas Hals. „Das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, hast du mich ignoriert. Dabei lag ich doch schon halbnackt gefesselt vor dir. Man könnte meinen, du findest mich gar nicht scharf.“
„Ich will nicht reden“, murmelte Misha und schloss die Augen. Seine Haare klebten feucht in seiner Stirn. Ihm war heiß und kalt zugleich. „Halt den Mund. Mach weiter.“
Mach weiter. Nicht reden. Nicht denken.
Bis zum nächsten Mal.
Fortsetzung folgt.
Das nächste Mal, wenn wir uns sehen, wird einer von uns sterben.
“Wo waren wir stehen geblieben?” fragte Misha kühl.
Es war beinah eine Genugtuung zu sehen wie Lux herumfuhr und sich seine Augen minimal weiteten, als er einen Blick auf ihn erhaschte.
„Überrascht?“ fragte Misha.
"Nicht doch. Es ist immer eine Freude dich zu sehen.“ Lux deutete eine spöttische Verbeugung an. „Aber doch nicht jetzt und nicht hier. Mischen du und dein Bruder euch wieder in Angelegenheiten ein, die euch nichts angehen?“
Sein schwarzer Mantel flatterte auf melodramatische Art und Weise im Nachtwind um ihn herum, was sich besonders gut machte, weil er auf dem äußersten Rand des Hochhausdachs stand. Misha konnte kaum hinsehen, ohne dass ihm schwindelig wurde.
„Wie hast du es bis hierher geschafft? Alle Aufzüge sind doch gesichert …“ Lux unterbrach sich selbst. „Nein, vergiss es.“ Mit einem leichtfüßigen Satz sprang Lux von der Brüstung. „Du hast das denkbar ungünstigste Timing, wie immer. Mach, dass du verschwindest.“
„Ich denke nicht im Traum daran!“
Lux fletschte die Zähne. „Dann fang schon mal an, dich mit dem Gedanken zu arrangieren. Hier wird gleich alles in die Luft fliegen.“
„Was?!“ Misha sog hörbar Luft ein. Unwillkürlich machte er einen Schritt auf ihn zu, verließ den selbst auferlegten Sicherheitsabstand.
„Seid ihr irre? Ihr könnt das Trianon nicht sprengen!“, fauchte er ungläubig. Er riss sich los, als Lux Anstalten machte, nach seinem Arm zu greifen. „Wo ist der Sprengstoff?“, zischte er. „Wo sind deine wahnsinnigen Freunde? Können wir sie noch aufhalten?“
„Sie sind nicht meine Freunde. Und nein. Niemand kann sie aufhalten.“
Natürlich. Wie kam er nur auf so eine absurde Idee. Lux hatte keine Freunde.
Lux teilte Menschen nur in vier Gruppen ein. Die er umbringen wollte, die ihn umbringen wollten, die mit denen er Sex hatte und die, die ihm herzlich egal waren. Gruppen, die sich nicht unbedingt gegenseitig ausschlossen.
Misha fiel ihn gleich drei davon.
„Lass mich los! Lass los! Wie viel Zeit haben wir?“
„Nicht genug.“ Lux lachte, als er Mishas Gesichtsausdruck sah. „Falls du planst, mich jetzt umzubringen, spar dir die Mühe. Das lohnt nicht mehr. Sag mir lieber, ob du fliegen kannst?“
„Lass die blöden Witze.“
„Oh, aber das war kein Witz, mein Engel. Wie schade. Das hätte uns noch retten können.“ Leichtfüßig sprang Lux zurück auf die Brüstung und blickte hinunter. „Dann haben wir wohl ein Problem.“
Misha blieb mit einigem Abstand hinter ihm stehen und starrte ihn sekundenlang wortlos und außer Atem an.
Die schwarze Nachtluft zerrte an Lux, als wollte sie ihn mit sich in die Tiefe reißen. Misha blickte in den dunklen Abgrund zu seinen Füßen und er schauderte.
War Lux hier hochgekommen, um hier zu bleiben?
