Holz und Nägel
Jun. 19th, 2009 01:14 amFandom: Original (Das böse schöne Tier)
Challenge: #1 Hurt and Comfort. Sogar mit Blut
Wörter: 782
Anmerkung: Also eigentlich sollte das hier nicht stehen. Aber ich kann bei H/C einfach nicht nein sagen. Nicht so wirklich. Ich wollte mich zuerst an DaiKeru versuchen um Rei aufzumuntern, aber es hat einfach nicht hingehauen.
Sorry.
„Einen Arzt! Herrgott noch mal, holen Sie endlich einen!“
Zwischen dem vor Schock starrstehenden Kamerateam und der Regieassistentin, die panisch von links nach rechts und zurückrennt, steht Kentarô und starrt mit Augen, die ungesund weit aufgerissen sind, auf den Nagel in seiner Hand.
Auf den Nagel, der durch seine Hand geht.
Ich warte darauf, dass er schreit. Oder quietscht. Oder anfängt durchzudrehen.
Als ich bei ihm angekommen bin, hat er allerdings noch immer keinen Ton von sich gegeben.
Sein Gesicht verliert mit jeder Sekunde mehr an Farbe und dann spüre ich den unnatürlich schnellen Atem, der sich mit jedem Augenblick beschleunigt.
„Ken!“, rufe ich und wedele vor seinem Gesicht mit der Hand herum.
„Ken! Hier! Schau mich an!“
Ich spüre den rasenden Puls in seinem Handgelenk, als ich es umfasse und mit Gewalt niederdrücke, sodass er es nicht mehr anschaut. In meinen Augenwinkeln sehe ich Sugiyama, den Manager auf uns zurasen, mit einem Handy am Ohr.
„Gut so, guck mich an, guck mir ins Gesicht!“
Seine Augen wandern an mir entlang. Ich warte noch immer ein wenig darauf, dass er anfängt zu schreien.
„Was ist jetzt schon wieder passiert?“, keucht Sugiyama, inzwischen bei uns angekommen.
„Himmel, Junge, kannst du denn gar nichts mehr tun ohne dich halb ins Jenseits zu befördern?!“
Kentarô schaut ihn entgeistert und abwesend zugleich an.
„Hast du die Musikshow heute Abend etwa vergessen? Die Performance für die Single?“
Der Mann fährt sich durch seine Haare und zückt seinen Terminplaner.
„Jetzt muss ich alles schon wieder umplanen und die Agentur wird...“
Mit einer heftigen Bewegung reißt er die Hand mit dem Planer herunter und packt Kentarô unsanft mit der anderen, noch ehe dieser auf irgendeine Weise reagieren kann.
„Verzogenes, nutzloses Balg!“
Hinter mir steht plötzlich die Regieassistentin und zupft an meinem Kragen herum;
„Entschuldigen Sie bitte, aber hatte ich Ihnen nicht verboten, die Dreharbeiten zu stören?“
Ich starre sie entgeistert an.
Dreharbeiten?
Wo sind hier Dreharbeiten?
Alles, was ich sehe, ist mein Freund, der einen Metallstab in der Hand hat und sein Manager, der kurz davor ist, ihn zu verprügeln.
Ich stoße die Frau beiseite und ziehe Kentarô kurz entschlossen weg von Sugiyama.
„Mamoru.“, höre ich seine Stimme zwischen Flüchen, Schimpf und Schande.
„Es tut weh!“
„Bitte entfernen Sie sich!“, plärrt die Regieassistentin.
„Ich will niemanden rufen müssen.“
Jemanden rufen.
Lachhaft.
Ich stehe inmitten eines Chaos, der Kameramann neben uns sieht aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen und Kentarô hyperventiliert.
Von der Verwirrung abgelenkt, bemerke ich erst jetzt, dass ich noch immer sein Handgelenk festhalte, es angehoben habe.
Blut fließt über seinen Arm, über meine Finger, und alles zittert und ist noch dreckig von Sägespähnen und Holzstaub.
Zwei Stunden später als ich die Tür zum Krankenzimmer öffne, ist mir immer noch schlecht.
Der Holzgeruch haftet an allem wie eine klebrige, hässliche Masse. Normalerweise mag ich Holzgeruch. Aber das ist jetzt wahrscheinlich vorbei. Ich spiele unsicher mit der Dose Apfelsaft herum, die ich eben auf dem Gang gezogen habe.
Kentarô sitzt auf einem Bett und hat die heile Hand geistesabwesend auf den dicken Verband der anderen liegen.
