Original - # 3 Nichts als die Wahrheit
Aug. 16th, 2009 11:19 pmFandom: Original
Charaktere: ein paar geschichtliche so wie eine ganze Menge fiktive Personen~
Wörter: 400
Challenge: # 3 Nichts als die Wahrheit
Summary: Eine pathetische Gerichtsverhandlung :)
Ich, Kassandra, die Prinzessin von Troja, schwöre ...
„Meine Damen und Herren, der erste Anklagepunkt im Fall 'Mind4U Incorporation gegen Jeffery Grouh'... “
Zwölf Geschworene blickten von zwölf Bilderschirmen auf den Angeklagten herab. Das Wissen um die Wichtigkeit ihrer Aufgabe verlieh allen Gewählten einen sachten Anflug von Würde und Ernsthaftigkeit und nur der fieberhafte, ungesunde Glanz ihrer Augen verriet die Erwartung grausiger Offenbarungen.
„...Sabotage einer wissenschaftlichen Arbeit von 17 Jahren, ...“
Ein dicklicher Mann aus dem Geschworenenbildschirm Nummer 2 nickte beeindruckt und seine kräftigen Finger erstarrten mitten in der Bewegung, als würdige er den Wahnsinn des Beschuldigten. Während der wohlgeplanten Pause in der Ansage kam der Geschworene wieder zu sich, griff zu dem vergessenen Plastikbesteck und kaute zerstreut an seinem Mittagessen, ohne die Augen von dem Computerdisplay zu wenden.
„... schwere Verletzungen zweier Angestellten der Firma, die heldenhaft versuchten, den Angeklagten am Eindringen in die inneren Laborräume zu hindern, ...“
Eine junge Frau aus dem Geschworenenbildschirm oben links seufzte betroffen. Ihre Finger führten ebenfalls ein Eigenleben: Ununterbrochen schrieb sie im Chat mit ihrer Kollegin, gab kurze, scharfsinnige Sätze durch, mit vielen Ausrufezeichen und verhängnisvollen Punktezügen, die noch tiefere Abgründe andeuten mochten, als der Staatsanwalt vorlas.
Ich, Jeanne d’Arc, schwöre...
Der Richter, ein älterer Herr und sehr beliebt bei den weiblichen Zuschauern, hielt den Kopf gesenkt und keine unbedachte Aufregung trübte seinen scharfen Verstand. Statt sich am Anblick des verängstigten Angeklagten zu weiden, betrachtete er eingehend und schweigsam den permanenten Datenfluss auf seinem Computer: Blutdruckwerte des Angeklagten, seine Herzfrequenz, die aufgezeichneten Gehirnströme – alles deutete auf einen gesunden Menschen hin, der für seine Verbrechen stehen musste. Keine Lüge würde durch das intelligente Sensorsystem schlüpfen können, kein Verschweigen war mehr in den freigelegten Gedankennetzwerken möglich.
Unberührt wartete der Richter auf das Ende des Prozesses. Für ihn war die Sache längst entschieden, aber wie immer galt es auf das Wort der Geschworenen zu warten. Erst nachdem ein melodischer Klingelton und eine angenehme Frauenstimme alle Beteiligten informiert: „Für ein 'unschuldig' drücken Sie sie bitte die 'eins',“ und alle Berechtigten abgestimmt hatten, konnte er das Urteil verkünden und sich gleichmütig zurückziehen.
„Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?“
Das blasse, nervöse Gesicht von Jeffery Grouh füllte den großen Monitor aus, sein Blick huschte wie gehetzt über die schaulustige Menge, die ihm entgegen starrte. Gierige rote Flammen durchzuckten das kühlen Leuchten der Digitalbildschirme.
Ich, Jeffery Grouh, schwöre...