Gleichgültig, ob er wieder runterkam?
Oder war er einfach nur wahnsinnig und viel zu sehr von sich selbst überzeugt?
Fragen über Fragen. Und keine Zeit mehr sie zu stellen.
„Wie lange?“ wiederholte er. „Wie lange haben wir …?“
„Immer finden wir uns in solchen Situationen wieder“, stellte Lux leise fest, ohne auf seine Frage einzugehen. Unbeabsichtigt spiegelte er Mishas eigene Gedanken wieder. „Zu dumm. So viele Möglichkeiten, so wenig Zeit.“
„Bring uns hier runter“, hauchte Misha.
„Kann ich zaubern?“
„Ja!“
In einer plötzlichen Aufwallung von Wut und Verzweiflung packte Misha nach seinem Arm und riss ihn zu sich, bereit ihn zu bedrohen und notfalls Gewalt anzuwenden.
Zu seiner eigenen Überraschung fand er sich keine Sekunde später in einer Umarmung wieder, die drohte ihm die Rippen zu brechen. Lux küsste ihn.
Es war kein netter Kuss, sondern glich mehr einer Gewaltanwendung.
Ich will nicht sterben, dachte Misha wie benebelt und küsste zurück. Seine Finger krallten sich in Lux Mantel, als würde ihm das irgendwie weiterhelfen, wenn gleich alles unter ihnen auseinanderbrach.
Ein dumpfes Dröhnen erschütterte das Dach und riss ihnen den Boden unter den Füßen weg. Das ganze Gebäude erbebte.
Ihre Beziehung war ein Fortsetzung Folgt-Drama in tausend Akten, ohne Einschaltquoten und ohne Happy End.
An guten Tagen nur so schrecklich wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. An schlechten schlimmer als ein Hochhaus, das unter ihren Füßen explodierte.
Er hatte nachträglich keine Erinnerung mehr daran, wie Lux es geschafft hatte, sie von dem zusammenbrechenden Dach und durch die brennenden Stockwerke nach unten zu bekommen.
Vielleicht mit Magie. Vielleicht nur mit Wahnsinn.
Als er zu sich kam, war das Trianon nur noch ein brennender Trümmerhaufen, Sirenen schrillten in der Ferne, der Himmel stand in Flammen und Jamil war da und starrte ängstlich auf ihn herab.
Lux war verschwunden und hatte nichts hinterlassen. Nur einen Fetzen Papier in Mishas Tasche. „Fortsetzung folgt“.
Death won´t greet you with open
arms, you´ll accept it, because
your heart has been crying
right from the start
Johnossi: “The Show tonight”
Nachwort: Das ist übrigens das Trianon, mit 186m das fünfthöchste Hochhaus in Frankfurt. Ich wollte schon immer mal fiktiv was in Luft jagen. *_*
Charaktere: Misha, Lux, (Jamil)
Challenge: "Wo sind wir stehen geblieben? / Fortsetzung folgt"
Warnungen: Angst, angst, angst, ANGST, ziemlich zusammenhangslose Storyfetzen
Wörter: ~1800
Vorwort: Die Personen, so wie das ganze Universum stammt aus meiner Nano-original. Und nein, Lux ist kein Vampir.
when you´re
bored by yourself you wanna
care for another but empathy
don´t fit in emotional slaughter
„Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja.“
Die unerwartete Stimme hinter sich ließ Misha herumfahren.
„Wa- …?!“ Er spürte wie eine Hand sich unsanft in seinem Hemd verkrallte. Dann wurde er ruckartig nach vorne gezogen. Und geküsst.
Sekundenlang war er wie erstarrt.
Irgendwo in seinem Frontalhirn wurden in Windeseile und gleichzeitig die Informationen prozessiert, dass er grade angegriffen wurde (in seinem eigenen Haus!), dass sein Bruder unten war und ihm nicht helfen konnte, dass er sich gefälligst wehren sollte und dass hier irgendwo noch Salz oder Silberwaffen herumlagen.
