Wichtelantwort für Nyx
Jun. 3rd, 2009 09:18 amErstmal könnt ich mich jetzt sehr lange dafür entschuldigen, dass es so lange gedauert hat und ich noch nicht mal einen richtigen Grund habe, außer dass ich vielleicht ein bißchen neben der Spur bin. Und dann bin ich auch noch ganz großartig daran gescheitert, Historientrash zu schreiben...
Ich hoffe sehr, dass es Dir trotzdem gefällt. Ansonsten schreib ich Dir einfach nochmal was anderes, außerhalb der Wichtelkette, okay?
Titel: 5 Szenen eines Krieges
Fandom: M*A*S*H
Challange:
+ "Die Grenze zwischen dir und mir ist nicht zum Überschreiten gedacht."
+ Vor dem Essen, nach dem Essen- und dazwischen auch!
+ (der Duft von) Flieder
+ Mein Leben in Einheiten
+ Dort, wohin die Zeit verschwindet, wenn sie vorbeigeht
Wörter: 1614
Am 25. Juni. 1950 beginnt der Koreakrieg. Nordkorea tritt gemeinsam mit China gegen Südkorea und die Vereinten Nationen an, herausragender Spieler: die USA. Zunächst erobert Nordkorea fast komplett Südkorea innerhalb der ersten Halbzeit, in der zweiten Halbzeit gelingt es Südkorea das eigene Territorium und fast die gesamt koreanische Halbinsel unter seine Kontrolle zu bringen. In der Verlängerung einigt man sich auf ein Unentschieden, und legt ähnliche Grenzen wie vor Kriegsbeginn fest. Alles beim alten, keiner hat gewonnen, und doch viele verloren. Die Fans verlassen enttäuscht das Stadium.
Radar wartet am Jeep und spielt mit einigen Kindern, während Father Mulcahy mit Schwester Theressa über das Waisenhaus spricht. Die Lage ist ernst. Medikamente fehlen, die Schwarzmarktpreise haben astronomische Höhen angenommen. Das Dach hat ein Loch, das im Laufe der letzten Monate immer großer geworden ist, aber wenigstens ist Sommer. Der kleine Junge lacht glucksend, während Radar ihnen Geschichten erzählt, die sie nicht verstehen. Obwohl Radar bereits über ein Jahr hier ist, scheint er den Kindern immer noch viel näher als den meisten Soldaten. Es ist heiß und mit jedem Windhauch kommt der Geruch von Flieder. Ein kleines Mädchen drückt ihm einen Stengel Flieder in die Hand, dunkelgrüne Blätter und hübsche violettrosafarbene Blüten bilden einen Kontrast zur Trostlosigkeit des Alltags. Er drückt das kleine Mädchen und nimmt es auf dem Arm, während er weiter von zu Hause, seiner Mutter und Onkel Ed erzählt. Sie kann gerade mal laufen und in ihren Augen spiegelt sich diese seltsame Mischung aus Neugierde und Angst, die man allen Kindern hier ansehen kann. Zum Abschied schenkt er ihnen zwei Riegelschokolade und bedauert, dass er nicht mehr dabei hat. Das wird kaum für alle reichen.
Malcuhy dreht sich noch mal um, und winkt ihnen zu. Radar hört es als erstes, aber dennoch zu spät. Die Bombe schlägt überraschend nah ein. Das Mädchen mit den Blumen im Haar bewegt sich nicht mehr.
Der Koreakrieg wird zum vergessenen Krieg des 20.Jahrhunderts. Kein dritter Weltkrieg wie eine zeitlang befürchtet. Ein kleiner geopolitischer Konflikt für den im historischen Rückblick zwischen dem zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg kein Raum bleibt. Mangelnde Bedeutung.
Margaret und Hawkeye knien gemeinsam im Vorratsrau. Margarets Fingernägel sind in Hawkeyes Hand gekrallt .Er lässt seine Hand trotzdem in ihren und hält seinen freien Arm schützend über ihren Kopf. Nicht, dass er sie wirklich schützen könnte. Trifft eine Bombe das Zelt, haben sie so oder so kaum eine Chance.
