[identity profile] kurimukeiki.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Challenge: Wo sind wir stehen geblieben?
Titel: Leider Alltag
Warnung: Erm, nicht direkt Gewalt, aber Zucker ist die Story auch nicht gerade.

 

Es war einer dieser Kellerräume, die man immer in schlechten Thrillern sah. Der angegraute Putz war löchrig und mit schwarzen Schimmelsporen durchzogen, der unebene Boden war feucht vom Grundwasser, das sich über die Jahre hinweg durch den Beton gekämpft hatte. Ein kleines Fenster - Milchglas - ließ tagsüber einen wenig Licht in den trostlosen Raum fallen, doch die Sonne war mittlerweile bereits untergegangen und alles war in ein kaltes und befremdliches Blau getaucht.

Sie rutschte ein wenig auf dem harten Holzstuhl und stöhnte auf, als die rauen Seile kaum verheilte Wunden an ihrem Handgelenk aufrissen und sich tiefer ins Fleisch schnitten. Sie war ein wenig eingenickt, nicht lange, nur für ein paar Minuten. Mehr würde sie nicht bekommen, bevor es weiter ging. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, anhand der wechselnden Lichtverhältnisse schätze sie, dass sie nun schon drei Tage ohne Schlaf auf diesem Stuhl saß, aber sicher war sie nicht. Die ersten Halluzinationen, bedingt durch Dehydration und Schlafmangel hatten bereits eingesetzt. Auch bemerkte sie den Gestank nicht mehr, der ihr in den ersten Tagen Übelkeit eingebracht hatte. Eine Reaktion des Körpers, die das Überleben sichern soll. Eine Tatsache, die ihr trainiertes Hirn nun völlig unnötig wieder in ihre wirren Gedanken brachte. Ihre Ausbildung und ihren Namen, das war alles, was noch klar zu fassen war, was sie in dem sich drehenden bunten Brei aus Erinnerungen und Fantastereien noch wirklich greifen und als ‚richtig‘ ausmachen konnte.

Sie hörte Schritte auf dem Gang, extra laut, damit sie die Ankunft auch hören konnte und die Angst vor dem Bevorstehenden und die qualvollen Erinnerungen an das Vergangene sie langsam auffraßen. Die erste Stufe der Folter. Sie atmete ein, erinnerte sich an ihr Training, an alles was sie wusste und gelernt hatte und atmete langsam wieder aus. Es tat weh.

Langsam und drohend wurde der Schlüssel  im Schloss der Türe umgedreht. Sie öffnete müde ein Auge, wann das Zweite aufgehört hat, zu funktionieren, wusste sie nicht mehr. Durch einen roten Schleier sah sie zwei Soldaten, die sofort einem dritten Mann in Zivil Platz machten. Dass er kein wirklicher Zivilist war, hatte er die letzten Tage deutlich gemacht. Mit bedächtigem Schritt ging er auf sie zu und blickte sie lange an. Sie starrte zurück.

„Nun,“ unterbrach der falsche Zivilist schließlich die bedrohliche Stille mit seiner sanften Stimme und dem starken Akzent „wo waren wir stehen geblieben?“  



 

Date: 2010-05-30 08:06 pm (UTC)
From: [identity profile] leviathans-moon.livejournal.com
bei dem Kontrast bedrohlich/sanft krieg ich immer ne Gänsehaut, auf eine gute Art und Weise.

Ich mag die Beschreibung des Raumes, kann mir gut vorstellen, wie das aussieht, und auch ein bisschen, wie es wahrscheinlich riechen wird.
gefällt mir^^.

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