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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Es tut uns Leid, dass es erst so spät losrollt, aber es ist erst Mittag. *hust* Weil ich in eile bin und weil das hier auch schnell gepostet werden soll, biete ich hir den Link zum letzten Meme an. Der Zeitraum ist diesmal ab sofort bis morgen, Sonntag, Mitternacht!
Da viele zZ nano schreiben, erwarten wir echt keine große Beteiligung, aber vllt mag trotzdem jemand mitmachen! ;)

Denkt an den Adventskalender! Nächste Woche beginnt die Anmeldung!
Viel Spaß! <3

Date: 2009-11-14 12:50 pm (UTC)
From: (Anonymous)
living's in the way we die

Date: 2009-11-14 12:51 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Der Moment vor dem Aufprall

Date: 2009-11-16 11:22 am (UTC)
From: (Anonymous)
Der Moment, in dem du dich zu ihr umdrehst und siehst, wie sie einen anderen küsst. Der Moment, in dem sie es realisiert und auf dich zu kommt, sich erklären will. Aber du willst keine Erklärung hören. Der Moment, in dem du los läufst. Sie ruft dir hinterher, aber deine Beine setzen sich schon in Bewegung, Schritte wie mechanisch. Geradeaus, immer der Straße folgen. Der Alkohol hat deine Gedanken vernebelt, aber du weißt dennoch genau, wo du hin willst, hast das Ziel intuitiv vor Augen. Geräusche, Bilder, wie vorbeiziehende Wolken im fahlen Licht des frühen Morgens. Und immer mehr Schritte. Du näherst dich deinem Ziel. Der Betonelefant, das graue Karussel. Nur noch ein paar Meter, die letzten Schritte... Dein Herz schlägt hart in deiner Brust. Schweißwarme Hände auf kaltem Metall. Erst ein Fuß, dann der Zweite. Ein tiefer Atemzug, das Prickeln der kühlen Morgenluft in deinen Lungen. In der Ferne das Rattern des ersten Zuges. Unter dir Wasser, schwarzer Acheron. Jetzt oder nie. Der Moment, in dem du springst, ist der Moment, in dem du es dir anders überlegst. Der Moment vor dem Aufprall.

Date: 2009-11-16 01:12 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Sehr stimmig. Gefällt mir außerordentlich!

Date: 2009-11-16 08:34 pm (UTC)
From: (Anonymous)
;_;

Date: 2009-11-16 08:19 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Die Fantasie hat ihr Versprechen uns überall hin zu führen nicht eingelöst. Jetzt warten wir auf das echte Leben. Das hat uns noch nie irgendetwas versprochen. Mit zittrigen Fingern reihen wir Wort für Wort aneinander. Violette Prosa. Bedeutungsbefreite Phrasen. Schreiben ist eine armselige Metapher für wirklich leben. Unser Verlangen ist echt. Aufgeschrieben wirkt es hohl, nicht so gemeint. Alles erscheint auf eine gewollte Art düster. Nichts erregt Schrecken, Ekel, Abscheu, Angst, Trauer. Sei geschockt! Betteln wir unsere Leser an, aber die sind es nicht, ganz und gar nicht, höchstens in ihrer eigenen jugendlichen Melancholie bestätigt. Aber das ist doch nicht unser Ziel gewesen? Backfische in ihrer Melancholie bestätigen? Mehr nicht? Wir haben kein Gefühl für den Fluss der Worte. Wir haben, ganz eigentlich gesehen, noch nicht einmal etwas zu sagen. Wir haben eine vage kollektive Gefühlslage. Einen leicht anrüchigen Kink. Ein unstillbares Verlangen nach Schmeichelei. Nach dem ersten Kommi freuen wir uns wie wild. Nach dem zehnten Kommi fühlen wir nichts mehr. Manchmal ist unser Leben tiefsinnig. Manchmal gibt es da so etwas wie eine Geschichte, die erzählt werden sollte. Nichts davon können wir auf irgendeine relevante Art ausdrücken. Alles versinkt im Pathos und es tut uns noch nicht einmal Leid. Manche von uns wären gerne Brecht oder Wilde oder Tolkien oder Goethe oder sonst irgendwer. In Wahrheit sind wir noch nicht einmal Stephenie Meyer. Liebe ist Tod ist Tragik ist Langeweile. Wie langweilig jedes Gefühl werden kann, das zu oft beschrieben wurde. Das erscheint uns seltsam. Wir machen weiter. Wir müssen wirklich weiter machen. Auf den Bildschirmen unserer Computer flackert der Rest unserer kindlichen Traumwelt auf. Dreidimensional und zauberhaft. Am Ende steht immer ein Gewinner da. Ansonsten ist die Alleskönner-Kiste zur Reproduzier-Maschinerie verkommen. Auf Facebook sind wir anders als auf MySpace sind wir anders als auf YouTube. Wir googlen uns selbst und erstaunen angesichts unserer allgegenwärtigen Präsenz. Von uns gibt es tausend und eine Version und allen ist langweilig und alle sitzen in ihren Jugendzimmern und schreiben schlecht.

