Kussgeschichten
Jan. 19th, 2010 12:33 amEntstanden im Rahmen der Kusschallenge von schreibdochmal.
Und alle einzeln in weniger als 120 Minuten, von daher passt es sogar.
(Der Vollständigkeit halber nochmal die korrigierte Version)
Fandom: Kimi wa Petto
Wörter: 723
Prompt: Anywhere but their lips
Personen: Sumire, Takeshi
Genre: h/c
Er steht im Flur und tropft.
Seine Haare sind zerzaust und kaputt, seine Wangen sind gerötet, seine Lippen blutleer, seine Augen suchen nicht nach ihr.
„Momo?“
Aber er heißt nicht Momo, jetzt gerade nicht.
Sie weiß nicht, wo er war, wo er herkommt und wo er wieder hingehen wird. Sie hat keine Ahnung, wer ihm die linke Wange aufgekratzt und das blaue Auge beigebracht hat.
Sumire wünscht sich eigentlich nur, dass er wie sonst immer auf- und abhüpft, dass er mit ihr Videospiele zocken und den Kopf auf ihrem Schoß abgelegt in sich zusammengerollt einschlafen möchte.
Aber das sind alles Dinge, die Momo tun würde.
Momo bräuchte nur ein warmes, leckeres Essen oder eine Runde Wrestling im Fernsehen, vielleicht ein heißes Bad und eine Kraulsession.
Sumire steht ratlos vor ihm, hat in der linken Hand noch die Zeitung, im Mundwinkel noch die Zigarette und fummelt sich nervös an der Brille herum.
Einen Augenblick lang muss sie sogar nachdenken, wie er wirklich heißt.
Takeshi.
Takeshi.
Aber Takeshi ist ein Unbekannter. Er hat Momo fortgenommen und ihn versteckt, in der hintersten Ecke seines Herzens.
Er steht im Flur und tropft, regennass und ausgelaugt.
Ein Fremder steht vor ihr.
Sie wagt es nicht, ihn anzusprechen.
Er ist jetzt ein Mann, kein Haustier, sondern ein junger Mann.
Zwischen seinen Schultern liegt eine lauernde Kraft, in seinen Augen ruhen Schatten und er macht ihr ein wenig Angst.
Nicht körperlich, aber mit seiner Präsenz.
Sumire überlegt, wie man einen Mann am besten tröstet, aber es fällt ihr nur Sex ein und der kommt nicht in Frage.
Sie legt die Zeitung auf der Kommode ab, geht zwei Schritte zurück, so dass sie durch die Badtür nach einem Handtuch reichen kann und es ihm auf den Kopf legen.
Es passiert ihr ganz unwillkürlich, dass sie anschließend sofort wieder zurücktritt, wie bei einem Fremden, in dessen Privatsphäre man nicht drängen will.
Er hebt den Kopf und schaut sie an, den Mund verkrampft, Haare im Gesicht.
Da tut es ihr Leid.
Wortlos tritt sie wieder heran, beginnt, seine Haare zu frottieren. Sie zuckt zusammen, als sie seine kalten Hände an ihren Hüften spürt, aber tatsächlich scheint er sich nur abzustützen.
„Ich bin immer noch ich.“, wispert er und klingt aufrichtig verletzt.
„Ich bin doch immer noch....“
--
Im Schneidersitz hockt er auf der Couch, die Wange mit einer übertrieben großen Mullbinde verarztet und einem heißen Tee in der Hand.
Natürlich wird er nicht darüber sprechen.
In der Hinsicht ist und bleibt er der streunende Hund.
Sumire sitzt neben ihm und versucht zaghaft, in seine Haare zu fassen.
Doch er dreht das Gesicht weg.
Sie ist eingeschnappt, denkt `Dann eben nicht!´ und schlägt wieder ihre Zeitung auf.
--
Als sie nachts im Bett liegt und nicht einschlafen kann, überwältigen sie die Schuldgefühle schließlich doch.
Eine Frau ist ein Mensch, ein Mann ist ein Mensch. Haustiere sind letztlich doch auch nur Menschen.
Der Mond scheint durch das Balkonfenster zum Wohnzimmer herein, als sie über knarrende Dielen tappt. Die Hausschuhe lässt sie vor der Leiter zu seinem Bett stehen. Ein Kriechen, ein Krauchen, leise Atemzüge.
Im Halbdunkel schaut er sie an.
Auf halbem Wege kommt sie sich dann doch wieder dumm vor und möchte umkehren. Vielleicht sollte sie einen Schlafwandel vortäuschen?
Sie beugt sich über seine liegende Gestalt und blinzelt, fühlt, wie er sie sanft zu sich hinunterzieht.
Ihren linken Mundwinkel küsst, federleicht und mit einem Beben im Atem.
„Bitte.“, murmelt er stimmlos in die Finsternis hinein.
Das hält sie auf, nach ihm treten und zu schimpfen- diese Verletzlichkeit, mit der er spricht.
Und was sind sie denn, wenn nicht zwei verängstigte Wesen, die sich gemeinsam vor der Welt verstecken und einander die Wunden lecken?
Seine Lippen streifen ihre Nasenspitze, hauchen Küsse auf ihre Wangen, wandern hoch zur Stirn und kitzeln dort, legen sich zärtlich auf ihre Augenlider.
Sie spürt das Kribbeln durch ihr Innerstes wandern.
Es ist so ganz sexlos und gleichzeitig ganz nahe. Sie kann nicht anders, als seine Bewegungen zu spiegeln, ihn überall abzuküssen und dabei den Mund auszulassen.
Da ist eine Grenze und sie hüpft mühelos auf dem Strich, den sie irgendwann einmal gezogen hat, herum, wischt seine Tränchen weg und spürt, wie er allmählich wieder auftaut.
Als er endlich in einen gnädigen, heilenden Schlaf abgleitet, fühlt sie, wie auch sie wieder nach Atem schöpft, zum ersten Mal seit ein paar Stunden.
Fandom: Arashi
Wörter: 791
Prompt: Concert Kiss
Personen: Aiba Masaki, Sakurai Sho
Genre: gen, fluff
„Wenn du möchtest.“, hatte Sho gesagt und einfach weiter seine Klamotten sortiert.
„Wir sind alle Profis. Und warum auch nicht einmal sorum.“
Er hatte mit den Schultern gezuckt.
Natürlich hatte er Recht. Es gehörte zur Show dazu.
„Oder wird das wieder eines von deinen Experimenten? Darüber hinterher im Fernsehen zu reden macht sich allerdings schlecht.“
Aiba wusste nicht, was ihn überhaupt auf den Gedanken gebracht hatte.
Er liebte seinen Job, er liebte seine Bandkollegen auf die süßeste, platonischste Art, die es je in der Menschheitsgeschichte gegeben hatte.
Aber hin und wieder langweilte ihn die Routine. Die frühen Jahre ihrer gemeinsamen, steil aufgestiegenen Karriere waren vollgestopft gewesen mit albernen Experimenten, mit überbunten Fernsehshows, eigenartigen Filmen, in denen Ohno Gurken mit seinen Händen zerquetschte und Delphinbilder von dahergelaufenen Damen abkaufte, die gesamte Zeit damit beschäftigt, ihnen in den Ausschnitt zu starren (den Damen, nicht den Delphinen).
Jetzt verbrachten sie mehr Zeit damit, in feinen Anzügen herumzustehen und nach Anmachsprüchen zu suchen, nach denen diese Damen sich schon immer gesehnt hatten, obwohl sie eigentlich rein gar keine Ahnung hatten.
Es war nicht so, dass er Anzüge nicht mochte. Doch hin und wieder- und das dachte er nur und hütete sich, es laut auszusprechen- langweilten ihn solcherlei Plattitüden.
Weswegen es sich wirklich lohnte, bei der Agentur zu bleiben, waren die Konzerte.
Wenn der tosende Applaus der Fans ihm Stromstöße durch die Venen jagte, wenn er die Musik, die eigene, vor Freude zitternde Stimme im Knopf im seinem Ohr wummern hörte, fühlte er sich am lebendigsten.
Er war sich durchaus bewusst, dass er geradewegs auf die Dreißig zuging und dass jeder von ihm erwartete, sich gefälligst altersgemäß zu benehmen.
Doch wenn das bedeutete, wie Sho die ganze Zeit überseriös an der eigenen Krawatte zu zupfen, fühlte er sich unweigerlich enttäuscht.
Als er am Ende des Konzerts die Hand auf Shos Schulter legte, das Gesicht zur Seite neigte und den Mann mit der tiefsten adrenalinverseuchten Leidenschaft küsste, die man sich nur denken konnte, empfand er die närrischste Freude seit langer Zeit.
Shos Lippen waren schweißnass, weich und heiß; Aiba blinzelte salzig brennende Tropfen aus seinen Augen und verlor sich für einen Augenblick in ihren gemeinsamen warmgetanzten Atemstößen.
Es war ekelhaft und zugleich absurd schön.
Er stand noch da und genoss Shos strahlendes Gesicht, als Jun ihn schon längst lachend am Arm weggezogen hatte.
Die Halle toste und bebte.
Die nächsten Tage verbrachte Aiba damit, sich halb gut gemeinte, halb überforderte Reden seines Managers anzuhören, die immer wieder von Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit handelten, von altersgemäßem Benehmen und ohnmächtigen Mädchen.
Wie schon vorher so oft überkam ihn die Erkenntnis, dass ein Traumjob nicht gleich einen immerwährenden Traum bedeutete. Hin und wieder handelte es sich um die Auswüchse eines Alptraums.
Er wollte von überwältigender Freude sprechen, davon, dass man manchmal seinen Gefühlen freien Lauf lassen musste und dass es bei ihm in solchen Fällen eigentlich immer in Körperlichkeiten endete. Den anderen ganz nahe bei sich spüren, der dieses Erlebnis mit einem teilte- aber natürlich hatte das ganze selbst unter dem Deckmantel des Fanservice missverständlich gewirkt.
Man küsste Mit-Idols.
Aber nicht, wenn sie 28 Jahre alt waren und demnächst Sportnachrichten von den Olympischen Spielen aus Vancouver vorlasen.
Plötzlich fühlte Aiba sich hin und hergerissen zwischen dem, was seine Mutter ihn in der ersten Hälfte seines Lebens beigebracht hatte („Man küsst sich nicht in aller Öffentlichkeit, Masaki! Es muss ja nicht jeder sehen, was man sich an Körperflüssigkeiten auszutauschen hat!“) und dem, was er ab der zweiten Lebenshälfte bei Johnny´s gelernt hatte („Der Kreischfaktor steigt proportional mit der Verminderung eurer Distanz zueinander. Kreischen ist gut. Probiert es aus!“).
Er verbrachte zwei Tage damit, ausgiebig über das Phänomen „Kuss“ nachzudenken. Was waren das für seltsame Köpfe, die dachten, dass wenn sich zwei Menschen küssten, sie in gegenseitiger, einander verbrennender Liebe zueinander standen?
Seine Mutter küsste ihn bis heute auf die Wange, wenn er von einem Besuch im Haus der Eltern zurück nach Tokyo fuhr und er im Hauseingang in seine Schuhe schlüpfte.
Himmel, ab und an küsste er sogar seinen Hund!
Es endete damit, dass er so verwirrt über das Falsch und Richtig war, dass er Sho direkt anrufen musste.
„Dein Manager hat sich aufgeregt? Ist doch klar, er hatte vorher damit nicht zu tun. Wann hast du denn vorher jemanden von uns abgeknutscht?“
Sho klang müde, aber aufrichtig.
„Mach dir nicht solche Gedanken darum. Es ist doch nichts Neues und hier geht die Karriere von niemandem kaputt. Wenn es so wäre, hätten wir längst Pressekonferenzen gegeben.“
Das leuchtete ein.
Das Ganze war ein großer PR-Gag gewesen. Fanservice in Reinstform.
Aiba beruhigte sich allmählich wieder.
Aber es bedrückte ihn noch lange Zeit, dass sein der Ausdruck ernst gemeinter Gefühle als nur gespielte Zuneigung gesehen wurde.
Doch dagegen konnte er wahrscheinlich nichts tun.
Fandom: Futurama
Wörter: 701
Prompt: Test Kiss
Personen: Fry, Leela
Genre: romance, het
Warnung: Ausschließlich Dialog
„Ist dir eigentlich klar, dass du schlimmer bist als Beulenpest? Hartnäckiger als Warzen?“
„Wenn du das so sagst, klingt das fast so, als würde ich dir auf den Wecker fallen.“
„Das kann daher kommen dass es so ist, Fry.“
„Ehrlich, Leela. Wieso versuchst du es denn nicht einfach mal? Es ist ganz einfach; Wir sind zwei einsame Seelen in diesem Universum, ich liebe dich und du liebst mich. Du weißt es nur noch nicht.“
„Ach Fry, dieses Gespräch hatten wir schon wie oft? Ich hätte mitzählen sollen! Davon abgesehen habe ich es schon probiert. Ungefähr fünfmal.“
„Vielleicht warst du nur einfach nicht in Stimmung? Oder dir hast das Essen nicht gefallen? Oder du zählst eine Lieferung dazu, bei der wir beinahe von Weltraumbienen aufgefressen wurden?“
„Das nicht, aber es kann vielleicht auch daran gelegen haben, dass du dich jedes Mal aufgeführt hast wie der letzte Idiot. Sieh mal, Fry, du bist ein netter Kerl und ich weiß unsere Freundschaft wirklich zu schätzen, aber du bist nun mal einfach nicht mein Typ!“
„Ach, und wer ist dein Typ?“
„Zumindest kein Lieferjunge, der Bierflaschen mit seinen Zehennägeln öffnet, das ABC rülpst oder mir in der Unterhose die Tür öffnet. Oder den Schlüssel vom Raumschiff darin versteckt.“
„Aber das ist männlich, Leela. Magst du keine männlichen Männer? Bist du vielleicht lesbisch? Magst du etwa Amy?“
„Fry, red doch nicht solchen Unsinn! Das hat nichts mit Männlichkeit zu tun! Ein Mann übernimmt Verantwortung für das, was er sich und seiner Umwelt antut. Er handelt vernünftig und benimmt sich immer der Situation entsprechend.“
„Du magst Amy!“
„Siehst du, das ist genau das, was ich meine! Lass uns die Diskussion beenden, ich bin müde und muss noch den Kaugummi aus den Triebwerken kratzen, den Bender da hineingestopft hat.“
„Okay, okay. Und was ist mit Romantik? Ich bin sehr romantisch, das musst du zugeben! Ich habe für dich extra diese Holophon-Oper geschrieben und gespielt!“
