Genre-Päckchen
Feb. 6th, 2010 02:00 amFandom: Original ("Once I ruled the world")
Genre-Päckchen: Death
Challenges: a) reine Verzweiflung & Herdentiere (gleich beide beantwortet, es passte gut zusammen)
Wörter: 1.303
Summary: Die Kinder der verlorenen Dekade Japans zerstören ihre Popkultur. Im wörtlichen Sinne. Eine schlechte Zeit für Ausländer, eine Reise dorthin zu unternehmen.
Warnung: death/dying, violence
Kommentar: Die Idee ist sicherlich völlig geisteskrank.
Und achja, Happy Birthday, liebe Community!<3 Danke, dass ihr mir in den letzten drei Jahren hier ein kreatives Obdach gegeben habt!
In Shibuya stand noch alles. Trotzdem wirkte die Gegend, als habe man sie dem Erdboden gleichgemacht. Fahl schaukelten losgemachte Ecken von Werbeplakaten an den Fassaden, in der Sonne ab und an blinkernd. Die Musik, die sie sonst immer an der weltberühmten Ampel gespielt hatten- ein Mix aus Reklame, zuckersüßer Popmusik und einem immerwährenden Raunen- war einer merkwürdigen Stille gewichen, die eigentlich gar nicht möglich war.
Es war noch immer voll. Hunderte von Menschen schoben sich geschäftig zu jeder Grünphase der Ampeln über den spätsommerwarmen Asphalt.
Und trotzdem erschien es ihr gespensterhaft ruhig.
Jeder Mensch starrte auf den Boden, auf seine eigenen Schuhe, auf den Hosen- oder Rocksaum des Menschen, der voranging.
Sie hatte Tokyo nicht wiedererkannt.
Der Beamte in Narita am Flughafen hatte sie stirnrunzelnd angeschaut, ihren Pass gestempelt und sich schließlich über seinen Schreibtisch gebeugt.
„Ich bin verpflichtet, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass in unserer Hauptstadt derzeit Unruhen herrschen. Bitte beachten Sie das bei Ihrer Reise und bleiben Sie nicht länger als nötig im Land.“
Die Regierung weigerte sich, den Notstand auszurufen.
Ein solches Zugeständnis würde den internationalen Staatenbund dazu befähigen, sich einzumischen- und zwar in Angelegenheiten, die sie der Meinung der Japaner nach nichts angingen.
Sie blinzelte in die heiße Nachmittagssonne und versuchte einen Augenblick lang festzustellen, wo sie überhaupt war. Ihr letzter Besuch in Tokyo war eine Weile her und sie hatte noch nie einen besonders ausgeprägten Orientierungssinn gehabt.
Am Seven-Eleven-Convinience Store an der Ecke hatte man Spanplatten über die Stelle einer eingeschlagenen Scheibe gesetzt.
Überall hingen die gelblichen, verblichenen Plakate auf denen die Parole stand, die die Frau verfolgten, seitdem sie hierher gekommen war.
„Tod den Cyborgs!“
Sie schlich sich in den Laden als sei sie ein Dieb und verschaffte sich einen Überblick am Zeitungsstand.
„Polizei nicht mehr Herr der Lage“ stand in großen Lettern auf den Tagesblättern.
„Dunkelziffer getöteter Prominenter doppelt so hoch geschätzt wie offizielle Zahl“
Sie wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Es war zweifellos die falsche Zeit, einen Zwischenstopp in Japan einzulegen. Dennoch konnte sie sich ein winziges, triumphierendes Lächeln nicht verkneifen.
Sie dachte an ihren Professor, der ihr immer wieder zu verstehen gegeben hatte, dass sie als Japanologin hoffnungslos war.
Aber wer stand nun genau hier am Ort des Geschehens, an dem jetzt Geschichte geschrieben wurde?
Am HMV nicht weit vom Seven-Eleven entfernt, hing die Todesliste.
Sie hatte als winziges, spickzettelartiges Blättchen angefangen und war mittlerweile ausgeartet in eine Tapete aus Namen, die unbekannte Menschen in Ungeduld hingekliert hatten. Die Schriftzeichen starrten dreckig und ungeordnet auf ihren Betrachter herab.
Der HMV, einer von Tokyos größten Musikfachmärkten, hatte nach wie vor geöffnet. Doch niemand wagte es, durch die geöffnete Doppeltür ins Innere des dreistöckigen Ladens zu treten. Überall lungerten diese Typen mit den weißen Sweatshirts und dunklen Blicken. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, dass nicht einer von ihnen Namen auf die Todesliste geschrieben hatte. Sie waren nur spärlich bewaffnet, aber so aggressiv wie die Helden in Jungen-Manga, die alles um sich herum kurz und klein schlugen.
