Leiiicht zu spät angefangen.
Apr. 8th, 2007 10:38 pmFandom: Originale. - Die wunderbare Welt des Lucien R.
Challenge: Erpressung
Warnungen: Heute nicht
Wörter: 1.703
Charaktere: Frédérique, Lucien
Pairing: Lucien x Frank? Lucien x Björn? Lucien x überhaupt irgendwas? ...Naah.
A/N: Die Idee ist Morwens... Irgendwie. Danke.^^ Und sonst... äh, ich erwähne eine Poolparty und ein Foto.
Eigentlich ist nur wichtig zu wissen: Es ist auf dieser Party nichts gelaufen, außer was Lucien ohnehin zugibt, und auf dem Foto hat sich der schlafende Frank an den ebenfalls schlafenden Lucien gekuschelt. Reicht.
- Oh und ich habe tatsächlich ungefähr zwei Stunden geschrieben. :)
„Lucien, Telefon für dich!“
„Ich bin nicht da.“
„Himmel! – Wo solltest du bitte sonst sein?“
„Weg. Tot. Bei meiner Freundin.“
„Brüderchen, es ist Susanne.“
„Dann... sag ihr, dass ich ne andere hab.“
„Tut mir leid, er ist nicht da. Mutter hat ihn zum Einkaufen gezwungen. – Ja, ciao.“ Frédérique legte auf und trat zu ihrem Bruder nach draußen auf den Balkon. Lucien lehnte an der Brüstung und rauchte. Irgendwie kam sie immer noch nicht damit klar, dass er vor einiger Zeit spontan damit angefangen hatte, einfach, weil so etwas wie ein Grund fehlte, aber... Sie konnte ohnehin nichts daran ändern, nicht wahr?
Sie stellte sich neben ihn. „Was wird das, wenn’s fertig ist?“
Lucien sah sie nicht einmal an. „Wie meinen?“
„Was soll das? Susanne ist doch wirklich ein nettes Mädchen. Hübsch, intelligent, sarkastisch genug um dich zu ertragen... Sogar Vater mag sie. – Also, warum redest du seit ner Woche nicht mehr mit ihr? Willst du es dir versauen?“
Er gab ein merkwürdiges Geräusch von sich. Im ersten Moment dachte sie tatsächlich, dass es ein unterdrücktes Schluchzen war. War es natürlich nicht.
Er lachte.
„Lucien?“
„Ehrlich... Ich habe es schon versaut. Ich hab Schluss gemacht.“
Für einen Augenblick sah sie ihn einfach nur an. Sah ihn an und fragte sich, womit sie diesen Bruder verdient hatte. Was in seiner Erziehung schief gelaufen war. „Warum?“
Er blies genüsslich Rauch in die Luft. „Weil... Gott, warum macht man mit jemandem Schluss?“
Frédérique schüttelte den Kopf. „Ehrlich, du begreifst es nicht, oder? – Die Zahl der Frauen, die es mit dir aushalten können tendiert gegen Null! Susanne war... perfekt, verflucht! Erzähl mir nicht, dass du dieses Kribbeln in der Magengegend verloren hast! Ich weiß, dass du sie magst. Ich weiß es.“
„Mag sein.“ Er fuhr sich fahrig durchs Haar. „Mag ja wirklich sein, aber es funktioniert nicht. Ich kann doch nicht vor ihr stehen, sie ansehen und mich fragen, was das soll. Okay, sie ist die erste, die mich nicht nervt. Eventuell mag ich sie sogar, aber... was soll’s? Wofür eine Beziehung? – Ich will ja nicht mal auf Teufel komm raus mit ihr ins Bett... Also, warum den Scheiß?“
Sie schüttelte einfach nur den Kopf. Eigentlich hätte sie es wissen müssen. ...Bislang hatte Lucien seine Freundinnen danach ausgewählt, dass sie ihn auch ja nach spätestens einem Monat nicht mehr ertrugen. Susanne hatte vier geschafft. Das war wahrscheinlich mehr Glück, als Lucien ertragen konnte.
