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Fandom: Tokio Hotel
Characters: Bill & Tom Kaulitz
Challenge: Farben: #14 Schneeweiß
Rating: P6
A/N: Bis zum nächsten Sommer werd ich fertig.... ganz sicher.
Wordcount: 1283
Geschrieben in: 113 Minuten
Soundtrack:



Es ist still am Frühstückstisch. Simone legt Bill sein Honigbrötchen auf den Teller und nimmt von der Butter, um die zweite Hälfte für Tom zu schmieren. In zwei Stunden wird Jörg sich auf den Weg machen und eine Lieferung nach Italien an die Riviera fahren, dorthin, wo andere Leute Urlaub machen. Simone ist froh, ein paar Tage Urlaub zu haben.

"Möchtest du noch Kaffee?", fragt sie, als sie Tom sein Brötchen gibt. Jörg gibt ein undefinierbares Grunzen von sich. Sie steht auf und geht in die Küche. Bevor sie die Kaffeekanne aus der Maschine nimmt, bleibt sie eine Weile vor dem Fenster stehen und starrt ins Leere. Es ist kalt draußen, sie wird Bills und Toms Wintersachen im Schrank nach vorne räumen müssen.

Jörg brummt ein "Danke", als sie ihm nachschenkt, löffelt zu viel Zucker in seine Tasse und rührt darin herum. Der Löffel schlägt klappernd gegen die Wände, aber Jörg nicht auf. Es macht sie wahnsinnig.

Bill wischt seine Honigverklebten Finger an seiner Schlafanzughose ab. Sie sieht es, sagt aber nichts.

Die Blumen wird sie heute auch unbedingt gießen müssen. Gestern hat sie es vergessen und die Orchidee, die ihre Mutter ihr geschenkt hat, lässt schon die Blätter hängen. Jörg legt den Löffel endlich weg und schlürft Schluck um Schluck.

"Magst du noch eins?", fragt sie Bill, der sich gerade den letzten Bissen in den Mund schiebt. Er ist zu groß und Bill bekommt ganz dicke Backen. "Wir haben auch noch Croissant da", sagt sie. Bill kaut und sieht sie mit großen Augen an. Dann schüttelt er den Kopf. "Und du, Tom?" Tom deutet auf sein halb aufgegessenes Brötchen. Er hat rundherum den Rand abgebissen und jetzt ist eine Brötcheninsel übrig, über deren Rand der Honig auf den Teller tropft.

Jörg nimmt sich das Croissant und schneidet es auf. Als Simone von ihrem Kaffee trinken will, bemerkt sie, dass ihre Tasse leer ist. Die Kanne steht ebenfalls leer zwischen Jörg und dem Brotkorb. Man sollte eh nicht so viel Kaffee trinken, denkt sie.

Bill zieht die Nase hoch. "Tom und ich heiraten übrigens", sagt er.

"Ah, ja"?, sagt Simone und Jörg brummt gleichzeitig: "Ihr könnt nicht heiraten."

Bill blickt von ihr zu ihm und von ihm zu ihr. "Ihr seid nicht eingeladen", sagt er.

"Wieso?", fragt Simone und Jörg brummt: "Geschwister heiraten nicht. Und Brüder erst recht nicht."

Bill wischt sich die Hände an der klebrigen Schlafanzughose ab.

"Lass sie doch spielen", sagt Simone leise.

"Spielen", brummt Jörg. "Spielen. Ah ha. So siehst du das also."

Simone legt das Messer auf ihren Teller. "Ihr könnt in euer Zimmer gehen, wenn ihr keinen Hunger mehr habt", sagt sie. Bill und Tom rutschen von ihren Stühlen und huschen die Treppe hinauf.

"Heiraten", grunzt Jörg. "Haben sie den Schwachsinn von dir?"

Simone stutzt einen Augenblick. "Wieso sollen sie das von mir haben?"

"Heiraten spielt man nicht", sagt er.

"Sie sind fünf ", sagt sie.

"Und ich bin nicht eingeladen", grunzt er. "Hetzt du jetzt schon meine eigenen Kinder gegen mich auf?"

"Ich bin auch nicht eingeladen!", verteidigt sie sich schrill.

"Ja ja", brummt er.

Simone steht auf und räumt den Tisch ab.

***


Am frühen Nachmittag ist Jörg weg. Es ist still im Erdgeschoss. Simone nimmt die Wäsche aus der Waschmaschine und steigt mit dem Korb die Treppe hinauf. Auf dem Gang bleibt sie vor Bills und Toms Zimmer stehen. Die Tür steht halb offen. Durch den Spalt kann sie die Kuscheltiere der beiden sehen. Sie sitzen in ordentlichen Reihen auf dem Teppichboden und starren mit ihren Knopfaugen auf Bills Teddy, der Bills Schal um den Hals trägt.

