(no subject)
Apr. 15th, 2007 06:36 pmTitel: Copyright
Fandom: Tokio Hotel
Pairing: Bill/Tom
Challenge: Kiss the boy & #1 "Siehst du das?" (wobei ich den Satz ganz leicht abwandeln musste, damit er passt ^^*)
Warning: Die Story ist Hackfleisch, weil mich spätestens alle 15 Minuten jemand stört und ich deswegen pausieren muss, um irgend einen anderen Scheiß zu machen -_- Wirklich, es ist fast unmöglich für mich, mal eine halbe Stunde nur am Rechner zu sitzen… Deswegen hat sich das Schreiben auch so gezogen und ihr werdet keinen gescheiten Schreibfluss in dieser FF finden; sorry.
Sonstige Warnings: Twincest (aber nur ein bisschen XD)
Die erste, eigene Fanpost in den Fingern zu halten, war einfach ein megageiles Gefühl. Tom beschlich unterbewusst der Verdacht, eine Art neuartiges Kontaktgift hafte an dem Umschlag. Und kaum dass er diesen aus dem Kasten genommen, seinen Namen darauf entdeckt und das Postgut einmal prüfend in die Luft gehalten hatte, um es im Licht zu drehen, zeigte das Gift seine Wirkung. Zauberte ein himmelweites Grinsen der Marke Honigkuchenpferd auf seine Lippen und ließ ihn gehobenen Hauptes durchs Gartentor und geradewegs ins Haus spazieren. Die ihm seit je her anhaftende Ungeduld sorgte dafür, dass sein rechter Zeigefinger sich darum bemühte, den Brief so schnell wie möglich zu öffnen und dabei so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Das Papier stieß dabei ein leises Ratschen aus, was fast schon gespenstisch laut erschien in der ausgestorbenen Landeinöde. Das einzige, was ihre ach so harmonische Stille zunichte machte, war die Musik, die eine Schallmauer bildete, an der man beinahe abprallte, kaum dass man die Haustüre geöffnet hatte.
Bill war also Zuhause. Ganz offenbar alleine, wenn man die Lautstarke berücksichtigte, in der Placebo durch die Räume dröhnte. Es war einfach jeden verdammten Freitag das selbe, nur mit dem Unterschied, dass der Junge mit den Dreads heute gar keine Zeit hatte, um sich darüber zu ärgern, dass sein werter Herr Zwillingsbruder a) früher Schulschluss gehabt hatte als er und ihn b) mit Musik empfing, von der er genau wusste, dass Tom sie nicht sonderlich gut leiden konnte. Aus rachetechnischen Gründen wurde Bill mittwochs auf die gleiche Weise willkommen geheißen. Aber wirklich nur mittwochs, denn da hatte Bill in den letzten beiden Stunden Sport über sich ergehen lassen müssen und war demnach viel zu fertig, um seinem Bruder noch in irgend einer Weise gefährlich werden zu können. Und wenn es etwas gab, was Bill gefährlich machte, dann war’s die falsche Musik zur falschen Zeit (und unter dem bloßen Vorwand, ihn zu quälen).
Während man die Gedanken an geschwisterliche Rachefeldzüge und die Tatsache, eh einen viel besseren Musikgeschmack zu haben (Rock vs. HipHop. Keine Frage, wer da die Nase vorn hatte) vorerst beiseite schob, schlüpfte Tom aus seinen Turnschuhen. Seine Finger widmeten sich derweil dem Brief. Aus dem weißen, mit einem simplen, aber durchaus stilvollen Herz und einer roten Rose bemalten Umschlag grüßte ein hellrosafarbenes Blatt Papier. Keine zwei Sekunden später hatte man es hinaus gezogen und stürzte sich wie ein ausgehungertes Tier auf die wie Beute wirkenden Textzeilen. Nebensächlichkeiten wie der friedlich im Flur schnarchenden Hund, dessen Schwanz man beim Vorbeilaufen nur aus purem Zufall verfehlte, oder der schmierige Fleck Orangensaft, der seit gestern Abend auf der untersten Treppenstufe klebte, rückten dabei in weite Ferne. Bestens gelaunt saugten sich Toms Pupillen an den Lettern fest, die seinem am liebsten von ihm selbst aufpolierten Ego vorbildlich die Schulter klopften. So viele Komplimente auf einen Haufen waren dem 15-Jährigen selten untergekommen und bestätigten ihn darin, nicht zu Unrecht von einem Leben als Rockstar zu visionieren. Zwar stand die erste Single seiner Band – ja, seiner Band, denn er war der selbsternannte Chef – erst seit kurzem in den Plattenläden, doch seit das Video auf VIVA rauf und runtergespielt wurde, war man sich vollkommen sicher, dass sich all die Strapazen der vergangenen Jahre und vor allem des Videodrehs gelohnt hatten. Es in diesem ersten Brief nun auch noch schwarz auf weiß, oder wohl eher blau auf rosa, bewiesen zu bekommen, war eine helle Freude für Toms Selbstbetätigung.