„Wenn du einen Sinn suchst, kannst du dann nicht wenigstens darauf warten, dass du dich verliebst?“
Er starrte sie an, als hätte sie gerade etwas ausgesucht widerliches aus dem Blumentopf gezogen und gegessen. „Ich... Scheiße, ich hab’s doch versucht. Sie wollte was von mir, nicht... Scheiße, ich hab’s echt versucht.“
„Warum? Weil das alle so machen?“
Er zuckte mit den Achseln. „Wahrscheinlich?“ Er ließ die Zigarette fallen und trat sie aus, bevor er wieder im Haus verschwand.
Frédérique war noch heulen zu mute. – Irgendwie hatte sie gehofft, dass Lucien wenigstens das von alleine schaffen würde... Aber irgendwie... er schaffte es wirklich alles zu versauen. So sozialinkompatibel konnte eigentlich kein Mensch sein.
Seine Finger zitterten leicht, als er an der Zigarettenschachtel herum nestelte.
„Ehrlich, ich wünschte, du würdest das aufgeben...“
„Hab doch grad erst angefangen...“ Wahrscheinlich war das so etwas wie Lucien-Logik, jedenfalls funktionierte diese Begründung für ihn ganz wunderbar.
Sie seufzte. „Was ist da auf dieser Party eigentlich passiert?“
„Welche Party?“
„Die Poolparty bei Uli. Du hast am Abend nach dieser Party angefangen zu rauchen...“
Er zuckte mit den Achseln. „Wirklich? Oh.“ Mit inzwischen viel zu geübten Handbewegungen steckte er sich die Zigarette zwischen die Lippen und zündete sie an. „An so was erinnerst du dich?“
Fast war sie geneigt, ihm abzukaufen, dass er sich tatsächlich nicht daran erinnerte, dass tatsächlich kein Zusammenhang zwischen dem Rauchen und der Party vor über einem Jahr stand... Allerdings nur fast. Sie suchte immer nach Gründen. Und für gewöhnlich tat Lucien nichts ohne einen verdammt guten Grund dafür zu haben.
„Weißt du, ich mache mir nur Sorgen um dich.“
„Solltest du nicht, wirklich nicht.“
„Du solltest auch nicht mit achtzehn anfangen zu rauchen, wunderbaren Mädchen grundlos den Laufpass geben uns insgesamt eine verkrachte Existenz sein, bevor du überhaupt mit dem Studium angefangen hast.“
Er grinste. „Touché.“
Irgendwie nahm er das nicht so ernst, wie er sollte. ...Wahrscheinlich war er deshalb ein Zwilling... Damit er jemanden hatte, der sich für ihn Gedanken um sein Leben machte.
Sie holte ihr Portemonnaie aus der Tasche, um ihre Cola zu bezahlen, und weil sie mit einem einsilbigen rauchenden Bruder am selben Tisch nicht viel anderes zu tun hatte, sah sie sich den Inhalt genauer an. Kinokarten aus drei Jahren, ein paar Kassenzettel, eine Zuckertüte aus einem französischen Café, Fotos von ihrer kleinen Nichte und... Sie zog das gefaltete Foto hinter ihrem Personalausweis hervor. Klappte es auf.
Das... war es.
Gott, wie hatte sie die ganze Zeit nur so blind sein können... Irgendjemand hatte ihr mal erzählt, dass Lucien angetrunkenerweise irgendwann verzweifelt mit Björn, dem Stufengenie, rumgeflirtet hatte. Sie hatte das lachend abgetan. Ernsthaft: Lucien? Flirten? – Nicht wirklich.
Aber eigentlich... es machte Sinn. Lucien hatte sich nie für Mädchen interessiert, das mit den Freundinnen funktionierte bei ihm auch nicht wirklich, und eigentlich... war er fixiert. Das mit Degener war eindeutig nicht nur eine Feindschaft aus Tradition. Lucien konnte weite Teile der Weltbevölkerung nicht ausstehen, und dann ignorierte er sie einfach... Alle, außer Frank Degener.