Dann sickerte die Information nach, dass das ein ziemlich guter Kuss war.
Ausgehungert, ungeduldig und mit Zunge. Und dass er nur einen Menschen auf der ganzen Welt gab, der sich so unverschämt von hinten an ihn heranmachen würde.
Misha wehrte sich auf die einzige Art und Weise, die ihm einfiel. Er biss zu.
Mit einem Seufzen ließ Lux ihn los, trat einen Schritt zurück und fuhr sich mit der Hand über den Mund. Seine Lippen verzogen sich zu einem schrägen, kleinen Grinsen, als er das Blut auf seinem Handrücken sah.
„Autsch“, sagte er spöttisch.
Das Dachfenster, das eben noch geschlossen gewesen war, stand jetzt weit offen.
„Da waren wir nicht stehen geblieben“, erwiderte Misha kühl und strich sein zerknittertes T-Shirt glatt. Sein Herz hämmerte wild gegen seine Rippen.
„Stimmt.“ Lux lächelte sanft und tödlich und Misha wich unwillkürlich einen Schritt zurück, bis er mit den Hüften gegen den Tisch hinter sich stieß. „Wir waren da stehen geblieben, wo ich dir deinen kleinen, verlogenen Hals umdrehen wollte.“
Mishas Atem stockte und seine Finger begannen hinter seinem Rücken auf dem Tisch nach irgendetwas zu angeln, was er als Waffe benutzen konnte.
„Manchmal komme ich selbst ganz durcheinander“, fuhr Lux fort, während er näherkam. „Wann immer ich dich sehe, vergesse ich, ob ich mit dir schlafen oder dich umbringen wollte. Kann sein, dass ich mal durcheinander komme. Ups.“
Mitten in der Bewegung blieb er stehen und neigte den Kopf, als ob er auf etwas lauschte.
Er entblößte kleine, spitze Eckzähne als sein Grinsen breiter wurde.
„Die Kavallerie naht“, stellte er fest, im selben Augenblick als auch Misha die eiligen Schritte auf der Treppe hören konnte. „Schade.“
In einer Bewegung, die so schnell war, dass man ihr mit bloßem Auge kaum folgen konnte, war Lux wieder am offenen Fenster und schwang sich auf das Fensterbrett. „Beste Grüße an deinen Bruder.“
Er winkte. „Bis bald, mein Engel.“
Misha spürte mehr als das er sah wie hinter ihm die Tür aufgerissen wurde; der ruckartige Luftzug ließ die Gardinen aufflattern. Dann war Jamil vor ihm und Misha wurde an den Schultern gepackt und geschüttelt bis seine Zähne klapperten.
Nein, dachte er wie benebelt und mit einem beinah hysterischen Lachen, das in seiner Kehle steckte wie Glassplitter, fröhliche Familienfeiern mit seinem Bruder und einem radikalen Anarcho-Magier, der sie alle umbringen wollte, würde es in nächster Zeit definitiv nicht geben.
Möglicherweise war es keine gute Idee gewesen, mit ihm zu schlafen, nur um herauszufinden, wie er seinen Bruder retten konnte.
Wenn Lux so etwas wie Gefühle gehabt hätte, hätte man annehmen können, das habe ihn getroffen.
Aber wer hätte auch ahnen können, dass die einzige Möglichkeit, um Jamil zu retten, Lux eigenes, schmerzhaftes, möglichst baldiges Ableben war …?
Das ‚bald‘ kam schneller als erwartet.
Schneller und unerfreulicher.
„Wo waren wir stehen geblieben?“ Lux lachte atemlos und rasselnd. „Ach ja. Mord und Todschlag. Das Übliche.“
Es dauerte einen Augenblick bis Mishas Augen sich an das fahle Licht in der düsteren Zelle gewöhnt hatte und Lux‘ formlose Gestalt in den Schatten scharfe Konturen annahm. Blut klebte auf seinem Gesicht, rote Striemen zogen sich über seine Schulter und sein rechter Arm lag seltsam angewinkelt in seinem Schoß. Um den linken schlangen sich schwere Ketten aus Silber.