„Mit den Händen des Roboterteufels.“
„Das nennt man Aufopferung! Ich dachte, ihr Frauen steht auf sowas! Kann man euch denn nichts Recht machen?!“
„Wenn ich´s mir recht überlege, was das damals wirklich süß.“
„Du hast es dir ja auch zuende angehört.“
„Stimmt. Aber Romantik ist eben doch nicht alles. Ein Mann, mit dem ich mich einlasse, muss auch zuverlässig sein. Und ein gutes Einkommen haben. Du kannst dir am Ende des Monats nicht mal mehr ein Sparmenü bei Fishy Joe´s leisten!“
„Doch aber nur, weil ich die Miete bezahle! Wenn ich das Bender überließe, wären wir längst obdachlos, der beklaut den Vermieter nur.“
„Ende der Diskussion Fry, Ende!“
„Du bist verbohrt, Leela, weißt du das? Eine verbohrte Frau ohne Weitblick!“
„Jämmerlicher Witz über mein fehlendes räumliches Sehen.“
„Aber es ist doch so. Du hast eine Schablone in deinem Kopf, in die ein Mann passen muss und wenn er auch nur ein klitzekleines Bisschen aus dem Rahmen fällt, lässt du ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. Wie wäre es damit, dass du zur Abwechslung mal den Vernunftsquatsch lässt und dein Herz, deine Hormone und deine Geschlechtsorgane sprechen lässt?“
„Miese Masche, mich ins Bett zu bekommen.“
„Wer redet denn davon? Ich meine einen Kuss. Einen Testkuss.“
„Ich habe dich schon mindestens zwanzigmal geküsst seit wir uns kennengelernt haben.“
„Aber das war was anderes. Das eine Mal war ich dein Alibi-Freund, weil du von Zap Brannigan genervt warst, das andere Mal war ich gerade dabei, zu ersticken und-„
„Schon gut, schon gut, ich hab ja verstanden. Aber nur, wenn du mir versprichst, danach endlich Ruhe zu geben!“
„Ich versprech´s! Hoch und heilig!“
„Strahl mich nicht so an. Ich verspreche dir gar nichts!“
„Schon verstanden.“
„...“
„...“
„Ach...jetzt guck nicht so.“
„Du bist rot geworden! Du liebst mich also auch, Leela!“
„Unsinn! Du hast nur keine Ahnung vom Küssen, du solltest an deiner Technik arbeiten. Reinstecken und umrühren ist nur bei Suppen angebracht!“
„Das tu ich. Testest du mich dann nochmal?“
„Ich bin doch kein Versuchskaninchen!“
„Bitte Leela! Oh, und wenn du willst, kann ich dabei auch nackt sein!“
„Ouh, mein Gott, ist das wirklich schon so spät? Das Triebwerk, Fry. Das Triebwerk ruft nach mir.“
„Aber- das Schiff ist doch gar nicht hier, Hermes ist damit zur Inspektion! Hey- hey, Leela...!“
“Wir sehen uns morgen! Mach´s gut!“
Fandom: Hanazakaru no Kimitachi he (Hana Kimi)
Wörter: 796
Prompt: Almost Kiss
Personen: Minami Nanba, Shuichi Nakatsu
Nakatsu stolperte zuerst über bunte Girlanden, die irgendwer auf den Boden gerissen hatte, dann über Tennôji, der zwischen dem ersten Tisch und dem Getränkeverkaufsautomaten am Boden des Gemeinschaftsraumes schlief und schließlich über eine leere Bierflasche.
Es war morgens halb fünf und das Licht zog ihn aus dem Zimmer, das er sich mit Kayashima teilte und zur Basis der Wasserpfeifenfreunde geworden war, die jetzt noch selig herumlungerten, seine Kopfkissen plattsaßen und sich Kayashimas Geistergeschichten anhörten.
Die Abschlussparty war ein voller Erfolg gewesen. Irgendwer hatte Pin Up-Kalender angeschleppt, ein zweiter Bier, der dritte aus Wohnheim drei die Wasserpfeife nebst Apfel- und Kirschtabak und dann waren sie herbeigeströmt wie die Ameisen.
Sein Kopf war noch immer ganz schwummrig und neblig vom Alkohol.
Aber die Morgensonne lugte bereits in der Ferne über die Hausdächer und tunkte den Himmel in Goldgelb, Orange und Hellblau; Farben, die ihn an Mizuki erinnerten.
Er torkelte aus der Hintertür des Aufenthaltsraumes und war nicht mal erstaunt, auf der Schwelle Minami Nanba sitzen zu sehen, der mit einem Ausdruck tiefer Gedanken in Yojiros Fell kraulte als wolle er es umrühren. Der Hund fiepte leise. Er schien nicht besonders auf Massagen zu stehen.
„Hier sind wir, die Verfluchten von Wohnheim zwei.“, murmelte Minami unvermittelt und ließ von Yojiro ab um neben sich zu fassen und in eine Tüte mit Erdnüssen- Überbleibsel der Party- zu greifen.
„Hm?“, machte Nakatsu und ließ sich dumpf neben ihm niederplumpsen.
„Weiß nich´, was du meinst.“
„Komm schon.“
Minami knabberte Erdnusskerne mit der Eifrigkeit eines Eichhörnchens.
„Die Geschichte mit Mizuki. Das geht dir doch an die Substanz.“
Nakatsu räusperte sich schnell.
Vielleicht war morgens um halb fünf die einzige gute Zeit, darüber zu reden. Doch das Bedürfnis verspürte er tatsächlich nicht.
„Wie auch immer. Aber es ist eigentlich egal, in wen man verliebt ist, wenn es einseitig ist, ist man immer auf der Verliererseite. Da ist es doch völlig egal, ob man sich in eine Frau, einen Mann, einen Fisch oder einen Bettpfosten verliebt hat.“
„Für die anderen ist es aber nicht egal.“, hörte Nakatsu sich murmeln.
Allein die Vorstellung, welch einen Aufstand seine Mutter veranstalten würde, wenn sie wüsste, dass er heimlich, still und leise ans andere Ufer geschwommen war. Insgeheim hoffte er noch immer, dass es nur eine Phase war oder dass es nur an Mizuki allein lag. Mizuki war sehr feminin.
„Mir wär´s egal.“, zuckte Minami mit den Schultern.
„Du bist kein Maßstab, Senpai. Dich haben sie als Kind in Kleider gesteckt und dir Zöpfchen geflochten.“
„Nimm eine Erdnuss, Nakatsu!“
„Ich will keine Erdnuss!“
„Ich sagte, nimm eine Erdnuss!!“
Die Sache mit den Kleidern schien Minami ihm leicht übel zu nehmen. Er drängte Nakatsu mit müden, beleidigt glänzenden Augen gegen den Türrahmen und versuchte, ihm Erdnüsse in die Nase zu stecken.
Doch die Tüte rutschte ihm nur aus den Händen und ihr Inhalt wurde auf die Steinplatten, die zum Garten führten, verschüttet.
Was folgte, war ein einziges Trauerspiel an unangenehmen Dingen.
Die Morgensonne blendete Nakatsu, und einzig Minami, der halb auf ihm, halb an ihm hing und sich, um nicht umzukippen, an seinen Schultern festhalten musste, verdeckte das gleißende Licht. Wie in heroisierenden Szenen verschiedener historischer Filme rahmte die Sonne sein Gesicht in einem leuchtenden Kranz ein.
Und mit einem Mal konnte Nakatsu nicht verstehen, warum Minami niemals die Frauen abbekam, in die er sich so leidenschaftlich verliebte.