Date: 2009-11-16 08:19 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Fantasie ist in jedem unserer Romane das gleiche und es ist Elfen mit spitzen Ohren und ebenmäßigen Gesichtern, Dunkelelfen, das sind die, die eben nun mal dunkel sind, das sind Vampire und Werwölfe und Welten retten, die gar niemand gerettet haben wollen sollte, weil die sind alle gleich und von denen gibt es so einen riesigen Vorrat. Jeden November tausende neue Welten. Sie kriechen aus unseren Gehirnen wie Unkraut, wie Seuchen vermehren sie sich. Stundenlang spielen wir junge, nicht existente Männer. Irgendwo da draußen gibt es einen Spielpartner. Oder eher eine Spielpartnerin. Wir tun so, als hätten wir so etwas wie Sex. Wenn es keinen Seme gibt und keinen Uke, wenn der eine nicht fünf Zentimeter größer und wesentlich dominanter ist, dann ist etwas falsch. Wenn es nicht genug Rape gibt und seelische Abhängigkeit, wenn die Dinger da unten nicht Liebesmuskel heißen und sich die Arschlöcher nicht bis ins unendliche weiten lassen, dann ist uns langweilig. Eigentlich ist uns immerzu langweilig. Kurzzeitig hilft da ein bisschen Farbe in den Haaren. Einmal die Interessen auf StudiVZ umsortieren. Farmville spielen, bis wir Level 70 sind. Aber dann, wenn wir Aufstehen und ins Bett gehen und zwischendurch irgend etwas tun, wissen wir, dass unsere Arbeit oder Ausbildung uns immer noch keine Freude macht, dass wir immer noch von niemandem so wirklich geliebt werden, wie wir uns das so gerne ausmalen. Wir hoffen, dass es irgendwo, tief unten am Grund unserer Persönlichkeit so etwas wie Sinn und Streben gibt. Irgendwann sind wir vielleicht bereit gewesen, dort hinzugehen und zu suchen. Doch unser Selbst gleicht einem verdreckten Brunnen. Wir können gar nicht bis nach unten sehen. So kam es, dass wir alle, fest entschlossen, Wahrhaftiges zu finden, hineinsprangen, durch Müll und Dreck und Überfluss und schlechte Eigenschaften tauchten, immer tiefer, ohne Ende, schließlich entnervt aufgaben, Luft holen mussten. Sonne sehen mussten. Was aber, wenn wir, bevor wir endgültig aufgaben, ganz kurz vor dem Aufprall waren, eine Handbreit nur noch von unserem Glück entfernt? Wahrscheinlicher scheint, dass es den festen Grund, den wir suchten überhaupt niemals gab.

Date: 2009-11-16 08:36 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Traurig, aber war.

Date: 2009-11-14 12:53 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Genre: gen
Ort: Bushaltestelle
--> der erste Schnee

Date: 2009-11-14 02:39 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Es war kalt.

Es war kalt und dunkel.

Es war kalt und dunkel und er hatte Hunger.

Zuhause warteten eine Heizung und Kerzen und Lebkuchen auf ihn. Und zwischen ihm und diesem kuscheligen Bild von Wärme und Fingern, die er tatsächlich wieder fühlen konnte, stand im Grunde nur ein Bus. Das und seine kleine Schwester. Obwohl die in dem Moment nicht aussah wie seine kleine Schwester, geschweige denn wie ein Mensch. Eher wie eine kleine runde Knutschkugel - nicht, dass er das jemals laut gesagt hätte. Sie hätte ihn dann vermutlich gegens Schienbein getreten oder so. Die richtige Größe dafür hatte sie ja.

