[identity profile] kajsa87.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Titel: Without you I´m nothing
Fandom: Original
Genre: death
Prompt: Freundschaftslügen & "Hast du eine Wette verloren?"
Wörter: 625
Kommentar: Ernsthaft, ich weiß nicht, wie das passiert ist.

Ich wusste ja eigentlich, was mich erwartet. Maris Mutter hat mir erzählt, wie es ihr geht und wie sie aussieht, bevor ich hergekommen bin. Aber als ich die Türe zu ihrem Zimmer öffne und in dem steril weißen Bett neben dem Fenster Mari entdecke, weiß ich, dass mich nichts auf diesen Anblick hatte vorbereiten können. Mari, die starke, laute Mari, sieht plötzlich so winzig aus, wie sie da sitzt, die Hände auf dem Laken und der schmale Körper von einem viel zu weiten Krankenhausnachthemd bedeckt. Ihr Gesicht wirkt eingefallen, die Haut blass, irgendwie gräulich und ihre Haare – ich muss mich davon abhalten, allzu offensichtlich zu starren – ihre wilden, roten Haare sind verschwunden und da ist nur noch glatte, fahle Haut. Mari hebt den Blick, schaut mich aus ihren dunkelbraunen Augen unsicher an. Auf dem Weg von der Tür zu ihrem Bett habe ich versucht, mir zu überlegen, was ich ihr sagen könnte. „Wie geht es dir?“ Was für eine dämliche Frage, auf keinen Fall. Aber als sie mich so ansieht, abwartend, weiß ich, dass ich irgendetwas sagen muss. „Hast du eine Wette verloren?“, frage ich schließlich, weil es das einzige ist, das mir einfällt – und würde mich im nächsten Moment am liebsten dafür schlagen. Und ihr erklären, dass es Leute gibt, die sich als Wetteinsatz eine Glatze rasieren lassen. Aber das muss ich gar nicht, denn Mari hat verstanden und lacht sogar ein bisschen. Nicht dieses ansteckende, glucksende Lachen, das ich bisher von ihr kannte, aber ein Lachen, immerhin.

„Du bist ein Arsch.“ Selbst ihre Stimme klingt leiser, schwächer, als sonst. „Ich weiß.“ Mari zwinkert mir zu und fordert mich mit einer Handbewegung auf, mich auf den Stuhl neben ihrem Bett zu setzen. Eine Weile sitzen wir einfach nur so da, ich halte ihre Hand, während wir uns anschweigen, weil wir nicht immerzu reden müssen. Mussten wir noch nie. Irgendwann bricht Mari das Schweigen. „Weißt du, worüber ich mir wirklich ernsthafte Sorgen mache?“ „Du meinst, abgesehen von all dem hier?“, frage ich, während ich mit einer Handbewegung zeige, was ich mit „all dem hier“ meine: Sie, das Krankenbett mit all den Kabeln und Schläuchen, das Krankenhauszimmer. „Ja, abgesehen davon und noch viel mehr als darüber.“ „Sag's mir.“ „Ich mach mir echt Sorgen darüber, wen du veralbern kannst, wenn ich mal nicht mehr da bin.“ Ich hätte alles erwartet, nur das nicht. Dabei ist es so typisch für Mari, sich zuallererst um alle anderen Gedanken zu machen. Ich muss schlucken, bevor ich ihr antworte. „Dann verarsch ich keinen mehr. Macht bei niemandem so viel Spaß wie bei dir.“

Und jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich mich nicht mehr zusammen reißen kann, der Moment, an dem es raus muss. Erst sind es nur ein, zwei kleine Tränen, die ich versuche, mit der Handfläche möglichst unauffällig weg zu wischen, aber es werden schnell mehr, sie fließen wie salzige Sturzbäche meine Wangen hinunter. Und ich muss schniefen, atme beinahe hysterisch ein und aus, mein Körper schüttelt sich wie in einem Krampf. Mari wartet ruhig ab, bis ich mich wieder halbwegs eingekriegt habe. „Versprich mir, dass du dir jemanden anderen zum Aufziehen suchst, wenn ich tot bin.“ Ihre Stimme ist fest, als sie das sagt und ihr Gesichtsausdruck ist ernsthaft. „Okay, versprochen.“ Meine Stimme zittert und ich kann sie kaum sehen durch den Tränenschleier vor meinen Augen, aber ich versuche, zu lächeln. Und Mari lächelt ebenfalls. „Gut.“

Bald darauf ist Mari tot, begraben auf einem Friedhof voller Leute, die es, wie ich, noch gar nicht fassen können.

Einige Wochen später sagt einer meiner Klassenkameraden im Unterricht etwas furchtbar Dummes, die perfekte Steilvorlage für einen bösen Kommentar. Doch mir fällt keiner ein.

Date: 2010-02-24 05:48 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Oh Gott.
Das ist so traurig. .____.
Und schön.
Und herzzerreißend.

*wischt auch ein paar Tränchen weg*
Und ich lese Death-fics normalerweise nicht mal ...

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