"Du darfst nicht schauen!", hört sie plötzlich Bills vorwurfsvolle Stimme hinter sich. Sie dreht sich um. Bill hat das weiße Bettlaken aus der Verkleidungskiste im Arm und sieht streng zu ihr hoch. Tom steht hinter ihm und versteckt ganz offensichtlich etwas hinter seinem Rücken.

"Ich würde aber gern", sagt sie freundlich.

"Du darfst aber nicht", sagt Bill.

"Nicht ein klitzekleines bisschen?", fragt sie und lächelt.

"Nein."

"Na gut", lächelt sie weiter, obwohl es jetzt schwer wird, und geht an ihren Kindern vorbei ins Badezimmer. Als sie das erste feuchte T-Shirt an den Wäscheständer hängt, wird die Kinderzimmertimmer zugeschlagen.

***


Simone steht in der Küche und legt Kekse auf einen Teller. Sie hat sich angewöhnt, immer zwei gleichzeitig aus der Packung zu nehmen, so dass sie hinterher nicht nachzählen muss, ob es für jeden gleich viele sind. Sie stellt den Teller auf ein Tablett und daneben zwei Gläser Bananensaft. Bananensaft gibt es nur an Sonntagen und heute ist erst Samstag. Sie muss an Jörg und an seinen Vorwurf denken. Nein, denkt sie, als sie das Tablett in den ersten Stock trägt, sie bringt die Kinder nicht gegen ihn auf.

Vor der Kinderzimmertür zögert sie. Von drinnen hört sie verstellte Stimmen. Sie stellt das Tablett auf dem Boden ab, drückt vorsichtig die Klinke herunter und lugt ins Zimmer.

Bill trägt das weiße Bettlaken. Er hat sich es so um den Körper geschlungen, dass wie er eine Mischung aus einem Römer und einem zu klein geratenen Gespenst aussieht. Außerdem ist sein improvisiertes Kleid viel zu lang. Tom hat sich das Piratenkopftuch um den Bauch gebunden. Simone braucht etwas, bis sie erkennt, dass es einen Kummerbund ersetzen soll. Statt einem Zylinder hat Tom den alten Filzhut von seinem Großvater auf dem Kopf. Er verfolgt konzentriert, wie Bill seinen Teddy im Nacken hält und leicht bewegt, als er mit gewichtiger Stimme sagt: "Willst du, Tom, den Bill hier heiraten und lieb haben, bis einer von euch ganz richtig tot ist?"

"Mhm", macht Tom.

Bill strahlt.

"Willst du, Bill, den Tom heiraten und lieb haben und so, bis einer von ganz richtig tot ist?", fragt der Teddybär jetzt Bill.

"Ja", sagt Bill.

Tom beugt sich vor und gibt ihm einen Kuss auf die Wange.

***


Simone liegt allein im Bett. Es ist so still, dass das Ticken des Weckers zu haben scheint. Sie hat Jörgs Bettzeug im Bettkasten verstaut und ihr Kissen in die Mitte gelegt. Sie versucht, sich überlegen zu fühlen, aber stattdessen fühlt sie sich nur allein.

Als sie nach dem Abendessen gekommen ist, um Bill und Tom einen Gute-Nacht-Kuss zu geben und das Licht auszumachen, habe alle Kuscheltiere wieder in ihrer Ecke gelegen. Sie dreht sich auf die Seite und schließt die Augen. Sie haben die Trauzeugen vergessen, denkt sie, bevor sie einschläft.

***


Bill liegt auf dem Sofa und döst. Es ist zu kurz für ihn und seine Beine hängen ein Stück über die Armlehne. Simone setzt sich in den Sessel gegenüber und betrachtet ihn. Sie kann ihn atmen hören. Sie versucht sich vorzustellen, dass dieser junge Mann einmal in ihrem Bauch Platz hatte. Es will ihr nicht richtig gelingen.

„Feiert ihr eigentlich euren Hochzeitstag?“, fragt sie.

„Was?“, murmelt er.

„Euren Hochzeitstag. Du und Tom. Ihr habt doch geheiratet, als ihr noch klein wart. Weißt du das nicht mehr?“

Bill öffnet die Augen und legt die Stirn in Falten. „Nein“, sagt er.

„Ihr wolltet euch lieb haben, bis einer von euch richtig tot ist“, sagt sie und kichert dabei.

Bill dreht den Kopf und sieht sie an.

„Kannst du dich wirklich nicht mehr erinnern?“, fragt sie.

„Wir haben so viel gespielt“, sagt er.

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