Sein Eastpack landete neben seinem Schreibtischstuhl, als der Junge sein Zimmer betreten hatte und seine Tür deutlich laut (nur um Bill zu signalisieren, dass der Herr des Hauses zurück war) zuschlug. Schlendert trat man den Weg zum Bett an, ließ ein benutztes, auf dem Boden stehendes Glas hinter sich sowie einige getragene Klamotten, um sich im darauf folgenden Moment auf die Matratze plumpsen zu lassen. Das Grinsen hatte unlängst die stolzen Sphären hinter sich gelassen und die schelmischen betreten, denn das Mädchen nahm wirklich kein Blatt vor den Mund – oder den Stift, wie auch immer man es nennen wollte. So würde es in Zukunft hoffentlich öfter sein. Wenn die Mädchen einem willig zu Füßen lagen, musste man sich wenigstens nicht mehr damit abplagen, den besonders heißen Exemplaren sehnsüchtig auf dem Schulflur oder Hof hinterher zu blicken und von ihnen zumeist nur einen flüchtigen Blick oder überhaupt keine Reaktion zu ernten. Zugegeben, seit „Durch den Monsun“ erschienen war, zeigte das andere Geschlecht deutlich größeres Interesse – und das war Tom auch mehr als recht. Aber so direktes, offenes und verführerisch klingendes Interesse wie in diesem Brief, war Tom bisher noch nicht begegnet. Doch er freute sich schon, wenn er diesem forschen Interesse das erste Mal in Natura begegnen würde.
Im Lesefluss versunken drehte man den Brief herum, als der letzte Satz auf der Vorderseite plötzlich endete. Es waren verabschiedende Zeilen, die jetzt folgten und in denen die Verehrerin sowohl ihre Adresse als auch ihre Telefonnummer offenbarte. Mit der Bemerkung, Tom könne sich wirklich jeder Zeit bei ihr melden. Sie sei dann voll und ganz für ihn da und lese ihm mit Vergnügen jeden Wunsch von den Augen ab. Konnte es bitte etwas Geileres geben als solch eine Einladung, die weder an die Bedingung einer Beziehung noch an Liebe geknüpft war?
Definitiv nicht!
Gedanklich sah man sich bereits zum Handy langen und das kecke Mädel erst einmal ansimsen. Wäre da nicht plötzlich dieses Foto, was unter dem unterschlängelten Namenszug zur Verabschiedung aufs Papier geklebt worden war. Es hatte auf Tom in etwa die Wirkung einer Faust, die sich mit der Geschwindigkeit eines Sportwagens in seine Magengrube rammte und ihn erstickt aufkeuchen ließ. Bei dieser Übung schien seine Lunge in sich zusammen zu fallen wie ein Soufflé und wahrscheinlich wäre man tatsächlich erstickt, wäre nicht in just dem Moment die Türe aufgegangen und ein erstaunlich gut gelaunter Bill ins Zimmer marschiert. In der linken ein Hand ein Teller mit einer aufgebackenen Tiefkühlpizza, in der rechten bereits ein Stück eben jener Pizza, von der genüsslich abbiss. Dann den Blick hob und ob Toms immer roter werdender Erscheinung alarmiert in seinen Kaubewegungen inne hielt.
„Waff’n los?“ Die Frage zwängte sich an Zähnen, Zunge und Pizzabrei vorbei, während der jüngere der Zwillinge zügig aufs Bett zuschritt. Die Augen beinahe so groß wie der Teller in seiner Hand, geweitet vor Sorge.
Allerdings blieb dem Angesprochenen jegliche Antwort im Halse stecken. Erst recht, als sich sein Bruder direkt neben ihn fallen ließ, Pizza Pizza sein ließ und ihn noch eine deutliche Spur besorgter ins Visier nahm. Kauen schien für Bill zweitrangig geworden zu sein oder aber er vertraute darauf, dass sein Speichel genügend zersetzende Substanzen beinhaltete, um die Pizza Margherita ohne Hilfe der Zähne aufzulösen. Tom für seinen Teil hatte vor Schock den Brief wieder halb zusammen geklappt, sodass ihn das Foto nicht länger belästigte.
Das Foto, was daran Schuld war, dass er Bill entgeistert anstarrte, schluckte und gegen die in seinem Kopf aufkeimenden Phantasien zu kämpfen begann. Im Laufe dieses Kampfes kläglich gegen die Röte verlor und letztlich die Lider fest zusammen kniff.
„Verdammt!“, war das erste, was er zischen konnte, um Ärger, Scham und Blamage Luft zu machen.
Der Dunkelhaarige stutzte, blinzelte und nahm dann seine Kaubewegungen wieder auf. Wenn es Tom gut genug ging, um zu fluchen, konnte alles nur halb so schlimm sein.
„Was „verdammt“?“, fragte Bill frei heraus, nachdem er den Inhalt seines Mundes mit Hilfe eines Schluckens in seinen Magen hinab befördert hatte.
„Nix, nix.“ Abwinkend wandte man sich ab und stopfte, noch immer rot über beide Ohren, den verfluchten Brief wieder ins Couvert. Vielleicht kein kluger Schachzug, wie Tom einfiel, als der Blick seines Bruders zum Brief wanderte, den er die ganze Zeit über wohl noch nicht zur Kenntnis genommen hatte.
Ungeniert legte Bill das Pizzastück in seiner rechten Hand zurück auf den Teller und langte dann einfach nach dem Brief.
„Ey, zeig mal! Ist das ’n Liebesbrief?“
„Moah, der gehört mir“, zerrte Tom an besagtem, dadurch für Bill nun höchst interessant gewordenem Umschlag. Binnen weniger Sekunden bildete sich aus den beiden Jungen ein Knäuel aus Gegenkräften, zwischen deren Fronten ein Brief, ein schwankender Pizzateller und die eher unangebrachten Vorstellungen in Toms Kopf geraten waren.
In Bills Augen hatte sich ein besserwisserisches Glänzen ausgebreitet, als sie die mit viel Sorgfalt auf der Vorderseite des Briefes aufgezeichneten Verzierungen neben Toms Adresse erspähten.