Und nun hatten sie den Bus verpasst. Nein, eigentlich hatten sie ihn nicht verpasst. Sie waren da gewesen, der Bus war da gewesen, sie waren nur nicht eingestiegen, und dann war der Bus nicht mehr da, sie aber schon.

"Es schneit bald", hatte sie gesagt, auf den Himmel gedeutet und ihm vom Eingang des Busses weggezerrt. Er war ihrem Blick gefolgt und hatte keine Ahnung, woran sie das erkennen wollte.

Er sah immer noch nichts am Himmel, außer dem hellen Streifen am Horizont, der von der Stadt kündigte. Die kleine Flauschkugel neben ihm schien jedoch eine Menge zu sehen. Sie sprang hin und her und ihre Augen strahlten, wenn sich das Licht der einsamen Straßenlaterne in ihnen verfing.

Der nächste Bus war eine halbe Stunde entfernt und langsam aber sicher begannen seine Füße, seinen Händen in die Taubheit zu folgen.

"Da!", sagte sie plötzlich und streckte ihre Hand nach oben. Er stellte sich neben sie und dann sah er es auch. Der erste Schnee dieses Jahr fiel sanft auf sie nieder und es war egal, dass er sofort auf ihrer Kleidung schmolz. Es schneite, und seine kleine Schwester war da um es zu sehen.

"Komm", sagte er und hob sie auf seine Schulter. "Damit du näher am Himmel bist."

Für einen Moment drückte sie sich ganz eng an ihn, dann wuselte sie ihm durchs Haar und streckte ihre Hände den Schneeflocken entgegen soweit sie konnte.

Date: 2009-11-14 04:12 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Das ist soo süß!

Date: 2009-11-14 05:25 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Eeeeep!
Geschwister. *___*
Awwwww~!
Sehr, sehr schön und flauschig.

Date: 2009-11-16 01:10 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Das ist wirklich schön. Mit einer kleinen Flauschkugel im Schnee...

Date: 2009-11-16 08:20 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Erster Schnee ist toll. Und kleine Geschwister auch^^

Date: 2009-11-14 12:54 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Pannenhilfe

Fandom: Banana Fish

Date: 2009-11-14 07:59 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Sing stand zwischen Tür und Couch. Zwar hatte Yue-Len ihn nach drei gnädig gestimmten Gedanken doch noch eingeladen, Platz zu nehmen, auch wenn man danach das Möbelstück hätte wahrscheinlich in die Reinigung geben müssen, so wie Sing vor Dreck starrte, aber Sing verzichtete. Er starrte Yue-Len an und ignorierte Blanka, der im Sessel daneben saß und mit diesem Mädchen Teeparty spielte. Es fehlten nur noch die Teddies und die Puppen, schließlich hatte diese falsche Schlange keine Freunde.

Yue-Len hob eine Augenbraue und stellte seine Teetasse ab, die wahrscheinlich etwa so viel wert war wie Sings Leben. Je nach Standpunkt des Betrachters.
"Und du bist hier, weil..?"

Ganz schön blöd. Eigentlich hätte er einen Statusbericht abliefern sollen, was im revier vorgefallen war. Das übliche eben. Aber dazu waren SIng und Yue-Len meistens für sich, alleine. Da saß kein Schrank daneben, der Tee schlürfte, einen ansah, als wäre er eigentlich Bibliothekar und nicht Killer, und unschuldig anlächelte.

Alles an Blanka trieb Sing zur Weißglut. Er war viel zu groß! Er war so furchtbar sperrig! Und aufdringlich! ein richtiger Klufscheißer und eine Rampensau. Sowas konnte Sing ja schon mal gar nicht haben. Und was ihn noch alles aufregte, verdammt, dafür bräuchte er Stunden, um alles zusammenzukratzen und auflisten zu können.
Eben alles!

Da war es gleich noch viel schlimmer, seinen Bericht abzuliefern und Yue-Len gestehen zu müssen, dass etwas schief gelaufen war. Es war schon schwer genug sowas Yue-Len zu sagen, der entweder zickig, mürrisch, sauer oder herablassend wurde. Meistens alles zur gleichen Zeit, nacheinander und mit gemeinen Worten. es war jedes Mal aufs Neue eine Demütigung.
Und nun sollte er vor diesem Hulk gestehen, dass er Scheiße gebaut hatte?
Niemals!

"Können wir unter vier Augen reden?"

