[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original (I once ruled the world)
Challenge: #1 Lachkrampf (vom 28.03.)
Wörter: 357
Warnung: Fluchen (minimal)

Der alte Mann in dem kleinen Geschäft wirkt kein Bisschen nervös. Mit einer Seelenruhe, die sie auf die Palme bringt, scannt er die kleinen Backwaren, die mit Thunfischcreme gefüllten Reisrollen und das Wasser ein. Sie schaut zur Seite zur Gefriertruhe und wünscht sich, sie könnte sich noch ein Eis dazukaufen. Aber jeder Yen zählt und Eis ist Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Nicht jetzt.

Gerade als der alte Mann das Geld (passend) entgegengenommen hat und leise murmelnd den Betrag noch einmal wiederholt, wird die Tür zum Laden aufgezogen und drei Kerle trampeln herein. Da das menschliche Gehirn Farben eher wahrnimmt als Formen, sieht sie das Weiß der Sweatshirts eher als die einigermaßen schmächtige Gestalt der Jungen.
Aber die gehören zu ihnen und es sind drei.
Die mögen Ausländer nicht und sie hat doch so helle Haare.

Schnell schaut sie weg und versucht angestrengt, normal weiterzuatmen.
Wenn doch nur der Opa schneller machen würde...

Die Kerle stampfen zu den Kühlschränken mit den Getränken, aber ihre Blicke bohren sich immer wieder in ihren Rücken.
Sie öffnen die Türen und werfen sie wieder zu, unterhalten sich lautstark in so breitem Slang, dass sie kaum etwas versteht. Sie laufen vor und zurück, als würden sie etwas suchen, als würden sie nur schauen wollen, was das Sortiment hergibt. Vielleicht ist es auch eine Drohgebärde.

Als sie endlich, endlich die Tüte in Empfang nimmt und versucht, betont gelassen aus dem Laden zu treten, streift sie einer der Jungs am Arm. Ihr Atem stockt, dann starrt sie in seine dunklen, fast schwarzen Augen.
„Pass auf, wo du hingehst, Scheiß-Ausländer!“, spuckt er, die Worte im Mund hin- und herrollend.
Sie stolpert rückwärts, torkelt aus dem Laden und läuft los.
Kalter Angstschweiß klebt unter ihren Achseln und sie schaut sich fünfmal um, ob ihr jemand folgt.

Doch niemand außer ihr ist auf der Straße. Nach ein paar weiteren Schritten spürt sie, wie ihr nervöses Gelächter aus dem Rachen schwappt, zuckend und blubbernd und sie kann nicht aufhören. Sie krümmt sich halb und lacht, lacht lautlos in die Abenddämmerung hinein.

Was alles hätte geschehen können, fällt langsam von ihr ab.
Und hinterlässt einen unangenehmen Schauer.

Date: 2010-04-17 03:15 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Wow. Das war sehr beklemmend.
Aber eine toll eingefangene Momentaufnahme. =)
Die Stimmung und diese Schnippsel der Umgebung, die man so mitbekommt.
Es ist was, was hier passieren könnte mit einer Türkin oder etwas, was in Japan mit einer Deutschen passieren könnte. Und eigentlich kann es überall und mit jedem passieren.
Ich mag das Allgemeingültige daran.

Date: 2010-04-18 02:53 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Das ist so beklemmend, allein der alte Mann an der Kasse wirkt so, als wäre er komplett von seiner Umgebung isoliert/gelöst (Sorry, ich weiß gerade nicht, wie ich das beschreiben kann)

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios