Eine fremde Sprache
Mar. 16th, 2026 02:24 pmChallenge: Eine fremde Sprache sprechen
Fandom: Original
Wörter: 1452
Emres Vorstellung eines vergnüglichen Abends beinhaltet die Wohnzimmercouch, ein Glas Çay und natürlich Albrecht.
Aber statt auf der bequemen Couch zu lümmeln, steht er im Anzug zwischen viel zu vielen Menschen rum. In seiner Hand hält er keinen Tee, sondern ein Glas Champagner. Wenigstens ist Albrecht hier — und das ist der einzige Grund, warum dieser Abend nicht ein vollkommener Albtraum ist.
Emre schiebt den Gedanken, dass Albrecht auch der einzige Grund dafür ist, dass sie heute überhaupt hier sind, lieber schnell weg.
Hier, das ist eine von Stuttgarts prestigeträchtigsten Adressen — das Schloss Solitude.
Der auf einer von Stuttgarts unzähligen Erhebungen gelegene Rokokopalast, das ehemalige "Lustschloss" der württembergischen Herzöge und Könige, hat Emres Meinung nach weniger mit "Lust" und mehr mit "Frust" zu tun.
Ja, es ist sehr schön hier.
Aber das ist es in seinem eigenen Wohnzimmer auch.
Emre hält sich an seinem vollen Glas fest und lächelt höflich, als Albrecht von irgendeinem grauhaarigen Mann im dunklen Anzug überschwänglich begrüßt wird.
"Herr von Hohenheim" hier, "Herr von Hohenheim" da.
Als würden sie alle darauf hoffen, dass etwas von Albrechts adeliger Abstammung auf sie abfärbt, scharen sie sich um ihn und scharwenzeln um ihn herum. Die Schleimspur ist bei manchen schon beinahe sichtbar.
Aber Albrecht hat einen guten Grund hier zu sein, zu lächeln und sich von anderen Männern als Emre anfassen zu lassen.
"Sie wissen, dass wir noch Wohltäter suchen, die sich an der Renovierung der Gartenfront beteiligen?", sagt Albrecht beiläufig.
Der Mann im dunklen Anzug lächelt. "Oh? Ich dachte, Ihre Familie kümmert sich um Schloss Hohenheim."
Emre kennt Albrecht lange genug, dass ihm der gequälte Ausdruck auffällt, der einen Augenblick die Fältchen um Albrechts Augen vertieft. "Wenn ich so viel Geld hätte, um das allein in Angriff zu nehmen, wäre ich wohl kaum hier", antwortet Albrecht und zwinkert den Mann an.
Sie lachen beide.
"Ich werde sehen, was ich tun kann", erwidert der Mann. Er klopft Albrecht auf den Oberarm. Dann beugt er sich vor und raunt etwas in Albrechts Ohr, das Emre nicht versteht.
Beide lachen ein weiteres Mal, bevor sich der Mann — endlich — vom Acker macht.
"Wer war das und was wollte er von dir?", fragt Emre leise.
Albrecht wirft ihm einen amüsierten Blick zu. "Eifersüchtig, Işığım?
Emre schnaubt. "Wegen dem? Nee."
"Das war der CEO der Porsche Consulting."
"Aha. Und was sollte die Geheimnistuerei?"
"Eine Hand wäscht die andere", seufzt Albrecht. "Wenn er etwas springen lassen soll, dann erwartet er eine Gegenleistung. Du weißt, wie so etwas funktioniert."
Emre rollt mit den Augen. Seiner Erfahrung nach bedeutet das, dass ihn Albrecht auf noch mehr Empfänge schleppen wird.
"Ich brauch jetzt mal irgendwas zu essen", murmelt Emre.
"Das Buffet ist da drüben." Albrecht bietet Emre seinen Ellenbogen an.
Sie haben sich gerade erst in Bewegung gesetzt, als ein anderer Mann ihnen in den Weg tritt. "Herr von Hohenheim! Das ist aber eine angenehme Überraschung …"
Albrecht wirft Emre einen entschuldigenden Blick zu, bevor er sich dem Neuankömmling widmet.
Na gut, dann wird Emre das Buffet eben allein suchen.