Wie hatte sie das übersehen können? Was war sie eigentlich für eine Schwester?
Und jetzt hielt sie dieses Foto in der Hand. Von Ulis Poolparty. Vom Morgen, bevor Lucien angefangen hatte zu rauchen... Damals, als sie es gemacht hatte, hatte sie es lediglich für süß gehalten. Und natürlich einen guten Weg wahlweise ihren Bruder oder Frank zu erpressen... erst jetzt begriff sie es wirklich. Verflucht.
Hatte Lucien nicht auch nach dieser Party angefangen, sich mit Mädchen zu treffen? Das war ihr Bruder. Eindeutig. Verzweifelte darüber, dass er verliebt war, und versuchte es einfach zu verdrängen...
„Ich weiß übrigens, was passiert ist.“
Lucien sah von seinem Bier auf. „Wann?“
„Auf der Party.“
„Wovon sprichst du, Schwesterchen?“
Sie legte das Foto vor ihn auf den Tisch. „Davon.“
Seine Reaktion entsprach nicht im mindesten der, die sie erwartet hatte, aber andererseits reagierte Lucien auf nichts so, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre.
Er hatte die Augen zusammengekniffen und biss sich auf die Unterlippe.
„Was ist das?“
„Ein Foto. Von der Party. ...Du erinnerst dich?“
„Nein, glücklicherweise nicht.“ Panik stand in seinen Augen. „Verflucht, wann hast du das gemacht?“
„Kurz bevor ich dich geweckt habe.“
„Pack das weg!“
Sie schüttelte den Kopf. „Es ist doch nichts schlimmes, Lucien. Ich versteh nur nicht, wie ich das nicht bemerken konnte.“
Er griff nach dem Foto, sie zog es weg. Er war wirklich panisch. „Wie du was nicht bemerkt hast?“
„Na, dass du... schwul bist.“
Lucien sah sie an. „Ich bin nicht schwul.“
„Das ist in Ordnung, Lucien, wirklich. Es ist vollkommen egal. Wenn du Frank liebst...“
„Wie bitte?!“
„Also...“
Lucien griff erneut nach dem Foto. Schon aus Reflex zog sie es wieder weg. „Du missverstehst das total... Ich. Und Degener. – So was kannst du doch gar nicht glauben!“
„Hör auf... Es passt alles zusammen. Oder willst du mir etwa sagen, dass ihr hier“, sie hob das Foto noch einmal, „nicht die Nacht miteinander verbracht habt?“
„Gott, wir sind stundenlang Bahnen geschwommen und dann haben wir noch was getrunken und sind halt eingeschlafen... Das heißt gar nichts!“
Frédérique schüttelte bloß den Kopf. Natürlich gab er so etwas nichts zu. Aber es machte mehr und mehr Sinn. Eigentlich machte nichts mehr Sinn, wenn es nicht so war.
„Lucien... Selbst wenn es nicht Degener sein sollte“ – Und er war es, das wusste sie. – „selbst wenn du es noch nicht selber weißt... Du hast noch nie auf Frauen gestanden, oder? Wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit?“
„Ich stehe auf Frauen.“
„Verarsch dich nicht selbst. – So sehr kannst nicht mal du Beziehungen versauen, ohne noch einen Grund dafür zu haben.“
„Dann kann ich immer noch asexuell sein.“ Jetzt klang er beinahe wie ein Kind.
Frédérique lächelte nur. Das machte seinen Standpunkt nicht wirklich überzeugender. – Gut, die Vorstellung, dass Lucien irgendjemanden wirklich so lieben könnte, war seltsam. Dass das dann anders aussähe als seine Beziehung zu Frank war vollkommen absurd. Und sie wusste, dass er nie freiwillig über seinen Schatten springen würde. Gut, dass Gewalt eine Lösung war.
