20. Türchen
Dec. 20th, 2009 08:36 amFandom: Digimon 02
Personen: Taichi, Yamato, (Mimi)
Genre: h/c
Challenge: Glatteis, “Ich habe gehört, es soll Blut entfernt werden” (die war nicht offiziell)
Warnung: Langes Elend. (1451 Wörter)
Kommentar: Nicht schön, aber selten. The Return of Taito!
„Weihnachten.
Ein Stern leuchtet am Himmel,
führt uns nach Hause. Zu uns.“
(H. Schäferling)
Als ich nach der Schule von Odaiba weggezogen war, um nicht jeden Morgen zwei Stunden zur Uni fahren zu müssen, hatte ich meine Freunde für einen kleinen Augenblick lang aus den Augen verloren. Mein Vater hatte Geld und warum nicht davon Gebrauch machen?
Ich hatte mich eingemietet in ein Studentenwohnheim riesigen Ausmaßes. Ein armseliger Hausmeister war hier zuständig für sechzehn Etagen mit jeweils vier Fluren.
Es war in günstiger Lage und die Nachbarn links und rechts neben meinem winzigen Zimmer hörten keinen Techno und hatten keine Freundinnen. Für ein Studentenwohnheim doch ideale Bedingungen.
Und dann hatte sich Mimi gemeldet und mich zu einem Nicht-Date am Weihnachtsabend überredet.
Sie war es Leid gewesen, dass ihre Freundinnen sie für den Heiligen Abend mit unbekannten Typen verkuppeln wollten. Ich war ihr Alibi, sie war meines.
Weil Mimi Liebhaberin von zuckrigen, bunten Cocktails war, hatte sie mich in eine sehr angesagte Bar in Shibuya geschleift. Das Innere des Laden war ausgeschmückt gewesen mit Grün und Rot, voller Lichter und man verteilte an seine Gäste Decken gegen die Kälte, die sich seit der Dämmerung in alle Ritzen und Ecken Tokyos zu schleichen schien.
Mimi hatte einen alkoholfreien Cocktail nach dem anderen durch bunte, leuchtende Strohhalme geschlürft und irgendwann mit ungläubigem Gesicht auf die andere Seite des Ladens gezeigt.
Ich hatte Taichi seit ewigen Zeiten nicht gesehen. Daran war ich nicht ganz unschuldig, das wusste ich. Er hatte die Aufnahmeprüfungen aller Unis, für die er sich beworben hatte, vermasselt und hatte sich schließlich ein Jahr lang mit Aushilfsjobs in Supermärkten über Wasser gehalten. Jetzt besuchte er eine Sportuni, die südlich von der Stadt lag und obendrein privat war. Ich hatte gehört, dass seine Eltern sich über die ungeheuren Studienpreise beschwerten. Aber andererseits hatte Taichi den Sport schon immer geliebt und diese Uni bot ihm die Möglichkeit, vielleicht doch irgendwann einmal Profifußballer werden zu können. So, wie er es sich immer erträumt hatte.
Wir hatten uns also seit fast zwei Jahren nicht gesehen und ich war immer davon ausgegangen, dass er dort, wo er war, recht glücklich sein musste.
Doch jetzt war ich mir nicht so sicher.
Sein Gesicht sah so verzerrt aus, dass ich es beinahe nicht erkannte. Solch einen Ausdruck der Angst hatte ich nicht mal in der Digiwelt bei ihm gesehen. Drei, vier Kerle umringten ihn, grob und hölzern wie Bauklötze und in der nächsten Sekunde drückten sie ihm ein Mädchen, welches offensichtlich betrunken war, in den Schoß. Ich hörte den Sprechchor bis hierher, wie sie ihn anfeuerten und nebenbei mit Shots abfüllten.
„Das ist ja widerwärtig.“, sagte Mimi.
„Sowas macht der jetzt? Wie enttäuschend.“
Ich sagte nichts.
Meine Augen hefteten sich auf Taichi in den bunten Weihnachtslichtern, seinen Mund, der lachte und immer wieder Dinge wie „Nun hört schon auf, was soll das denn?“ zu sagen schien und seine Augen, die im Schein der vielen Lämpchen einen unnatürlichen Glanz hatten.