„Will ja nicht lesen, nur mal gucken“, rechtfertigte er nebenbei seine Neugierde, schärfte den dank zu viel Kajal an eine Katze erinnernden Blick und wölbte die Lippen zu einem Schmollmund.
„Klar, nur gucken“, brummte Tom leicht genervt und schaffte es endlich, die fünf scharfen Finger mit den tiefschwarz lackierten Nägeln aus dem Brief zu lösen. Im gleichen Atemzug drehte er sich halb von Bill weg, sodass dieser nicht noch einmal die Gelegenheit bekam, sich das Objekt der Begierde zu schnappen, welches nun ein paar leichte Knicke mehr besaß.
„Mann ey, hattest wohl vor, ihn zu zerreißen; wie?“, lautete deswegen die nächste Anklage, auf die hin Bills Brauen ein beträchtliches Stück tiefer sanken.
„Moah, jetzt mach dich mal nicht so wichtig hier.“
„Ich mich? Du bist derjenige, der hier einfach reinkommt und meine Sachen durchwühlen will! Da hab ich dich bestimmt net drum gebeten!“ Das musste jawohl schleunigst richtig gestellt werden, weswegen man wütend über die Schulter glimmte.
Bills Mund formte ein tonloses „Pah!“, bevor er eingeschnappt wieder sein Pizzastück auflas und davon abbiss. Er wartete nur darauf, dass man klein bei gab und ihn in das Briefgeheimnis einweihen würde. Das war Tom völlig klar, denn früher oder später weihten sie einander eh in jedes Geheimnis ein. Es gab praktisch nichts, was sie nicht miteinander teilten, worüber sie nicht redeten. Und wäre der Brief nicht dafür verantwortlich, dass sich bestimmte Phantasien, die Tom sonst nur in Bezug aufs andere Geschlecht hatte, an seinem Bruder vergingen, wäre die Sache deutlich weniger peinlich.
Mit leicht verengten Augen biss man an seinem Lippenpiercing herum, probierte die mit Worten geweckten Phantasien auszublenden und folgte Bills Blick zum Fenster. Draußen strahlte die Sonne unerbittlich von diesem beispiellos blauen Sommerhimmel hinab und war drauf und dran, alles und jeden, der sich zu lange ihren Strahlen aussetzte, zu verbrennen. Jetzt, wo man so nach draußen schaute, fiel einem auf, wie warm es eigentlich war. Dass man leicht schwitzte und die gesunde Gesichtsfarbe wohl nicht all zu bald verlieren würde. Vor allem dann nicht, wenn man Bill anstarrte und dieser es merkte. Er vom Fenster weg und direkt zu einem hinüber schaute. Pizza schluckte und dann tatenlos da hockte.
Toms erster Impuls, nämlich weggucken, war ein albernes Unterfangen, wie er selbst fand und deswegen den ihm sehr schwer fallenden Blickkontakt aufrecht hielt. Seine Finger schlossen sich dabei schwitzig und fest um den Brief und schaurige Nervosität durchflutete seinen Körper mit der Wirkung eines Eiswürfels, der über seinen nackten Oberkörper in Richtung Bauchnabel hinab rutschte. Die Röte wurde unterdessen so unerträglich, dass Tom abermals schlucken musste und seinen Blick fast schon gewalttätig von Bills Lippen löste.
Jener legte den Kopf leicht schief, als ihm das deutliche Unbehagen seines Zwillings so richtig bewusst wurde. Er den Grund zu ermitteln versuchte und stattdessen unerwartet den Brief hingehalten bekam.
„Wenn du so unbedingt willst…“, murmelte Tom dabei und betrachtete die blanke Wand, an der sein Bett stand. Er war kein Postermensch, genauso wenig wie sein Bruder, dessen Fingerspitzen im Gegensatz zu sonst betörend prickelten, als sie den Brief an sich nahmen und dabei Toms Hand streiften. Die Berührung war so nichtig und löste auf der eigenen Richterskala trotzdem unüblich hohe Ausschläge aus.
Diese Ausschläge wieder halbwegs in den Griff zu bekommen, indem man sie mit einem rationalen „Nein“ in die Schranken wies, war Schwerstarbeit. Nebenbei zu beobachten, wie Bill den Brief nun ebenfalls einmal herum drehte und von außen betrachtete, machte es nicht einfacher. Die schlanken Finger waren nicht mehr so stürmisch und ungehalten wie vorhin, sondern gingen bedacht und vorsichtig vor. Passten zu dem jetzt wieder zufriedenen Gesicht mit den entspannten Zügen, den leicht niedergeschlagenen Lidern und den langen, schwarzen Wimpern.
Es roch nach Sonne im Zimmer, nach etwas Frischen. Nach diesem seltsamen Kribbeln, was noch durch den eigenen Körper rauschte. Gleichzeitig spürte Toms Nase den Duft von Käse und Tomaten auf, der eine angenehme Wolke mit dem Geruch von Bills Deo bildete. Nivea for men.
„Was steht drin?“ Bills Aufmerksamkeit verließ den Umschlag und kehrte zu seinem Zwilling zurück, der mit den Augen rollte.
„Was glaubste denn?“
„Geiler Schweinekram“, grinste Bill frei heraus und ließ sich seine Theorie von Toms ununterdrückbarem Schmunzeln bestätigen.
„Und wo is’ jetzt das Problem?“
„Gibt keins.“ Die Lüge war so schlecht, dass Bill lediglich eine Augenbraue lüpfte und Tom somit genug Anstoß gab, von sich aus weiter zu sprechen.