„Aber das wäre ein bisschen trostlos, oder?“
Er zündete sich eine neue Zigarette an. „Worauf willst du hinaus?“
„Vielleicht solltest du es einfach mal probieren. In den Schwulenclub beim Bahnhof gehen, nen hübschen Kerl abschleppen, einfach die Dinge mal auf dich zukommen lassen...“
„Du stehst auf den Gedanken, ne Schwuchtel zum Bruder zu haben, oder?
Sie verdrehte die Augen. „Nein, ich will, dass du glücklich wirst...“
„Gut. Dann überlass mir das und verschone mich mit deinen abstrusen Theorien. Und gib mir dieses Foto, verflucht.“ Die Panik stieg ihm wieder in die Augen.
Ihr Grinsen schien ihn nicht zu beruhigen. Gut so, so war es auch nicht gedacht. „Och, nein, ich behalte das, denke ich. Es ist hübsch, nicht wahr? Und wenn du dich nicht selbst darum kümmerst, deinen... Horizont zu erweitern, könnte das hier andere wenigstens auf den Gedanken bringen. Was meinst du, würde Björn das noch in die Abizeitung kriegen?“
Seine Augen weiteten sich. „Degener würde dich verklagen!“
„Och, das wird man sehen...“
Er zog an seiner Zigarette, verschluckte sich dabei fast. „Das würdest du nicht tun, oder? Frédérique... Das ist nur ein Scherz, oder?“
„Warum denn so panisch? Frank würde ja nichts neues erfahren...“
„Frédérique...!“
Sie grinste ihn an. Und dachte einen Moment lang sogar tatsächlich darüber nach, sich schlecht zu fühlen. „Ich meine, Gott, wenn du es alleine hinkriegst, dich mit deiner Sexualität auseinander zu setzen, dann... bräuchte das natürlich nicht veröffentlicht werden...“
Er sah sie an und sah dabei aus als stünde er kurz davor, ihr den Hals umzudrehen. Vielleicht war sie wirklich etwas weit gegangen... „Was willst du?“
Ihr Grinsen hätte inzwischen ganze Straßenzüge erleuchten können... „Oh, so für den Anfang einen Besuch in diesem Club.“
„Ich hasse Clubs... und dich. Hörst du, ich hasse dich.“
Sie lächelte. „Ja ja, Brüderchen.“
„Wenn... also wenn ich wirklich... Scheiße, das Foto kriegt nie jemand zu sehen, klar?“
Frédérique strahlte. „Klar...“
Challenge: Erpressung
Warnungen: Heute nicht
Wörter: 1.703
Charaktere: Frédérique, Lucien
Pairing: Lucien x Frank? Lucien x Björn? Lucien x überhaupt irgendwas? ...Naah.
A/N: Die Idee ist Morwens... Irgendwie. Danke.^^ Und sonst... äh, ich erwähne eine Poolparty und ein Foto.
Eigentlich ist nur wichtig zu wissen: Es ist auf dieser Party nichts gelaufen, außer was Lucien ohnehin zugibt, und auf dem Foto hat sich der schlafende Frank an den ebenfalls schlafenden Lucien gekuschelt. Reicht.
- Oh und ich habe tatsächlich ungefähr zwei Stunden geschrieben. :)
„Lucien, Telefon für dich!“
„Ich bin nicht da.“
„Himmel! – Wo solltest du bitte sonst sein?“
„Weg. Tot. Bei meiner Freundin.“
„Brüderchen, es ist Susanne.“
„Dann... sag ihr, dass ich ne andere hab.“
„Tut mir leid, er ist nicht da. Mutter hat ihn zum Einkaufen gezwungen. – Ja, ciao.“ Frédérique legte auf und trat zu ihrem Bruder nach draußen auf den Balkon. Lucien lehnte an der Brüstung und rauchte. Irgendwie kam sie immer noch nicht damit klar, dass er vor einiger Zeit spontan damit angefangen hatte, einfach, weil so etwas wie ein Grund fehlte, aber... Sie konnte ohnehin nichts daran ändern, nicht wahr?
