[identity profile] unverdorben.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Tokio Hotel
Characters: Bill & Tom Kaulitz
Challenge: Farben: #4 Golden Brown
Rating: P12
A/N: Ich bin so...pünktlich! Oh und kennt irgendjemand andere Challenge-Communities, die RP-Claims zulassen? Irgendwas, hauptsache mit Tabelle und so? Plehease?
Wordcount: 674
Geschrieben in: 54 Minuten
Soundtrack:




„Hier habt ihr Drogen, Kindern. Und jetzt geht spielen und lasst den Onkel David in Ruhe seine Arbeit machen, ja?“

Nein, so ist das natürlich gewesen. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie die erste snow cone in meine Finger gekommen ist, aber unser Management hatte damit nichts zu tun. Ganz sicher. Ich glaube eher, dass Bill es war, der sie mir zugesteckt hat. Bill hatte schon immer ein seltsames Interesse an bewusstseinsverändernden Substanzen.

Wenn ich mir es genau überlege, bin ich mir sogar sicher, dass es Bills Idee war, Heroin zu rauchen. Er hat unsere erste Zigarette von unserem Onkel geklaut und er war es, der mir eines Tages ein paar grüne Krümel mit einem Geruch unter die Nase gehalten hat, den ich bis dahin zwar nicht ge-, aber sofort erkannt habe. Bill ist ein Junkie.

Das seltsame ist: er ist nicht süchtig. Er ist auf jeden Fall abhängig und ohne seine morgendlichen Stimmungsaufheller absolut ungenießbar, aber es gibt keine bestimmte Droge, die er braucht. Bill nimmt Koks, Heroin, LSD, Ecstasy und Hasch so wild durcheinander wie er heute lieber Gummibärchen isst und morgen saure Drops. Dazu ein bisschen Nikotin, Alkohol, Koffein und seine Antidepressiva, et voilà, das strahlende Honigkuchenpferd ist fertig für den Tag. Es ist beeindruckend.

Ich bin mir sicher, dass ich, wenn ich jemals versuchen sollte, auch nur annähernd an seinen Input heranzukommen, erst einmal einen echten Höllentrip schieben und dann an einer dreifachen Überdosis sterben würde. Bills Körper verarbeitet das ganze Zeug wahrscheinlich gar nicht richtig, genauso, wie er essen kann wie ein Scheunendrescher ohne dabei auch nur ein Gramm zuzunehmen. Er ist ein medizinisches Wunder.

„Mach mal das Licht runter“, sagt das medizinische Wunder vom Bett aus. Er sitzt im Schneidersitz darauf und kritzelt in einem Heft herum, dass er „Lyricsbook“ nennt. Die Bezeichnung stimmt insofern, dass er wirklich Liedtexte hineinschreibt, und andererseits ist sie auch wieder völlig falsch, denn keiner dieser Texte wird je auf ein Tokio Hotel-Album kommen. Ich strecke mich zum Lichtschalter und dimme das Licht zu einem diffusen Schummern. Sehr stimmungsvoll.

„Hast du meine Sonnenbrille gesehen?“, fragt er und streicht was auch immer mit heftigen Strichen durch. Als wolle er das eben erst Geschriebene nicht nur rückgängig machen, sondern gleich umbringen.

„Nein.“ Bill hat fast so viele Sonnenbrillen wie ich Caps. Ich kann unmöglich wissen, wo die eine gerade steckt, die er meint. Und von der er meint, ich wüsste, welche er meint. Bill meint sehr viel und es macht nicht immer unbedingt Sinn.

„Wieso?“, fragt er weinerlich.

Bill verträgt zu viel Sonnenlicht nicht. Zumindest jetzt nicht, wenn seine Pupillen nicht mehr auf die Lichtstärke reagieren und sich dementsprechend anpassen.

„Weil“, antworte ich und greife nach meinen Kippen. Wenn ich seiner Gegenwart simple Zigaretten rauche, komme ich mir manchmal richtig kindisch vor. Richtig sauber. Jungfräulich sauber und unberührt.

„Du brauchst die doch gar nicht“, sage ich, als er vom Bett krabbelt, durchs Zimmer hoppelt und unter theatralischem Seufzen zu Suchen beginnt. Ich weiß selbst nicht, ob ich die Brille oder die Drogen meine.

„Nein“, sagt er gedehnt. „Aber ich will die.“

„Warum?“, frage ich weinerlich.

„Mit ist angenehmer.“

Ich ziehe die Nase hoch und nicke. Klar. Die Welt ist ein Wattebausch und er lacht den ganzen Tag.

Bill quiekt entzückt, als er die Brille unter einer Zeitschrift neben der Heizung findet, und setzt sie auf.

„Ich seh so geil mit dem Teil aus“, sagt er und zwinkert mir durch das dunkle Glas zu. Zumindest kommt es mir so vor. „Und was sich reimt, ist gut!“

Manchmal tut seine gute Laune weh. Es tut mir Leid, dass er allein herumhüpft und ich nur dasitze und den einen oder anderen Flachwitz reiße.

„Bill?“

„Bill?“, kichert er.

„Nichts.“

Er stellt sich auf die Zehenspitzen und stolziert zu mir herüber. Als seine Beine meine Knie berühren, bleibt er stehen und geht in die Hocke. Ich nehme ihm die Brille ab. Seine Augen sind fast schwarz.

„Nicht weggehen, ja?“, sagt er und hält sich an meinen Oberschenkel fest, um nicht auf den Hosenboden zu fallen.

Ich grinse nur.

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