Sternensand
Apr. 18th, 2010 02:10 pmFandom: Original
Wörter: 459
Inhalt: Vulkan fungiert als Sandmännchen. Ein paar Kreatiefs weniger.
Genre: Gen
Das alte Männchen trägt einen schweren Sack. Der Sack ist nicht so schwer wie der vom Weihnachtsmann. Auch nicht so gut gefüllt. Dafür kommt dieses Männchen jeden Abend. Nur einmal, da kam es nicht.
Das ist kein Sand aus der Sahara. Das ist kein Sand für Strand, kein Sandkasten. Das ist Sand von Sternen – Sternensand.
Traumgeschichten. Jeden Morgen klebt Traum unter den Augen. Die Geschichten sind schneller weg, als die Hand die gelben Krümel fortwischen kann. Es war einmal… Nun ist es nicht mehr.
Diesen Abend sitzen die Kinder an ihren Schreibtischen. Mütter wundern sich über den Eifer mit dem sie ihre Hausaufgaben erledigen.
Wir haben Sternensand im Kopf. Von allen Nächten noch ein bisschen Sand. Diesen Abend schütten wir ihn auf unsere Schulhefte aus. Meinen ersten Füller fest in der Hand.
Das sind unleserliche Worte. So viel ‚dann’, ‚dann’, ‚dann’, ‚und dann’. Eine Saga, die im Schönschreibheft der dritten Klasse mit einem Mal abbricht. Ist dir der Sternenstaub ausgegangen?
Die Nacht geht vorüber, doch unsere Augen sind offen, so offen. Ich werde einmal Schriftsteller. Es wird einmal. Unsere Geschichte wird einmal werden.
Nicht später, jetzt.
Wo ist Sandmann geblieben? Die Träume der Kinder sind so gewöhnlich. Zu gewöhnlich? Gerade gewöhnlich genug?
Später. Jeder Augenblick ist in Bezug auf einen anderen Augenblick später. Der Schimmel im Keller hat die Schulhefte gefressen. Die Zeit ist weg. Das heißt nicht Ferien, was ich jetzt habe, es heißt Urlaub. Ferien bekommt man geschenkt, Urlaub muss man sich nehmen. Im Moment habe ich beides nicht.
Geschäftsreise. Pendeln zwischen Familie in Berlin und Arbeit in Frankfurt. Jede Woche fliegen. Was ist mit Umwelt? Jedes Mal denken: Ich fliege jetzt nach Afrika. Ich fliege jetzt nach Japan.
Ich fliege jetzt nach dahin, wo der Sternensand herkam.
Der Flughafen in Frankfurt. Alle Flüge gestrichen. Wie viele der vergeblich wartenden Passagiere sind diese Kinder gewesen?
Was machen die? Ist die Bahn jetzt günstig? Erst einmal irgendwo übernachten? Es kann nicht so schwer sein, in den Zug zu steigen.
In den Sitzen einschlafen, warten, obwohl man schon weiß, was man tun muss. In den Sitzen zum warten einschlafen, ohne sich einen Wecker gestellt zu haben.
Traum.
Es gibt Terminkalender. Es gibt Werbegeschenkkugelschreiber. Es gibt Flugzettel mit leeren Rückseiten. Das ist für Wörter.
Diese Wörter sind ungewohnt, abgenutzt und alt. Niemand wird das lesen wollen. Wer denkt an den Leser? Niemand denkt an den Leser, denn der Flughafen schreibt.
Der Sand im Getriebe kommt nicht von den Sternen. Da wollten wir vor Jahren noch hin, mit unseren Geschichten.
Der Sand ist Staub. Der Staub ist Asche. Die Asche ist das innere der Erde. Zu tief. Tief, beschmutzt, dreckig.
Die Asche, sie erreicht uns von oben.
Alles Gute kommt von oben.
Der neue Traumsand macht unsere Geschichten düsterer. Und besser.
Wörter: 459
Inhalt: Vulkan fungiert als Sandmännchen. Ein paar Kreatiefs weniger.