An diesem Weihnachtsabend gab es zum ersten Mal seit gefühlten hunderten von Jahren Glatteis. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen gefallen und weitergefallen und hatten damit irgendwie nicht mehr aufgehört. Ehe ich es mir versah, war der Zugverkehr in der gesamten Kantô-Region zum Erliegen gekommen. Auf den Straßen schlitterten die Autos auf unglaublich unelegante Weise herum. Es war ja niemand gewohnt, bei Glatteis zu fahren.
Der Himmel hatte sich bei Sonnenuntergang dunkelrosa verfärbt und hing nun über Tokyo wie ein riesengroßer Weihnachtsschmuck.
Ich hüllte mich tiefer in meine Winterjacke und stapfte die geschätzten sieben Kilometer nach Hause.
Meine Beine fühlten sich an wie eingefrorene Äste eines Baumes.
Ich schaltete meinen Heizlüfter ein und dachte nicht einmal daran, mir die Zähne zu putzen, als ich alle Decken, die ich besaß, auf mein Bett warf und mich darin zusammenrollte und einkuschelte.
Irgendwer unter mir hörte englische Weihnachtsmusik. God rest ye merry gentlemen.
Ich hätte Taichi helfen sollen. Dieser Gedanke hatte sich auf meinem Heimweg in meinem Kopf festgesetzt und nagte an mir bis es anfing zu schmerzen.
Ich hätte ihn da rausholen sollen. Aber war ich nicht längst ein Fremder für ihn? Was hätte ich tun sollen? Ich gehörte nicht mehr in seine Welt. Er hatte seine Sportlerfreunde und scheinbar sehr strenge Seniors, die ihm Mädchen in den Schoß drückten. Die Sitten waren hart. Aber hatte er es nicht so gewollt? Früher war das kein Problem gewesen.
Ich biss mich in den Gedanken so fest, nur um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, da läutete schrill mein Haustelefon los und ich machte vor Schreck einen Satz im Bett.
„Ich habe gehört, es soll Blut entfernt werden.“, schnarrte die Stimme meines Hausmeisters.
Ich blinzelte.
„Bitte was?“
„Ihre Nachbarn haben sich beschwert. Dass sie anscheinend Besuch haben und der den Flur vollblutet.“
Ich schaute mich um wie ein Behämmerter. Ich hatte doch keinen Besuch.
Zugleich war bei dem Wort „Blut“ eine Gänsehaut meinen Hals hochgekrochen. Das klang wie ein Telefonanruf in einem Krimi. Ihr wisst schon- `Du hast den Hörer abgenommen, du hast nur noch sieben Tage zu leben, wuarh!´.
„Ich kümmere mich darum!“, rief ich schnell und warf den Hörer wieder auf die Gabel.
Die Kälte piekte wie Nadeln am Körper, als ich aus meiner Burg aus Decken schlüpfte und mir ein Sweatshirt überwarf, zur Tür stolperte und sie öffnete.
Da war tatsächlich Blut auf dem grauen Flur. Und mein Besuch.
„Taichi?“
Er schaute auf und zog die Nase hoch. Er sah noch schlimmer aus als vorhin.
„Oh hallo, Yama. Ist ´ne Weile her.”
Ich fuhr mir verlegen durch die Haare.
„Tut mir Leid, ich hab dich nicht klopfen hören.“
„Das macht nichts. Ich hab nicht geklopft.“
Ich zog die Augenbrauen hoch.
„Okay. Und wieso nicht?“
Es war wie ein Schweigen im Walde. So typisch Taichi.
Immer irgendeinen Scheiß machen und nichts dazu sagen, das war ja früher schon immer so gewesen.
Offensichtlich hatte er keinen anderen Ausweg gesehen als hierher zu kommen. Es fuhren keine Züge, so dass er weder zu seinem Zimmer bei der Uni noch nach Odaiba zu seiner Familie kam.
Und statt mich aus dem Schlaf zu schrecken, hatte er wohl vorgehabt, die Nacht vor meiner Tür bei drei Grad zu verbringen. Schafskopf.
Und trotzdem fühlte ich mich schlecht, als sei ich Schuld.