Sie hatten die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung überschritten und damit begonnen, die Welt der Vorstellungen einzutreten und umzubringen.
Man konnte sie nicht als Sekte bezeichnen, weil sie keinen religiösen Hintergrund hatten. Die Generation, die in den 90ern aufgewachsen war- der so genannten verlorenen Dekade- hatten niemals wirklich etwas mitbekommen vom wirtschaftlichen Überfluss, den ihre Eltern geschaffen hatten. Das Land steckte seit über zehn Jahren in der Rezession und der Lehman Schock und folgende Wirtschaftskrise im Jahr 2008 hatten einen guten Nährboden geboten für frustrierte junge Menschen, die in den Irren der wankenden heimischen Betriebe keine Stellen gefunden hatten, für ihr Wut, das innerliche Kochen. Jahrelang hatten sie sich angestrengt und sich der Konsumgesellschaft gefügt.
Aber viele derer, die kaum Geld gehabt hatten, sich ordentlich zu ernähren und die Studiengebühren zu bezahlen, hatten sich irgendwann formiert und ihren Hass auf diejenigen gerichtet, die der Gesellschaft noch immer vorgegaukelt hatten, dass das Leben eine Tulpe und die Welt vollkommen in Ordnung sei;
Die Vertreter der Unterhaltungsindustrie.
Jene Produkte einer Glitzerwelt, die schon fast nicht mehr menschlich wirkten.
Das hatte ihnen die Bezeichnung „Cyborgs“ eingebracht.
Sie fotographierte die Todesliste ab und versuchte, die Anzahl der Namen zu überschlagen.
Es waren vielleicht vierzig, wahrscheinlich eher fünfzig. Die meisten Namen kannte sie nicht. Ganz sicher waren das eher kleine Fische in der Medienlandschaft gewesen. Wer groß im Geschäft war, hatte sich wahrscheinlich schon längst ins Ausland aufgemacht.
Ein Aufkreischen in der Ladenstraße ließ sie herumfahren.
Eine kleine Menschenmasse drängte heran, die meisten stoben allerdings nach links und rechts weg an die Gebäude. Übrig blieb eine Gruppe weißer Sweatshirts, die in ihrer Mitte einen jungen Mann an den Haaren mitzerrten, direkt in die Richtung der Todesliste.
Sie wich zurück, doch neben ihr, hinter standen Leute, die scheinbar unfähig waren, sich zu bewegen. Einige scherten aus und versuchten, sich unauffällig zu verdrücken, doch von der Hauptstraße her stürmten mehr Männer in weißen Sweatshirts heran, bewaffnet mit Schlagstöcken und Baseballschlägern.
„Niemand geht hier weg!“, bellten sie und trieben die Leute zurück.
„Ihr bleibt gefälligst alle hier und schaut euch das an!“
Die Menschen standen da, versteinert vor Angst wie eine Herde Schafe.
Der kleine Trupp hatte sich genähert und kam vor den Türen des HMV zum Stehen. Sie schleuderten den Mann, den sie in ihrer Mitte mitgezogen hatten, auf den Asphalt und man konnte hören als seine Zähne mit dem Beton der Straße in Berührung kamen.
Sie hatte so schnell sie konnte, ihre Kamera in der Tasche verstaut. Wenn man sie ihr wegnehmen würde, hatte sie keinerlei Möglichkeiten mehr, das, was sie sah, zu dokumentieren. Zugleich war sie alles andere als professionell, ihr Herz raste, ihr Atem stockte vor Angst und als sie das blutüberströmte Gesicht des jungen Mannes erkannte, den sie da gerade auf den Rücken drehten, wusste sie, dass es eigentlich schon vorbei war. Er war ein bekannter und wahnsinnig beliebter Popsänger. Gewesen.
Es war nicht wie in den schlechten, amerikanischen Filmen oder den noch schlechteren asiatischen Soaps. Die Leute versammelten sich nicht um ihn, machten keinen Indianertanz um ihn herum und sie schrien auch nicht im Chor „Tod den Cyborgs!“
Vielmehr war es ruhig, auf eine grausame Art und Weise schon routiniert.
Drei der Männer gingen auf den Sänger zu, ein wenig ihre Baseballschläger schwingend.
„Warum ruft denn niemand die Polizei?“, rutschte es ihr heraus.
„Kommt, wir rufen die Polizei.“
Sie wandte sich an ein Pärchen, welches sich neben ihr verzweifelt aneinanderklammerte und sie mit allen Kräften ignorierte.