Natürlich Silber. Nichts anderes hätte ihn zurückhalten können.
Lux lehnte den Kopf zurück und fuhr mit der Zungenspitze über seine aufgesprungenen Lippen. Sein überheblicher Blick wanderte zwischen Misha und Jamil hin und her. „Arbeitet ihr seit neustem für die Leute in den schwarzen Anzügen? So tief seid ihr gesunken. Ich hoffe, wenigstens das Gehalt und die Urlaubstage stimmen. Was ist euer Aufgabengebiet? Folter für Anfänger?“
„Wir arbeiten für niemanden“, erwiderte Jamil kühl. Zu Misha gewandt, fragte er: „Bist du sicher, dass wir ihn brauchen? Können wir ihn nicht hier verrecken lassen?“
Misha nickte kaum merklich und sein Bruder fluchte leise.
„Wir müssen aufhören uns unter diesen Umständen zu begegnen“, sagte Lux höhnisch und ohne Jamil zu beachten. „Immer liege ich blutend vor dir. Langsam habe ich den Verdacht, du stehst darauf.“
Misha schwieg noch immer. Jamil trat einen Schritt nach vorne.
Lux belauerte jede seiner Bewegung mit schmalen, hungrigen Augen.
Er erinnerte Misha an ein gefangenes, verwundetes Tier. Blut klebte auf seinen Zähnen, als er die Lippen zu einem grausamen kleinen Lächeln verzog. „Wusstest du das? Dein kleiner, niedlicher Bruder steht darauf, andere zu dominieren. Er liebt die totale Kontrolle“, schnurrte er. Es war an Jamil gerichtet, aber seine Augen verließen nicht einmal Mishas Gesicht. „Deswegen ist der Sex mit ihm auch so scharf. Aber das weißt du vielleicht aus eigener Erfahrung. Oder bist du deswegen immer so frustriert, weil er dich nicht ranlässt?“
„Bring ihn zum Schweigen oder ich bringe ihn um“, sagte Jamil leise und ohne sich zu Misha umzudrehen.
Zögernd griff Misha in seine Tasche. Aber er hatte Glück und es erübrigte sich, ihn zu betäuben. Lux verlor das Bewusstsein, noch bevor Jamil begann seine Ketten löste.
Vielleicht und vielleicht nicht, war Misha beinah froh, als es ihm später gelang zu entkommen und es zu keiner Befragung mehr kam. Auch wenn sich niemand erklären konnte, wie er es geschafft hatte, die magischen Siegel zu durchbrechen, in denen er eingesperrt war.
Sie waren verdammt dazu, zu scheitern.
Denn das einzige worin es enden konnte, war im Desaster.
Rechts und links um sie herum zerfiel die Welt in Trümmern und es gab keine Seite, auf der man sich sicher fühlen konnte. Kein Rettungsboot, kein Notausgang. Keine Guten, keine Bösen, nur Chaos und keine Kontrolle mehr.
„Ich dachte, wir reden nicht mehr miteinander.“ Lux Stimme war tief und rau. Sein Atem war heiß auf Mishas Hals. „Das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, hast du mich ignoriert. Dabei lag ich doch schon halbnackt gefesselt vor dir. Man könnte meinen, du findest mich gar nicht scharf.“
„Ich will nicht reden“, murmelte Misha und schloss die Augen. Seine Haare klebten feucht in seiner Stirn. Ihm war heiß und kalt zugleich. „Halt den Mund. Mach weiter.“
Mach weiter. Nicht reden. Nicht denken.
Bis zum nächsten Mal.
Fortsetzung folgt.
Das nächste Mal, wenn wir uns sehen, wird einer von uns sterben.
“Wo waren wir stehen geblieben?” fragte Misha kühl.
Es war beinah eine Genugtuung zu sehen wie Lux herumfuhr und sich seine Augen minimal weiteten, als er einen Blick auf ihn erhaschte.