Er war ein netter, hilfsbereiter Senpai mit einem geschärften Sinn für Verantwortung, erwachsen auf seine verschrobene Art und Weise und trug ein viel zu großes Herz in seiner Brust. Außerdem sah er verdammt gut aus.
Nanbas Blick fiel auf Nakatsus Lippen.
„Es ist mir wirklich egal.“, flüsterte er und dann spürte Nakatsu, wie die Hände, die auf seiner Schulter lagen, begannen, diese zu streicheln.
Er konnte den fremden Atem spüren, das leichte Zittern in den Lippen seines Gegenüber und wie diese ihm so nahe waren wie noch nie.
Es machte ihn wütend.
Die Erdnüsse auf dem Boden, die jetzt nichts weiter waren als Fressen für Ameisen.
Yojiros Schnaufen in der Hundehütte.
Die verdammte, blendende Sonne.
Die Tatsache, dass Minami und er es hinterher vielleicht nicht mal als betrunkenen Scherz abtun würden (dafür war Minami zu ehrlich).
Die Tatsache, dass Minami zu denken schien, dass sein schwuler Mitschüler da mal dafür herhalten konnte.
Aber dann wiederum wusste er, dass sein Senpai einsam und traurig war. Und unweigerlich empfand er ein zärtliches Mitleid für ihn.
Er legte die Hände auf Minamis Schulterblätter und zog ihn in eine Umarmung bevor dieser komische Kuss stattfinden konnte.
„Lass es gut sein, Senpai. Ich verstehe dich auch so.“
Das war es doch, was Sano ihm einmal gesagt hatte. Freunde umarmten sich. In diesem Augenblick drückte ihm das viel mehr aus als irgendein enttäuschender Kuss, der ohnehin nach Bier geschmeckt hätte.
Und das hier war genauso unbeholfen und verschweigenswert.
Fandom: Original ("Das schöne, böse Tier")
Wörter: 732
Prompt: SlapSlapKiss (im weitesten Sinne, aber ich fürchte, ich bin dran vorbeigerauscht)
Personen: Mamoru Kikutake, Inoue Kentarô (Kentarôs POV)
Genre: slash, fluff
Mamoru ist ein wahres Unikat.
Und das in meiner Position zu sagen ist schon allerhand.
Mamoru passt nicht so recht in diese Gesellschaft. Er ist immer ein bisschen zu unbequem, ein wenig eigen und wird vor allem irgendwie dauernd missverstanden.
Mir ging es anfangs ja genauso.
Man muss nur einmal seinen normalen Tagesablauf betrachten.
Er schiebt sich morgens im Vorlesesaal in die einzige Reihe, in der noch niemand sitzt, und zwar bis ans Ende und verströmt eine Aura, die sagt „Setz dich neben mich und du bist tot“.
Es wundert mich, dass er sich darüber auch noch selbst zu wundern scheint.
Er wartet immer darauf, dass ich mich neben ihn setze.
Mamoru hasst Getränke, die Kaffee enthalten, jeglicher Art. Deswegen ist seine erste Reaktion, wenn ihn jemand fragt, ob man mal zusammen einen Kaffee trinken könne, das typische Ekelgesicht: gerümpfte Nase, hochgezogene Oberlippe und die Mundwinkel ganz unten. Sein Gegenüber glaubt dann, dass sich das auf ihn bezieht, weil er ja nicht weiß, dass Mamoru Kaffee hasst.
Nach der Uni rauscht er sofort nach Hause, ungeachtet der Gespräche, die seine Kommilitonen noch führen, so dass ihm die meisten Wochenendplanungen, die dazu führen könnten, dass man ihn einlädt, entgehen. Er versauert meistens in seiner Wohnung und liest oder schaut fern oder schuftet für einen Hungerlohn im Convenience Store um die Ecke.
Oder telefoniert mit mir, wenn ich gerade mal Zeit habe.
Eigentlich streiten wir uns ziemlich oft.
Mamoru findet mich scheinbar eingebildet, denkt, mein Kopf hinge in den Wolken. Einfach, weil ich in einer ganz anderen Welt lebe als er.
Aber das führt unweigerlich dazu, dass wir manchmal aneinander vorbeirreden.
Ich mag es, mit ihm gemeinsam etwas zu unternehmen. In all seiner komischen Art ist er doch so umgänglich, dass ich mich jedes Mal vollkommen entspanne, wenn er in meiner Nähe ist. Das ist besser als jede Massage, jede Aromatherapie, jede Party.
„Du bist so bescheuert!“, sagt er, wenn er sich mal wieder in Rage geredet hat und dann ist es am einfachsten, ihm die Worte mit einem gezielt eingesetzten Kuss abzuschneiden.
Das war eigentlich anfangs eher ein Versehen, weil der erste dieser Küsse in einer Situation stattfand, in der wir beide müde und angespannt gewesen waren.
Ich mag Mamorus Lippen. Sie sind weich und ungeheuer zärtlich, manchmal etwas unbeholfen, aber es ist immer so angenehm.
Als wären wir ein Liebespaar.
Was er denkt?
Ich habe keine Ahnung.
Auch nicht darüber, wie er diese Freundschaft sieht. Wir sind doch nur gute Kumpels. Hin und wieder mit ein paar Extras. Es wundert mich eigentlich, dass es ihm gar nicht komisch vorkommt. Aber man redet nicht drüber. Da würde wahrscheinlich ohnehin nichts dabei herauskommen.
Mamoru bringt diese Frische in meinen Alltag. Ich habe wieder das Gefühl, aufatmen zu können. Manchmal fühle ich mich ein bisschen schlecht, weil ich ihm kaum etwas zurückgeben kann. Aber andererseits gibt es vielleicht nicht viel zum Zurückgeben.
Wir sind letztendlich nur Kumpels, die sich nicht mal besonders gut kennen.
Und wahrscheinlich wird er eines Tages einfach wieder gehen und sich in eine leere Reihe ganz oben im Saal setzen und damit Vorlieb nehmen, die anderen einfach zu beobachten.
„Ich mag unsere Küsse.“, möchte ich hin und wieder sagen, aber ich verkneife es mir lieber.
So etwas muss man sich wirklich nicht anhören. Zumal es so klingen würde, als würde ich ihn als Host oder Call Boy oder so etwas missbrauchen. Aber das ist nicht meine Absicht, wirklich nicht.
Im Vertrag der Agentur steht es zwar nicht, aber inoffiziell darf ich mir keine Freundin suchen. Da ist man ab und zu einfach einsam, wenn man nach einem langen Tag heimkommt und die Wohnung totenstill und kalt ist.
„Was hältst du von Pasta?“
„Kannst du auch noch was anderes machen?“
„Ja, aber ich-„
„Mann, das war nur ein Scherz! Hier, ich hab den Wein mitgebracht.“
Er hält mir die Flasche unter die Nase.
„Aber das ist ja weißer.“
„Roter war ausverkauft. Da war nichts zu machen.“
„Aber das schmeckt dann komisch.“
„Sei nicht so etepetete! Ich hätte auch einfach Bier-„
Wie gesagt, ich mag es, ihm die Worte einfach abzuschneiden. Ich könnte ihm womöglich auch einfach eine runterhauen, aber davon habe ich ja selbst nichts, außer vielleicht schmerzende Knöchel.
Und er scheint es auch gut zu finden, weil er mich hinterher immer aus ganz verklärten, leuchtenden Augen anguckt.