Sie bestehen beide nur aus Panik. Er denkt, ich will nicht sterben, er denkt an seinen Vater, der ganz allein zurückbleiben würde „Aufhören, aufhören“ Margarets Stimme ist leise, aber schrill. Sie hat sich für dieses Leben entschieden, aber sie hat sich auch fürs Leben entschieden. Sie drückt ihren Kopf stärker an Pierce Brustkorb.
Stille.
Die letzte Bombe ist eingeschlagen.
Sie halten sich einige Momente länger als notwendig. Durch die Lautsprecher ertönt Klingers Stimme, seine Angst ist noch zu hören, als er die Entwarnung durchgibt. Hawk und Margaret schauen sich erleichtert, aber auch bedauernd an. So nah sind sie sich selten. Die Hände schweißnass, die Herzen rasend, eng aneinander gekauert. Sie hätten es sich beinah gesagt wie die Male davor, in blanker Todesangst. Jetzt werden sie sich wieder loslassen ohne irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Wenn sie sich das nächste Mal begegnen, werden sie wieder ihre eigene Position ohne Rücksicht vertreten, Margaret wird ihm vorwerfen, wie unmilitärisch er sich verhält, Hawk wird ihr Vorhalten, wie militärisch sie sich benimmt. Ein gewisses Bedauern ist allgegenwärtig. Die Grenze zwischen ihnen ist nicht zum Überschreiten gedacht.
Der Koreakrieg ist noch nicht mal ein richtiger Krieg, den immerhin gibt es keine Kriegserklärung. Es handelt sich viel mehr um einen wunderschönen Euphemismus, ein Polizeieinsatz, in dem Kinder sterben. Obwohl es offiziell kein Krieg ist, fühlt es sich doch genauso an.
Hawkeye Pierce und BJ Hunnicutt sitzen vor dem Sumpf in ihren Sonnenstühlen und geniessen die Sonne. Ein Hauch von Flieder liegt in der Luft und für die nächsten 24 Stunden ist ein vorläufiger Waffenstillstand vereinbar. Keine Verwundeten. Während BJ tatsächlich Teile seiner Uniform trägt, hat Hawkeye sich für seinen weinroten Bademantel und einen Martini entschieden. Das Leben im Lager zeigt die Vielschichtigkeit des Kriegs.
„Schönes Kleid.“ Hawk lächelt.
„Danke Sir.“ Klinger dreht sich einmal im Kreis. „Ich wusste, dass Lavendel meine Farbe ist.“
„Was soll das.“ Frank Burns kommt wütend aus dem Sumpf. „Ich hatte Ihnen doch gesagt, sie sollen das ausziehen!“
„Aber doch nicht vor der Ehe.“ Klinger nutzt Franks momentane Sprachlosigkeit, um den Rückzug anzutreten. Frank eilt ihm nach.
„Major Frank Burns, das beste Beispiel für den fehlenden Zusammenhang zwischen Führungskompetenz und Rang.“ BJ schüttelt den Kopf.
„Noch drei Tage.“ Hawk nimmt einen weiteren Schluck von seinem Martini. Es wird noch drei weitere Tage dauern bis Henry Black aus seinem Urlaub zurückkehrt- noch drei Tage unter Franks Kommando.
„Wir sollten etwas tun.“ BJ ist normalerweise der vernünftigere von ihnen beiden. Aber ihnen ist nicht nur langweilig, sondern ihnen missfällt grundsätzlich, wenn Frank zu viel herumkommandiert und die Art und Weise, wie er mit seinen Untergebenen spricht.
„Wir werden etwas tun.“ Sumpfratten unter sich.
Das fröhliche Treiben im Camp lässt sie in Gedanken und Plänen abtauchen. Eingegipst haben sie ihn erst, momentan gibt es keine Operationen, d.h. also auch keinen organischen Abfall, den sie irgendwo verstecken könnten und sie müssen auf dem schmalen Grad zwischen Spaß und Kriegsgericht handeln solange Henry Black noch nicht zurück ist. Einige Soldaten spielen Football, andere Basketball, Father Malcuhy gießt die Pflanzen vor seinem Zelt.
Ein Paar Glas später ist der Plan, wenn vielleicht auch etwas plump, fertig. Frank wird am Abend Augen machen, wenn er aus der Dusche kommt und anstatt seiner Uniform nur ein buntes Blümchenkleid findet…
Wie gesagt, die Bedeutung des Koreakrieges in der historischen Betrachtung ist eher unwichtig, aber immerhin kann dieser geopolitische Konflikt immer noch als Beispiel für einen Stellvertreterkrieg genannt werden. Ein wenig so als geht es nur darum, dass sich zwei Jungen zum spielen treffen und kleine Spielzeugsoldaten auf dem Spielplatz verteilen. Amerika und China haben einfach beschlossen ihre Konflikte lieber nicht bei sich zu Hause, sondern in einem anderen Land auszutragen, so als würde man zu seinen Nachbarn gehen, um seinen Ehestreit zu lösen.
„Ich glaube, dass gab es letzte Woche schon mal.“ B.J. schaut angeekelt auf den braunen Brei, der angeblich aus grünen Erbsen bestehen soll.
„Du meinst letzten Monat. Nichts geht über ein leckeres Reste-Essen.“ Hawk lässt ein Stück Fleisch oder Fleischersatz oder Ersatzfleisch zurück auf den Teller fallen. „Ich dachte, sie wollten keine biologische Kriegsführung einsetzen.“
„Meckern, meckern und immer nur meckern.“ Frank beißt übertrieben betont in sein Fleisch. Sein Lächeln misslingt. Zum einen ist Frank mit seinen viel zu schmalen Lippen allein aus anatomischen Gründen nicht gerade zum Lächeln geeignet. Zum anderen scheinen seine Geschmacksnerven nicht so abgestorben zu sein, wie er erwartet hat. „Wir sollten dankbar sein, wie gut wir hier versorgt werden. Die Army weiß schon, was wir brauchen.“
Major Houlihan nickte zustimmend. „Da kann ich dem Major nur zustimmen .Die Army der Vereinigten Staaten ist die beste… “ Ein zweiminütiger Vortrag folgt. Trapper und Hawkeye sehen einander an.
„Manchmal braucht man gar nicht das Essen, damit einem so richtig schlecht wird.“
„Vor dem Essen, nach dem Essen- und dazwischen auch!“
160000 tote Soldaten und über 3 Millionen tote Zivilisten geraten überraschend schnell in Vergessenheit, von den Kriegsverwundeten ganz zu schweigen. Gehen wir nun allein mathematisch davon aus, dass jeder dieser toten Soldaten auch nur zwei Angehörige oder Freunde hat, die durch seinen tot stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt werden, sind das allein 320000 Kriegsopfer mehr.
Im OP herrscht Stille. Henry Black ist auf dem Weg nach Hause, als sein Hubschrauber ins Meer stürzt. Keine Überlebenden. Radars Stimmt bricht ab. Hawkeye und BJ stehen Tränen in den Augen, einige Krankenschwestern schluchzen leise. Dann geht der Alltag weiter, das klappern der Bestecke, einzelne Worte „Schere“, „Tupfer“. Es ist unfair. Eigentlich ist es nicht neues, dass der Krieg aus Ungerechtigkeiten besteht, aber selten trifft es sie so direkt. Als sie den OP wieder verlassen, steuern Hawk und BJ direkt auf den Sumpf zu, während Frank unkommentiert in Hotlips Zelt verschwinden kann. Klinger, Schwester Kelly, Igor und viele andere sind bereits da oder erscheinen den Abend über, um zu trinken. Sie würden gerne schlafen, aber der Schmerz ist noch zu groß. Sidney Friedman wird innerhalb der nächsten Tage auftauchen und nach dem rechten sehen. Frank ist der ranghöchste Offizier und wird zunächst das Kommando übernehmen, aber all das scheint noch so fern. Nach dem vierten Martini fällt Pierce auf, dass Radar nirgends zu sehen ist. Er ist müde, aber noch nicht betrunken genug, um nicht zu gehen. Radar sitzt auf seinen Bett im Dunkeln und hält seinen Teddy fest an sich gedrückt. Normalerweise versucht er die Existenz seines kleinen Kuscheltieres geheim zu halten, aber diesmal rührt er sich noch nicht mal als Hawk durch die Tür kommt. Hawkeye setzt sich neben ihn und legt nach einiger Zeit eine Hand auf Radars Rücken. Es dauert bis die Tränen abnehmen.