„Was ist mit deiner Nase?“
„Ich bin ausgerutscht. Inzwischen ist draußen alles gefroren.“
„Aber du blutest auf meinen Flur. Findest du das okay?“
Es sollte ein Witz sein. Aber Taichi schaute nur auf den Boden, dann wieder hoch und nickte mit sdem Kopf in einer stummen Entschuldigung.
„Na, komm schon rein.“
Ich wickelte ihn aus seiner Jacke, schob ihn auf mein Bett und verpackte ihn anschließend in zwei meiner Decken.
Mit einem feuchten Tuch tupfte ich seine Nase sauber.
„Es tut mir Leid.“, murmelte ich dabei.
„Ich hab dich vorhin gesehen in der Kneipe.“
Er schaute hoch.
„Ich hätte was machen sollen. Du wirktest nicht gerade fröhlich. Tut mir Leid.“
„Ist schon okay.“
Taichi winkte ab, aber seine Augen wurden wieder glasig und glänzend.
„Die Älteren sind der Meinung, ich sollte endlich mal eine Freundin haben. Oder zumindest für heute Abend...na ja... immerhin ist Weihnachten.“
„Indem sie eine Frau gegen dich drücken? Sehr gekonnt, ja.“, spottete ich.
„Ja, aber....das Problem ist...“
Ich setzte mich neben ihn auf das Bett und erst jetzt konnte ich sehen, wie aufgelöst er wirklich war. Ob man nun daran glaubte, oder nicht, aber am Weihnachtsabend sollte niemand so verzweifelt dreinschauen, ob nun Tokyo, Timbuktu oder sonst wo.
„...ich werde nie eine Freundin haben. Niemals.“
Geahnt hatte ich es schon vor einiger Zeit. Für mich machte das keinen Unterschied. Taichi blieb Taichi. Aber für ihn war es eine Katastrophe, sozialer Selbstmord. Gerade in seiner Welt.
Es würde niemals eine Fußballfrau auf der Tribüne geben.
Ich drückte ihn an mich und spürte, wie mein Sweatshirt feucht wurde.
Ob ich im Trösten nun gut war oder nicht, vermochte ich nicht zu sagen. Aber Taichi schüttete sein Herz aus, im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Weihnachtslied unter uns wurde lauter und je enthusiastischer Dean Martin „Let it snow“ sang, desto heiserer wurden Taichis Schluchzer.
Er klammerte sich an mich wie ein Ertrinkender, selbst dann noch, als wir uns in die Decken eingewickelt, längst hingelegt hatten und ihn die Erschöpfung übermannte.
„Danke“, murmelte ich und küsste ihn sanft auf das rechte, müde Augenlid.
Er brauchte eine Weile;
„Wieso sagst du denn Danke?“
„Weil du mir die Chance gegeben hast, mein Nichtstun von vorhin irgendwie wieder gutzumachen.“
Taichi lachte ton- und freudlos.
„Frohe Weihnachten, Yama.“
Aber er konnte schon wieder lächeln. Vielleicht, weil ihm endlich nicht mehr kalt war. Vielleicht, weil er, so schrecklich seine Lage gerade auch sein mochte, wenigstens nicht alleine war. Ging es zu Weihnachten nicht immer darum?
Er hob den Kopf und setzte ein Küsschen auf meine Stirn.
„Dir auch. Wenn nicht jetzt, dann ab morgen.“
Personen: Taichi, Yamato, (Mimi)
Genre: h/c
Challenge: Glatteis, “Ich habe gehört, es soll Blut entfernt werden” (die war nicht offiziell)
Warnung: Langes Elend. (1451 Wörter)
Kommentar: Nicht schön, aber selten. The Return of Taito!
„Weihnachten.
Ein Stern leuchtet am Himmel,
führt uns nach Hause. Zu uns.“
(H. Schäferling)
Als ich nach der Schule von Odaiba weggezogen war, um nicht jeden Morgen zwei Stunden zur Uni fahren zu müssen, hatte ich meine Freunde für einen kleinen Augenblick lang aus den Augen verloren. Mein Vater hatte Geld und warum nicht davon Gebrauch machen?
Ich hatte mich eingemietet in ein Studentenwohnheim riesigen Ausmaßes. Ein armseliger Hausmeister war hier zuständig für sechzehn Etagen mit jeweils vier Fluren.