Anscheinend bin ich doch ein hervorragender Küsser. Anders kann ich mir das nicht erklären.
Und alle einzeln in weniger als 120 Minuten, von daher passt es sogar.
(Der Vollständigkeit halber nochmal die korrigierte Version)
Fandom: Kimi wa Petto
Wörter: 723
Prompt: Anywhere but their lips
Personen: Sumire, Takeshi
Genre: h/c
Er steht im Flur und tropft.
Seine Haare sind zerzaust und kaputt, seine Wangen sind gerötet, seine Lippen blutleer, seine Augen suchen nicht nach ihr.
„Momo?“
Aber er heißt nicht Momo, jetzt gerade nicht.
Sie weiß nicht, wo er war, wo er herkommt und wo er wieder hingehen wird. Sie hat keine Ahnung, wer ihm die linke Wange aufgekratzt und das blaue Auge beigebracht hat.
Sumire wünscht sich eigentlich nur, dass er wie sonst immer auf- und abhüpft, dass er mit ihr Videospiele zocken und den Kopf auf ihrem Schoß abgelegt in sich zusammengerollt einschlafen möchte.
Aber das sind alles Dinge, die Momo tun würde.
Momo bräuchte nur ein warmes, leckeres Essen oder eine Runde Wrestling im Fernsehen, vielleicht ein heißes Bad und eine Kraulsession.
Sumire steht ratlos vor ihm, hat in der linken Hand noch die Zeitung, im Mundwinkel noch die Zigarette und fummelt sich nervös an der Brille herum.
Einen Augenblick lang muss sie sogar nachdenken, wie er wirklich heißt.
Takeshi.
Takeshi.
Aber Takeshi ist ein Unbekannter. Er hat Momo fortgenommen und ihn versteckt, in der hintersten Ecke seines Herzens.
Er steht im Flur und tropft, regennass und ausgelaugt.
Ein Fremder steht vor ihr.
Sie wagt es nicht, ihn anzusprechen.
Er ist jetzt ein Mann, kein Haustier, sondern ein junger Mann.
Zwischen seinen Schultern liegt eine lauernde Kraft, in seinen Augen ruhen Schatten und er macht ihr ein wenig Angst.
Nicht körperlich, aber mit seiner Präsenz.
Sumire überlegt, wie man einen Mann am besten tröstet, aber es fällt ihr nur Sex ein und der kommt nicht in Frage.
Sie legt die Zeitung auf der Kommode ab, geht zwei Schritte zurück, so dass sie durch die Badtür nach einem Handtuch reichen kann und es ihm auf den Kopf legen.
Es passiert ihr ganz unwillkürlich, dass sie anschließend sofort wieder zurücktritt, wie bei einem Fremden, in dessen Privatsphäre man nicht drängen will.
Er hebt den Kopf und schaut sie an, den Mund verkrampft, Haare im Gesicht.
Da tut es ihr Leid.
Wortlos tritt sie wieder heran, beginnt, seine Haare zu frottieren. Sie zuckt zusammen, als sie seine kalten Hände an ihren Hüften spürt, aber tatsächlich scheint er sich nur abzustützen.
„Ich bin immer noch ich.“, wispert er und klingt aufrichtig verletzt.
„Ich bin doch immer noch....“
--
Im Schneidersitz hockt er auf der Couch, die Wange mit einer übertrieben großen Mullbinde verarztet und einem heißen Tee in der Hand.
Natürlich wird er nicht darüber sprechen.
In der Hinsicht ist und bleibt er der streunende Hund.
Sumire sitzt neben ihm und versucht zaghaft, in seine Haare zu fassen.
Doch er dreht das Gesicht weg.
Sie ist eingeschnappt, denkt `Dann eben nicht!´ und schlägt wieder ihre Zeitung auf.
--
Als sie nachts im Bett liegt und nicht einschlafen kann, überwältigen sie die Schuldgefühle schließlich doch.
Eine Frau ist ein Mensch, ein Mann ist ein Mensch. Haustiere sind letztlich doch auch nur Menschen.
Der Mond scheint durch das Balkonfenster zum Wohnzimmer herein, als sie über knarrende Dielen tappt. Die Hausschuhe lässt sie vor der Leiter zu seinem Bett stehen. Ein Kriechen, ein Krauchen, leise Atemzüge.
Im Halbdunkel schaut er sie an.
Auf halbem Wege kommt sie sich dann doch wieder dumm vor und möchte umkehren. Vielleicht sollte sie einen Schlafwandel vortäuschen?
Sie beugt sich über seine liegende Gestalt und blinzelt, fühlt, wie er sie sanft zu sich hinunterzieht.
Ihren linken Mundwinkel küsst, federleicht und mit einem Beben im Atem.
„Bitte.“, murmelt er stimmlos in die Finsternis hinein.
Das hält sie auf, nach ihm treten und zu schimpfen- diese Verletzlichkeit, mit der er spricht.
Und was sind sie denn, wenn nicht zwei verängstigte Wesen, die sich gemeinsam vor der Welt verstecken und einander die Wunden lecken?
Seine Lippen streifen ihre Nasenspitze, hauchen Küsse auf ihre Wangen, wandern hoch zur Stirn und kitzeln dort, legen sich zärtlich auf ihre Augenlider.
Sie spürt das Kribbeln durch ihr Innerstes wandern.
Es ist so ganz sexlos und gleichzeitig ganz nahe. Sie kann nicht anders, als seine Bewegungen zu spiegeln, ihn überall abzuküssen und dabei den Mund auszulassen.
Da ist eine Grenze und sie hüpft mühelos auf dem Strich, den sie irgendwann einmal gezogen hat, herum, wischt seine Tränchen weg und spürt, wie er allmählich wieder auftaut.
Als er endlich in einen gnädigen, heilenden Schlaf abgleitet, fühlt sie, wie auch sie wieder nach Atem schöpft, zum ersten Mal seit ein paar Stunden.
Fandom: Arashi
Wörter: 791
Prompt: Concert Kiss
Personen: Aiba Masaki, Sakurai Sho
Genre: gen, fluff
„Wenn du möchtest.“, hatte Sho gesagt und einfach weiter seine Klamotten sortiert.
„Wir sind alle Profis. Und warum auch nicht einmal sorum.“
Er hatte mit den Schultern gezuckt.
Natürlich hatte er Recht. Es gehörte zur Show dazu.
„Oder wird das wieder eines von deinen Experimenten? Darüber hinterher im Fernsehen zu reden macht sich allerdings schlecht.“
Aiba wusste nicht, was ihn überhaupt auf den Gedanken gebracht hatte.
Er liebte seinen Job, er liebte seine Bandkollegen auf die süßeste, platonischste Art, die es je in der Menschheitsgeschichte gegeben hatte.
Aber hin und wieder langweilte ihn die Routine. Die frühen Jahre ihrer gemeinsamen, steil aufgestiegenen Karriere waren vollgestopft gewesen mit albernen Experimenten, mit überbunten Fernsehshows, eigenartigen Filmen, in denen Ohno Gurken mit seinen Händen zerquetschte und Delphinbilder von dahergelaufenen Damen abkaufte, die gesamte Zeit damit beschäftigt, ihnen in den Ausschnitt zu starren (den Damen, nicht den Delphinen).
Jetzt verbrachten sie mehr Zeit damit, in feinen Anzügen herumzustehen und nach Anmachsprüchen zu suchen, nach denen diese Damen sich schon immer gesehnt hatten, obwohl sie eigentlich rein gar keine Ahnung hatten.