„Das ist nicht fair.“ Radars Stimme ist brüchig, aber er versucht sich zu festigen.
„Ja.“ Hawkeye kämpft ebenfalls mit den Tränen. Er wünscht, er hätte sich mehr Alkohol mitgenommen. Beide bleiben einfach sitzen und bewegen sich nicht mehr bis Radar irgendwann einschläft. Hawk rappelt sich auf und deckt ihn und seinem Teddybären zu. Im Sumpf schläft irgendein Sergeant bereits auf seinem Bett, aber das ist egal. Franks Bett ist noch frei. Ein weiterer Martini und der Schlaf kommt bald.
Er träumt von dem Ort, wohin die Zeit verschwindet, wenn sie vorbeigeht. Er träumt davon, wie Henry Black sich mal wieder in seinen eigenen Angelharken verharkt. Er träumt von der Beerdigung mitten im Sumpf. Dann nichts mehr.
Fast 60 Jahre später ist alles Leid vergessen. Niemand hat dazugelernt.
Viel Spaß beim Lesen.
Falls Du was anderes möchtest, sag Bescheid!♥
Ich hoffe sehr, dass es Dir trotzdem gefällt. Ansonsten schreib ich Dir einfach nochmal was anderes, außerhalb der Wichtelkette, okay?
Titel: 5 Szenen eines Krieges
Fandom: M*A*S*H
Challange:
+ "Die Grenze zwischen dir und mir ist nicht zum Überschreiten gedacht."
+ Vor dem Essen, nach dem Essen- und dazwischen auch!
+ (der Duft von) Flieder
+ Mein Leben in Einheiten
+ Dort, wohin die Zeit verschwindet, wenn sie vorbeigeht
Wörter: 1614
Am 25. Juni. 1950 beginnt der Koreakrieg. Nordkorea tritt gemeinsam mit China gegen Südkorea und die Vereinten Nationen an, herausragender Spieler: die USA. Zunächst erobert Nordkorea fast komplett Südkorea innerhalb der ersten Halbzeit, in der zweiten Halbzeit gelingt es Südkorea das eigene Territorium und fast die gesamt koreanische Halbinsel unter seine Kontrolle zu bringen. In der Verlängerung einigt man sich auf ein Unentschieden, und legt ähnliche Grenzen wie vor Kriegsbeginn fest. Alles beim alten, keiner hat gewonnen, und doch viele verloren. Die Fans verlassen enttäuscht das Stadium.
Radar wartet am Jeep und spielt mit einigen Kindern, während Father Mulcahy mit Schwester Theressa über das Waisenhaus spricht. Die Lage ist ernst. Medikamente fehlen, die Schwarzmarktpreise haben astronomische Höhen angenommen. Das Dach hat ein Loch, das im Laufe der letzten Monate immer großer geworden ist, aber wenigstens ist Sommer. Der kleine Junge lacht glucksend, während Radar ihnen Geschichten erzählt, die sie nicht verstehen. Obwohl Radar bereits über ein Jahr hier ist, scheint er den Kindern immer noch viel näher als den meisten Soldaten. Es ist heiß und mit jedem Windhauch kommt der Geruch von Flieder. Ein kleines Mädchen drückt ihm einen Stengel Flieder in die Hand, dunkelgrüne Blätter und hübsche violettrosafarbene Blüten bilden einen Kontrast zur Trostlosigkeit des Alltags. Er drückt das kleine Mädchen und nimmt es auf dem Arm, während er weiter von zu Hause, seiner Mutter und Onkel Ed erzählt. Sie kann gerade mal laufen und in ihren Augen spiegelt sich diese seltsame Mischung aus Neugierde und Angst, die man allen Kindern hier ansehen kann. Zum Abschied schenkt er ihnen zwei Riegelschokolade und bedauert, dass er nicht mehr dabei hat. Das wird kaum für alle reichen.