~~~
Das Buffet sieht nicht nur optisch sehr ansprechend aus. Emre entdeckt sogar mehrere Optionen, die als laktosefrei gekennzeichnet sind. Wunderbar.
Er nimmt zwei von den winzigen Lachs-Tarte…chen? Tarteletten? Eigentlich ist es ihm egal, wie man die Dinger nennt. Sie sind kaum groß genug, um sich über sie Gedanken zu machen. Ein mit Kaviar gefülltes Ei spricht ihn ebenfalls an. Vielleicht sollte er sich davon auch zwei gönnen? Und noch irgendetwas für Albrecht …
"Ich kann die Schinkenröllchen wärmstens empfehlen", sagt eine weibliche Stimme rechts von ihm.
Emre dreht den Kopf und sieht eine Frau, etwa in Albrechts Alter. Ihre blonden Haare trägt sie hochgesteckt. Das schwarze Kleid glitzert bei jeder Bewegung hypnotisch und ist an den richtigen Stellen tief ausgeschnitten, ohne billig zu wirken.
Besagte Schinkenröllchen sind von zartem Blätterteig umhüllt und somit zwar nichts, das Emre essen kann, aber wohl etwas, das Albrecht schmecken könnte.
"Danke für den Tipp", sagt er freundlich, bevor er mit der kleinen silbernen Zange zwei so auf seinen Teller legt, dass sie nichts von seinen Sachen berühren.
"Ich bin Emilia." Sie lächelt ihn freundlich an und streckt ihm ihre Hand entgegen.
Emre zögert einen Augenblick. Erwartet sie einen Handkuss? Oder soll er die Hand ganz normal schütteln? Ihm ist immer noch nicht klar, wann das eine angebracht ist und wann das andere. Also nimmt er ihre Hand, führt sie zu seinem Mund und deutet einen Kuss an.
"Sehr erfreut", sagt er. "Ich bin Emre."
"Oh, charmant", freut sich Emilia. "Welche Agenda führt Sie heute hier her, Emre?"
Agenda?
"Es hat zu regnen begonnen. Hier drinnen ist es trocken", antwortet Emre. Als sie vorhin aus dem Wagen gestiegen sind, ist tatsächlich gerade ein Unwetter aufgezogen.
Emilia lacht. Dann beugt sie sich leicht zu Emre und raunt verschwörerisch: "Ich bin auch nur wegen des Buffets hier. Deutlich angenehmer, als selbst kochen zu müssen."
Emre mustert Emilia ein weiteres Mal. Er hat nicht viel Ahnung von der Materie, aber ihr Schmuck wirkt teuer. Und das Kleid sieht auch nicht aus, als könnte man es bei H&M kaufen. Er bezweifelt, dass Emilia tatsächlich selbst kochen muss.
"Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wo man hier seine Ruhe hat, wenn man nicht dauernd von irgendwem angesprochen werden will.
Nicht dass Emre dieses Problem hätte. Dennoch folgt er Emilia neugierig. Vielleicht kann er Albrecht später überreden dort kurz Unterschlupf zu suchen.
Emilias "Geheimversteck" ist neben den beiden großen Pflanzen, die den Blick ins Hinterzimmer verstellen. Die Kellner und Kellnerinnen, die die geladenen Gäste unermüdlich mit Champagner versorgen, holen von da Nachschub.
Vor den Pflanzen sind Emre und Emilia zwar nicht von den Blicken der anderen geschützt, doch tatsächlich scheinen die übrigen Gäste diesen Bereich zu meiden. Emre ist schnell klar warum. Irgendwoher zieht es.
Wahrscheinlich ist der Nebenraum kaum beheizt. Vielleicht ist eines der Fenster undicht. So oder so, es ist hier deutlich kühler als überall anders im Saal.
Emre ist froh, dass Albrecht darauf bestanden hat, dass er einen dreiteiligen Anzug anzieht.
Auch Emilia scheint bald zu frösteln.
Bildet sich Emre das ein oder schielt sie auf seine Anzugjacke? Gentleman hin oder her, er hat sicher nicht vor, sie ihr zu geben. Dann friert er ja selbst …
Emilia nähert sich Emre immer mehr. Sie unterhalten sich sehr leise, also ist es nur natürlich, dass sie nah beisammen stehen. Emilia weiß einiges über die anderen Besucher zu erzählen. Es ist zum größten Teil nur Klatsch, aber der ist äußert unterhaltsam.