„Hol ihn mal raus.“
Dem Befehl Folge leistend fischten die lackierten Nägelchen nach dem Blatt und zogen es aus dem Couvert. Entfalteten es auf seine volle Größe von DinA4 und strichen leicht hinüber. Bill sah die Vorderseite, weswegen Tom logischerweise mit der Rückseite und dem Foto konfrontiert war. Peinlichkeit sein Gesicht wieder so erfolgreich zum Glühen brachte wie eine Birne und er seinem Bruder mit einer zaghaften Geste andeutete, das Blatt herum zu drehen. Kurz raschelte das Papier, dann studierte Bill es kritisch, sah zwischenzeitlich auf, dann wieder auf den Brief und schlussendlich blieb sein Blick an Tom hängen. Es war kein normaler Blick, sondern ein „Und warum machst du jetzt bitte so ein Theater?“-Blick, den man völlig unangebracht fand und deswegen wirsch gestikulierte, bevor Bill seinen Blick auch noch mit Worten Ausdruck verleihen würde.
„Siehst du das denn nicht?“ Im Zuge eines erbosten Vorbeugens tippte man mit der Zeigefingerspitze auf das Foto des Mädchens. Das Mädchen, was nicht nur haargenau so gestylt war wie Bill, sondern zu allem Überfluss auch noch seine Frisur hatte. Frech in die Kamera lächelte und es Toms Gehirn unmöglich machte, all die geschriebenen Worte nicht sofort auf Bill zu übertragen.
„Was? Dass sie Modegeschmack hat?“
Bei dieser vorgetäuschten Unschuld brannten in Toms Kopf sämtliche Sicherungen durch.
„Moah, nein, dass sie so aussieht wie du, du blöder Penner!“
Und dass man nur deshalb unentwegt an definitiv nicht jugendfreie Aktivitäten mit dem eigenen Zwillingsbruder dachte, der diese Tatsache offenbar so witzig fand, dass er herzlich zu lachen begann. So laut und so aufrichtig, dass sein Lachen das gesamte Zimmer ausfüllte und den diversen Duftnoten einen amüsierten Anstrich verpasste.
Einem selbst wurde hingegen einfach nicht klar, wie Bill nur so furchtbar fies sein konnte. Sollte er doch ruhig mal so mies in eine Falle tappen, dann würde man auch von oben auf ihn herabschauen und sich sowohl über seine wirren Gedanken als auch seine unnatürliche Gesichtsfarbe lustig machen.
Schnaubend grabschte man nach dem Brief, faltete ihn hastig zusammen, steckte ihn zurück in den Umschlag und warf diesen achtlos auf den überfüllten Nachttisch. Dort blieb er irgendwo zwischen Wecker, CD-Hüllen und einigen Papierchen liegen.
„Ich glaub, du solltest dich jetzt echt verpissen, Bill.“ Es war kein lieb gemeinter Ratschlag mehr, sondern nur noch eine Drohung, die Tom zwischen den Zähnen hindurch presste und dabei so böse wie möglich zu dem anderen Jungen hinüber stierte.
Dieser kicherte noch immer vergnügt und glitzerte einen aus unglaublich intensiv scheinenden Augen an.
„Ja, ich lass dich dann mal alleine“, grinste der Schwarzhaarige unverhohlen und dreckiger, als es ihm wohl jeder zukünftige Fan zutrauen würde. Erfreute sich der dadurch wieder aus der Reserve gelockten Röte und lehnte sich zu einem hinüber.
Feuchtheißer Atem traf Tom mitten ins Gesicht, bevor sich die dazugehörigen Lippen kurz auf seine legten. Ungewohnten, aber überaus angenehmen Druck ausübten. Man so stark erschauderte, dass man komplett bewegungsunfähig war und gedanklich nicht nur ein Eiswürfel die nackte Brust hinab rutschte, sondern eine ganze Hand voll. Unter ihrem Einfluss erlitt das Herz einen Stillstand und wurde gleich darauf wiederbelebt. Schlug mindestens doppelt so schnell und pumpte unwillkommene Mengen an Blut in die falschen Körperregionen.
Auf den Nervenbahnen, die für Geruchs- und Geschmackssinn verantwortlich waren, herrschte Hochbetrieb. Und obwohl dieser seit je her so vertraute Mund den eigenen nur für ganz kurze Zeit beschlagnahmte, hatte Tom das Gefühl, ihre Lippen verschmolzen miteinander. Fügten sich zu etwas Ganzem zusammen, komplettierten sich somit und erzeugten dadurch ein bis dato unbekanntes Gefühl der Befriedigung.
Bill brach den Kuss, indem er die Lippen neckisch um Toms Piercing schloss und leicht daran zupfte. Dann von dem Schmuckstück abließ und einem zwischen deutlich schwereren Atemzügen mit geschlossenen Lidern etwas gegen den Mund wisperte.
„Du weißt ja jetzt hoffentlich, dass Kopien gut sein können, aber nix über Originale geht.“ Adrett schlug der Dunkelhaarige die Augen auf und linste einen erwartungsvoll an. Geistig noch vollkommen abwesend brachte Tom jedoch nichts weiter als ein kaum merkliches Nicken zustande, was aber wohl genügte. Denn mit einer koketten Bewegung schwang Bill daraufhin die Beine vom Bett und peilte, genauso gut gelaunt, wie er das Zimmer vorhin betreten hatte, die Türe an. Diese klappte kurz darauf zu und man war wieder alleine mit den sommerlichen Gerüchen sowie Bills Präsens, die noch den ganzen Raum ausfüllte, und dem Wissen, wirklich niemals eine Fälschung dem Original vorzuziehen.
