der_jemand: (Default)
[personal profile] der_jemand posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Frühlingsgefühle
Fandom: Original (siehe hier)
Challenge: Frühjahrsputz
Charaktere: Thomas Leery, Kyle Birch, John Rayleigh, Katherine Rayleigh, Carmen Seda und Philip Seyward
Wörter: 1.481
Widmung: für [livejournal.com profile] raincolours
Kommentar: Ich bin zu spät, ich habe wirklich zwei Stunden sinnlos auf die Tastatur eingehauen und das nicht noch einmal gelesen. Ich vermute, es ist nichts von dem, was ich schreiben wollte, aber immerhin habe ich jetzt ein paar neue Charaktere mit Namen. Oder so.


„Mr. Birch, Sir?“
Der Mechaniker kam rückwärts aus dem Motorenschacht geklettert, den er gerade untersuchte und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. „Was gibt es denn, Mr. Leery?“
„Miss Seda hat ein Problem mit der Gasversorgung entdeckt und sagt, ich soll Ihnen und Lord Rayleigh bescheid sagen.“
„Sehr schön, aber, tut euch selbst den Gefallen und verzichtet heute auf einen Besuch in Rayleighs Büro.“
Tom hob eine Augenbraue. „Aber...“
„Vertraut einem alten Mann, ich kenne John seit Jahren und weiß, wann man ihm besser nicht in die Quere kommen sollte.“
Kyle Birch war mitnichten ein alter Mann, er war grade zwanzig, aber Tom wollte ihm lieber nicht widersprechen, immerhin würde Birch ihm das Zeugnis ausstellen, von dem abhing, ob er als Steward auf einem der Schiffe der Rayleigh-Reederei anfangen durfte und so irgendwann die Chance bekommen würde, Kapitän eines Luftschiffes zu werden.
„Wäre es zu neugierig, zu fragen, warum man Lord Rayleigh nicht in die Quere kommen darf, Mr. Birch?“
„Immer wissbegierig, hm? – Keine Angst, die Chancen stehen gut, dass du es heute noch herausfindest. Nur so viel: Lady Rayleigh ist im Haus.“
„Lady Rayleigh? Ich wusste nicht, dass Lord Rayleigh verheiratet ist.“
„Nicht John. William Rayleigh, unser aller Chef.“
„Und dessen Frau...“
„Genug, Mr. Leery, ich denke, wir sollten Miss Seda einen Besuch abstatten, sonst werden wir uns noch wünschen, zum Ziel von Rayleighs schlechter Laune geworden zu sein.“
Tom nickte eifrig. Carmen Seda war zwar eine zierliche Person, die ihm gerade bis zur Schulter reichte, aber sie war nicht für ihre Geduld bekannt und ihr Temperament war gefürchtet. Eilig folgte er dem rothaarigen Chefmechaniker über die schmalen Stege, die ein dichtes Gitter um den Rumpf der Highwind flochten.