`Ausländer haben davon keine Ahnung´, sagten ihre Blicke, aber ansonsten standen sie still wie jeder andere.
Sie konnte nichts tun. Sie war gerade erst gelandet, sie hatte kein Handy bei sich, sie konnte offensichtlich niemanden der Umstehen dazu bringen, ihr eines zu leihen.
Wahrscheinlich konnte sie vortreten und versuchen, aktiv etwas zu unternehmen.
Aber die Angst hielt sie fest wie in einem Würgegriff und schnürte ihr mehr und mehr die Luft ab als zu zusah, wie der arme Junge in reiner Verzweiflung versuchte, sich auf den Bauch zu drehen und davonzukriechen. Man lachte ein bisschen, zog ihn jedes Mal zurück und ließ erneut Schläge und Tritte auf ihn niederdonnern.
Sie war nicht mehr als ein Teil dieser Herde, ein ausländisches Herdentier, welches nicht wagte, die Stimme zu erheben.
Und dann war es plötzlich vorbei mit dem Augenblick, in dem sie das Genick des armen Menschen brechen hören konnte und er zu einer geistlosen blutigen Masse wurde, verbogen und warm.
Einer der Männer in den weißen Sweatshirts trat vor, zog aus seiner Gesäßtasche einen schwarzen Marker und schrieb an die Todesliste den Namen des Jungen.
„Ein Cyborg weniger.“, sagte er leise und sein Blick streifte sie in der Masse, kurz, aber durchdringend.
Diesmal hielt sie niemand mehr auf als sie sich umdrehte und begann zu laufen.
Man wusste genau, dass sie das, was sie soeben gesehen hatte, nie wieder würde vergessen können.
Genre-Päckchen: Death
Challenges: a) reine Verzweiflung & Herdentiere (gleich beide beantwortet, es passte gut zusammen)
Wörter: 1.303
Summary: Die Kinder der verlorenen Dekade Japans zerstören ihre Popkultur. Im wörtlichen Sinne. Eine schlechte Zeit für Ausländer, eine Reise dorthin zu unternehmen.
Warnung: death/dying, violence
Kommentar: Die Idee ist sicherlich völlig geisteskrank.
Und achja, Happy Birthday, liebe Community!<3 Danke, dass ihr mir in den letzten drei Jahren hier ein kreatives Obdach gegeben habt!
In Shibuya stand noch alles. Trotzdem wirkte die Gegend, als habe man sie dem Erdboden gleichgemacht. Fahl schaukelten losgemachte Ecken von Werbeplakaten an den Fassaden, in der Sonne ab und an blinkernd. Die Musik, die sie sonst immer an der weltberühmten Ampel gespielt hatten- ein Mix aus Reklame, zuckersüßer Popmusik und einem immerwährenden Raunen- war einer merkwürdigen Stille gewichen, die eigentlich gar nicht möglich war.
Es war noch immer voll. Hunderte von Menschen schoben sich geschäftig zu jeder Grünphase der Ampeln über den spätsommerwarmen Asphalt.
Und trotzdem erschien es ihr gespensterhaft ruhig.
Jeder Mensch starrte auf den Boden, auf seine eigenen Schuhe, auf den Hosen- oder Rocksaum des Menschen, der voranging.
Sie hatte Tokyo nicht wiedererkannt.
Der Beamte in Narita am Flughafen hatte sie stirnrunzelnd angeschaut, ihren Pass gestempelt und sich schließlich über seinen Schreibtisch gebeugt.
„Ich bin verpflichtet, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass in unserer Hauptstadt derzeit Unruhen herrschen. Bitte beachten Sie das bei Ihrer Reise und bleiben Sie nicht länger als nötig im Land.“
Die Regierung weigerte sich, den Notstand auszurufen.
Ein solches Zugeständnis würde den internationalen Staatenbund dazu befähigen, sich einzumischen- und zwar in Angelegenheiten, die sie der Meinung der Japaner nach nichts angingen.
Sie blinzelte in die heiße Nachmittagssonne und versuchte einen Augenblick lang festzustellen, wo sie überhaupt war. Ihr letzter Besuch in Tokyo war eine Weile her und sie hatte noch nie einen besonders ausgeprägten Orientierungssinn gehabt.
Am Seven-Eleven-Convinience Store an der Ecke hatte man Spanplatten über die Stelle einer eingeschlagenen Scheibe gesetzt.
Überall hingen die gelblichen, verblichenen Plakate auf denen die Parole stand, die die Frau verfolgten, seitdem sie hierher gekommen war.