Er schaut auch nicht auf als ich schon direkt vor ihm stehe. Vielleicht soll ich nicht sehen, dass seine Augen gerötet sind. Im Krankenwagen waren ihm aus Frust und Schmerz die Tränen über die Wangen gerollt, ziemlich angestrengte und sehr bittere Tränen.
„Ich...“, fängt er leise an.
Doch dann merkt er, dass es eigentlich nichts zu reden gibt. Das hier ist das gefühlte siebenunddreißigste Mal, dass ich ihn treffe nachdem irgendwas in seiner direkten Nähe in die Luft gegangen ist, er irgendwas auf den Kopf bekommen hat oder er sich anderweitig verletzt hat.
Es gibt nichts zu diskutieren, es gibt nichts festzustellen.
Es gibt nur Angst, Unsicherheit und Erschöpfung.
Ich setze mich neben ihn auf das Bett.
„Wird deine Hand wieder?“
Es klingt abgebrühter als ich es meine.
„Wahrscheinlich. Ja. Hoffentlich.“
„Hier.“
Kentarô liebt Apfelsaft.
Irgendwie hoffe ich, dass ihn das Zeug irgendwie aufmuntert.
Aber das ist egal, weil die Dose gerade aus meiner Hand genommen und auf die Matratze gelegt wird.
Selten hat Kentarô sich so an mich geklammert.
Und was soll ich sagen?
Es gibt ja nichts zu sagen, nichts zu erwähnen. Dumme Phrasen stecke ich mir und in solchen Momenten wie diesem bringt auch eine Unfallanalyse nichts. Kentarô will so etwas nicht hören. Er bringt mich jedesmal halb um, wenn ich auf seinen Beruf und seine Gilde schimpfe.
Japanischer Popstar. Was ist das überhaupt?
Ironischerweise ist das die einzige Seite an ihm, die ich nicht mag.
Ich halte ihn fest in den Armen und streichle seinen Rücken, beharrlich und federleicht.
Und fühle mich ratlos.
Eingelullt vom Geruch nach frischem Holz, der meinen Puls noch immer die Höhe treibt.
Challenge: #1 Hurt and Comfort. Sogar mit Blut
Wörter: 782
Anmerkung: Also eigentlich sollte das hier nicht stehen. Aber ich kann bei H/C einfach nicht nein sagen. Nicht so wirklich. Ich wollte mich zuerst an DaiKeru versuchen um Rei aufzumuntern, aber es hat einfach nicht hingehauen.
Sorry.
„Einen Arzt! Herrgott noch mal, holen Sie endlich einen!“
Zwischen dem vor Schock starrstehenden Kamerateam und der Regieassistentin, die panisch von links nach rechts und zurückrennt, steht Kentarô und starrt mit Augen, die ungesund weit aufgerissen sind, auf den Nagel in seiner Hand.
Auf den Nagel, der durch seine Hand geht.
Ich warte darauf, dass er schreit. Oder quietscht. Oder anfängt durchzudrehen.
Als ich bei ihm angekommen bin, hat er allerdings noch immer keinen Ton von sich gegeben.
Sein Gesicht verliert mit jeder Sekunde mehr an Farbe und dann spüre ich den unnatürlich schnellen Atem, der sich mit jedem Augenblick beschleunigt.
„Ken!“, rufe ich und wedele vor seinem Gesicht mit der Hand herum.
„Ken! Hier! Schau mich an!“
Ich spüre den rasenden Puls in seinem Handgelenk, als ich es umfasse und mit Gewalt niederdrücke, sodass er es nicht mehr anschaut. In meinen Augenwinkeln sehe ich Sugiyama, den Manager auf uns zurasen, mit einem Handy am Ohr.
„Gut so, guck mich an, guck mir ins Gesicht!“
Seine Augen wandern an mir entlang. Ich warte noch immer ein wenig darauf, dass er anfängt zu schreien.
„Was ist jetzt schon wieder passiert?“, keucht Sugiyama, inzwischen bei uns angekommen.
„Himmel, Junge, kannst du denn gar nichts mehr tun ohne dich halb ins Jenseits zu befördern?!“
Kentarô schaut ihn entgeistert und abwesend zugleich an.
„Hast du die Musikshow heute Abend etwa vergessen? Die Performance für die Single?“
Der Mann fährt sich durch seine Haare und zückt seinen Terminplaner.
