[identity profile] selia-ishida.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: [livejournal.com profile] selia_ishida
Fandom: Schloss Einstein
Challenge: Eine ur-ur-uralte aus dem Sommer: Der Feind meines Feindes ist mein Freund
Charaktere: Mounir Farsad, Tatjana Jonas, Frau Steiner, Herr Farsad
Warnungen: none so far
Kommentar: Alle verwendeten Momente entstammen der Folge 584. Und ja, hier kann keiner was mit dem Fandom anfangen. Eigentlich kann ich mir das Posten deswegen auch sparen, aber so what...




Als Mounir Tatjana zum ersten Mal bemerkte, fand er sie interessant. Wie sie auf dem Gang an ihm, Manuel und Layla vorbeilief, der Blick hoch konzentriert wie eine frisch zusammen gebraute Chemikalie.
In ihrem grünen Oberteil, der schlichten Jacke, ihrer Jeans und den Turnschuhen hatte sie sich an die Schließfächer gelehnt, gedanklich einem Plan folgend, den Mounir nicht kannte. Den er sich auch in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen konnte – und genau deswegen um die Ecke linste, um Tatjana, die ihm den Rücken zugekehrt hatte, ausgiebiger zu studieren. Beinahe so, als würde ihm das dabei helfen, ihre geheimsten Gedanken zu lesen. Was es natürlich nicht tat.
Also war und blieb sie interessant, zumal ihr ganzer Körper darauf zu warten schien, endlich etwas abrufen zu dürfen. Dieses Etwas schien wie ein Gewicht auf ihren schmalen, aber geraden Schultern zu ruhen und Mounir war gespannt auf den Moment, in dem sie dieses jetzt noch für ihn unsichtbare Gewicht mit aller Kraft in die Welt schleudern würde. Auf dass es sichtbar wurde.


Als Mounir Tatjana zum zweiten Mal bemerkte, fand er sie nicht nur interessant, sondern wurde sie auch noch forsch. Wie sie neben ihm das Zelt aufschlug, ihm ab und an einen dieser intensiven, wohl kalkulierten Blicke zuwarf und ihn ganz salopp in ein Gespräch verwickelte:
„Hast du Stress mit deinem Alten?“ Mehr eine Feststellung als eine Frage, denn das gesamte Verhältnis zwischen Mounir und seinem Vater war, wie für jeden deutlich zu erkennen, mit Streit und Zwietracht regelrecht übersäht. Dass Vater und Sohn nun auch noch beide am Sommercamp teilnahmen, verbesserte das angeknackste Verhältnis keineswegs.
„Der nervt, weil ich hängen geblieben bin.“ Per Stimmlage machte Mounir deutlich, nicht all zu stolz auf seine Leistung zu sein.
Tatjana blieb interessiert: „Hast du auch in dem Fach von deiner Stiefmutter verkackt?!“
„Du meinst Steiner?“ Mounir musste vor Abscheu eine kurze Pause machen und aufschauen, um zum gemeinsamen Zelt seines Vaters und Frau Steiner hinüber zu sehen. „Stiefmutter?“, wiederholte er dabei den seiner Meinung nach für Frau Steiner völlig absurden Titel und lachte.
„Das fehlt mir noch!“
Nicht dass Tatjana hier auf falsche Gedanken kam… Dem wollte Mounir direkt vorbeugen, indem er seiner Antipathie deutlich Ausdruck verlieh. Frau Steiner war seine Lehrerin; dass sie seit Neuestem mit seinem Vater zusammen war, machte die Dinge nur noch ätzender für ihn. Mounir brauchte keine altkluge Pädagogin, die seinem wütenden Vater auch noch in Mounirs Freizeit mit dämlichen Erziehungstipps unter die Arme griff!
In Tatjanas Gesicht mischte sich Verständnis.
„Bestimmt komisch, wenn die Lehrerin auch die Freundin vom Vater ist, oder?“ Sie ließ es verdammt unangenehm klingen. Genau so, wie Mounir es auch empfand.
„Gehen mir beide aufn Sack!“, gestand er deswegen auch gerade heraus und bestätigte somit Tatjanas Vermutung. Nebenbei folgte er ihrem Blick, der wieder an ihm vorbei, in Richtung Lehrerzelt, driftete.
„Die kommen mir ganz nett vor.“ Etwas in Tatjanas Stimme hatte sich verändert. Wirkte gestelzt. Aufgesetzt. Durch und durch falsch.
Dennoch hielt es Mounir für nötig, umgehend zu widersprechen:
„Die hat dich wohl auch schon vollgeschleimt.“ Seine Schlussfolgerung beruhte lediglich auf Beobachtungen. Immerhin wusste er, welchen Eindruck Frau Steiner bei den allermeisten Leuten erweckte. Dass auch Tatjana drauf und dran, darauf reinzufallen, wollte Mounir schlichtweg nicht glauben. Dafür sah sie nicht naiv genug aus. Vor allem nicht, als sich ihre Augen wieder dezent verengten und irgendwo am Rande ihrer Mundwinkel ein hämisches Lächeln ziepte.