Es war in günstiger Lage und die Nachbarn links und rechts neben meinem winzigen Zimmer hörten keinen Techno und hatten keine Freundinnen. Für ein Studentenwohnheim doch ideale Bedingungen.
Und dann hatte sich Mimi gemeldet und mich zu einem Nicht-Date am Weihnachtsabend überredet.
Sie war es Leid gewesen, dass ihre Freundinnen sie für den Heiligen Abend mit unbekannten Typen verkuppeln wollten. Ich war ihr Alibi, sie war meines.
Weil Mimi Liebhaberin von zuckrigen, bunten Cocktails war, hatte sie mich in eine sehr angesagte Bar in Shibuya geschleift. Das Innere des Laden war ausgeschmückt gewesen mit Grün und Rot, voller Lichter und man verteilte an seine Gäste Decken gegen die Kälte, die sich seit der Dämmerung in alle Ritzen und Ecken Tokyos zu schleichen schien.
Mimi hatte einen alkoholfreien Cocktail nach dem anderen durch bunte, leuchtende Strohhalme geschlürft und irgendwann mit ungläubigem Gesicht auf die andere Seite des Ladens gezeigt.
Ich hatte Taichi seit ewigen Zeiten nicht gesehen. Daran war ich nicht ganz unschuldig, das wusste ich. Er hatte die Aufnahmeprüfungen aller Unis, für die er sich beworben hatte, vermasselt und hatte sich schließlich ein Jahr lang mit Aushilfsjobs in Supermärkten über Wasser gehalten. Jetzt besuchte er eine Sportuni, die südlich von der Stadt lag und obendrein privat war. Ich hatte gehört, dass seine Eltern sich über die ungeheuren Studienpreise beschwerten. Aber andererseits hatte Taichi den Sport schon immer geliebt und diese Uni bot ihm die Möglichkeit, vielleicht doch irgendwann einmal Profifußballer werden zu können. So, wie er es sich immer erträumt hatte.
Wir hatten uns also seit fast zwei Jahren nicht gesehen und ich war immer davon ausgegangen, dass er dort, wo er war, recht glücklich sein musste.
Doch jetzt war ich mir nicht so sicher.
Sein Gesicht sah so verzerrt aus, dass ich es beinahe nicht erkannte. Solch einen Ausdruck der Angst hatte ich nicht mal in der Digiwelt bei ihm gesehen. Drei, vier Kerle umringten ihn, grob und hölzern wie Bauklötze und in der nächsten Sekunde drückten sie ihm ein Mädchen, welches offensichtlich betrunken war, in den Schoß. Ich hörte den Sprechchor bis hierher, wie sie ihn anfeuerten und nebenbei mit Shots abfüllten.
„Das ist ja widerwärtig.“, sagte Mimi.
„Sowas macht der jetzt? Wie enttäuschend.“
Ich sagte nichts.
Meine Augen hefteten sich auf Taichi in den bunten Weihnachtslichtern, seinen Mund, der lachte und immer wieder Dinge wie „Nun hört schon auf, was soll das denn?“ zu sagen schien und seine Augen, die im Schein der vielen Lämpchen einen unnatürlichen Glanz hatten.
An diesem Weihnachtsabend gab es zum ersten Mal seit gefühlten hunderten von Jahren Glatteis. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen gefallen und weitergefallen und hatten damit irgendwie nicht mehr aufgehört. Ehe ich es mir versah, war der Zugverkehr in der gesamten Kantô-Region zum Erliegen gekommen. Auf den Straßen schlitterten die Autos auf unglaublich unelegante Weise herum. Es war ja niemand gewohnt, bei Glatteis zu fahren.
Der Himmel hatte sich bei Sonnenuntergang dunkelrosa verfärbt und hing nun über Tokyo wie ein riesengroßer Weihnachtsschmuck.
Ich hüllte mich tiefer in meine Winterjacke und stapfte die geschätzten sieben Kilometer nach Hause.
Meine Beine fühlten sich an wie eingefrorene Äste eines Baumes.
Ich schaltete meinen Heizlüfter ein und dachte nicht einmal daran, mir die Zähne zu putzen, als ich alle Decken, die ich besaß, auf mein Bett warf und mich darin zusammenrollte und einkuschelte.