„Tod den Cyborgs!“
Sie schlich sich in den Laden als sei sie ein Dieb und verschaffte sich einen Überblick am Zeitungsstand.
„Polizei nicht mehr Herr der Lage“ stand in großen Lettern auf den Tagesblättern.
„Dunkelziffer getöteter Prominenter doppelt so hoch geschätzt wie offizielle Zahl“
Sie wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Es war zweifellos die falsche Zeit, einen Zwischenstopp in Japan einzulegen. Dennoch konnte sie sich ein winziges, triumphierendes Lächeln nicht verkneifen.
Sie dachte an ihren Professor, der ihr immer wieder zu verstehen gegeben hatte, dass sie als Japanologin hoffnungslos war.
Aber wer stand nun genau hier am Ort des Geschehens, an dem jetzt Geschichte geschrieben wurde?
Am HMV nicht weit vom Seven-Eleven entfernt, hing die Todesliste.
Sie hatte als winziges, spickzettelartiges Blättchen angefangen und war mittlerweile ausgeartet in eine Tapete aus Namen, die unbekannte Menschen in Ungeduld hingekliert hatten. Die Schriftzeichen starrten dreckig und ungeordnet auf ihren Betrachter herab.
Der HMV, einer von Tokyos größten Musikfachmärkten, hatte nach wie vor geöffnet. Doch niemand wagte es, durch die geöffnete Doppeltür ins Innere des dreistöckigen Ladens zu treten. Überall lungerten diese Typen mit den weißen Sweatshirts und dunklen Blicken. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, dass nicht einer von ihnen Namen auf die Todesliste geschrieben hatte. Sie waren nur spärlich bewaffnet, aber so aggressiv wie die Helden in Jungen-Manga, die alles um sich herum kurz und klein schlugen.
Sie hatten die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung überschritten und damit begonnen, die Welt der Vorstellungen einzutreten und umzubringen.
Man konnte sie nicht als Sekte bezeichnen, weil sie keinen religiösen Hintergrund hatten. Die Generation, die in den 90ern aufgewachsen war- der so genannten verlorenen Dekade- hatten niemals wirklich etwas mitbekommen vom wirtschaftlichen Überfluss, den ihre Eltern geschaffen hatten. Das Land steckte seit über zehn Jahren in der Rezession und der Lehman Schock und folgende Wirtschaftskrise im Jahr 2008 hatten einen guten Nährboden geboten für frustrierte junge Menschen, die in den Irren der wankenden heimischen Betriebe keine Stellen gefunden hatten, für ihr Wut, das innerliche Kochen. Jahrelang hatten sie sich angestrengt und sich der Konsumgesellschaft gefügt.
Aber viele derer, die kaum Geld gehabt hatten, sich ordentlich zu ernähren und die Studiengebühren zu bezahlen, hatten sich irgendwann formiert und ihren Hass auf diejenigen gerichtet, die der Gesellschaft noch immer vorgegaukelt hatten, dass das Leben eine Tulpe und die Welt vollkommen in Ordnung sei;
Die Vertreter der Unterhaltungsindustrie.
Jene Produkte einer Glitzerwelt, die schon fast nicht mehr menschlich wirkten.
Das hatte ihnen die Bezeichnung „Cyborgs“ eingebracht.
Sie fotographierte die Todesliste ab und versuchte, die Anzahl der Namen zu überschlagen.
Es waren vielleicht vierzig, wahrscheinlich eher fünfzig. Die meisten Namen kannte sie nicht. Ganz sicher waren das eher kleine Fische in der Medienlandschaft gewesen. Wer groß im Geschäft war, hatte sich wahrscheinlich schon längst ins Ausland aufgemacht.
Ein Aufkreischen in der Ladenstraße ließ sie herumfahren.
Eine kleine Menschenmasse drängte heran, die meisten stoben allerdings nach links und rechts weg an die Gebäude. Übrig blieb eine Gruppe weißer Sweatshirts, die in ihrer Mitte einen jungen Mann an den Haaren mitzerrten, direkt in die Richtung der Todesliste.
Sie wich zurück, doch neben ihr, hinter standen Leute, die scheinbar unfähig waren, sich zu bewegen. Einige scherten aus und versuchten, sich unauffällig zu verdrücken, doch von der Hauptstraße her stürmten mehr Männer in weißen Sweatshirts heran, bewaffnet mit Schlagstöcken und Baseballschlägern.
„Niemand geht hier weg!“, bellten sie und trieben die Leute zurück.