Ende
Fandom: Tokio Hotel
Pairing: Bill/Tom
Challenge: Kiss the boy & #1 "Siehst du das?" (wobei ich den Satz ganz leicht abwandeln musste, damit er passt ^^*)
Warning: Die Story ist Hackfleisch, weil mich spätestens alle 15 Minuten jemand stört und ich deswegen pausieren muss, um irgend einen anderen Scheiß zu machen -_- Wirklich, es ist fast unmöglich für mich, mal eine halbe Stunde nur am Rechner zu sitzen… Deswegen hat sich das Schreiben auch so gezogen und ihr werdet keinen gescheiten Schreibfluss in dieser FF finden; sorry.
Sonstige Warnings: Twincest (aber nur ein bisschen XD)
Die erste, eigene Fanpost in den Fingern zu halten, war einfach ein megageiles Gefühl. Tom beschlich unterbewusst der Verdacht, eine Art neuartiges Kontaktgift hafte an dem Umschlag. Und kaum dass er diesen aus dem Kasten genommen, seinen Namen darauf entdeckt und das Postgut einmal prüfend in die Luft gehalten hatte, um es im Licht zu drehen, zeigte das Gift seine Wirkung. Zauberte ein himmelweites Grinsen der Marke Honigkuchenpferd auf seine Lippen und ließ ihn gehobenen Hauptes durchs Gartentor und geradewegs ins Haus spazieren. Die ihm seit je her anhaftende Ungeduld sorgte dafür, dass sein rechter Zeigefinger sich darum bemühte, den Brief so schnell wie möglich zu öffnen und dabei so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Das Papier stieß dabei ein leises Ratschen aus, was fast schon gespenstisch laut erschien in der ausgestorbenen Landeinöde. Das einzige, was ihre ach so harmonische Stille zunichte machte, war die Musik, die eine Schallmauer bildete, an der man beinahe abprallte, kaum dass man die Haustüre geöffnet hatte.
Bill war also Zuhause. Ganz offenbar alleine, wenn man die Lautstarke berücksichtigte, in der Placebo durch die Räume dröhnte. Es war einfach jeden verdammten Freitag das selbe, nur mit dem Unterschied, dass der Junge mit den Dreads heute gar keine Zeit hatte, um sich darüber zu ärgern, dass sein werter Herr Zwillingsbruder a) früher Schulschluss gehabt hatte als er und ihn b) mit Musik empfing, von der er genau wusste, dass Tom sie nicht sonderlich gut leiden konnte. Aus rachetechnischen Gründen wurde Bill mittwochs auf die gleiche Weise willkommen geheißen. Aber wirklich nur mittwochs, denn da hatte Bill in den letzten beiden Stunden Sport über sich ergehen lassen müssen und war demnach viel zu fertig, um seinem Bruder noch in irgend einer Weise gefährlich werden zu können. Und wenn es etwas gab, was Bill gefährlich machte, dann war’s die falsche Musik zur falschen Zeit (und unter dem bloßen Vorwand, ihn zu quälen).
Während man die Gedanken an geschwisterliche Rachefeldzüge und die Tatsache, eh einen viel besseren Musikgeschmack zu haben (Rock vs. HipHop. Keine Frage, wer da die Nase vorn hatte) vorerst beiseite schob, schlüpfte Tom aus seinen Turnschuhen. Seine Finger widmeten sich derweil dem Brief. Aus dem weißen, mit einem simplen, aber durchaus stilvollen Herz und einer roten Rose bemalten Umschlag grüßte ein hellrosafarbenes Blatt Papier. Keine zwei Sekunden später hatte man es hinaus gezogen und stürzte sich wie ein ausgehungertes Tier auf die wie Beute wirkenden Textzeilen. Nebensächlichkeiten wie der friedlich im Flur schnarchenden Hund, dessen Schwanz man beim Vorbeilaufen nur aus purem Zufall verfehlte, oder der schmierige Fleck Orangensaft, der seit gestern Abend auf der untersten Treppenstufe klebte, rückten dabei in weite Ferne. Bestens gelaunt saugten sich Toms Pupillen an den Lettern fest, die seinem am liebsten von ihm selbst aufpolierten Ego vorbildlich die Schulter klopften. So viele Komplimente auf einen Haufen waren dem 15-Jährigen selten untergekommen und bestätigten ihn darin, nicht zu Unrecht von einem Leben als Rockstar zu visionieren. Zwar stand die erste Single seiner Band – ja, seiner Band, denn er war der selbsternannte Chef – erst seit kurzem in den Plattenläden, doch seit das Video auf VIVA rauf und runtergespielt wurde, war man sich vollkommen sicher, dass sich all die Strapazen der vergangenen Jahre und vor allem des Videodrehs gelohnt hatten. Es in diesem ersten Brief nun auch noch schwarz auf weiß, oder wohl eher blau auf rosa, bewiesen zu bekommen, war eine helle Freude für Toms Selbstbetätigung.
Sein Eastpack landete neben seinem Schreibtischstuhl, als der Junge sein Zimmer betreten hatte und seine Tür deutlich laut (nur um Bill zu signalisieren, dass der Herr des Hauses zurück war) zuschlug. Schlendert trat man den Weg zum Bett an, ließ ein benutztes, auf dem Boden stehendes Glas hinter sich sowie einige getragene Klamotten, um sich im darauf folgenden Moment auf die Matratze plumpsen zu lassen. Das Grinsen hatte unlängst die stolzen Sphären hinter sich gelassen und die schelmischen betreten, denn das Mädchen nahm wirklich kein Blatt vor den Mund – oder den Stift, wie auch immer man es nennen wollte. So würde es in Zukunft hoffentlich öfter sein. Wenn die Mädchen einem willig zu Füßen lagen, musste man sich wenigstens nicht mehr damit abplagen, den besonders heißen Exemplaren sehnsüchtig auf dem Schulflur oder Hof hinterher zu blicken und von ihnen zumeist nur einen flüchtigen Blick oder überhaupt keine Reaktion zu ernten. Zugegeben, seit „Durch den Monsun“ erschienen war, zeigte das andere Geschlecht deutlich größeres Interesse – und das war Tom auch mehr als recht. Aber so direktes, offenes und verführerisch klingendes Interesse wie in diesem Brief, war Tom bisher noch nicht begegnet. Doch er freute sich schon, wenn er diesem forschen Interesse das erste Mal in Natura begegnen würde.