"Warum?" Yue-Len lehnte sich ins Samtpolster. "Ich vertraue Blanka voll und ganz."

"Ich aber nicht", presste Sing zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und vermied immer noch, Blanka anzusehen. Dieser hob nur erstaunt seinen Blick und lächelte verständnisvoll.

Date: 2009-11-14 07:59 pm (UTC)
From: (Anonymous)
"An mir sollte diese Konversation von scheinbar höchster Wichtigkeit nicht scheitern, Master Yue-Len. Wenn Sie erlauben, entferne ich mich nun." Blanka stellte ebenfalls seine Tasse ab und war schon drauf und dran aufzustehen, als Yue-Len herrisch seine hand hob.

"Ich hab etwas dagegen! Sing hat hier nichts zu bestimmen. Bleiben Sie ruhig Sitzen, Mr. Blanka."

Erbost starrte Yue-Len Sing in Grund und Boden und zersiebte ihn dabei in einem zug auch noch.

Er hatte es geahnt, aber- verdammt! Dieses zickige Mädchen!
Zögernd begann Sing seinen üblichen Bericht zu halten. Er stecke wie ein bockiges Kind seine Hände in die Hosentaschen dabei und kümmerte sich nun auch nicht mehr um große Höflichkeit, weil Yue-Len ihn einfach nur anpisste. Und Blanka noch viel mehr!
Als er zum Maleure kam, begann er langsam ins Schleudern und Drucksen zu kommen. Mit größter Mühe umschrieb er es so gut wie möglich, um sich in ein besseres Licht zu stellen, als es klingen mochte.
"Jedenfalls... Ist er noch am Leben. Und weil der Sack in dein Gebiet fällt, wollte ich mit dir den weiteren verlauf absprechen. Kann den ja schlecht nochmal versuchen abzumurksen, wo das alte Alibi schon im Arsch ist. ...Vorschläge?"

Es machte Sing nervös, wie ihn die zwei Augenpaare musterten, bis Yue-Len zu kichern begann. Er beugte sich etwas vor und lächelte verschlagen.
"Ach, Sing, Sing... Wieso wusste ich nur, dass du nicht ganz der Mann bist, der du gern sein würdest? Shorters Schuhe sind dir eben immer noch zu groß, oder? Aber keine Sorge - um diese Angelegenheit werden Mr. Blanka und ich uns kümmern." Er legte Blanka demonstrativ kurz die Hand aufs Knie und sah dabei Sing weiterhin mit seinem süßlich giftigen Lächeln an. "Bedank dich danach bei ihm artig, Sing, wenn er deinen Job erledigt hat."

Sing spürte seinen Puls pochen und es rauschte in den Ohren. Seine Zähne waren so fest zusammengepresst, dass er glaubte, sie müssten zusammenwachsen bei so viel Druck. Es knirschte kurz und er versuchte durchzuatmen, aber es ging einfach nicht.

Blanka sah ihn liebenswert an, zuckte mit den Schultern und meinte ohne jeglichen bösen Unterton: "Sieh es als Pannenhilfe. Sowas kann doch jedem passieren."

MIR ABER NICHT!!!
Sing platze der Kragen. Schnaubend drehte er sich um, maulte ein "Viel Spaß noch!" und verließ das Zimmer. Wenigstens beherrschte er sich noch so weit, dass er die Tür hinter sich schloss und nicht zuknallte. Sowas würde schließlich nur Yue-Len machen.

Date: 2009-11-15 03:38 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Awwwww~!
Sing!
Baby! *ihn flausch knuddel und wudel* Lass dich nicht unterkriegen! Die Bitch spielt doch nur mit dir und macht dich mit Blanka, dem geilen Stück eifersüchtig. Aber eigentlich will sie doch nur diiich! *fluff*

Date: 2009-11-14 12:56 pm (UTC)
From: (Anonymous)
5 (mehr oder weniger gute) Ausreden

5 Ausreden zum Leben

Date: 2009-11-15 04:56 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Sie stand am Friedhof, den Kopf andächtig gesenkt, in den Händen ein mitgenommenes, tränenfeuchtes Taschentuch. Alles an ihrer gebeugter Gestalt druckte Trauer aus, die dünnen, viel zu fest zusammengepressten Lippen, die glanzlosen Augen, starr auf das frische Grab vor ihr gerichtet.
Alleine die Sonne beteiligte sich nicht an der trüben Stimmung. Das helle, herzlose Licht spottete menschlicher Einsamkeit und zeigte keinerlei Betroffenheit, nur sorglose Freude angesichts des abrechnenden Frühlings.