Dass er Albrecht irgendwo in der Menge stehen hat lassen, hat Emre für den Moment ganz vergessen.
Es dauert nicht lange, bis Albrecht selbst dafür sorgt, dass Emre sich wieder an ihn erinnert.
Zielstrebig steuert Albrecht auf Emilia und Emre zu. Ein weiterer Mann spricht Albrecht an — oder versucht es zumindest. Denn Albrecht wimmelt ihn sehr schnell ab. Stattdessen marschiert er mit finsterem Gesichtsausdruck zu ihnen.
Auch Emilia hat Albrecht entdeckt. Sie runzelt die Stirn. "Ich glaube, das ist …" Weiter kommt sie nicht.
"Freiin von Ketteler. Ich sehe, Sie haben meinen Ehemann schon kennengelernt." Albrecht lächelt, aber sein Blick macht klar, was er am liebsten mit Emilia machen würde.
"Herr von Hohenheim, entschuldigen Sie, wie gedankenlos von mir. Ich wollte Ihren Gatten natürlich nicht so lange nur für mich in Beschlag nehmen. Wir haben uns nett unterhalten und dabei die Zeit vergessen."
Emre ist zwar der Meinung, dass er sehr gut auf sich allein aufpassen kann, aber er weiß auch, dass es klüger ist, sich nicht einzumischen.
"Dann möchte ich nicht weiter stören und wünsche Ihnen beiden noch einen schönen Abend", sagt Emilia freundlich. Sehr schnell verschwindet sie irgendwo zwischen den anderen Gästen.
Einerseits ist es ja süß, wie eifersüchtig Albrecht ist, aber andrerseits hat sich Emre doch nur mit Emilia unterhalten. Er braucht wirklich keinen Anstands-Wauwau.
"Willst du rausgehen, um dich wieder abzukühlen?", fragte Emre ein klein wenig genervt.
"Ich brauch mich nicht 'abkühlen'. Es reicht, wenn diese … Person nicht mehr mit dir flirtet", zischt Albrecht.
"Wir haben nicht geflirtet", erwidert Emre ruhig.
"Du nicht. Sie schon."
Hat sie?
Emre sieht Emilia nachdenklich nach — oder eher dort hin, wo sie untergetaucht ist. Sie haben sich doch wirklich nur ganz normal unterhalten …
"Canim benim", seufzt Albrecht. "Du hast wirklich keine Ahnung."
Emre richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf Albrecht.
Die Falte auf Albrechts Stirn ist verschwunden. Dafür sind die Fältchen um seine Augen tiefer geworden. Als würde Albrecht sich ein Lächeln verkneifen müssen. Offenbar ist die Eifersucht verschwunden. Sehr gut.
"Wie kann jemand, der so intelligent und aufmerksam ist wie du, nur so unbedarft sein, was Flirts betrifft?"
Emre senkt seinen Kopf ein wenig, bis seine Nase Albrechts berührt. "Es ist doch nur wichtig, dass ich merke, wenn du mit mir flirtest."
Darauf hat Albrecht keine Antwort — zumindest keine, die aus Worten besteht.
Fandom: Original
Wörter: 1452
Emres Vorstellung eines vergnüglichen Abends beinhaltet die Wohnzimmercouch, ein Glas Çay und natürlich Albrecht.
Aber statt auf der bequemen Couch zu lümmeln, steht er im Anzug zwischen viel zu vielen Menschen rum. In seiner Hand hält er keinen Tee, sondern ein Glas Champagner. Wenigstens ist Albrecht hier — und das ist der einzige Grund, warum dieser Abend nicht ein vollkommener Albtraum ist.
Emre schiebt den Gedanken, dass Albrecht auch der einzige Grund dafür ist, dass sie heute überhaupt hier sind, lieber schnell weg.
Hier, das ist eine von Stuttgarts prestigeträchtigsten Adressen — das Schloss Solitude.