Sie stellte sich neben ihn. „Was wird das, wenn’s fertig ist?“
Lucien sah sie nicht einmal an. „Wie meinen?“
„Was soll das? Susanne ist doch wirklich ein nettes Mädchen. Hübsch, intelligent, sarkastisch genug um dich zu ertragen... Sogar Vater mag sie. – Also, warum redest du seit ner Woche nicht mehr mit ihr? Willst du es dir versauen?“
Er gab ein merkwürdiges Geräusch von sich. Im ersten Moment dachte sie tatsächlich, dass es ein unterdrücktes Schluchzen war. War es natürlich nicht.
Er lachte.
„Lucien?“
„Ehrlich... Ich habe es schon versaut. Ich hab Schluss gemacht.“
Für einen Augenblick sah sie ihn einfach nur an. Sah ihn an und fragte sich, womit sie diesen Bruder verdient hatte. Was in seiner Erziehung schief gelaufen war. „Warum?“
Er blies genüsslich Rauch in die Luft. „Weil... Gott, warum macht man mit jemandem Schluss?“
Frédérique schüttelte den Kopf. „Ehrlich, du begreifst es nicht, oder? – Die Zahl der Frauen, die es mit dir aushalten können tendiert gegen Null! Susanne war... perfekt, verflucht! Erzähl mir nicht, dass du dieses Kribbeln in der Magengegend verloren hast! Ich weiß, dass du sie magst. Ich weiß es.“
„Mag sein.“ Er fuhr sich fahrig durchs Haar. „Mag ja wirklich sein, aber es funktioniert nicht. Ich kann doch nicht vor ihr stehen, sie ansehen und mich fragen, was das soll. Okay, sie ist die erste, die mich nicht nervt. Eventuell mag ich sie sogar, aber... was soll’s? Wofür eine Beziehung? – Ich will ja nicht mal auf Teufel komm raus mit ihr ins Bett... Also, warum den Scheiß?“
Sie schüttelte einfach nur den Kopf. Eigentlich hätte sie es wissen müssen. ...Bislang hatte Lucien seine Freundinnen danach ausgewählt, dass sie ihn auch ja nach spätestens einem Monat nicht mehr ertrugen. Susanne hatte vier geschafft. Das war wahrscheinlich mehr Glück, als Lucien ertragen konnte.
„Wenn du einen Sinn suchst, kannst du dann nicht wenigstens darauf warten, dass du dich verliebst?“
Er starrte sie an, als hätte sie gerade etwas ausgesucht widerliches aus dem Blumentopf gezogen und gegessen. „Ich... Scheiße, ich hab’s doch versucht. Sie wollte was von mir, nicht... Scheiße, ich hab’s echt versucht.“
„Warum? Weil das alle so machen?“
Er zuckte mit den Achseln. „Wahrscheinlich?“ Er ließ die Zigarette fallen und trat sie aus, bevor er wieder im Haus verschwand.
Frédérique war noch heulen zu mute. – Irgendwie hatte sie gehofft, dass Lucien wenigstens das von alleine schaffen würde... Aber irgendwie... er schaffte es wirklich alles zu versauen. So sozialinkompatibel konnte eigentlich kein Mensch sein.
Seine Finger zitterten leicht, als er an der Zigarettenschachtel herum nestelte.
„Ehrlich, ich wünschte, du würdest das aufgeben...“
„Hab doch grad erst angefangen...“ Wahrscheinlich war das so etwas wie Lucien-Logik, jedenfalls funktionierte diese Begründung für ihn ganz wunderbar.
Sie seufzte. „Was ist da auf dieser Party eigentlich passiert?“
„Welche Party?“
„Die Poolparty bei Uli. Du hast am Abend nach dieser Party angefangen zu rauchen...“
Er zuckte mit den Achseln. „Wirklich? Oh.“ Mit inzwischen viel zu geübten Handbewegungen steckte er sich die Zigarette zwischen die Lippen und zündete sie an. „An so was erinnerst du dich?“
Fast war sie geneigt, ihm abzukaufen, dass er sich tatsächlich nicht daran erinnerte, dass tatsächlich kein Zusammenhang zwischen dem Rauchen und der Party vor über einem Jahr stand... Allerdings nur fast. Sie suchte immer nach Gründen. Und für gewöhnlich tat Lucien nichts ohne einen verdammt guten Grund dafür zu haben.