Warte auf mich, Liebling, nur noch einige Wochen, bis dein Buch vollendet ist. Ich darf dein Werk nicht im Stich lassen.. und ich werde dich nicht enttäuschen, wenn wir uns auf der anderen Seite wieder sehen.

Zuerst war das Schreiben ihr zuwider. Alles erinnerte an den Toten: die sorgfältig nach Farben geordneten Stifte für die Randnotizen bei Korrekturlesen, die tiefsinnigen Titel der Textdokumente der ersten Fassung des Romans. Alles erinnerte an Sam. An sein mildes Lächeln. An die formlose Masse toten Fleisches, die sie nach dem Unfall hatte als ihren Ehemann identifizieren müssen. „So jung und schon Witwe“, konnte sie in den gleichgültigen Augen der Leichenschauhausarbeiter lesen. Die Bäume auf dem Heimweg tuschelten verhalten über ihr Unglück und schüttelten missbilligenden die frischen Laubkronen. „Wie schade, er war so ein viel versprechender junger Mann“, die auswendig gelernte Beileidbekündigung der Freunde und Bekannten. Keiner wusste wie sehr sie ihn wirklich vermisste, keiner! Ohne ihn konnte und wollte sie nicht leben, trank einer Kaffeetasse nach der anderen und korrigierte pflichtversessen, beinahe hasserfüllt die Rohfassung seines Romans.

Bald bin ich bei dir, Liebling, ich muss nur ganz kurz warten, bis einer der Verlage unser Werk einnimmt. Danach werde ich Abschied von dem Leben nehmen... Aber vorher muss ich sicher gehen, dass die Welt deine Worte hören wird. Alle, ausnahmslos alle sollen erfahren, was für ein wunderbarer Mensch du warst, welche geniale Visionen du hattest... ach, Liebling, ich tue es nur für dich...

Es war ein harter Kampf, das Erstlingswerk eines unbekannten Autors zu veröffentlichen. Ein Bekannte riet ihr, das Buch auf ihrem Namen zu veröffentlichen – die Chancen das Buch eines Toten zu verkaufen, standen zwar besser, doch sie wollte ja nicht, dass sein Roman alleine wegen der dramatischen Umstände berühmte wurde. Die Menschen sollten den wahren Sinn hinter seinen Worten verstehen, sich von der Tiefe der erdachten Gefühle berühren lassen... und sie war ein erstklassiger Redakteur gewesen, nahm es auf sich, den Wortlaut und die Handlung zu ändern, um seine Gedanken der Welt begreiflicher zu machen. Sam hatte einen Götterfunken in sich, er war großartig, ein Talent ohnegleichen. Doch damit die Menschen seine Worte hören konnten, war sie gebraucht – ein bescheidenes, kleines Wesen, das nur deshalb noch am Leben war, weil sie eine Aufgabe zu erfüllen hatte...

Ach, Liebling, wenn du nur gewusst hättest, was für geldgierige Monstern die Verlagsmänner sind! Sie weigern sich, deine Geschichte zu veröffentlichen, ehe ich sie ändere. Verbesserungsvorschläge nennen sie das! Aber ich bleibe ja schon ruhig, Sam, ich weiß, du würdest es nicht wollen, dass ich aufgebe oder mich von ihnen entmutigen lasse. Ich tue alles, damit du stolz auf mich bist, alles, Liebling!

Die nächsten Tage nach der Veröffentlichung vergingen wie im Fieber: Gedanken und Pläne ihres Selbstmordes wechselten sich mit fieberhafter Erregung und Durchsuchen der Zeitungskritiken ab. Sie wartete auf das letzte Zeichen, das sie von dem Tod trennte. Von ihrem Liebsten, von seiner dunklen, süßen Umarmung. Aber vorab musste sie die erste Rezension abwarten – Sam würde sicher wissen wollen, wie sein Werk ankam. Ob die Menschheit schon bereit war seine Stimme zu vernehmen oder ob sein Bemühen, sie zu überzeugen, zu ihnen durch die dicke Schicht der Selbstverblendung und Heuchelei zu durchdringen, verfrüht und unwillkommen war. Sie wartete und trank Kaffee und kaufte eine Kunstzeitung nach der anderen, bis sie endlich das erste Urteil der Fachmänner las.