Irgendwer unter mir hörte englische Weihnachtsmusik. God rest ye merry gentlemen.
Ich hätte Taichi helfen sollen. Dieser Gedanke hatte sich auf meinem Heimweg in meinem Kopf festgesetzt und nagte an mir bis es anfing zu schmerzen.
Ich hätte ihn da rausholen sollen. Aber war ich nicht längst ein Fremder für ihn? Was hätte ich tun sollen? Ich gehörte nicht mehr in seine Welt. Er hatte seine Sportlerfreunde und scheinbar sehr strenge Seniors, die ihm Mädchen in den Schoß drückten. Die Sitten waren hart. Aber hatte er es nicht so gewollt? Früher war das kein Problem gewesen.
Ich biss mich in den Gedanken so fest, nur um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, da läutete schrill mein Haustelefon los und ich machte vor Schreck einen Satz im Bett.
„Ich habe gehört, es soll Blut entfernt werden.“, schnarrte die Stimme meines Hausmeisters.
Ich blinzelte.
„Bitte was?“
„Ihre Nachbarn haben sich beschwert. Dass sie anscheinend Besuch haben und der den Flur vollblutet.“
Ich schaute mich um wie ein Behämmerter. Ich hatte doch keinen Besuch.
Zugleich war bei dem Wort „Blut“ eine Gänsehaut meinen Hals hochgekrochen. Das klang wie ein Telefonanruf in einem Krimi. Ihr wisst schon- `Du hast den Hörer abgenommen, du hast nur noch sieben Tage zu leben, wuarh!´.
„Ich kümmere mich darum!“, rief ich schnell und warf den Hörer wieder auf die Gabel.
Die Kälte piekte wie Nadeln am Körper, als ich aus meiner Burg aus Decken schlüpfte und mir ein Sweatshirt überwarf, zur Tür stolperte und sie öffnete.
Da war tatsächlich Blut auf dem grauen Flur. Und mein Besuch.
„Taichi?“
Er schaute auf und zog die Nase hoch. Er sah noch schlimmer aus als vorhin.
„Oh hallo, Yama. Ist ´ne Weile her.”
Ich fuhr mir verlegen durch die Haare.
„Tut mir Leid, ich hab dich nicht klopfen hören.“
„Das macht nichts. Ich hab nicht geklopft.“
Ich zog die Augenbrauen hoch.
„Okay. Und wieso nicht?“
Es war wie ein Schweigen im Walde. So typisch Taichi.
Immer irgendeinen Scheiß machen und nichts dazu sagen, das war ja früher schon immer so gewesen.
Offensichtlich hatte er keinen anderen Ausweg gesehen als hierher zu kommen. Es fuhren keine Züge, so dass er weder zu seinem Zimmer bei der Uni noch nach Odaiba zu seiner Familie kam.
Und statt mich aus dem Schlaf zu schrecken, hatte er wohl vorgehabt, die Nacht vor meiner Tür bei drei Grad zu verbringen. Schafskopf.
Und trotzdem fühlte ich mich schlecht, als sei ich Schuld.
„Was ist mit deiner Nase?“
„Ich bin ausgerutscht. Inzwischen ist draußen alles gefroren.“
„Aber du blutest auf meinen Flur. Findest du das okay?“
Es sollte ein Witz sein. Aber Taichi schaute nur auf den Boden, dann wieder hoch und nickte mit sdem Kopf in einer stummen Entschuldigung.
„Na, komm schon rein.“
Ich wickelte ihn aus seiner Jacke, schob ihn auf mein Bett und verpackte ihn anschließend in zwei meiner Decken.
Mit einem feuchten Tuch tupfte ich seine Nase sauber.
„Es tut mir Leid.“, murmelte ich dabei.
„Ich hab dich vorhin gesehen in der Kneipe.“
Er schaute hoch.
„Ich hätte was machen sollen. Du wirktest nicht gerade fröhlich. Tut mir Leid.“
„Ist schon okay.“
Taichi winkte ab, aber seine Augen wurden wieder glasig und glänzend.
„Die Älteren sind der Meinung, ich sollte endlich mal eine Freundin haben. Oder zumindest für heute Abend...na ja... immerhin ist Weihnachten.“
„Indem sie eine Frau gegen dich drücken? Sehr gekonnt, ja.“, spottete ich.