Genre: Gen
Das alte Männchen trägt einen schweren Sack. Der Sack ist nicht so schwer wie der vom Weihnachtsmann. Auch nicht so gut gefüllt. Dafür kommt dieses Männchen jeden Abend. Nur einmal, da kam es nicht.
Das ist kein Sand aus der Sahara. Das ist kein Sand für Strand, kein Sandkasten. Das ist Sand von Sternen – Sternensand.
Traumgeschichten. Jeden Morgen klebt Traum unter den Augen. Die Geschichten sind schneller weg, als die Hand die gelben Krümel fortwischen kann. Es war einmal… Nun ist es nicht mehr.
Diesen Abend sitzen die Kinder an ihren Schreibtischen. Mütter wundern sich über den Eifer mit dem sie ihre Hausaufgaben erledigen.
Wir haben Sternensand im Kopf. Von allen Nächten noch ein bisschen Sand. Diesen Abend schütten wir ihn auf unsere Schulhefte aus. Meinen ersten Füller fest in der Hand.
Das sind unleserliche Worte. So viel ‚dann’, ‚dann’, ‚dann’, ‚und dann’. Eine Saga, die im Schönschreibheft der dritten Klasse mit einem Mal abbricht. Ist dir der Sternenstaub ausgegangen?
Die Nacht geht vorüber, doch unsere Augen sind offen, so offen. Ich werde einmal Schriftsteller. Es wird einmal. Unsere Geschichte wird einmal werden.
Nicht später, jetzt.
Wo ist Sandmann geblieben? Die Träume der Kinder sind so gewöhnlich. Zu gewöhnlich? Gerade gewöhnlich genug?
Später. Jeder Augenblick ist in Bezug auf einen anderen Augenblick später. Der Schimmel im Keller hat die Schulhefte gefressen. Die Zeit ist weg. Das heißt nicht Ferien, was ich jetzt habe, es heißt Urlaub. Ferien bekommt man geschenkt, Urlaub muss man sich nehmen. Im Moment habe ich beides nicht.
Geschäftsreise. Pendeln zwischen Familie in Berlin und Arbeit in Frankfurt. Jede Woche fliegen. Was ist mit Umwelt? Jedes Mal denken: Ich fliege jetzt nach Afrika. Ich fliege jetzt nach Japan.
Ich fliege jetzt nach dahin, wo der Sternensand herkam.
Der Flughafen in Frankfurt. Alle Flüge gestrichen. Wie viele der vergeblich wartenden Passagiere sind diese Kinder gewesen?
Was machen die? Ist die Bahn jetzt günstig? Erst einmal irgendwo übernachten? Es kann nicht so schwer sein, in den Zug zu steigen.
In den Sitzen einschlafen, warten, obwohl man schon weiß, was man tun muss. In den Sitzen zum warten einschlafen, ohne sich einen Wecker gestellt zu haben.
Traum.
Es gibt Terminkalender. Es gibt Werbegeschenkkugelschreiber. Es gibt Flugzettel mit leeren Rückseiten. Das ist für Wörter.
Diese Wörter sind ungewohnt, abgenutzt und alt. Niemand wird das lesen wollen. Wer denkt an den Leser? Niemand denkt an den Leser, denn der Flughafen schreibt.
Der Sand im Getriebe kommt nicht von den Sternen. Da wollten wir vor Jahren noch hin, mit unseren Geschichten.
Der Sand ist Staub. Der Staub ist Asche. Die Asche ist das innere der Erde. Zu tief. Tief, beschmutzt, dreckig.
Die Asche, sie erreicht uns von oben.
Alles Gute kommt von oben.
Der neue Traumsand macht unsere Geschichten düsterer. Und besser.
no subject
Date: 2010-04-18 12:27 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-18 06:38 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-18 06:39 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-18 12:37 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-18 06:39 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-18 02:50 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-18 06:40 pm (UTC)no subject
Date: 2010-04-19 06:52 am (UTC)Ich liebe die Vergänglichkeit, die sich durchzieht und wie man die ganze Zeit den Augenblick verfolgt und nicht halten kann, weil alles aus Sternenstaub ist und zwischen unseren Fingern zerbröselt.
no subject
Date: 2010-04-19 03:00 pm (UTC)