Date: 2009-11-15 04:59 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Ach, Liebster, wie sehr wünsche ich mir, dass du diesen Augenblick noch erleben könntest! Sie waren begeistert gewesen, weißt du? Sie hatten dich, deine Wortwahl, deine subtile, sanfte Art den Leser zu verzaubern, endlich zu würdigen gewusst! Zwar gab es einige Kleinigkeiten, die ihnen anscheinend noch nicht perfekt genug waren – aber du weißt ja, wie es mit den Kritikern ist, sie brauchen immer etwas auszusetzten, sonst wären ja arbeitslos. Aber ungeachtet dessen war es eindeutig ein Erfolg!... Ich kann es kaum erwarten, dir davon zu berichten, zu sehen, wie sehr du dich freuen wirst, endlich bei dir zu sein... nur muss ich mich zu guter Letzt noch um eine Kleinigkeit kümmern, du weißt ja noch, wie das Leben war, Liebling. Immer hat man etwas, das einem neue Hindernisse zu Füßen legt. Aber nach dem wir dein Buch verfilmt haben, werde ich ganz bestimmt zu dir kommen!

Der Vorschlag kam unvermittelt und unterbrach ihr Sinnen nach einer geeigneter Selbstmordmethode.Und ein Brief auf Hollywood ist etwas, das man am liebsten noch vor dem Tod öffnet, statt als Engel herumzurätseln, womit die Traumfabrik einen wohl in die Versuchung führen wollte. Es war eine einmalige Chance... Die Menschen heutzutage waren so oberflächlich, so leicht manipulierbar geworden. Kaum jemand las noch. Alles, was sie noch wollten, waren Fertiggerichte, durchgekaute Gedanken, einfache Unterhaltung. Leicht erreichbar und konsumfertig verpackt. Es würde nicht einfach sein, den Regisseur zu überzeugen, wie er den Film zu drehen hatte, damit nichts von dem Zauber der geschriebenen Worte verflog und gleichzeitig der verborgene Sinn zugänglicher für die Welt wurde. Das war sie Sam noch schuldig – er würde doch auch wollen, dass alle die Möglichkeit hatten an seinen Visionen teilzuhaben. Und seit sie alleine lebte, hatte sie wenig Sachen um für eine Reise nach Hollywood zu packen...

Ach, Sam.... Die Welt ist doch verrückt; wie gut du es hast, sie schon hinter die gelassen haben. Bald, bald schon werde ich bei dir sein, das spüre ich ganz deutlich in letzter Zeit! Die Filmindustrie ist grausam, doch seltsam faszinierend: Ihre Arbeiter erschaffen Träume wie aus dem Nichts. Aus Pappmasche, aus Plastik und Farbe erwachen über Nacht ganze Welten und Galaxien... Und ich werde dafür sorgen, dass sie auch dein Buch zum Leben erwecken! Der Regisseur hat sich überraschenderweise als ein sehr netter Mann erwiesen. Er erinnert mich an wenig dich, Liebling. Er hat auch dieses glühende Feuer in den Augen, wenn er von seiner Leidenschaft spricht, den gleichen Wunsch die Welt zu verändern, und fesselnd blaue Augen – fast so schön wie deine .... aber sobald wir mit den Drehen fertig sind, werde ich ihn verlassen müssen. Ich hoffe... Ach, Liebling, gib mir nur etwas Zeit, die Filmproduktion zu Ende zu verfolgen, danach komme ich zu dir und wir werden endlich wieder zusammen sein... Ach, Liebster, ich kann es auch kaum abwarten, aber davor muss ich noch...

Date: 2009-11-14 01:00 pm (UTC)
From: (Anonymous)
"I will protect and defend."

Merlin-Drabble

Date: 2009-11-15 01:32 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Ich hab' die Nacht geträumet,
Von einer Wache und Gwen zurückgehalten konnte Morgana nur Arthur nachsehen, wie er festen Schrittes dem Monster mal wieder entgegen trat. Mal wieder, immer wieder. Sie konnte und wollte das nicht mehr sehen. Zwar stand Merlin ihm bei, aber würde es immer gut gehen?
Wohl einen schweren Traum;
Morgana fürchtete jede Nacht, in der sie von Arthurs kaltem Leichnam träumen konnte.
"Lady Morgana", murmelte Gwen ihr zu und wollte sie aus ihren Gedanken reißen, um sie etwas mehr zu beruhigen. "Er wird siegen und zurückkehren."
Es wuchs in meinem Garten
Ein Rosmarienbaum.