„Ja, aber....das Problem ist...“
Ich setzte mich neben ihn auf das Bett und erst jetzt konnte ich sehen, wie aufgelöst er wirklich war. Ob man nun daran glaubte, oder nicht, aber am Weihnachtsabend sollte niemand so verzweifelt dreinschauen, ob nun Tokyo, Timbuktu oder sonst wo.
„...ich werde nie eine Freundin haben. Niemals.“
Geahnt hatte ich es schon vor einiger Zeit. Für mich machte das keinen Unterschied. Taichi blieb Taichi. Aber für ihn war es eine Katastrophe, sozialer Selbstmord. Gerade in seiner Welt.
Es würde niemals eine Fußballfrau auf der Tribüne geben.
Ich drückte ihn an mich und spürte, wie mein Sweatshirt feucht wurde.
Ob ich im Trösten nun gut war oder nicht, vermochte ich nicht zu sagen. Aber Taichi schüttete sein Herz aus, im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Weihnachtslied unter uns wurde lauter und je enthusiastischer Dean Martin „Let it snow“ sang, desto heiserer wurden Taichis Schluchzer.
Er klammerte sich an mich wie ein Ertrinkender, selbst dann noch, als wir uns in die Decken eingewickelt, längst hingelegt hatten und ihn die Erschöpfung übermannte.
„Danke“, murmelte ich und küsste ihn sanft auf das rechte, müde Augenlid.
Er brauchte eine Weile;
„Wieso sagst du denn Danke?“
„Weil du mir die Chance gegeben hast, mein Nichtstun von vorhin irgendwie wieder gutzumachen.“
Taichi lachte ton- und freudlos.
„Frohe Weihnachten, Yama.“
Aber er konnte schon wieder lächeln. Vielleicht, weil ihm endlich nicht mehr kalt war. Vielleicht, weil er, so schrecklich seine Lage gerade auch sein mochte, wenigstens nicht alleine war. Ging es zu Weihnachten nicht immer darum?
Er hob den Kopf und setzte ein Küsschen auf meine Stirn.
„Dir auch. Wenn nicht jetzt, dann ab morgen.“
no subject
Date: 2009-12-20 05:31 pm (UTC)Und deswegen gibt es comfort zum hurt dazu, weil man es sonst nicht ertragen könnte, wie ich fürchte.
Ich dachte mir, dass es wahrscheinlich eben wie im richtigen Leben der Gang der Dinge ist, dass man sich ein bisschen aus den Augen verliert, zumal die beiden ja auch so unterschiedlich sind. Aber ich glaube, sie raufen sich immer wieder neu zusammen *__*
*g* Nur für dich XD Und meiner Nostalgie Willen *lach* Ich hoffe, im L-Kan blutet niemand auf den Flur.
*flausch* Danke für den süßen Kommentar =D
no subject
Date: 2009-12-20 01:18 pm (UTC)Ja, ich mache da weiter, wo Maddle aufgehört hat. XD
Eine sehr schöne Ff, ich konnte es beim lesen kaum ertragen, die beiden so getrennt zu sehen. Meine armen Nerven, die beiden gehören doch einfach zusammen! ;_;
Mit dem Ende hast du mich allerdings wieder voll und ganz beruhigt, bei den beiden ist doch noch nicht alles verloren, das gefällt dem Fan. ^-^
no subject
Date: 2009-12-20 05:32 pm (UTC)Daanke =)
Ach, ich glaube, diese beiden trennen sich niemals für die Ewigkeit. Sie schlingern in ihren jeweiligen eigenen Welten herum und kommen alle Jahre mal wieder zusammen und wärmen einander ein bisschen =D
no subject
Date: 2009-12-20 10:11 pm (UTC)Ich stimme den Stimmen über mir zu, die beiden so getrennt zu lsen ist nicht schön, aber ich finde die gesamte Stimmung, die du in der Geschichte rüber bringst so wie das Konzept super.
no subject
Date: 2009-12-21 06:39 am (UTC)Hach, Taito zur Weihnachtszeit ist irgendwie nostalgisch, nicht?
no subject
Date: 2009-12-21 10:52 am (UTC)Und Sportuni - südlich von Tokyo? *gg*