„Überrascht?“ fragte Misha.
"Nicht doch. Es ist immer eine Freude dich zu sehen.“ Lux deutete eine spöttische Verbeugung an. „Aber doch nicht jetzt und nicht hier. Mischen du und dein Bruder euch wieder in Angelegenheiten ein, die euch nichts angehen?“
Sein schwarzer Mantel flatterte auf melodramatische Art und Weise im Nachtwind um ihn herum, was sich besonders gut machte, weil er auf dem äußersten Rand des Hochhausdachs stand. Misha konnte kaum hinsehen, ohne dass ihm schwindelig wurde.
„Wie hast du es bis hierher geschafft? Alle Aufzüge sind doch gesichert …“ Lux unterbrach sich selbst. „Nein, vergiss es.“ Mit einem leichtfüßigen Satz sprang Lux von der Brüstung. „Du hast das denkbar ungünstigste Timing, wie immer. Mach, dass du verschwindest.“
„Ich denke nicht im Traum daran!“
Lux fletschte die Zähne. „Dann fang schon mal an, dich mit dem Gedanken zu arrangieren. Hier wird gleich alles in die Luft fliegen.“
„Was?!“ Misha sog hörbar Luft ein. Unwillkürlich machte er einen Schritt auf ihn zu, verließ den selbst auferlegten Sicherheitsabstand.
„Seid ihr irre? Ihr könnt das Trianon nicht sprengen!“, fauchte er ungläubig. Er riss sich los, als Lux Anstalten machte, nach seinem Arm zu greifen. „Wo ist der Sprengstoff?“, zischte er. „Wo sind deine wahnsinnigen Freunde? Können wir sie noch aufhalten?“
„Sie sind nicht meine Freunde. Und nein. Niemand kann sie aufhalten.“
Natürlich. Wie kam er nur auf so eine absurde Idee. Lux hatte keine Freunde.
Lux teilte Menschen nur in vier Gruppen ein. Die er umbringen wollte, die ihn umbringen wollten, die mit denen er Sex hatte und die, die ihm herzlich egal waren. Gruppen, die sich nicht unbedingt gegenseitig ausschlossen.
Misha fiel ihn gleich drei davon.
„Lass mich los! Lass los! Wie viel Zeit haben wir?“
„Nicht genug.“ Lux lachte, als er Mishas Gesichtsausdruck sah. „Falls du planst, mich jetzt umzubringen, spar dir die Mühe. Das lohnt nicht mehr. Sag mir lieber, ob du fliegen kannst?“
„Lass die blöden Witze.“
„Oh, aber das war kein Witz, mein Engel. Wie schade. Das hätte uns noch retten können.“ Leichtfüßig sprang Lux zurück auf die Brüstung und blickte hinunter. „Dann haben wir wohl ein Problem.“
Misha blieb mit einigem Abstand hinter ihm stehen und starrte ihn sekundenlang wortlos und außer Atem an.
Die schwarze Nachtluft zerrte an Lux, als wollte sie ihn mit sich in die Tiefe reißen. Misha blickte in den dunklen Abgrund zu seinen Füßen und er schauderte.
War Lux hier hochgekommen, um hier zu bleiben?
Gleichgültig, ob er wieder runterkam?
Oder war er einfach nur wahnsinnig und viel zu sehr von sich selbst überzeugt?
Fragen über Fragen. Und keine Zeit mehr sie zu stellen.
„Wie lange?“ wiederholte er. „Wie lange haben wir …?“
„Immer finden wir uns in solchen Situationen wieder“, stellte Lux leise fest, ohne auf seine Frage einzugehen. Unbeabsichtigt spiegelte er Mishas eigene Gedanken wieder. „Zu dumm. So viele Möglichkeiten, so wenig Zeit.“
„Bring uns hier runter“, hauchte Misha.
„Kann ich zaubern?“
„Ja!“
In einer plötzlichen Aufwallung von Wut und Verzweiflung packte Misha nach seinem Arm und riss ihn zu sich, bereit ihn zu bedrohen und notfalls Gewalt anzuwenden.