"Gwen~" Selbst für sie klang ihre Stimme dünn und zerbrechlich. Ein Kloß in ihrem Hals schnürte ihr die Luft ab.
Ein Kirchhof war der Garten,
Es waren die Schemen in ihrem Kopf, die ihr Angst machten bei dem Anblick, der sich ihr bot. Sie wusste nicht, woher sie sie kannte, aber Morgana wagte es nicht mit einem alten Traum zu verbinden.
Das Blumenbeet ein Grab,
Gwens Griff um ihre Schultern wurde fester, je schwächer Morgana sich fühlte. Sie schloss ihre Augen udn versuchte zu atmen, doch all ermühte Ruhe wurde von den Schreien und Rufen der Bestie weggeblasen.
Und von dem grünen Baume
Arthurs gerufenen Befehle hallten über die allgemeine Unruhe hinweg. Jede Sekunde zog sich hin wie eine Ewigkeit, jeder Schrei eines Verletzten und Getöteten ließen Morganas Magen umdrehen. Sie konnte doch so viel gefasster sein - was war nur mit ihr? Ein letztes Mal sah sie auf, sah zu ihm, als die Bestie ihn traf und sie ein kaltes Gefühl packte. Es wurde rot und schwarz und kalt und laut. Dann stumm.
Fiel Kron und Blüten ab.

Re: Merlin-Drabble

Date: 2009-11-15 03:34 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Oh, wie traurig.
Aber schön geschrieben. Daumen hoch!

Date: 2009-11-15 05:01 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Versagen für Anfänger

Date: 2009-11-15 10:17 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Judith kneifft die Augen zusammen, um zwischen dem strömenden Regen und den sich auf der Fahrbahn spiegelnden Lichtern die Straßenmarkierungen zu erahnen. Sie hasst es im Dunkeln Auto zu fahren. Und bei Regen. Und auf einer Autobahn voller enger Baustellen sowieso.
Georg seufzt zum dritten Mal in Folge und trommelt entgegen des Taktes mit Zeige- und Mittelfinger gegen die Scheibe. Im Radio laufen stündlich die gleichen Lieder.
„Das wird wohl nichts.“

Judith zuckt mit den Schultern, während Sandra auf dem Rücksitz beschliesst lieber Schlaf vorzutauschen, anstatt sich an diesem Gespräch zu beteiligen.
„Wenn wir eh durchfallen, sollten wir vielleicht gar nicht erst hingehen.“ Georg spricht weiter mit sich selbst. „Viel können wir bis morgen auch nicht mehr lernen. Und da dieses verdammte Buch nirgends aufzutreiben ist…“

„Ich wollt schon immer mal nach Berlin.“ Judith blinkt, um die Spur zu wechseln.
Sandra setzt sich abrupt auf. „Wir können doch nicht…“
„Warum?“ Judith zeigt auf das blaue Autobahnschild. Seine Verheißung: Berlin 259km.
Georg hat aufgehört gegen die Scheibe zu klopfen. „Die nächste Ausfahrt müssen wir eigentlich raus…Also?“
Sandra wiegt ihre Alternativen ab. Ohne das Buch auch nur annährend gelesen zu haben, erscheint ihr die Chance bestehen zu können, äußert gering.
„Berlin!" Sie nickt. "Das gelobte Land…“

Date: 2009-11-15 10:30 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Sehr cool! Will ich das nächste Mal auch machen *G*

Date: 2009-11-15 11:09 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Alle Wege führen nach Berlin *g* Aber ich mag den Stil, so herrlich studentlike ^^
*Daumen nach oben*

Date: 2009-11-15 05:55 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Eine Bar, Regen, Jazz, Whisky und alles was dazu gehört~ Ja nach Wunsch mit 30iger-Jahre-Mafia-Flair und eine Portion Zynismus.

Date: 2009-11-16 11:39 am (UTC)
From: (Anonymous)
Prinzessin auf der Erbse

Date: 2009-11-16 01:07 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Lass mich einfach schlafen.

Date: 2009-11-17 01:31 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Modellvorstellung

Date: 2009-11-17 01:34 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Mathematik

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