Im Lesefluss versunken drehte man den Brief herum, als der letzte Satz auf der Vorderseite plötzlich endete. Es waren verabschiedende Zeilen, die jetzt folgten und in denen die Verehrerin sowohl ihre Adresse als auch ihre Telefonnummer offenbarte. Mit der Bemerkung, Tom könne sich wirklich jeder Zeit bei ihr melden. Sie sei dann voll und ganz für ihn da und lese ihm mit Vergnügen jeden Wunsch von den Augen ab. Konnte es bitte etwas Geileres geben als solch eine Einladung, die weder an die Bedingung einer Beziehung noch an Liebe geknüpft war?
Definitiv nicht!
Gedanklich sah man sich bereits zum Handy langen und das kecke Mädel erst einmal ansimsen. Wäre da nicht plötzlich dieses Foto, was unter dem unterschlängelten Namenszug zur Verabschiedung aufs Papier geklebt worden war. Es hatte auf Tom in etwa die Wirkung einer Faust, die sich mit der Geschwindigkeit eines Sportwagens in seine Magengrube rammte und ihn erstickt aufkeuchen ließ. Bei dieser Übung schien seine Lunge in sich zusammen zu fallen wie ein Soufflé und wahrscheinlich wäre man tatsächlich erstickt, wäre nicht in just dem Moment die Türe aufgegangen und ein erstaunlich gut gelaunter Bill ins Zimmer marschiert. In der linken ein Hand ein Teller mit einer aufgebackenen Tiefkühlpizza, in der rechten bereits ein Stück eben jener Pizza, von der genüsslich abbiss. Dann den Blick hob und ob Toms immer roter werdender Erscheinung alarmiert in seinen Kaubewegungen inne hielt.
„Waff’n los?“ Die Frage zwängte sich an Zähnen, Zunge und Pizzabrei vorbei, während der jüngere der Zwillinge zügig aufs Bett zuschritt. Die Augen beinahe so groß wie der Teller in seiner Hand, geweitet vor Sorge.
Allerdings blieb dem Angesprochenen jegliche Antwort im Halse stecken. Erst recht, als sich sein Bruder direkt neben ihn fallen ließ, Pizza Pizza sein ließ und ihn noch eine deutliche Spur besorgter ins Visier nahm. Kauen schien für Bill zweitrangig geworden zu sein oder aber er vertraute darauf, dass sein Speichel genügend zersetzende Substanzen beinhaltete, um die Pizza Margherita ohne Hilfe der Zähne aufzulösen. Tom für seinen Teil hatte vor Schock den Brief wieder halb zusammen geklappt, sodass ihn das Foto nicht länger belästigte.
Das Foto, was daran Schuld war, dass er Bill entgeistert anstarrte, schluckte und gegen die in seinem Kopf aufkeimenden Phantasien zu kämpfen begann. Im Laufe dieses Kampfes kläglich gegen die Röte verlor und letztlich die Lider fest zusammen kniff.
„Verdammt!“, war das erste, was er zischen konnte, um Ärger, Scham und Blamage Luft zu machen.
Der Dunkelhaarige stutzte, blinzelte und nahm dann seine Kaubewegungen wieder auf. Wenn es Tom gut genug ging, um zu fluchen, konnte alles nur halb so schlimm sein.
„Was „verdammt“?“, fragte Bill frei heraus, nachdem er den Inhalt seines Mundes mit Hilfe eines Schluckens in seinen Magen hinab befördert hatte.
„Nix, nix.“ Abwinkend wandte man sich ab und stopfte, noch immer rot über beide Ohren, den verfluchten Brief wieder ins Couvert. Vielleicht kein kluger Schachzug, wie Tom einfiel, als der Blick seines Bruders zum Brief wanderte, den er die ganze Zeit über wohl noch nicht zur Kenntnis genommen hatte.
Ungeniert legte Bill das Pizzastück in seiner rechten Hand zurück auf den Teller und langte dann einfach nach dem Brief.
„Ey, zeig mal! Ist das ’n Liebesbrief?“
„Moah, der gehört mir“, zerrte Tom an besagtem, dadurch für Bill nun höchst interessant gewordenem Umschlag. Binnen weniger Sekunden bildete sich aus den beiden Jungen ein Knäuel aus Gegenkräften, zwischen deren Fronten ein Brief, ein schwankender Pizzateller und die eher unangebrachten Vorstellungen in Toms Kopf geraten waren.
In Bills Augen hatte sich ein besserwisserisches Glänzen ausgebreitet, als sie die mit viel Sorgfalt auf der Vorderseite des Briefes aufgezeichneten Verzierungen neben Toms Adresse erspähten.
„Will ja nicht lesen, nur mal gucken“, rechtfertigte er nebenbei seine Neugierde, schärfte den dank zu viel Kajal an eine Katze erinnernden Blick und wölbte die Lippen zu einem Schmollmund.
