[identity profile] kajsa87.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: kajsa87
Fandom: Merlin (irgendwie, ist RPS)
Challenge: Grußkarten
Charaktere: Bradley James, Colin Morgan
Wörter: zu viele 1739
Warnungen: RPS, Bandwurmsätze und viel blabla
Kommentar: Erstes Mal RPS, dazu noch ein bisschen Fieber, also bitte nicht wundern, wenn das irgendwie komisch ist. Gestern mochte ich es noch, jetzt bin ich nicht mehr so überzeugt davon. Und eigentlich wollte ich schon viel früher posten, hab aber verschlafen, tut mir Leid. Ich werd das Ganze später noch mal auf Fehler durchgehen, das hab ich jetzt nicht mehr ganz geschafft.


Bradley schreibt normalerweise keine Weihnachtskarten. Er findet es einfach albern, Karten zu verschicken, wenn es doch so viel einfacher ist, die betreffende Person anzurufen. Oder eine SMS zu schicken. Weihnachtskarten hingegen bedeuten jede Menge Arbeit. Zuerst einmal muss man sich in das vorweihnachtliche London stürzen, was an sich schon eine Herausforderung darstellt – nervlich und körperlich. Bradley erinnert sich noch zu gut an seinen letztjährigen Versuch, am Abend vor Weihnachten noch ein paar Geschenke zu ergattern – die kleinen Narben auf seiner Hand, verursacht durch angespitzte Fingernägel an Frauenhänden sorgen dafür. Dann muss man aus einer völlig unübersichtlichen Auswahl an Karten genau die richtige für die oder den Adressaten heraus fischen und dabei persönliche Vorlieben und Abneigungen genauso in Betracht ziehen wie die Frage, wie humorvoll die jeweilige Person ist. Genauso gut könnte man einen Kurs in angewandter Psychologie besuchen. Und, als wäre das alles noch nicht schlimm genug, müssen diese Karten ja auch noch beschriftet werden. Bradley ist zwar der Meinung, dass es völlig ausreicht, eine bereits mit einem weihnachtlichen Text bedruckte Karte mit einem „Liebe Grüße, Bradley“ zu versehen, aber er hat in den vergangenen Jahren festgestellt, dass manche Leute eine solche Karte als wahlweise lieblos, unkreativ oder als Ausdruck einer übermäßigen Kommunikationsunfähigkeit/Faulheit auslegen. Und Bradley ist, natürlich, nichts dergleichen.

Aber jetzt hat er zwei Umschläge im Briefkasten, einer rosa, einer hellblau, beide in dieser typischen, runden Mädchenschrift adressiert, die ihn jedes Mal ein kleines bisschen aggressiv macht. Müssen diese Kringelchen und Herzchen anstelle einfacher Punkte wirklich sein? Und diese extrem geschwungenen Buchstaben, ganz so, als handle es sich hierbei nicht um eine Weihnachtskarte, sondern um eine Prachtschrift aus dem Mittelalter. Bradley muss dann immer an seine Schulzeit denken, an kitschige Liebesbriefe, die am Ende der Pause plötzlich in seinem Rucksack steckten. Und an Mädchen, die entweder tief traurig oder wütend auf seine Zurückweisung reagierten, es aber dennoch immer wieder probierten. Er hat sich damals immer gewünscht, er könnte den Mädchen einen Grund nennen, warum er kein Interesse an ihnen hatte, egal, wie attraktiv (oder nicht) sie waren, aber er wusste keinen. Er hatte einfach kein Interesse.

Er fischt die erste Karte aus ihrem Kuvert. Sie ist dunkelblau und zeigt eine Kirche, eingerahmt von zwei Tannenbäumen, alles bedeckt mit Schnee und in silberner Prägung steht da „Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr“. Bradley klappt die Karte auf und liest den Text, ebenmäßig und mit einem Füller geschrieben. Wer zur Hölle benutzt heute noch Füller? Katie, offensichtlich. Bradley ist ein bisschen schockiert über den Text, er klingt so... so zuckrig. Dabei hätte er bestenfalls einige schnippische Bemerkungen oder boshafte Anspielungen erwartet, wie das bei ihr sonst immer der Fall ist. Aber anscheinend lässt der heimatliche Weihnachtszauber Dublins nicht einmal eine Katie McGrath kalt. Die zweite Karte ist so rosa und glitzerig, dass Bradley sie vor Schreck beinahe fallen lässt. Sie stammt erwartungsgemäß von Angel und der Text ist so dermaßen kuschelig (Bradley weiß natürlich, dass Texte eigentlich nicht kuschelig sein können, aber wenn jemand schon Angel heißt, dann schafft sie auch das), dass er seine Kollegin am liebsten auf der Stelle umarmen würde. Er nimmt sich aber auf jeden Fall vor, sich in den nächsten Tagen bei ihr zu melden und ein Treffen für die Zeit nach den Feiertagen zu vereinbaren.