Zu seiner eigenen Überraschung fand er sich keine Sekunde später in einer Umarmung wieder, die drohte ihm die Rippen zu brechen. Lux küsste ihn.
Es war kein netter Kuss, sondern glich mehr einer Gewaltanwendung.
Ich will nicht sterben, dachte Misha wie benebelt und küsste zurück. Seine Finger krallten sich in Lux Mantel, als würde ihm das irgendwie weiterhelfen, wenn gleich alles unter ihnen auseinanderbrach.
Ein dumpfes Dröhnen erschütterte das Dach und riss ihnen den Boden unter den Füßen weg. Das ganze Gebäude erbebte.
Ihre Beziehung war ein Fortsetzung Folgt-Drama in tausend Akten, ohne Einschaltquoten und ohne Happy End.
An guten Tagen nur so schrecklich wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. An schlechten schlimmer als ein Hochhaus, das unter ihren Füßen explodierte.
Er hatte nachträglich keine Erinnerung mehr daran, wie Lux es geschafft hatte, sie von dem zusammenbrechenden Dach und durch die brennenden Stockwerke nach unten zu bekommen.
Vielleicht mit Magie. Vielleicht nur mit Wahnsinn.
Als er zu sich kam, war das Trianon nur noch ein brennender Trümmerhaufen, Sirenen schrillten in der Ferne, der Himmel stand in Flammen und Jamil war da und starrte ängstlich auf ihn herab.
Lux war verschwunden und hatte nichts hinterlassen. Nur einen Fetzen Papier in Mishas Tasche. „Fortsetzung folgt“.
Death won´t greet you with open
arms, you´ll accept it, because
your heart has been crying
right from the start
Johnossi: “The Show tonight”
Nachwort: Das ist übrigens das Trianon, mit 186m das fünfthöchste Hochhaus in Frankfurt. Ich wollte schon immer mal fiktiv was in Luft jagen. *_*
no subject
Date: 2010-05-23 01:22 pm (UTC)Und auch wenn ich einen roten Faden selbst mit der Lupe nicht finde, ist es klasse. XD Sehr stimmungsvoll. ;) Hat wirklich Spaß gemacht, es zu lesen.
no subject
Date: 2010-05-23 03:33 pm (UTC)Ich weiß, es ist total zerstückelt und random.
In meinem Kopf macht es alles Sinn. ^^*
Aber schön, dass es dir trotzdem gefallen hat. =)
no subject
Date: 2010-05-23 03:27 pm (UTC)Oh, ich fühle mich so inspiriert *__*
no subject
Date: 2010-05-23 03:30 pm (UTC)Tsumi! *__*
Von dir !! *_*
*wird ohnmächtig*
*dich ne Runde anschmacht* *________________* Danke!! ♥
no subject
Date: 2010-05-23 03:44 pm (UTC)no subject
Date: 2010-05-23 03:50 pm (UTC)no subject
Date: 2010-05-23 04:12 pm (UTC)An guten Tagen nur so schrecklich wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. An schlechten schlimmer als ein Hochhaus, das unter ihren Füßen explodierte.
*_*
sehr schön. Ich maa-haag Lux. er ist so ein Arsch*_*.
no subject
Date: 2010-05-23 04:17 pm (UTC)Er hat keine eigene Agenda, steht auf keiner Seite und ist eigentlich nur vollkommen wahnsinnig.
Leider dauert es noch bis er in meinem offiziellen Plot auftaucht. *hibbel* Deswegen muss ich ihn jetzt schon dauernd schreiben.
Daaaaanke. ^____^
no subject
Date: 2010-05-23 05:44 pm (UTC)no subject
Date: 2010-05-23 06:03 pm (UTC)Und ja, ich weiß, es ist schrecklich sprunghaft. ^^* Es ist mehr ... eine Art flüchtige Skizze geworden als eine tatsächliche Story.