[identity profile] tristraine.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original (Steampunk, Mara)
Challange: Eine Mischung aus # 4 Die Stilaufgabe und # 1 "Verlieren heißt nur, dass man etwas nochmal tun kann."
Wörter: 606
Anmerkungen: Falls ich bei Nano noch mal meine Steampunkgeschichte probieren würde, wäre dies der Anfang ^_~ Die Chill-Out-Lounge hat mich motiviert.

Der Weg ist staubig in dieser Öde, dieser fast Wüste, und nichts, wirklich gar nichts um mich herum passiert. Der Wind wirbelt ein wenig Staub auf und ich habe das Gefühl, als würde ich ihn mit jedem Atemzug tief in mich hineinsaugen. Ich sitze im nirgendwo und warte darauf, dass der Kunde kommt. Nie sind sie pünktlich.


Die Albatross ist längst verschrottet. Ich dachte immer, dass eine von Madame Medcins abenteuerliche Entdeckungen oder eine von Hugos Erfindungen oder vielleicht auch Luftpiraten die einzigen Umstände wären, die mein geliebtes zu Hause gefährden könnten. Aber es war ein kleiner technischer Defekt, der sich wie ein Geschwür durch das komplette Schiff fraß bis nichts mehr zu machen war.
Meine Erfahrung sagt mir, dass der Kunde sicherlich auch in der nächsten halben Stunde nicht auftauchen wird. Ich habe Zeit, nichts als Zeit.

Ich greife in meine Aktentasche und ziehe drei Karten hervor.
Die erste stammt vom Kaptain, der in seiner kleinen, krakeligen Handschrift übers Leben philosophiert. Ein Leben, das aus vielen einzelnen Stationen besteht und aus dem ich etwas machen könnte. Das Gefühl habe ich nicht, als drittklassiger Kurier mit der Sicherheitsfreigabe 8 zuständig für den Transport von selbst gestrickten Socken und Werbekatalogen in Gegenden, in denen ich nicht mal tot über dem Zaun hängen möchte. Beim letzen Satz steigen mir jedes Mal die Tränen in die Augen egal wie oft ich in lese. „Ich liebe Dich und glaube an unser Wiedersehen.“ Ich lächele. Wäre ich jünger an Bord gekommen hätte ich wahrscheinliche abendelang überlegt, wie es wäre seine leibliche Tochter zu sein. Irgendeine komplizierte Geschichte, wie meine Eltern mich damals entführt haben, ich reinzufällig anfange als Hilfsmechanikerin auf seinem Schiff zu arbeiten und dann stellt sich heraus, dass er mein Vater ist und mich bereits sein ganzes Leben lang gesucht hat. Wäre ich etwas älter gewesen, hätte ich versucht mit ihm zu schlafen.

Die zweite Karte stammt von Adelen und ist wie immer ein wenig frech. Ich denke, er hat es am schwersten von uns allen, obwohl er mit Mitte 20 der Jüngste ist. Er war Junge für alles auf der Albatross und hat vor allem viel für den Koch erledigt. Küchenjungen sind heutzutage wirklich nur noch Jungen, die ihre Familie unterstützen wollen, aber wie soll sich ein einzelner Mann davon ernähren. Er ist immer noch schlacksig und nicht besonders stark und daher als Hafenarbeiter nicht zu gebrauchen. Er schreibt mir nie, welche Jobs er gerade macht, aber wahrscheinlich nur um mich nicht zu beunruhigen. Viele legale Möglichkeiten gibt es für ihn einfach nicht, nicht wie die Welt momentan ist. Vielleicht brennt er Schnaps oder hat sich einen der Schmuggler angeschlossen…Manchmal wünsche ich mir, dass er zur Widerstandsbewegung gehört und deshalb diese kostbaren Informationen nicht preisgeben kann, aber wahrscheinlich ist er ganz einfach mit Überleben beschäftigt.

Die dritte Karte stammt von Hugor. Er und Madame haben geheiratet und wenn ihre Karten nicht lügen führen sie ein äußerst bürgerliches Leben. Natürlich glaube ich ihnen kein Wort, aber ich liebe sie dafür. Hugor schreibt, dass wir es alle schaffen werden, dass wir alle darüber hinwegkommen werden. Die schlimmsten Dinge geschehen aus dem Nichts. Eben ist der Himmel noch blau, das Wetter ideal zum fliegen, der Auftrag ein Kinderspiel. Aus dem Nichts kommt der erste Knall. Und wenn die schlimmsten Dinge aus dem Nichts kommen können, dann kann auch ganz unerwartet etwas Gutes passieren. Ich glaube ihnen immer noch kein Wort.

Der Kunde ist immer noch nicht da, nur Staub und Langeweile und Ödnis.
Jeder Atemzug bringt mich ein Stück näher an meinen Tod, und manchmal wünschte ich, so ganz gegen meine Art, es würde schnell gehen. Dabei möchte ich nur zurück.

Date: 2009-09-06 07:54 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Wie schön, dass die Chill-Out-Lounge einen zu sowas motivieren kann. ;)
Das ist aber ein deprimierender Anfang.
Das klingt beinah wie ein Ende. óò
Aber schön geschrieben. =)

Date: 2009-09-08 03:22 pm (UTC)
From: [identity profile] ophelias-ende.livejournal.com
Ich mag es, wie es sich am Ende zusammen schließt...und hoffe, dass das nicht der Anfang vom Ende ist.
Ich schwelge jetzt noch ein wenig in deiner Geschichte^^

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