In den folgenden Tagen trudeln noch ein paar weitere Weihnachtskarten bei ihm ein, sodass sich Bradley schließlich doch aufrafft und im Schreibwarenladen um die Ecke seinerseits ein paar Karten ersteht. Er ist sogar halbwegs zufrieden mit seiner Auswahl, so bekommt Angel beispielsweise einen goldgelockten, ein weißes Nachthemd tragenden Engel und Anthony darf sich über einen strippenden Weihnachtsmann freuen. Wie groß seine Freude darüber wirklich ist, erfährt Bradley dann vermutlich an Silvester, wenn Anthony ihn mit ein paar spielerischen Boxhieben empfängt, aber das ist egal. Auch das Verfassen der Texte geht ihm leichter als erwartet von der Hand. Nach zwei Staffeln „Merlin“ kennt er seine Kollegen und kann die ein oder andere Anspielung einbauen, sodass die Karten mir nichts, dir nichts voll sind. Er schafft es sogar – und das macht ihn nicht unwesentlich stolz- die Karten so zur Post zu bringen, dass sie ihre Empfänger auf jeden Fall rechtzeitig vor Beginn der Feiertage erreichen dürften.

Als Bradley am 24. Dezember aufsteht und, noch leicht verkatert von dem gestrigen Umtrunk mit ein paar Freunden, in Richtung Küche schlurft, ist er nicht wenig verwundert, als er, neben ein paar obligatorischen Prospekten, ein schlichtes, weißes Kuvert auf dem Boden unterhalb des Briefschlitzes liegen sieht. Allerdings ist er noch weitaus verwunderter, als er den Umschlag aufhebt und den Absender liest. Die Karte stammt von Colin Morgan. Von dem Colin Morgan, der nach ihrem letzten Treffen auf einer Autogrammstunde nach Nordirland verschwunden ist und sich seitdem nicht mehr gemeldet hat. Von dem Colin Morgan, der Weihnachten und Weihnachtskarten und den ganzen Zwang dahinter aus Prinzip verachtet, weil nicht indie genug. Zugegeben, er hat es nicht direkt so formuliert, aber das war in etwa die Quintessenz eines fünfzehnminütigen Vortrags, den sich Bradley anhören durfte, als sie in Cardiff waren, um die dortige Weihnachtsbeleuchtung anzuknipsen. Und an noch etwas erinnert sich Bradley, wenn er so darüber nachdenkt. „Weißt du, warum ich Weihnachten am allermeisten verabscheue? Weil ich das, was ich mir wirklich wünsche, ohnehin nie bekommen werde.“, hat ihm Colin damals verraten. „Was denn?“ Aber da wurden sie zurück auf die Bühne gerufen. Bradley nimmt die Karte – sie zeigt eine weihnachtliche Ansicht von Armagh – aus dem Kuvert und beginnt zu lesen.

„Bradley“, steht da. Kein „Hallo“, kein „Lieber“, einfach nur sein Name. „Ich weiß, dass du weißt, dass ich nicht auf diesen ganzen Weihnachtskitsch stehe. Und ich weiß, dass es dir genauso geht. Deswegen schreibe ich dir auch erst jetzt, damit du dich nicht genötigt fühlst, mir auch noch eine Karte zu schreiben. Was ich dir sagen will, und glaub mir, das fällt mir alles andere als leicht – ich vermisse dich.“ „Dann hättest du“, denkt Bradley, „dich auch einfach mal melden können.“ „Ich weiß, ich hätte mich einfach mal bei dir melden können“ - Bradley muss kurz auflachen, als er das liest - „aber ich konnte nicht. Weil ich dich nicht nur einfach so vermisse. Sondern weil ich dich wirklich vermisse. Weil ich dich mag. Nein, weil ich dich sehr, sehr gerne hab. Und ich weiß, dass es feige ist, es dir so zu sagen, mit einer dusseligen Weihnachtskarte, aber ich konnte es dir nicht anders sagen. Deswegen habe ich mich nicht gemeldet – weil ich es dir erst sagen wollte. Weil ich nicht mehr ich selbst sein kann neben dir, solange du es nicht weißt. Mir ist es selbst erst vor ein paar Wochen klar geworden, also bitte glaub nicht, dass ich dir schon die ganze Zeit über was vorspiele. Aber ich musste auch erst selber damit klarkommen, weil hallo, ich bin in einen meiner besten Freunde verliebt – schon irgendwie bescheuert. Wenn du glaubst, das irgendwann akzeptieren zu können, wenn es dich nicht zu sehr stört – ich würde mich freuen, wenn du mich mal anrufen würdest oder so. Und Bradley, es tut mir Leid, dass ich dich jetzt, an Weihnachten, damit überfalle. Ich hoffe, du hast trotzdem ein schönes Fest und wenn wir vorher nichts mehr von einander hören, dann wünsch ich dir jetzt auch schon einen guten Rutsch. Alles Liebe, Colin. P.S.: Sorry, die Karte ist doch irgendwie konfuser geworden als geplant. P.P.S.: Erinnerst du dich noch an das, was ich dir in Cardiff gesagt hab? Das Geschenk, das ich niemals bekommen werde? Das bist du.“