„Jetzt muss ich alles schon wieder umplanen und die Agentur wird...“
Mit einer heftigen Bewegung reißt er die Hand mit dem Planer herunter und packt Kentarô unsanft mit der anderen, noch ehe dieser auf irgendeine Weise reagieren kann.
„Verzogenes, nutzloses Balg!“
Hinter mir steht plötzlich die Regieassistentin und zupft an meinem Kragen herum;
„Entschuldigen Sie bitte, aber hatte ich Ihnen nicht verboten, die Dreharbeiten zu stören?“
Ich starre sie entgeistert an.
Dreharbeiten?
Wo sind hier Dreharbeiten?
Alles, was ich sehe, ist mein Freund, der einen Metallstab in der Hand hat und sein Manager, der kurz davor ist, ihn zu verprügeln.
Ich stoße die Frau beiseite und ziehe Kentarô kurz entschlossen weg von Sugiyama.
„Mamoru.“, höre ich seine Stimme zwischen Flüchen, Schimpf und Schande.
„Es tut weh!“
„Bitte entfernen Sie sich!“, plärrt die Regieassistentin.
„Ich will niemanden rufen müssen.“
Jemanden rufen.
Lachhaft.
Ich stehe inmitten eines Chaos, der Kameramann neben uns sieht aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen und Kentarô hyperventiliert.
Von der Verwirrung abgelenkt, bemerke ich erst jetzt, dass ich noch immer sein Handgelenk festhalte, es angehoben habe.
Blut fließt über seinen Arm, über meine Finger, und alles zittert und ist noch dreckig von Sägespähnen und Holzstaub.
Zwei Stunden später als ich die Tür zum Krankenzimmer öffne, ist mir immer noch schlecht.
Der Holzgeruch haftet an allem wie eine klebrige, hässliche Masse. Normalerweise mag ich Holzgeruch. Aber das ist jetzt wahrscheinlich vorbei. Ich spiele unsicher mit der Dose Apfelsaft herum, die ich eben auf dem Gang gezogen habe.
Kentarô sitzt auf einem Bett und hat die heile Hand geistesabwesend auf den dicken Verband der anderen liegen.
Er schaut auch nicht auf als ich schon direkt vor ihm stehe. Vielleicht soll ich nicht sehen, dass seine Augen gerötet sind. Im Krankenwagen waren ihm aus Frust und Schmerz die Tränen über die Wangen gerollt, ziemlich angestrengte und sehr bittere Tränen.
„Ich...“, fängt er leise an.
Doch dann merkt er, dass es eigentlich nichts zu reden gibt. Das hier ist das gefühlte siebenunddreißigste Mal, dass ich ihn treffe nachdem irgendwas in seiner direkten Nähe in die Luft gegangen ist, er irgendwas auf den Kopf bekommen hat oder er sich anderweitig verletzt hat.
Es gibt nichts zu diskutieren, es gibt nichts festzustellen.
Es gibt nur Angst, Unsicherheit und Erschöpfung.
Ich setze mich neben ihn auf das Bett.
„Wird deine Hand wieder?“
Es klingt abgebrühter als ich es meine.
„Wahrscheinlich. Ja. Hoffentlich.“
„Hier.“
Kentarô liebt Apfelsaft.
Irgendwie hoffe ich, dass ihn das Zeug irgendwie aufmuntert.
Aber das ist egal, weil die Dose gerade aus meiner Hand genommen und auf die Matratze gelegt wird.
Selten hat Kentarô sich so an mich geklammert.
Und was soll ich sagen?
Es gibt ja nichts zu sagen, nichts zu erwähnen. Dumme Phrasen stecke ich mir und in solchen Momenten wie diesem bringt auch eine Unfallanalyse nichts. Kentarô will so etwas nicht hören. Er bringt mich jedesmal halb um, wenn ich auf seinen Beruf und seine Gilde schimpfe.
Japanischer Popstar. Was ist das überhaupt?
Ironischerweise ist das die einzige Seite an ihm, die ich nicht mag.
Ich halte ihn fest in den Armen und streichle seinen Rücken, beharrlich und federleicht.
Und fühle mich ratlos.
Eingelullt vom Geruch nach frischem Holz, der meinen Puls noch immer die Höhe treibt.
no subject
Date: 2009-06-18 08:27 pm (UTC)Das ist traurig. Aber schön. Und yay für h/c und overprotective best friends. *_* *anluv*
Japanische Popstars habens schwer. Ich kann mir total vorstellen wie sie von einer gnadenlosen Industrie verheizt werden. Die Armen. óò
Danke fürs schreiben! *dich knuddel*