„Klar, nur gucken“, brummte Tom leicht genervt und schaffte es endlich, die fünf scharfen Finger mit den tiefschwarz lackierten Nägeln aus dem Brief zu lösen. Im gleichen Atemzug drehte er sich halb von Bill weg, sodass dieser nicht noch einmal die Gelegenheit bekam, sich das Objekt der Begierde zu schnappen, welches nun ein paar leichte Knicke mehr besaß.
„Mann ey, hattest wohl vor, ihn zu zerreißen; wie?“, lautete deswegen die nächste Anklage, auf die hin Bills Brauen ein beträchtliches Stück tiefer sanken.
„Moah, jetzt mach dich mal nicht so wichtig hier.“
„Ich mich? Du bist derjenige, der hier einfach reinkommt und meine Sachen durchwühlen will! Da hab ich dich bestimmt net drum gebeten!“ Das musste jawohl schleunigst richtig gestellt werden, weswegen man wütend über die Schulter glimmte.
Bills Mund formte ein tonloses „Pah!“, bevor er eingeschnappt wieder sein Pizzastück auflas und davon abbiss. Er wartete nur darauf, dass man klein bei gab und ihn in das Briefgeheimnis einweihen würde. Das war Tom völlig klar, denn früher oder später weihten sie einander eh in jedes Geheimnis ein. Es gab praktisch nichts, was sie nicht miteinander teilten, worüber sie nicht redeten. Und wäre der Brief nicht dafür verantwortlich, dass sich bestimmte Phantasien, die Tom sonst nur in Bezug aufs andere Geschlecht hatte, an seinem Bruder vergingen, wäre die Sache deutlich weniger peinlich.
Mit leicht verengten Augen biss man an seinem Lippenpiercing herum, probierte die mit Worten geweckten Phantasien auszublenden und folgte Bills Blick zum Fenster. Draußen strahlte die Sonne unerbittlich von diesem beispiellos blauen Sommerhimmel hinab und war drauf und dran, alles und jeden, der sich zu lange ihren Strahlen aussetzte, zu verbrennen. Jetzt, wo man so nach draußen schaute, fiel einem auf, wie warm es eigentlich war. Dass man leicht schwitzte und die gesunde Gesichtsfarbe wohl nicht all zu bald verlieren würde. Vor allem dann nicht, wenn man Bill anstarrte und dieser es merkte. Er vom Fenster weg und direkt zu einem hinüber schaute. Pizza schluckte und dann tatenlos da hockte.
Toms erster Impuls, nämlich weggucken, war ein albernes Unterfangen, wie er selbst fand und deswegen den ihm sehr schwer fallenden Blickkontakt aufrecht hielt. Seine Finger schlossen sich dabei schwitzig und fest um den Brief und schaurige Nervosität durchflutete seinen Körper mit der Wirkung eines Eiswürfels, der über seinen nackten Oberkörper in Richtung Bauchnabel hinab rutschte. Die Röte wurde unterdessen so unerträglich, dass Tom abermals schlucken musste und seinen Blick fast schon gewalttätig von Bills Lippen löste.
Jener legte den Kopf leicht schief, als ihm das deutliche Unbehagen seines Zwillings so richtig bewusst wurde. Er den Grund zu ermitteln versuchte und stattdessen unerwartet den Brief hingehalten bekam.
„Wenn du so unbedingt willst…“, murmelte Tom dabei und betrachtete die blanke Wand, an der sein Bett stand. Er war kein Postermensch, genauso wenig wie sein Bruder, dessen Fingerspitzen im Gegensatz zu sonst betörend prickelten, als sie den Brief an sich nahmen und dabei Toms Hand streiften. Die Berührung war so nichtig und löste auf der eigenen Richterskala trotzdem unüblich hohe Ausschläge aus.
Diese Ausschläge wieder halbwegs in den Griff zu bekommen, indem man sie mit einem rationalen „Nein“ in die Schranken wies, war Schwerstarbeit. Nebenbei zu beobachten, wie Bill den Brief nun ebenfalls einmal herum drehte und von außen betrachtete, machte es nicht einfacher. Die schlanken Finger waren nicht mehr so stürmisch und ungehalten wie vorhin, sondern gingen bedacht und vorsichtig vor. Passten zu dem jetzt wieder zufriedenen Gesicht mit den entspannten Zügen, den leicht niedergeschlagenen Lidern und den langen, schwarzen Wimpern.
Es roch nach Sonne im Zimmer, nach etwas Frischen. Nach diesem seltsamen Kribbeln, was noch durch den eigenen Körper rauschte. Gleichzeitig spürte Toms Nase den Duft von Käse und Tomaten auf, der eine angenehme Wolke mit dem Geruch von Bills Deo bildete. Nivea for men.
„Was steht drin?“ Bills Aufmerksamkeit verließ den Umschlag und kehrte zu seinem Zwilling zurück, der mit den Augen rollte.
„Was glaubste denn?“
„Geiler Schweinekram“, grinste Bill frei heraus und ließ sich seine Theorie von Toms ununterdrückbarem Schmunzeln bestätigen.
„Und wo is’ jetzt das Problem?“
„Gibt keins.“ Die Lüge war so schlecht, dass Bill lediglich eine Augenbraue lüpfte und Tom somit genug Anstoß gab, von sich aus weiter zu sprechen.