„Ihr bleibt gefälligst alle hier und schaut euch das an!“
Die Menschen standen da, versteinert vor Angst wie eine Herde Schafe.
Der kleine Trupp hatte sich genähert und kam vor den Türen des HMV zum Stehen. Sie schleuderten den Mann, den sie in ihrer Mitte mitgezogen hatten, auf den Asphalt und man konnte hören als seine Zähne mit dem Beton der Straße in Berührung kamen.
Sie hatte so schnell sie konnte, ihre Kamera in der Tasche verstaut. Wenn man sie ihr wegnehmen würde, hatte sie keinerlei Möglichkeiten mehr, das, was sie sah, zu dokumentieren. Zugleich war sie alles andere als professionell, ihr Herz raste, ihr Atem stockte vor Angst und als sie das blutüberströmte Gesicht des jungen Mannes erkannte, den sie da gerade auf den Rücken drehten, wusste sie, dass es eigentlich schon vorbei war. Er war ein bekannter und wahnsinnig beliebter Popsänger. Gewesen.
Es war nicht wie in den schlechten, amerikanischen Filmen oder den noch schlechteren asiatischen Soaps. Die Leute versammelten sich nicht um ihn, machten keinen Indianertanz um ihn herum und sie schrien auch nicht im Chor „Tod den Cyborgs!“
Vielmehr war es ruhig, auf eine grausame Art und Weise schon routiniert.
Drei der Männer gingen auf den Sänger zu, ein wenig ihre Baseballschläger schwingend.
„Warum ruft denn niemand die Polizei?“, rutschte es ihr heraus.
„Kommt, wir rufen die Polizei.“
Sie wandte sich an ein Pärchen, welches sich neben ihr verzweifelt aneinanderklammerte und sie mit allen Kräften ignorierte.
`Ausländer haben davon keine Ahnung´, sagten ihre Blicke, aber ansonsten standen sie still wie jeder andere.
Sie konnte nichts tun. Sie war gerade erst gelandet, sie hatte kein Handy bei sich, sie konnte offensichtlich niemanden der Umstehen dazu bringen, ihr eines zu leihen.
Wahrscheinlich konnte sie vortreten und versuchen, aktiv etwas zu unternehmen.
Aber die Angst hielt sie fest wie in einem Würgegriff und schnürte ihr mehr und mehr die Luft ab als zu zusah, wie der arme Junge in reiner Verzweiflung versuchte, sich auf den Bauch zu drehen und davonzukriechen. Man lachte ein bisschen, zog ihn jedes Mal zurück und ließ erneut Schläge und Tritte auf ihn niederdonnern.
Sie war nicht mehr als ein Teil dieser Herde, ein ausländisches Herdentier, welches nicht wagte, die Stimme zu erheben.
Und dann war es plötzlich vorbei mit dem Augenblick, in dem sie das Genick des armen Menschen brechen hören konnte und er zu einer geistlosen blutigen Masse wurde, verbogen und warm.
Einer der Männer in den weißen Sweatshirts trat vor, zog aus seiner Gesäßtasche einen schwarzen Marker und schrieb an die Todesliste den Namen des Jungen.
„Ein Cyborg weniger.“, sagte er leise und sein Blick streifte sie in der Masse, kurz, aber durchdringend.
Diesmal hielt sie niemand mehr auf als sie sich umdrehte und begann zu laufen.
Man wusste genau, dass sie das, was sie soeben gesehen hatte, nie wieder würde vergessen können.
no subject
Date: 2010-02-06 02:33 pm (UTC)Gehört das direkt zu einem größeren Projekt von dir?
no subject
Date: 2010-02-06 03:36 pm (UTC)Ich kenn das Problem mit den Originalen, obwohl ich genau weiß, dass es so viele hier gibt, die es verdient hätten, gelesen zu werden.
Ja, es ist eine Geschichte, die ich seit ungefähr einem halben Jahr in meinem Kopf mit mir herumschleppe, aber das hier ist tatsächlich das erste, was ich dazu geschrieben habe. Das hier ist nur ein kleiner Anfang.^^
no subject
Date: 2010-02-06 07:21 pm (UTC)no subject
Date: 2010-02-06 11:25 pm (UTC)Wenn ich darüber nachdenke, wäre so etwas in den USA oder in Europa viel eher denkbar als Japan oder einem anderen ostasiatischen Land. Aber ich bin biased und hab mich natürlich in der Idee verbissen.
Räusper.
Nun ja~
no subject
Date: 2010-02-07 04:39 pm (UTC)Wirklich gut. Wenn du noch mehr zu diesem Universum schreiben würdest, wäre das unheimlich spannend.