Es war nicht so, dass er Anzüge nicht mochte. Doch hin und wieder- und das dachte er nur und hütete sich, es laut auszusprechen- langweilten ihn solcherlei Plattitüden.
Weswegen es sich wirklich lohnte, bei der Agentur zu bleiben, waren die Konzerte.
Wenn der tosende Applaus der Fans ihm Stromstöße durch die Venen jagte, wenn er die Musik, die eigene, vor Freude zitternde Stimme im Knopf im seinem Ohr wummern hörte, fühlte er sich am lebendigsten.
Er war sich durchaus bewusst, dass er geradewegs auf die Dreißig zuging und dass jeder von ihm erwartete, sich gefälligst altersgemäß zu benehmen.
Doch wenn das bedeutete, wie Sho die ganze Zeit überseriös an der eigenen Krawatte zu zupfen, fühlte er sich unweigerlich enttäuscht.
Als er am Ende des Konzerts die Hand auf Shos Schulter legte, das Gesicht zur Seite neigte und den Mann mit der tiefsten adrenalinverseuchten Leidenschaft küsste, die man sich nur denken konnte, empfand er die närrischste Freude seit langer Zeit.
Shos Lippen waren schweißnass, weich und heiß; Aiba blinzelte salzig brennende Tropfen aus seinen Augen und verlor sich für einen Augenblick in ihren gemeinsamen warmgetanzten Atemstößen.
Es war ekelhaft und zugleich absurd schön.
Er stand noch da und genoss Shos strahlendes Gesicht, als Jun ihn schon längst lachend am Arm weggezogen hatte.
Die Halle toste und bebte.
Die nächsten Tage verbrachte Aiba damit, sich halb gut gemeinte, halb überforderte Reden seines Managers anzuhören, die immer wieder von Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit handelten, von altersgemäßem Benehmen und ohnmächtigen Mädchen.
Wie schon vorher so oft überkam ihn die Erkenntnis, dass ein Traumjob nicht gleich einen immerwährenden Traum bedeutete. Hin und wieder handelte es sich um die Auswüchse eines Alptraums.
Er wollte von überwältigender Freude sprechen, davon, dass man manchmal seinen Gefühlen freien Lauf lassen musste und dass es bei ihm in solchen Fällen eigentlich immer in Körperlichkeiten endete. Den anderen ganz nahe bei sich spüren, der dieses Erlebnis mit einem teilte- aber natürlich hatte das ganze selbst unter dem Deckmantel des Fanservice missverständlich gewirkt.
Man küsste Mit-Idols.
Aber nicht, wenn sie 28 Jahre alt waren und demnächst Sportnachrichten von den Olympischen Spielen aus Vancouver vorlasen.
Plötzlich fühlte Aiba sich hin und hergerissen zwischen dem, was seine Mutter ihn in der ersten Hälfte seines Lebens beigebracht hatte („Man küsst sich nicht in aller Öffentlichkeit, Masaki! Es muss ja nicht jeder sehen, was man sich an Körperflüssigkeiten auszutauschen hat!“) und dem, was er ab der zweiten Lebenshälfte bei Johnny´s gelernt hatte („Der Kreischfaktor steigt proportional mit der Verminderung eurer Distanz zueinander. Kreischen ist gut. Probiert es aus!“).
Er verbrachte zwei Tage damit, ausgiebig über das Phänomen „Kuss“ nachzudenken. Was waren das für seltsame Köpfe, die dachten, dass wenn sich zwei Menschen küssten, sie in gegenseitiger, einander verbrennender Liebe zueinander standen?
Seine Mutter küsste ihn bis heute auf die Wange, wenn er von einem Besuch im Haus der Eltern zurück nach Tokyo fuhr und er im Hauseingang in seine Schuhe schlüpfte.
Himmel, ab und an küsste er sogar seinen Hund!
Es endete damit, dass er so verwirrt über das Falsch und Richtig war, dass er Sho direkt anrufen musste.
„Dein Manager hat sich aufgeregt? Ist doch klar, er hatte vorher damit nicht zu tun. Wann hast du denn vorher jemanden von uns abgeknutscht?“
Sho klang müde, aber aufrichtig.
„Mach dir nicht solche Gedanken darum. Es ist doch nichts Neues und hier geht die Karriere von niemandem kaputt. Wenn es so wäre, hätten wir längst Pressekonferenzen gegeben.“
Das leuchtete ein.
Das Ganze war ein großer PR-Gag gewesen. Fanservice in Reinstform.
Aiba beruhigte sich allmählich wieder.
Aber es bedrückte ihn noch lange Zeit, dass sein der Ausdruck ernst gemeinter Gefühle als nur gespielte Zuneigung gesehen wurde.
Doch dagegen konnte er wahrscheinlich nichts tun.
Fandom: Futurama
Wörter: 701
Prompt: Test Kiss
Personen: Fry, Leela
Genre: romance, het
Warnung: Ausschließlich Dialog
„Ist dir eigentlich klar, dass du schlimmer bist als Beulenpest? Hartnäckiger als Warzen?“
„Wenn du das so sagst, klingt das fast so, als würde ich dir auf den Wecker fallen.“
„Das kann daher kommen dass es so ist, Fry.“
„Ehrlich, Leela. Wieso versuchst du es denn nicht einfach mal? Es ist ganz einfach; Wir sind zwei einsame Seelen in diesem Universum, ich liebe dich und du liebst mich. Du weißt es nur noch nicht.“
„Ach Fry, dieses Gespräch hatten wir schon wie oft? Ich hätte mitzählen sollen! Davon abgesehen habe ich es schon probiert. Ungefähr fünfmal.“
„Vielleicht warst du nur einfach nicht in Stimmung? Oder dir hast das Essen nicht gefallen? Oder du zählst eine Lieferung dazu, bei der wir beinahe von Weltraumbienen aufgefressen wurden?“
„Das nicht, aber es kann vielleicht auch daran gelegen haben, dass du dich jedes Mal aufgeführt hast wie der letzte Idiot. Sieh mal, Fry, du bist ein netter Kerl und ich weiß unsere Freundschaft wirklich zu schätzen, aber du bist nun mal einfach nicht mein Typ!“
„Ach, und wer ist dein Typ?“
„Zumindest kein Lieferjunge, der Bierflaschen mit seinen Zehennägeln öffnet, das ABC rülpst oder mir in der Unterhose die Tür öffnet. Oder den Schlüssel vom Raumschiff darin versteckt.“
„Aber das ist männlich, Leela. Magst du keine männlichen Männer? Bist du vielleicht lesbisch? Magst du etwa Amy?“
„Fry, red doch nicht solchen Unsinn! Das hat nichts mit Männlichkeit zu tun! Ein Mann übernimmt Verantwortung für das, was er sich und seiner Umwelt antut. Er handelt vernünftig und benimmt sich immer der Situation entsprechend.“
„Du magst Amy!“
„Siehst du, das ist genau das, was ich meine! Lass uns die Diskussion beenden, ich bin müde und muss noch den Kaugummi aus den Triebwerken kratzen, den Bender da hineingestopft hat.“
„Okay, okay. Und was ist mit Romantik? Ich bin sehr romantisch, das musst du zugeben! Ich habe für dich extra diese Holophon-Oper geschrieben und gespielt!“