„Ich bitte dich, Katherine!“
„Wenn du mir erklärst, was es ist, kommt es nicht in den Müll“, stellte sie gnadenlos fest und ihre schwarzen Augen blitzen.
Ihr machte das Spaß.
Rayleigh schluckte. „Das... die zweite Skizze für die Verstrebungen der Merriweather.“
„Die wievielte Version habt ihr damals verwendet?“
„Die achtunddreißigste.“
„Und vor wie vielen Jahren ist die Merriweather vom Stapel gelaufen?“
„Vor fünf.“
„Dachte ich doch.“ Und die schmale Mappe landete in der Pappkiste, die neben der Tür stand und inzwischen vor Papier überzuquellen drohte.
„Katherine, das ist nicht fair, ich habe dir erklärt, was es ist.“
„Und ich habe dir am Anfang gesagt, dass alles unwichtige aus deinem Büro verschwinden wird.“
„Aber...“ Er wollte sich überzeugen, dass diese Zeichnungen wichtig waren, aber ihm fiel wirklich nichts ein, wofür er sie gebraucht hätte, außer als Abstellplatz für seine Kaffeetasse und irgendetwas sagte ihm, dass das kaum ein Verwendungszweck war, den sie gelten lassen würde.
Katherine war erbarmungslos. – Einer der Gründe dafür, dass William sie geheiratet hatte, sein Bruder war ein Masochist.
Sie hielt eine Mappe hoch, er seufzte nur. Sie lächelte und warf sie in die Kiste. So arbeitete sich Katherine bereits seit heute morgen um sechs Uhr durch die Papierstapel, die sich auf seinen Regalen, in den Schränken und auf dem Schreibtisch auftürmten.
„John, das ist nicht dein Ernst, oder? – Eine Tageszeitung von vor drei Jahren? Wie habe ich die bisher immer übersehen?“
„Sie steckte in dem Ordner mit den technischen Daten der Autumn Sun.“ Eines seiner besseren Verstecke. Er hatte nur keine Ahnung mehr, warum er diese Zeitung unbedingt hatte aufbewahren wollen.
„Komm, Katherine, hör auf. So aufgeräumt war es hier schon seit einem Jahr nicht mehr und ich werde sowieso nichts mehr finden, du hast doch bestimmt wichtigeres zu tun.“
Sie zog eine Augenbraue hoch. „John, ich gönne deinem Büro jetzt seit sieben Jahren einen alljährlichen Frühjahrsputz. – Habe ich es jemals verlassen, bevor es sauber war?“, fragte sie beinahe liebevoll.
„Aber das ist unmenschlich! Darin steckt Ordnung und wochenlange Arbeit und du weißt genau, dass ich heute Nacht wieder hier sitzen werden und die Reste wieder so aufstapeln werde, wie es mir gefällt!“
„Du solltest wirklich dringend heiraten, damit du jemanden hast, der dich abends zu hause erwartet.“
Gut, das war jetzt nur noch grausam. Katherine war die einzige Person, die wusste, warum er nicht heiratete. Es war sicher nicht seine Absicht gewesen, es ihr mitzuteilen, es war ein Versehen gewesen, aber es war auch nicht schlimm. Wenn bei irgendjemandem sein Geheimnis sicher war, dann bei ihr. Und sie wusste genau, dass heute Abend, wie an jedem Freitagabend, Phil auf ihn wartete.
„Weiß du was, vergiss es, Frau. Leb deinen Ordnungsfimmel aus, wirf es alles weg, wenn es etwas wichtiges ist, werde ich es halt noch mal machen, schließlich habe ich ja nichts besseres zu tun!“, knurrte er und schlug die Bürotür hinter sich zu.
Dass sie ein schon perverses Vergnügen daran empfand, seine Arbeit in ihre kleinbürgerliche, alphabetische, für jeden verständliche Sinnlosigkeit zu pressen... Ja, das brachte ihn jedes Jahr zum Ausrasten. Die Sache mit Phil hatte es nicht einmal nennenswert beschleunigt und es war auch eigentlich nicht schlimm. – Es war nur ab und zu ein schönes Gefühl, jemanden zu haben, der wartete. Und wann er ihn warten ließ, entschied er immer noch selber, verdammt!
Er fauchte den Jungen, der ihm irgendeine wichtige Nachricht in die Hand drücken wollte, an und marschierte in Richtung Werft. Die Highwind war ein dermaßen verrücktes und größenwahnsinniges Projekt, dass es ihn immer wieder mit stiller Zufriedenheit erfüllte, ihren Rumpf wachsen und die Arbeiter fluchen zu hören.
Außerdem gab es hier immer jemanden, der eine Frage hatte und deshalb angeschrieen werden durfte.
Beinahe gegen seinen Willen grinste er bei diesem Gedanken.
Allerdings schien irgendjemand ein noch viel größeres Bedürfnis zu brüllen zu haben als er. Ein hektische, sich überschlagende Stimme feuerte einen wirren Mix englischer und spanischer Fachwörter und Flüche durch die Halle. Carmen.