Malcuhy dreht sich noch mal um, und winkt ihnen zu. Radar hört es als erstes, aber dennoch zu spät. Die Bombe schlägt überraschend nah ein. Das Mädchen mit den Blumen im Haar bewegt sich nicht mehr.
Der Koreakrieg wird zum vergessenen Krieg des 20.Jahrhunderts. Kein dritter Weltkrieg wie eine zeitlang befürchtet. Ein kleiner geopolitischer Konflikt für den im historischen Rückblick zwischen dem zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg kein Raum bleibt. Mangelnde Bedeutung.
Margaret und Hawkeye knien gemeinsam im Vorratsrau. Margarets Fingernägel sind in Hawkeyes Hand gekrallt .Er lässt seine Hand trotzdem in ihren und hält seinen freien Arm schützend über ihren Kopf. Nicht, dass er sie wirklich schützen könnte. Trifft eine Bombe das Zelt, haben sie so oder so kaum eine Chance.
Sie bestehen beide nur aus Panik. Er denkt, ich will nicht sterben, er denkt an seinen Vater, der ganz allein zurückbleiben würde „Aufhören, aufhören“ Margarets Stimme ist leise, aber schrill. Sie hat sich für dieses Leben entschieden, aber sie hat sich auch fürs Leben entschieden. Sie drückt ihren Kopf stärker an Pierce Brustkorb.
Stille.
Die letzte Bombe ist eingeschlagen.
Sie halten sich einige Momente länger als notwendig. Durch die Lautsprecher ertönt Klingers Stimme, seine Angst ist noch zu hören, als er die Entwarnung durchgibt. Hawk und Margaret schauen sich erleichtert, aber auch bedauernd an. So nah sind sie sich selten. Die Hände schweißnass, die Herzen rasend, eng aneinander gekauert. Sie hätten es sich beinah gesagt wie die Male davor, in blanker Todesangst. Jetzt werden sie sich wieder loslassen ohne irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Wenn sie sich das nächste Mal begegnen, werden sie wieder ihre eigene Position ohne Rücksicht vertreten, Margaret wird ihm vorwerfen, wie unmilitärisch er sich verhält, Hawk wird ihr Vorhalten, wie militärisch sie sich benimmt. Ein gewisses Bedauern ist allgegenwärtig. Die Grenze zwischen ihnen ist nicht zum Überschreiten gedacht.
Der Koreakrieg ist noch nicht mal ein richtiger Krieg, den immerhin gibt es keine Kriegserklärung. Es handelt sich viel mehr um einen wunderschönen Euphemismus, ein Polizeieinsatz, in dem Kinder sterben. Obwohl es offiziell kein Krieg ist, fühlt es sich doch genauso an.
Hawkeye Pierce und BJ Hunnicutt sitzen vor dem Sumpf in ihren Sonnenstühlen und geniessen die Sonne. Ein Hauch von Flieder liegt in der Luft und für die nächsten 24 Stunden ist ein vorläufiger Waffenstillstand vereinbar. Keine Verwundeten. Während BJ tatsächlich Teile seiner Uniform trägt, hat Hawkeye sich für seinen weinroten Bademantel und einen Martini entschieden. Das Leben im Lager zeigt die Vielschichtigkeit des Kriegs.
„Schönes Kleid.“ Hawk lächelt.