„Weißt du, ich mache mir nur Sorgen um dich.“
„Solltest du nicht, wirklich nicht.“
„Du solltest auch nicht mit achtzehn anfangen zu rauchen, wunderbaren Mädchen grundlos den Laufpass geben uns insgesamt eine verkrachte Existenz sein, bevor du überhaupt mit dem Studium angefangen hast.“
Er grinste. „Touché.“
Irgendwie nahm er das nicht so ernst, wie er sollte. ...Wahrscheinlich war er deshalb ein Zwilling... Damit er jemanden hatte, der sich für ihn Gedanken um sein Leben machte.
Sie holte ihr Portemonnaie aus der Tasche, um ihre Cola zu bezahlen, und weil sie mit einem einsilbigen rauchenden Bruder am selben Tisch nicht viel anderes zu tun hatte, sah sie sich den Inhalt genauer an. Kinokarten aus drei Jahren, ein paar Kassenzettel, eine Zuckertüte aus einem französischen Café, Fotos von ihrer kleinen Nichte und... Sie zog das gefaltete Foto hinter ihrem Personalausweis hervor. Klappte es auf.
Das... war es.
Gott, wie hatte sie die ganze Zeit nur so blind sein können... Irgendjemand hatte ihr mal erzählt, dass Lucien angetrunkenerweise irgendwann verzweifelt mit Björn, dem Stufengenie, rumgeflirtet hatte. Sie hatte das lachend abgetan. Ernsthaft: Lucien? Flirten? – Nicht wirklich.
Aber eigentlich... es machte Sinn. Lucien hatte sich nie für Mädchen interessiert, das mit den Freundinnen funktionierte bei ihm auch nicht wirklich, und eigentlich... war er fixiert. Das mit Degener war eindeutig nicht nur eine Feindschaft aus Tradition. Lucien konnte weite Teile der Weltbevölkerung nicht ausstehen, und dann ignorierte er sie einfach... Alle, außer Frank Degener.
Wie hatte sie das übersehen können? Was war sie eigentlich für eine Schwester?
Und jetzt hielt sie dieses Foto in der Hand. Von Ulis Poolparty. Vom Morgen, bevor Lucien angefangen hatte zu rauchen... Damals, als sie es gemacht hatte, hatte sie es lediglich für süß gehalten. Und natürlich einen guten Weg wahlweise ihren Bruder oder Frank zu erpressen... erst jetzt begriff sie es wirklich. Verflucht.
Hatte Lucien nicht auch nach dieser Party angefangen, sich mit Mädchen zu treffen? Das war ihr Bruder. Eindeutig. Verzweifelte darüber, dass er verliebt war, und versuchte es einfach zu verdrängen...
„Ich weiß übrigens, was passiert ist.“
Lucien sah von seinem Bier auf. „Wann?“
„Auf der Party.“
„Wovon sprichst du, Schwesterchen?“
Sie legte das Foto vor ihn auf den Tisch. „Davon.“
Seine Reaktion entsprach nicht im mindesten der, die sie erwartet hatte, aber andererseits reagierte Lucien auf nichts so, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre.
Er hatte die Augen zusammengekniffen und biss sich auf die Unterlippe.