„Mit den Händen des Roboterteufels.“
„Das nennt man Aufopferung! Ich dachte, ihr Frauen steht auf sowas! Kann man euch denn nichts Recht machen?!“
„Wenn ich´s mir recht überlege, was das damals wirklich süß.“
„Du hast es dir ja auch zuende angehört.“
„Stimmt. Aber Romantik ist eben doch nicht alles. Ein Mann, mit dem ich mich einlasse, muss auch zuverlässig sein. Und ein gutes Einkommen haben. Du kannst dir am Ende des Monats nicht mal mehr ein Sparmenü bei Fishy Joe´s leisten!“
„Doch aber nur, weil ich die Miete bezahle! Wenn ich das Bender überließe, wären wir längst obdachlos, der beklaut den Vermieter nur.“
„Ende der Diskussion Fry, Ende!“
„Du bist verbohrt, Leela, weißt du das? Eine verbohrte Frau ohne Weitblick!“
„Jämmerlicher Witz über mein fehlendes räumliches Sehen.“
„Aber es ist doch so. Du hast eine Schablone in deinem Kopf, in die ein Mann passen muss und wenn er auch nur ein klitzekleines Bisschen aus dem Rahmen fällt, lässt du ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. Wie wäre es damit, dass du zur Abwechslung mal den Vernunftsquatsch lässt und dein Herz, deine Hormone und deine Geschlechtsorgane sprechen lässt?“
„Miese Masche, mich ins Bett zu bekommen.“
„Wer redet denn davon? Ich meine einen Kuss. Einen Testkuss.“
„Ich habe dich schon mindestens zwanzigmal geküsst seit wir uns kennengelernt haben.“
„Aber das war was anderes. Das eine Mal war ich dein Alibi-Freund, weil du von Zap Brannigan genervt warst, das andere Mal war ich gerade dabei, zu ersticken und-„
„Schon gut, schon gut, ich hab ja verstanden. Aber nur, wenn du mir versprichst, danach endlich Ruhe zu geben!“
„Ich versprech´s! Hoch und heilig!“
„Strahl mich nicht so an. Ich verspreche dir gar nichts!“
„Schon verstanden.“
„...“
„...“
„Ach...jetzt guck nicht so.“
„Du bist rot geworden! Du liebst mich also auch, Leela!“
„Unsinn! Du hast nur keine Ahnung vom Küssen, du solltest an deiner Technik arbeiten. Reinstecken und umrühren ist nur bei Suppen angebracht!“
„Das tu ich. Testest du mich dann nochmal?“
„Ich bin doch kein Versuchskaninchen!“
„Bitte Leela! Oh, und wenn du willst, kann ich dabei auch nackt sein!“
„Ouh, mein Gott, ist das wirklich schon so spät? Das Triebwerk, Fry. Das Triebwerk ruft nach mir.“
„Aber- das Schiff ist doch gar nicht hier, Hermes ist damit zur Inspektion! Hey- hey, Leela...!“
“Wir sehen uns morgen! Mach´s gut!“
Fandom: Hanazakaru no Kimitachi he (Hana Kimi)
Wörter: 796
Prompt: Almost Kiss
Personen: Minami Nanba, Shuichi Nakatsu
Nakatsu stolperte zuerst über bunte Girlanden, die irgendwer auf den Boden gerissen hatte, dann über Tennôji, der zwischen dem ersten Tisch und dem Getränkeverkaufsautomaten am Boden des Gemeinschaftsraumes schlief und schließlich über eine leere Bierflasche.
Es war morgens halb fünf und das Licht zog ihn aus dem Zimmer, das er sich mit Kayashima teilte und zur Basis der Wasserpfeifenfreunde geworden war, die jetzt noch selig herumlungerten, seine Kopfkissen plattsaßen und sich Kayashimas Geistergeschichten anhörten.
Die Abschlussparty war ein voller Erfolg gewesen. Irgendwer hatte Pin Up-Kalender angeschleppt, ein zweiter Bier, der dritte aus Wohnheim drei die Wasserpfeife nebst Apfel- und Kirschtabak und dann waren sie herbeigeströmt wie die Ameisen.
Sein Kopf war noch immer ganz schwummrig und neblig vom Alkohol.
Aber die Morgensonne lugte bereits in der Ferne über die Hausdächer und tunkte den Himmel in Goldgelb, Orange und Hellblau; Farben, die ihn an Mizuki erinnerten.
Er torkelte aus der Hintertür des Aufenthaltsraumes und war nicht mal erstaunt, auf der Schwelle Minami Nanba sitzen zu sehen, der mit einem Ausdruck tiefer Gedanken in Yojiros Fell kraulte als wolle er es umrühren. Der Hund fiepte leise. Er schien nicht besonders auf Massagen zu stehen.
„Hier sind wir, die Verfluchten von Wohnheim zwei.“, murmelte Minami unvermittelt und ließ von Yojiro ab um neben sich zu fassen und in eine Tüte mit Erdnüssen- Überbleibsel der Party- zu greifen.
„Hm?“, machte Nakatsu und ließ sich dumpf neben ihm niederplumpsen.
„Weiß nich´, was du meinst.“
„Komm schon.“
Minami knabberte Erdnusskerne mit der Eifrigkeit eines Eichhörnchens.
„Die Geschichte mit Mizuki. Das geht dir doch an die Substanz.“
Nakatsu räusperte sich schnell.
Vielleicht war morgens um halb fünf die einzige gute Zeit, darüber zu reden. Doch das Bedürfnis verspürte er tatsächlich nicht.
„Wie auch immer. Aber es ist eigentlich egal, in wen man verliebt ist, wenn es einseitig ist, ist man immer auf der Verliererseite. Da ist es doch völlig egal, ob man sich in eine Frau, einen Mann, einen Fisch oder einen Bettpfosten verliebt hat.“
„Für die anderen ist es aber nicht egal.“, hörte Nakatsu sich murmeln.
Allein die Vorstellung, welch einen Aufstand seine Mutter veranstalten würde, wenn sie wüsste, dass er heimlich, still und leise ans andere Ufer geschwommen war. Insgeheim hoffte er noch immer, dass es nur eine Phase war oder dass es nur an Mizuki allein lag. Mizuki war sehr feminin.
„Mir wär´s egal.“, zuckte Minami mit den Schultern.
„Du bist kein Maßstab, Senpai. Dich haben sie als Kind in Kleider gesteckt und dir Zöpfchen geflochten.“
„Nimm eine Erdnuss, Nakatsu!“
„Ich will keine Erdnuss!“
„Ich sagte, nimm eine Erdnuss!!“
Die Sache mit den Kleidern schien Minami ihm leicht übel zu nehmen. Er drängte Nakatsu mit müden, beleidigt glänzenden Augen gegen den Türrahmen und versuchte, ihm Erdnüsse in die Nase zu stecken.
Doch die Tüte rutschte ihm nur aus den Händen und ihr Inhalt wurde auf die Steinplatten, die zum Garten führten, verschüttet.
Was folgte, war ein einziges Trauerspiel an unangenehmen Dingen.
Die Morgensonne blendete Nakatsu, und einzig Minami, der halb auf ihm, halb an ihm hing und sich, um nicht umzukippen, an seinen Schultern festhalten musste, verdeckte das gleißende Licht. Wie in heroisierenden Szenen verschiedener historischer Filme rahmte die Sonne sein Gesicht in einem leuchtenden Kranz ein.
Und mit einem Mal konnte Nakatsu nicht verstehen, warum Minami niemals die Frauen abbekam, in die er sich so leidenschaftlich verliebte.