Der auf einer von Stuttgarts unzähligen Erhebungen gelegene Rokokopalast, das ehemalige "Lustschloss" der württembergischen Herzöge und Könige, hat Emres Meinung nach weniger mit "Lust" und mehr mit "Frust" zu tun.
Ja, es ist sehr schön hier.
Aber das ist es in seinem eigenen Wohnzimmer auch.
Emre hält sich an seinem vollen Glas fest und lächelt höflich, als Albrecht von irgendeinem grauhaarigen Mann im dunklen Anzug überschwänglich begrüßt wird.
"Herr von Hohenheim" hier, "Herr von Hohenheim" da.
Als würden sie alle darauf hoffen, dass etwas von Albrechts adeliger Abstammung auf sie abfärbt, scharen sie sich um ihn und scharwenzeln um ihn herum. Die Schleimspur ist bei manchen schon beinahe sichtbar.
Aber Albrecht hat einen guten Grund hier zu sein, zu lächeln und sich von anderen Männern als Emre anfassen zu lassen.
"Sie wissen, dass wir noch Wohltäter suchen, die sich an der Renovierung der Gartenfront beteiligen?", sagt Albrecht beiläufig.
Der Mann im dunklen Anzug lächelt. "Oh? Ich dachte, Ihre Familie kümmert sich um Schloss Hohenheim."
Emre kennt Albrecht lange genug, dass ihm der gequälte Ausdruck auffällt, der einen Augenblick die Fältchen um Albrechts Augen vertieft. "Wenn ich so viel Geld hätte, um das allein in Angriff zu nehmen, wäre ich wohl kaum hier", antwortet Albrecht und zwinkert den Mann an.
Sie lachen beide.
"Ich werde sehen, was ich tun kann", erwidert der Mann. Er klopft Albrecht auf den Oberarm. Dann beugt er sich vor und raunt etwas in Albrechts Ohr, das Emre nicht versteht.
Beide lachen ein weiteres Mal, bevor sich der Mann — endlich — vom Acker macht.
"Wer war das und was wollte er von dir?", fragt Emre leise.
Albrecht wirft ihm einen amüsierten Blick zu. "Eifersüchtig, Işığım?
Emre schnaubt. "Wegen dem? Nee."
"Das war der CEO der Porsche Consulting."
"Aha. Und was sollte die Geheimnistuerei?"
"Eine Hand wäscht die andere", seufzt Albrecht. "Wenn er etwas springen lassen soll, dann erwartet er eine Gegenleistung. Du weißt, wie so etwas funktioniert."
Emre rollt mit den Augen. Seiner Erfahrung nach bedeutet das, dass ihn Albrecht auf noch mehr Empfänge schleppen wird.
"Ich brauch jetzt mal irgendwas zu essen", murmelt Emre.
"Das Buffet ist da drüben." Albrecht bietet Emre seinen Ellenbogen an.
Sie haben sich gerade erst in Bewegung gesetzt, als ein anderer Mann ihnen in den Weg tritt. "Herr von Hohenheim! Das ist aber eine angenehme Überraschung …"
Albrecht wirft Emre einen entschuldigenden Blick zu, bevor er sich dem Neuankömmling widmet.
Na gut, dann wird Emre das Buffet eben allein suchen.
~~~
Das Buffet sieht nicht nur optisch sehr ansprechend aus. Emre entdeckt sogar mehrere Optionen, die als laktosefrei gekennzeichnet sind. Wunderbar.
Er nimmt zwei von den winzigen Lachs-Tarte…chen? Tarteletten? Eigentlich ist es ihm egal, wie man die Dinger nennt. Sie sind kaum groß genug, um sich über sie Gedanken zu machen. Ein mit Kaviar gefülltes Ei spricht ihn ebenfalls an. Vielleicht sollte er sich davon auch zwei gönnen? Und noch irgendetwas für Albrecht …
"Ich kann die Schinkenröllchen wärmstens empfehlen", sagt eine weibliche Stimme rechts von ihm.
Emre dreht den Kopf und sieht eine Frau, etwa in Albrechts Alter. Ihre blonden Haare trägt sie hochgesteckt. Das schwarze Kleid glitzert bei jeder Bewegung hypnotisch und ist an den richtigen Stellen tief ausgeschnitten, ohne billig zu wirken.