„Was ist das?“
„Ein Foto. Von der Party. ...Du erinnerst dich?“
„Nein, glücklicherweise nicht.“ Panik stand in seinen Augen. „Verflucht, wann hast du das gemacht?“
„Kurz bevor ich dich geweckt habe.“
„Pack das weg!“
Sie schüttelte den Kopf. „Es ist doch nichts schlimmes, Lucien. Ich versteh nur nicht, wie ich das nicht bemerken konnte.“
Er griff nach dem Foto, sie zog es weg. Er war wirklich panisch. „Wie du was nicht bemerkt hast?“
„Na, dass du... schwul bist.“
Lucien sah sie an. „Ich bin nicht schwul.“
„Das ist in Ordnung, Lucien, wirklich. Es ist vollkommen egal. Wenn du Frank liebst...“
„Wie bitte?!“
„Also...“
Lucien griff erneut nach dem Foto. Schon aus Reflex zog sie es wieder weg. „Du missverstehst das total... Ich. Und Degener. – So was kannst du doch gar nicht glauben!“
„Hör auf... Es passt alles zusammen. Oder willst du mir etwa sagen, dass ihr hier“, sie hob das Foto noch einmal, „nicht die Nacht miteinander verbracht habt?“
„Gott, wir sind stundenlang Bahnen geschwommen und dann haben wir noch was getrunken und sind halt eingeschlafen... Das heißt gar nichts!“
Frédérique schüttelte bloß den Kopf. Natürlich gab er so etwas nichts zu. Aber es machte mehr und mehr Sinn. Eigentlich machte nichts mehr Sinn, wenn es nicht so war.
„Lucien... Selbst wenn es nicht Degener sein sollte“ – Und er war es, das wusste sie. – „selbst wenn du es noch nicht selber weißt... Du hast noch nie auf Frauen gestanden, oder? Wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit?“
„Ich stehe auf Frauen.“
„Verarsch dich nicht selbst. – So sehr kannst nicht mal du Beziehungen versauen, ohne noch einen Grund dafür zu haben.“
„Dann kann ich immer noch asexuell sein.“ Jetzt klang er beinahe wie ein Kind.
Frédérique lächelte nur. Das machte seinen Standpunkt nicht wirklich überzeugender. – Gut, die Vorstellung, dass Lucien irgendjemanden wirklich so lieben könnte, war seltsam. Dass das dann anders aussähe als seine Beziehung zu Frank war vollkommen absurd. Und sie wusste, dass er nie freiwillig über seinen Schatten springen würde. Gut, dass Gewalt eine Lösung war.
„Aber das wäre ein bisschen trostlos, oder?“
Er zündete sich eine neue Zigarette an. „Worauf willst du hinaus?“
„Vielleicht solltest du es einfach mal probieren. In den Schwulenclub beim Bahnhof gehen, nen hübschen Kerl abschleppen, einfach die Dinge mal auf dich zukommen lassen...“
„Du stehst auf den Gedanken, ne Schwuchtel zum Bruder zu haben, oder?
Sie verdrehte die Augen. „Nein, ich will, dass du glücklich wirst...“
„Gut. Dann überlass mir das und verschone mich mit deinen abstrusen Theorien. Und gib mir dieses Foto, verflucht.“ Die Panik stieg ihm wieder in die Augen.
Ihr Grinsen schien ihn nicht zu beruhigen. Gut so, so war es auch nicht gedacht. „Och, nein, ich behalte das, denke ich. Es ist hübsch, nicht wahr? Und wenn du dich nicht selbst darum kümmerst, deinen... Horizont zu erweitern, könnte das hier andere wenigstens auf den Gedanken bringen. Was meinst du, würde Björn das noch in die Abizeitung kriegen?“
Seine Augen weiteten sich. „Degener würde dich verklagen!“
„Och, das wird man sehen...“
Er zog an seiner Zigarette, verschluckte sich dabei fast. „Das würdest du nicht tun, oder? Frédérique... Das ist nur ein Scherz, oder?“
„Warum denn so panisch? Frank würde ja nichts neues erfahren...“
„Frédérique...!“
Sie grinste ihn an. Und dachte einen Moment lang sogar tatsächlich darüber nach, sich schlecht zu fühlen. „Ich meine, Gott, wenn du es alleine hinkriegst, dich mit deiner Sexualität auseinander zu setzen, dann... bräuchte das natürlich nicht veröffentlicht werden...“
Er sah sie an und sah dabei aus als stünde er kurz davor, ihr den Hals umzudrehen. Vielleicht war sie wirklich etwas weit gegangen... „Was willst du?“
Ihr Grinsen hätte inzwischen ganze Straßenzüge erleuchten können... „Oh, so für den Anfang einen Besuch in diesem Club.“
„Ich hasse Clubs... und dich. Hörst du, ich hasse dich.“
Sie lächelte. „Ja ja, Brüderchen.“
„Wenn... also wenn ich wirklich... Scheiße, das Foto kriegt nie jemand zu sehen, klar?“
Frédérique strahlte. „Klar...“
no subject
Date: 2007-04-08 09:25 pm (UTC)Ernsthaft, ich... woah! <3
Genau SO habe ich mir das ganze vorgestellt, genau so... nur dass ich es nie hätte so geil schreiben können. *____*
Ich liebe Frédérique, habe ich das schon mal gesagt? Die Frau ist toll. :D
...