Als Mounir Tatjana zum dritten Mal bemerkte, fand er sie nicht nur interessant und forsch, sondern wurde sie ihm obendrein endgültig sympathisch. Ihn und sie trennten geschätzte drei Armlängen voneinander und nichts an ihrer Mimik oder Gestik schien von Empathie erschüttert, als sie den Volleyball in Frau Steiners Gesicht schlug.
„Ups“, entkam es Mounir, der ebenfalls wenig Mitgefühl aufbringen konnte für die nun am Boden liegende Frau Steiner.
„Das war keine Absicht“, gab auch Tatjana ihren Kommentar dazu ab, der – was das mangelnde Mitgefühl betraf – mit Mounirs Aussage stark konkurrierte. Zusätzlich entrang sie ihrem Körper ein höchst unwilliges Schulterzucken. Auf ihrem Gesicht lag ein abwägender und primär kalter Ausdruck, während sie Frau Steiner dabei zusah, sich das schmerzlich getroffene Auge zu halten.
Mounir wusste nicht, was es war, das Tatjana letztlich dazu bewegte, sich viel zu langsam, als dass es aus Sorge passieren konnte, in Bewegung zu setzen. Unter dem Volleyballnetz hinunter durch zu schlüpfen und ein scheinbar freundliches „Alles okay?“ zu verlieren. Aber Tatjana musste ihre Motive haben; so viel stand für ihn fest.
„Das hat die doch voll mit Absicht gemacht!“ Cocos abwertendes Geflüster drang scharf in Mounirs Ohren und hallte wie ein den Himmel verkündender Glockenschlag durch sein Gemüt. Sich sämtliche Worte sparend, ließ er nur verheißungsvoll seine Augenbrauen zucken und deutete ein gar königliches Grinsen an.
Er mochte Tatjana. Ja, er mochte sie wirklich.


Als Mounir Tatjana zum vierten Mal bemerkte, war sie mehr als nur interessant, forsch und sympathisch; sie war verschworen. Und sie verschwor sich mit ihm.
Vor ihnen knisterte das angefachte Feuer und wirbelte heiße Glut in die warme Luft des hellen Sommermittags. Ihnen schräg gegenüber betrat die angeschlagene Frau Steiner den Kreis der Schüler und predigte, dass sie doch bitte alle aufzupassen hätten.
„Ich hab die Verantwortung, dass nichts und niemand in Flammen aufgeht“, stellte sie am Ende ihrer Rede eindringlich klar. Mit einer Hand eine Kühlkompresse auf ihr malträtiertes Auge drückend.
Als sei es ein natürlicher Reflex, wanderte Mounirs Sichtfeld zur Seite, erhaschte Tatjanas Gestalt und spiegelte ihr genervtes Augenrollen wider.
Sie beide brauchten keine Worte. Nicht um gemeinsam zu hassen.