Er war ein netter, hilfsbereiter Senpai mit einem geschärften Sinn für Verantwortung, erwachsen auf seine verschrobene Art und Weise und trug ein viel zu großes Herz in seiner Brust. Außerdem sah er verdammt gut aus.
Nanbas Blick fiel auf Nakatsus Lippen.
„Es ist mir wirklich egal.“, flüsterte er und dann spürte Nakatsu, wie die Hände, die auf seiner Schulter lagen, begannen, diese zu streicheln.
Er konnte den fremden Atem spüren, das leichte Zittern in den Lippen seines Gegenüber und wie diese ihm so nahe waren wie noch nie.
Es machte ihn wütend.
Die Erdnüsse auf dem Boden, die jetzt nichts weiter waren als Fressen für Ameisen.
Yojiros Schnaufen in der Hundehütte.
Die verdammte, blendende Sonne.
Die Tatsache, dass Minami und er es hinterher vielleicht nicht mal als betrunkenen Scherz abtun würden (dafür war Minami zu ehrlich).
Die Tatsache, dass Minami zu denken schien, dass sein schwuler Mitschüler da mal dafür herhalten konnte.
Aber dann wiederum wusste er, dass sein Senpai einsam und traurig war. Und unweigerlich empfand er ein zärtliches Mitleid für ihn.
Er legte die Hände auf Minamis Schulterblätter und zog ihn in eine Umarmung bevor dieser komische Kuss stattfinden konnte.
„Lass es gut sein, Senpai. Ich verstehe dich auch so.“
Das war es doch, was Sano ihm einmal gesagt hatte. Freunde umarmten sich. In diesem Augenblick drückte ihm das viel mehr aus als irgendein enttäuschender Kuss, der ohnehin nach Bier geschmeckt hätte.
Und das hier war genauso unbeholfen und verschweigenswert.
Fandom: Original ("Das schöne, böse Tier")
Wörter: 732
Prompt: SlapSlapKiss (im weitesten Sinne, aber ich fürchte, ich bin dran vorbeigerauscht)
Personen: Mamoru Kikutake, Inoue Kentarô (Kentarôs POV)
Genre: slash, fluff
Mamoru ist ein wahres Unikat.
Und das in meiner Position zu sagen ist schon allerhand.
Mamoru passt nicht so recht in diese Gesellschaft. Er ist immer ein bisschen zu unbequem, ein wenig eigen und wird vor allem irgendwie dauernd missverstanden.
Mir ging es anfangs ja genauso.
Man muss nur einmal seinen normalen Tagesablauf betrachten.
Er schiebt sich morgens im Vorlesesaal in die einzige Reihe, in der noch niemand sitzt, und zwar bis ans Ende und verströmt eine Aura, die sagt „Setz dich neben mich und du bist tot“.
Es wundert mich, dass er sich darüber auch noch selbst zu wundern scheint.
Er wartet immer darauf, dass ich mich neben ihn setze.
Mamoru hasst Getränke, die Kaffee enthalten, jeglicher Art. Deswegen ist seine erste Reaktion, wenn ihn jemand fragt, ob man mal zusammen einen Kaffee trinken könne, das typische Ekelgesicht: gerümpfte Nase, hochgezogene Oberlippe und die Mundwinkel ganz unten. Sein Gegenüber glaubt dann, dass sich das auf ihn bezieht, weil er ja nicht weiß, dass Mamoru Kaffee hasst.
Nach der Uni rauscht er sofort nach Hause, ungeachtet der Gespräche, die seine Kommilitonen noch führen, so dass ihm die meisten Wochenendplanungen, die dazu führen könnten, dass man ihn einlädt, entgehen. Er versauert meistens in seiner Wohnung und liest oder schaut fern oder schuftet für einen Hungerlohn im Convenience Store um die Ecke.
Oder telefoniert mit mir, wenn ich gerade mal Zeit habe.
Eigentlich streiten wir uns ziemlich oft.
Mamoru findet mich scheinbar eingebildet, denkt, mein Kopf hinge in den Wolken. Einfach, weil ich in einer ganz anderen Welt lebe als er.
Aber das führt unweigerlich dazu, dass wir manchmal aneinander vorbeirreden.
Ich mag es, mit ihm gemeinsam etwas zu unternehmen. In all seiner komischen Art ist er doch so umgänglich, dass ich mich jedes Mal vollkommen entspanne, wenn er in meiner Nähe ist. Das ist besser als jede Massage, jede Aromatherapie, jede Party.
„Du bist so bescheuert!“, sagt er, wenn er sich mal wieder in Rage geredet hat und dann ist es am einfachsten, ihm die Worte mit einem gezielt eingesetzten Kuss abzuschneiden.
Das war eigentlich anfangs eher ein Versehen, weil der erste dieser Küsse in einer Situation stattfand, in der wir beide müde und angespannt gewesen waren.
Ich mag Mamorus Lippen. Sie sind weich und ungeheuer zärtlich, manchmal etwas unbeholfen, aber es ist immer so angenehm.
Als wären wir ein Liebespaar.
Was er denkt?
Ich habe keine Ahnung.
Auch nicht darüber, wie er diese Freundschaft sieht. Wir sind doch nur gute Kumpels. Hin und wieder mit ein paar Extras. Es wundert mich eigentlich, dass es ihm gar nicht komisch vorkommt. Aber man redet nicht drüber. Da würde wahrscheinlich ohnehin nichts dabei herauskommen.
Mamoru bringt diese Frische in meinen Alltag. Ich habe wieder das Gefühl, aufatmen zu können. Manchmal fühle ich mich ein bisschen schlecht, weil ich ihm kaum etwas zurückgeben kann. Aber andererseits gibt es vielleicht nicht viel zum Zurückgeben.
Wir sind letztendlich nur Kumpels, die sich nicht mal besonders gut kennen.
Und wahrscheinlich wird er eines Tages einfach wieder gehen und sich in eine leere Reihe ganz oben im Saal setzen und damit Vorlieb nehmen, die anderen einfach zu beobachten.
„Ich mag unsere Küsse.“, möchte ich hin und wieder sagen, aber ich verkneife es mir lieber.
So etwas muss man sich wirklich nicht anhören. Zumal es so klingen würde, als würde ich ihn als Host oder Call Boy oder so etwas missbrauchen. Aber das ist nicht meine Absicht, wirklich nicht.
Im Vertrag der Agentur steht es zwar nicht, aber inoffiziell darf ich mir keine Freundin suchen. Da ist man ab und zu einfach einsam, wenn man nach einem langen Tag heimkommt und die Wohnung totenstill und kalt ist.
„Was hältst du von Pasta?“
„Kannst du auch noch was anderes machen?“
„Ja, aber ich-„
„Mann, das war nur ein Scherz! Hier, ich hab den Wein mitgebracht.“
Er hält mir die Flasche unter die Nase.
„Aber das ist ja weißer.“
„Roter war ausverkauft. Da war nichts zu machen.“
„Aber das schmeckt dann komisch.“
„Sei nicht so etepetete! Ich hätte auch einfach Bier-„
Wie gesagt, ich mag es, ihm die Worte einfach abzuschneiden. Ich könnte ihm womöglich auch einfach eine runterhauen, aber davon habe ich ja selbst nichts, außer vielleicht schmerzende Knöchel.
Und er scheint es auch gut zu finden, weil er mich hinterher immer aus ganz verklärten, leuchtenden Augen anguckt.
Anscheinend bin ich doch ein hervorragender Küsser. Anders kann ich mir das nicht erklären.