Darf ich öfter deine Muse sein? ^^
no subject
Date: 2007-04-09 11:17 am (UTC)Ich hätte echt nicht erwartet, dass du soetwas mal schreibst (und ich bin Morwen dankbar dafür XD, weil... keine Ahnung. Ich hätte es einfach nicht erwartet. *brabb*
Aber es ist wirklich ziemlich geil. O___O Extrem geil geschrieben, ganz wunderbar gedacht und Frédérique ist ein böses Weib. XD Ich bewundere sie richtig. Sie wird mein Vorbild... *___*
A~aber (ja, es muss sein)... ich weiß, du magst Lucien mehr als Frank, nur... *Frank so sehr lieb* Machst du wieder was mit Frank, wenn dir das nächste Mal was einfällt. *auf Knien rutsch* ;_________; Frank ist doch soo~o toll. *schnief*
Huh, geil, ein tolles Stück. *klatsch*
no subject
Date: 2007-04-09 01:10 pm (UTC)...In irgendeiner Form hatte ich immer vor, dass Frédie (ich brauche einen Spitznamen für sie, und nur den einer Freundin mit einem é zu versehen ist... doof, aber ein i oder y sehen scheiße aus...) ihren bruder davon zu überzeugen versucht, dass er schwul ist. Und seit ich Björn "kenne"... glaube ich tatsächlich, dass er es auch ist. ;)
Ich will unbedingt was zu Frank schreiben. Aber mir fällt so wenig ein... Und die blöde Party habe ich aus seiner Sicht nicht geschafft. *drop*
Na ja, Morwen hat jetzt eine Festanstellung als meine Muse, also: Sehen wir mal weiter. ;)
no subject
Date: 2007-04-12 01:43 pm (UTC)Wesentlich mehr kann ich dazu grad nicht sagen ^^°
Frédérique ist wirklich sehr... offensiv. Andererseits käme sie bei Lucien anders auch nicht durch. Er tut mir ein bisschen Leid, weil er sich mit allem so schwer tut. Andererseits macht das nun wirklich seinen Charme aus.
@Spitzname: Rike oder so vllt?
no subject
Date: 2007-04-12 03:27 pm (UTC)Manchmal weiß ich nicht, wer von den beiden mir mehr leid tut... Gut, bei Lucien ist das offensichtlich, aber Frédérique wird darüber wahrscheinlich auch noch wahnsinnig. - Was auch immer.
Du bist genial! - Rike. Schlicht, einfach... toll.^__^ Danke. =)
love is in the air
Date: 2008-04-02 07:59 pm (UTC)ich liebe frédérique, weil sie einfach die beste schwester überhaupt ist, und als sherlock holmes nachwuchs echt versagt *prust*
ich lieb lucien, weil er verdrängung immer noch als adäquates mittel zur selbstverarsche ansieht.
und ich liebe dieses ominöse foto *kicher*
hast du deine jungs eigentlich wo komprimiert? so alle auf einmal?
Re: love is in the air
Date: 2008-04-04 01:55 pm (UTC)Vielen, vielen Dank!
Aber all auf einmal... Nein, ich denke nicht. Schade eigentlich...