Tom stand neben Mr. Birch und beobachtete Miss Seda dabei, wie sie Flickzeug und Holzkeile auf den Boden warf und dabei immer wieder anklagend an der Ballonseide zog und zerrte.
„Diese verfluchten, unfähigen...“
„Gibt es Schwierigkeiten, Miss Seda?“
Er zuckte zusammen, als die scharfe Stimme neben ihm erklang. Es war Lord Rayleigh und er sah weiß Gott nicht gut gelaunt aus.
Auch die anderen Männer zuckten zusammen, nur Mr. Birch hatte sich besser im Griff.
„Ein Leck in den Tanks. Wohl durch die Aufhängung“, erklärte er ruhig.
„Diese verdammten, dreckigen...“
„Carmen, bitte.“
„Ich kann so nicht arbeiten. Kann ich nicht! Will ich nicht! ¡se acabó lo que se daba!”
„Wenn ich mich recht erinnere, bezahle ich dich aber dafür, dass du hier arbeitest, also stell dich nicht so an!“ Rayleigh bedachte sie mit einem vernichtenden Blick.
„Ich kann darauf verzichten, von dir bezahlt zu werden, wenn du auch diese Idioten bezahlst!“
„Klingt gut für mich, ich werde es gleich weiterleiten.“
„Rayleigh, lass das. Carmen hat recht. Die Mannschaft, die die Gestelle gebaut hat, hat geschludert. Keine abgeschliffenen Kanten, nichts. Natürlich geht dann die Seide kaputt.“
„Dann bezahlen wir die auch nicht mehr. – Irgendwann muss ich diese verfluchten Schiffe selber bauen, wenn hier niemand auch nur irgendetwas kann. Was steht ihr hier überhaupt rum, habt ihr selber keine Arbeit?“
Toms erster Reflex war, loszurennen und sich irgendeine Arbeit zu suchen, so wie es alle anderen außer Mr. Birch und Miss Seda machten, aber ihm fiel grade noch rechtzeitig ein, dass er momentan als Gehilfe bei den Segelmachern, also bei Miss Seda angestellt war. Sofort sah Lord Rayleigh ihn an.
„Und da haben wir... den jungen Mr. Leery, wenn ich mich recht erinnere.“
Tom schluckte. „Ja... Ja, Sir.“
„Habt ihr auch nichts zu tun?“
„Ich arbeite eigentlich für Miss Seda..., Sir.“
„John, lass den Jungen in Ruhe.“
„Ja ja... Und wann gedachtet Ihr, mich von diesen Schwierigkeiten zu unterrichten, Mr. Birch?“
„Am Montag, sobald ich wieder hier bin.“
„Am Montag? Warum am Montag?“
„Weil morgen Wochenende ist. Und Ihr heute beschäftigt seid.“
Lord Rayleigh kniff die Augen zusammen, dann schüttelte er den Kopf. „Richtig. Wahrscheinlich sollte ich versuchen, wenigstens die Konstruktionszeichnungen der Highwind zu retten. Gott, wie ich den Frühling hasse.“
„Lord Rayleigh?“, ein junger Mann, den Tom noch nie hier gesehen hatte, war auf dem Steg aufgetaucht. Er trug einen feinen Anzug, war also offensichtlich kein Werftarbeiter und hatte kuperfarbene Haare und ein schiefes Lächeln. „Wir hatten einen Termin.“
Der Angesprochene fuhr auf dem Absatz herum und sofort entspannten sich seine Gesichtszüge. „Mr. Seyward. – Ich fürchte ich habe das völlig vergessen.“
„Nun, vielleicht hat Euch die Nachricht auch einfach noch nicht erreicht. Ich habe einen Botenjungen zu Euch geschickt, nachdem mir Eure Schwägerin mitteilte, dass Ihr heute Abend wohl unabkömmlich sein würdet.“
Lord Rayleigh begann zu lächeln. „Wenn das so ist... – Mr. Birch, würdet Ihr mit bitte bis Montag eine Namensliste des Teams einreichen? Und mich vielleicht dann vom vollen Ausmaß des Schadens unterrichten?“
„Natürlich.“
„Danke. – Einen schönen Tag noch, Mr. Leery, Carmen.“
Als die beiden Männer auf dem Abstieg vom Gerüst waren, traute Tom sich endlich, etwas zu sagen. „Was war das denn?“
„Ich fürchte, Rayleigh ist nun endgültig verrückt geworden“, stellte Mr. Birch fest.
„Vielleicht auch nur Frühlingsgefühle“, überlegte Miss Seda. „Egal, er ist trotzdem verrückt.“

Date: 2009-03-22 05:58 pm (UTC)
From: [identity profile] raincolours.livejournal.com
.. zuerst hab ich die Geschichte gelesen, dann das Autorenzeugs und so.. und omg Widmung? Für mich? Wieso? Hab ich das verdient?!

Aber omg danke ;3;

..
..
*cough*

Wie auch immer, ich bin gerührt.. und total begeistert.
Anfangs bin ich bei Geschichten, wo man nicht viel Hintergrund kennt - oder Vorgeschichten ein wenig verwirrt.
Aber hier.. es ist spannend zu lesen, wie sich mit jedem Teil ein neues Puzzlestück hinzufügt. Ich kann jetzt nur mehr hoffen, das du noch einige Ideen dazu hast und etwas schreibst ;)

Und ich steh total auf John. Warum auch immer. Ich steh auf ihn *_*;
(.. vllt. weil mir das mit der Zeitung so verflixt bekannt vorkommt.. eh..)

Date: 2009-03-29 05:24 pm (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Warum habe ich das noch nicht früher gesehen?

Es ist toll. Ich liebe dieses Genre mit jedem Satz mehr, den ich von dir dazu lese. Ich finde die neuen Charaktere genial. Und ich liebe Phils Auftritt am Ende in der Werft. Herrlich. Einfach nur herrlich.

Ich möchte auch mehr davon, du Göttin!

Date: 2009-03-29 10:07 pm (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Ohne es wirklich eindeutig zu machen, schaffst du so eine Atmosphäre, dass ich inzwischen eine ganz genaue Vorstellung der Highwind und ihrer Kontruktion habe XD

Phil verbreitet ein absolut lauschiges Gefühl. Der Schnuffel. Den ich am liebsten drücken würde, weil er immer warten gelassen wird XD

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