„Danke Sir.“ Klinger dreht sich einmal im Kreis. „Ich wusste, dass Lavendel meine Farbe ist.“
„Was soll das.“ Frank Burns kommt wütend aus dem Sumpf. „Ich hatte Ihnen doch gesagt, sie sollen das ausziehen!“
„Aber doch nicht vor der Ehe.“ Klinger nutzt Franks momentane Sprachlosigkeit, um den Rückzug anzutreten. Frank eilt ihm nach.
„Major Frank Burns, das beste Beispiel für den fehlenden Zusammenhang zwischen Führungskompetenz und Rang.“ BJ schüttelt den Kopf.
„Noch drei Tage.“ Hawk nimmt einen weiteren Schluck von seinem Martini. Es wird noch drei weitere Tage dauern bis Henry Black aus seinem Urlaub zurückkehrt- noch drei Tage unter Franks Kommando.
„Wir sollten etwas tun.“ BJ ist normalerweise der vernünftigere von ihnen beiden. Aber ihnen ist nicht nur langweilig, sondern ihnen missfällt grundsätzlich, wenn Frank zu viel herumkommandiert und die Art und Weise, wie er mit seinen Untergebenen spricht.
„Wir werden etwas tun.“ Sumpfratten unter sich.
Das fröhliche Treiben im Camp lässt sie in Gedanken und Plänen abtauchen. Eingegipst haben sie ihn erst, momentan gibt es keine Operationen, d.h. also auch keinen organischen Abfall, den sie irgendwo verstecken könnten und sie müssen auf dem schmalen Grad zwischen Spaß und Kriegsgericht handeln solange Henry Black noch nicht zurück ist. Einige Soldaten spielen Football, andere Basketball, Father Malcuhy gießt die Pflanzen vor seinem Zelt.
Ein Paar Glas später ist der Plan, wenn vielleicht auch etwas plump, fertig. Frank wird am Abend Augen machen, wenn er aus der Dusche kommt und anstatt seiner Uniform nur ein buntes Blümchenkleid findet…
Wie gesagt, die Bedeutung des Koreakrieges in der historischen Betrachtung ist eher unwichtig, aber immerhin kann dieser geopolitische Konflikt immer noch als Beispiel für einen Stellvertreterkrieg genannt werden. Ein wenig so als geht es nur darum, dass sich zwei Jungen zum spielen treffen und kleine Spielzeugsoldaten auf dem Spielplatz verteilen. Amerika und China haben einfach beschlossen ihre Konflikte lieber nicht bei sich zu Hause, sondern in einem anderen Land auszutragen, so als würde man zu seinen Nachbarn gehen, um seinen Ehestreit zu lösen.
„Ich glaube, dass gab es letzte Woche schon mal.“ B.J. schaut angeekelt auf den braunen Brei, der angeblich aus grünen Erbsen bestehen soll.
„Du meinst letzten Monat. Nichts geht über ein leckeres Reste-Essen.“ Hawk lässt ein Stück Fleisch oder Fleischersatz oder Ersatzfleisch zurück auf den Teller fallen. „Ich dachte, sie wollten keine biologische Kriegsführung einsetzen.“
„Meckern, meckern und immer nur meckern.“ Frank beißt übertrieben betont in sein Fleisch. Sein Lächeln misslingt. Zum einen ist Frank mit seinen viel zu schmalen Lippen allein aus anatomischen Gründen nicht gerade zum Lächeln geeignet. Zum anderen scheinen seine Geschmacksnerven nicht so abgestorben zu sein, wie er erwartet hat. „Wir sollten dankbar sein, wie gut wir hier versorgt werden. Die Army weiß schon, was wir brauchen.“
Major Houlihan nickte zustimmend. „Da kann ich dem Major nur zustimmen .Die Army der Vereinigten Staaten ist die beste… “ Ein zweiminütiger Vortrag folgt. Trapper und Hawkeye sehen einander an.