Bradley starrt minutenlang gedankenverloren auf die Karte in seiner Hand. Und plötzlich macht alles irgendwie Sinn. Colins vergleichsweise abweisende Art in der letzten Zeit und die unverständlichen Blicke, die er ihm immer zugeworfen hat. Und ja, Bradley muss zugeben, dass es ihn gestört hat, dass Colin immer gleich ausgebrochen ist, wenn er ihn umarmen wollte. Dass er bei jeder kleinen Berührung zusammen gezuckt ist, als würde Bradley Stromschläge verteilen. Dass er nicht mehr mit zu ihm in die Wohnung wollte, um DVDs zu schauen. Aneinander gelehnt auf dem Sofa, so wie sonst immer. Und dass er es vermisst, ihn nicht mehr täglich vierundzwanzig Stunden um sich zu haben. Dass er es vermisst, ihn aufzuziehen, mit ihm zu lachen. Und plötzlich wird es ihm auf eine völlig bescheuerte Weise warm ums Herz und er muss grinsen und obwohl er gerade keinen Spiegel vor sich hat, ist er doch ziemlich sicher, dass er völlig bekloppt aussehen muss. Er könnte jetzt versuchen, die plötzliche Gefühlswallung darauf zu schieben, dass heute Weihnachten ist und dass er immer noch eine gewisse Menge Restalkohol im Blut hat, aber wenn er ehrlich sein soll, dann hat ihm Colins Karte etwas klar gemacht, was er sich bisher einfach nicht einzugestehen gewagt hat. Dass er sich, irrsinnigerweise, ebenso in seinen Co-Star verliebt hat wie dieser sich offensichtlich in ihn verliebt hat.

Zwei Stunden später sitzt Bradley im Flugzeug, ein ein halb Stunden später steigt er in Dublin in einen Bus. Im Radio läuft „Driving home for Christmas“ und irgendwie stimmt das sogar. Während die übrigen Fahrgäste, bestenfalls eine Handvoll, halbwegs genervt aussehen, kann Bradley nicht mehr aufhören zu grinsen. Als der Bus zum letzten Mal hält, steigt Bradley aus und winkt eines der wartenden Taxis heran. Steigt ein und nennt dem Fahrer die Adresse. Es wird schon dunkel und während sie durch die ihm unbekannte Kleinstadt fahren, hängt er seinen Gedanken nach. Versucht, sich mental auf das vorzubereiten, was gleich kommt. Wird ganz angespannt. Er kennt das Gefühl von früher, so ging es ihm immer, kurz bevor seine Mutter ihm mit einem Glöckchenläuten signalisierte, dass das Christkind da gewesen ist und er jetzt auspacken kommen darf. Nach etwa zehn Minuten Fahrt hält das Taxi, Bradley steigt aus und steht vor einem kleinen Haus, durch dessen Fenster es ihm einladend entgegen leuchtet. Seine Hand zittert ein wenig, als er klingelt. Er zählt die Sekunden, bis die Tür sich öffnet und Colin vor ihm steht. Die dunklen Haare verwuschelt, die Ohren leicht gerötet, die blauen Augen weit aufgerissen. „W- w...?“ „Ich hab deine Karte bekommen.“ Bradley spricht ganz leise. Und als ob das Erklärung genug ist – nein, weil das Erklärung genug ist, umarmt er Colin und flüstert in sein Ohr. „Ich hoffe, ich bin noch rechtzeitig zur Bescherung gekommen.“

Date: 2009-12-16 05:01 pm (UTC)
From: [identity profile] hope-calaris.livejournal.com
Aaaaaw ... ich bin zwar normalerweise nicht für RPS bei Merlin, aber das war zuckersüß und putzig.

Date: 2009-12-16 10:57 pm (UTC)
From: [identity profile] leviathans-moon.livejournal.com
awwwwwwwww *squee* das war total fluffig und niedlich und genau das, was ich jetzt brauchte. Ich mag RPS total, kann es mir selbst nicht erklären, und du hast mir den heutigen Tag ungemein versüßt. ich danke dir*-*.

eine kleine sache nur, weil sie mich ein bisschen aus dem lesefluss geworfen hat, und weil ich einfach ein blöder Britain-Nerd bin, die Briten haben die 'Bescherung' erst am 25. morgens, und nicht so wie wir am 24. abends. Aber dem Fluff und dem warmen Gefühl um mein Herz herum hat das nichts abgetan.

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