Als Mounir Tatjana zum fünften Mal bemerkte, hatte er sich schon gewundert, wo sie die ganze Zeit geblieben war. Um das Feuer herum hatten sich mittlerweile etliche Schüler versammelt, grillten ihre Würstchen und schwätzten beliebig miteinander. Unter den Anwesenden ebenso: Mounirs Vater – von dem sich Mounir direkt wieder eine Zurechtweisung anhören durfte – sowie natürlich Frau Steiner.
So unerwartet wie Tatjana zu der Gruppe gestoßen war, so hatte sie plötzlich einen Teller mit Keksen in den Händen. Mounir wusste nicht recht, warum Tatjana es machte, aber sie ließ sich direkt neben Frau Steiner nieder. In einer Lücke, die andere als Sicherheitspuffer und natürliche Grenze zwischen Lehrer und Schüler frei gelassen hatten. Auf Tatjanas Schultern thronte noch immer dieses unsichtbare Gewicht, indessen in ihrem Blick eine kühle Absicht auf der Lauer lag. Was sie jagte, konnte Mounir nicht ausmachen, zumal ihn sein Vater ablenkte, indem er der Schülergruppe ein neues Rätsel stellte:
„Du bist mein Sohn, aber ich bin nicht dein Vater. Wer sagt das?“
Über den Anwesenden breitete sich Unwissenheit aus. Die erste geratene Antwort lautete mehr spaßeshalber als ernsthaft „Ein Transvestit?“. Unter normalen Umständen hätte Mounir das vermutlich zum Schmunzeln gebracht, allerdings blockierte Manuels Wispern sein Denkzentrum.
„Was will'n dein Vater dir damit sagen, hä?"
Eine gute Frage, wie Mounir befand und kritisch zwischen Manuel und seinem Vater hin- und her sah, um die Intention seines Vaters zu ergründen. Ratlos sprang Mounirs Blick letztendlich zu Tatjana - so als könne sie ihm irgendwie helfen, obwohl das natürlich völlig absurd war. Doch dieses Mädchen, diese neue Schülerin, antwortete entgegen aller Erwartungen schlicht:
„Die Mutter.“
Natürlich. Die Mutter. Mounir ging – ebenso wie allen anderen, die sich vergeblich das Hirn zermartert hatten – ein Licht auf. Im Schein dessen beobachtete er, wie Tatjana nach ihrer stolzen Verkündung ihren Teller anbietend Frau Steiner hinhielt, die sich gerne an den Keksen bediente.
Fast hätte Mounir auf Grund dieser Tatsache tief geseufzt. Hatte Tatjana etwa doch ein schlechtes Gewissen, weil sie Frau Steiner mit dem Volleyball getroffen hatte? Konnte sich Mounir dermaßen in Tatjana getäuscht haben? War ihre stille Kommunikation nur Show gewesen? Ein Zufall? Reine Einbildung?

Als es wenig später zu regnen angefangen hatte, wusste Mounir, dass es keinen Grund gab, um an Tatjana zu zweifeln. Frau Steiner planschte trotz Regen wie ein Kind im Wasser des Sees herum, tänzelte, johlte und machte sich dermaßen lächerlich, wie es niemand von der sonst so verantwortungsbewussten Frau je erwartet hätte. Sie schien wie ausgewechselt. So ausgelassen, so ungehemmt. In ihrer durchnässten Unterwäsche und dem transparenten Sommerkleid. Alle Schüler standen teils fassungslos, teils amüsiert am Ufer. Herr Farsad bemühte sich, seine Lebensgefährtin zu überreden, den Unfug sein zu lassen. Sie hörte nicht.
Mit jeder verstreichenden Sekunde spürte Mounir, wie sich seine Hand fester um den Griff seines Regenschirms schlang. Nein, er hatte keinen Grund Tatjana zu misstrauen. Alles, was er gefühlt hatte mit ihr und ihr gegenüber, es war echt. Denn auch wenn er nicht wusste, wo sie in diesem speziellen Moment war, so wusste er, dass sie diese Szene beobachtete. Und er wusste auch, tief in seinem Herzen, dass es sie mindestens so zufrieden stellte wie ihn selbst – wenn nicht gar mehr.

Date: 2009-11-29 09:48 pm (UTC)
From: [identity profile] freaky-nea.livejournal.com
*lol* Waren es Spezialkekse?

Du hast die Challenge echt gut getroffen und auch Mounirs Gefühle sehr glaubwürdig rübergebracht, und ja, die Fic ist auch verständlich, wenn man das Fandom nicht kennt.

Date: 2009-11-29 10:05 pm (UTC)
From: [identity profile] freaky-nea.livejournal.com
Ich mag einfach deinen Schreibstil sehr, da macht es mir nichts aus, das Fandom nicht zu kennen. Ist dann wie ein original für mich. *drück*

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