„Manchmal braucht man gar nicht das Essen, damit einem so richtig schlecht wird.“
„Vor dem Essen, nach dem Essen- und dazwischen auch!“
160000 tote Soldaten und über 3 Millionen tote Zivilisten geraten überraschend schnell in Vergessenheit, von den Kriegsverwundeten ganz zu schweigen. Gehen wir nun allein mathematisch davon aus, dass jeder dieser toten Soldaten auch nur zwei Angehörige oder Freunde hat, die durch seinen tot stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt werden, sind das allein 320000 Kriegsopfer mehr.
Im OP herrscht Stille. Henry Black ist auf dem Weg nach Hause, als sein Hubschrauber ins Meer stürzt. Keine Überlebenden. Radars Stimmt bricht ab. Hawkeye und BJ stehen Tränen in den Augen, einige Krankenschwestern schluchzen leise. Dann geht der Alltag weiter, das klappern der Bestecke, einzelne Worte „Schere“, „Tupfer“. Es ist unfair. Eigentlich ist es nicht neues, dass der Krieg aus Ungerechtigkeiten besteht, aber selten trifft es sie so direkt. Als sie den OP wieder verlassen, steuern Hawk und BJ direkt auf den Sumpf zu, während Frank unkommentiert in Hotlips Zelt verschwinden kann. Klinger, Schwester Kelly, Igor und viele andere sind bereits da oder erscheinen den Abend über, um zu trinken. Sie würden gerne schlafen, aber der Schmerz ist noch zu groß. Sidney Friedman wird innerhalb der nächsten Tage auftauchen und nach dem rechten sehen. Frank ist der ranghöchste Offizier und wird zunächst das Kommando übernehmen, aber all das scheint noch so fern. Nach dem vierten Martini fällt Pierce auf, dass Radar nirgends zu sehen ist. Er ist müde, aber noch nicht betrunken genug, um nicht zu gehen. Radar sitzt auf seinen Bett im Dunkeln und hält seinen Teddy fest an sich gedrückt. Normalerweise versucht er die Existenz seines kleinen Kuscheltieres geheim zu halten, aber diesmal rührt er sich noch nicht mal als Hawk durch die Tür kommt. Hawkeye setzt sich neben ihn und legt nach einiger Zeit eine Hand auf Radars Rücken. Es dauert bis die Tränen abnehmen.
„Das ist nicht fair.“ Radars Stimme ist brüchig, aber er versucht sich zu festigen.
„Ja.“ Hawkeye kämpft ebenfalls mit den Tränen. Er wünscht, er hätte sich mehr Alkohol mitgenommen. Beide bleiben einfach sitzen und bewegen sich nicht mehr bis Radar irgendwann einschläft. Hawk rappelt sich auf und deckt ihn und seinem Teddybären zu. Im Sumpf schläft irgendein Sergeant bereits auf seinem Bett, aber das ist egal. Franks Bett ist noch frei. Ein weiterer Martini und der Schlaf kommt bald.
Er träumt von dem Ort, wohin die Zeit verschwindet, wenn sie vorbeigeht. Er träumt davon, wie Henry Black sich mal wieder in seinen eigenen Angelharken verharkt. Er träumt von der Beerdigung mitten im Sumpf. Dann nichts mehr.
Fast 60 Jahre später ist alles Leid vergessen. Niemand hat dazugelernt.
Viel Spaß beim Lesen.
Falls Du was anderes möchtest, sag Bescheid!♥
no subject
Date: 2009-06-03 03:34 pm (UTC)Es ist wirklich sehr, sehr, sehr toll und - wow! Ich meine WOW! Ich brauche nichts anderes außer Kleenex und noch ein paar Mal durchlesen. Vielleicht bin ich irgendwann in den nächsten Stunden koheränt genug, hier ein ordentliches Kommentar zu hinterlassen, aber so verbleibe ich einfach in dankbarere Ehrfurcht vor dieser wirklich tollen FF, weil - WOW!
LOVE
SNIFF
LOVE
M*A*S*H!!!
DANKE!
<3
no subject
Date: 2009-06-03 06:09 pm (UTC)