„Hol ihn mal raus.“
Dem Befehl Folge leistend fischten die lackierten Nägelchen nach dem Blatt und zogen es aus dem Couvert. Entfalteten es auf seine volle Größe von DinA4 und strichen leicht hinüber. Bill sah die Vorderseite, weswegen Tom logischerweise mit der Rückseite und dem Foto konfrontiert war. Peinlichkeit sein Gesicht wieder so erfolgreich zum Glühen brachte wie eine Birne und er seinem Bruder mit einer zaghaften Geste andeutete, das Blatt herum zu drehen. Kurz raschelte das Papier, dann studierte Bill es kritisch, sah zwischenzeitlich auf, dann wieder auf den Brief und schlussendlich blieb sein Blick an Tom hängen. Es war kein normaler Blick, sondern ein „Und warum machst du jetzt bitte so ein Theater?“-Blick, den man völlig unangebracht fand und deswegen wirsch gestikulierte, bevor Bill seinen Blick auch noch mit Worten Ausdruck verleihen würde.
„Siehst du das denn nicht?“ Im Zuge eines erbosten Vorbeugens tippte man mit der Zeigefingerspitze auf das Foto des Mädchens. Das Mädchen, was nicht nur haargenau so gestylt war wie Bill, sondern zu allem Überfluss auch noch seine Frisur hatte. Frech in die Kamera lächelte und es Toms Gehirn unmöglich machte, all die geschriebenen Worte nicht sofort auf Bill zu übertragen.
„Was? Dass sie Modegeschmack hat?“
Bei dieser vorgetäuschten Unschuld brannten in Toms Kopf sämtliche Sicherungen durch.
„Moah, nein, dass sie so aussieht wie du, du blöder Penner!“
Und dass man nur deshalb unentwegt an definitiv nicht jugendfreie Aktivitäten mit dem eigenen Zwillingsbruder dachte, der diese Tatsache offenbar so witzig fand, dass er herzlich zu lachen begann. So laut und so aufrichtig, dass sein Lachen das gesamte Zimmer ausfüllte und den diversen Duftnoten einen amüsierten Anstrich verpasste.
Einem selbst wurde hingegen einfach nicht klar, wie Bill nur so furchtbar fies sein konnte. Sollte er doch ruhig mal so mies in eine Falle tappen, dann würde man auch von oben auf ihn herabschauen und sich sowohl über seine wirren Gedanken als auch seine unnatürliche Gesichtsfarbe lustig machen.
Schnaubend grabschte man nach dem Brief, faltete ihn hastig zusammen, steckte ihn zurück in den Umschlag und warf diesen achtlos auf den überfüllten Nachttisch. Dort blieb er irgendwo zwischen Wecker, CD-Hüllen und einigen Papierchen liegen.
„Ich glaub, du solltest dich jetzt echt verpissen, Bill.“ Es war kein lieb gemeinter Ratschlag mehr, sondern nur noch eine Drohung, die Tom zwischen den Zähnen hindurch presste und dabei so böse wie möglich zu dem anderen Jungen hinüber stierte.
Dieser kicherte noch immer vergnügt und glitzerte einen aus unglaublich intensiv scheinenden Augen an.
„Ja, ich lass dich dann mal alleine“, grinste der Schwarzhaarige unverhohlen und dreckiger, als es ihm wohl jeder zukünftige Fan zutrauen würde. Erfreute sich der dadurch wieder aus der Reserve gelockten Röte und lehnte sich zu einem hinüber.
Feuchtheißer Atem traf Tom mitten ins Gesicht, bevor sich die dazugehörigen Lippen kurz auf seine legten. Ungewohnten, aber überaus angenehmen Druck ausübten. Man so stark erschauderte, dass man komplett bewegungsunfähig war und gedanklich nicht nur ein Eiswürfel die nackte Brust hinab rutschte, sondern eine ganze Hand voll. Unter ihrem Einfluss erlitt das Herz einen Stillstand und wurde gleich darauf wiederbelebt. Schlug mindestens doppelt so schnell und pumpte unwillkommene Mengen an Blut in die falschen Körperregionen.
Auf den Nervenbahnen, die für Geruchs- und Geschmackssinn verantwortlich waren, herrschte Hochbetrieb. Und obwohl dieser seit je her so vertraute Mund den eigenen nur für ganz kurze Zeit beschlagnahmte, hatte Tom das Gefühl, ihre Lippen verschmolzen miteinander. Fügten sich zu etwas Ganzem zusammen, komplettierten sich somit und erzeugten dadurch ein bis dato unbekanntes Gefühl der Befriedigung.
Bill brach den Kuss, indem er die Lippen neckisch um Toms Piercing schloss und leicht daran zupfte. Dann von dem Schmuckstück abließ und einem zwischen deutlich schwereren Atemzügen mit geschlossenen Lidern etwas gegen den Mund wisperte.
„Du weißt ja jetzt hoffentlich, dass Kopien gut sein können, aber nix über Originale geht.“ Adrett schlug der Dunkelhaarige die Augen auf und linste einen erwartungsvoll an. Geistig noch vollkommen abwesend brachte Tom jedoch nichts weiter als ein kaum merkliches Nicken zustande, was aber wohl genügte. Denn mit einer koketten Bewegung schwang Bill daraufhin die Beine vom Bett und peilte, genauso gut gelaunt, wie er das Zimmer vorhin betreten hatte, die Türe an. Diese klappte kurz darauf zu und man war wieder alleine mit den sommerlichen Gerüchen sowie Bills Präsens, die noch den ganzen Raum ausfüllte, und dem Wissen, wirklich niemals eine Fälschung dem Original vorzuziehen.
no subject
Date: 2007-04-16 04:01 pm (UTC)ich find die.... toll.
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Date: 2007-04-17 04:29 am (UTC)no subject
Date: 2007-04-17 11:26 am (UTC)no subject
Date: 2007-04-18 10:48 am (UTC)(Und wer braucht schon so ne billige Kopie, wenn er das Original kriegen kann. ;) )
~ Rei ~