Besagte Schinkenröllchen sind von zartem Blätterteig umhüllt und somit zwar nichts, das Emre essen kann, aber wohl etwas, das Albrecht schmecken könnte.
"Danke für den Tipp", sagt er freundlich, bevor er mit der kleinen silbernen Zange zwei so auf seinen Teller legt, dass sie nichts von seinen Sachen berühren.
"Ich bin Emilia." Sie lächelt ihn freundlich an und streckt ihm ihre Hand entgegen.
Emre zögert einen Augenblick. Erwartet sie einen Handkuss? Oder soll er die Hand ganz normal schütteln? Ihm ist immer noch nicht klar, wann das eine angebracht ist und wann das andere. Also nimmt er ihre Hand, führt sie zu seinem Mund und deutet einen Kuss an.
"Sehr erfreut", sagt er. "Ich bin Emre."
"Oh, charmant", freut sich Emilia. "Welche Agenda führt Sie heute hier her, Emre?"
Agenda?
"Es hat zu regnen begonnen. Hier drinnen ist es trocken", antwortet Emre. Als sie vorhin aus dem Wagen gestiegen sind, ist tatsächlich gerade ein Unwetter aufgezogen.
Emilia lacht. Dann beugt sie sich leicht zu Emre und raunt verschwörerisch: "Ich bin auch nur wegen des Buffets hier. Deutlich angenehmer, als selbst kochen zu müssen."
Emre mustert Emilia ein weiteres Mal. Er hat nicht viel Ahnung von der Materie, aber ihr Schmuck wirkt teuer. Und das Kleid sieht auch nicht aus, als könnte man es bei H&M kaufen. Er bezweifelt, dass Emilia tatsächlich selbst kochen muss.
"Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wo man hier seine Ruhe hat, wenn man nicht dauernd von irgendwem angesprochen werden will.
Nicht dass Emre dieses Problem hätte. Dennoch folgt er Emilia neugierig. Vielleicht kann er Albrecht später überreden dort kurz Unterschlupf zu suchen.
Emilias "Geheimversteck" ist neben den beiden großen Pflanzen, die den Blick ins Hinterzimmer verstellen. Die Kellner und Kellnerinnen, die die geladenen Gäste unermüdlich mit Champagner versorgen, holen von da Nachschub.
Vor den Pflanzen sind Emre und Emilia zwar nicht von den Blicken der anderen geschützt, doch tatsächlich scheinen die übrigen Gäste diesen Bereich zu meiden. Emre ist schnell klar warum. Irgendwoher zieht es.
Wahrscheinlich ist der Nebenraum kaum beheizt. Vielleicht ist eines der Fenster undicht. So oder so, es ist hier deutlich kühler als überall anders im Saal.
Emre ist froh, dass Albrecht darauf bestanden hat, dass er einen dreiteiligen Anzug anzieht.
Auch Emilia scheint bald zu frösteln.
Bildet sich Emre das ein oder schielt sie auf seine Anzugjacke? Gentleman hin oder her, er hat sicher nicht vor, sie ihr zu geben. Dann friert er ja selbst …
Emilia nähert sich Emre immer mehr. Sie unterhalten sich sehr leise, also ist es nur natürlich, dass sie nah beisammen stehen. Emilia weiß einiges über die anderen Besucher zu erzählen. Es ist zum größten Teil nur Klatsch, aber der ist äußert unterhaltsam.
Dass er Albrecht irgendwo in der Menge stehen hat lassen, hat Emre für den Moment ganz vergessen.
Es dauert nicht lange, bis Albrecht selbst dafür sorgt, dass Emre sich wieder an ihn erinnert.
Zielstrebig steuert Albrecht auf Emilia und Emre zu. Ein weiterer Mann spricht Albrecht an — oder versucht es zumindest. Denn Albrecht wimmelt ihn sehr schnell ab. Stattdessen marschiert er mit finsterem Gesichtsausdruck zu ihnen.
Auch Emilia hat Albrecht entdeckt. Sie runzelt die Stirn. "Ich glaube, das ist …" Weiter kommt sie nicht.
"Freiin von Ketteler. Ich sehe, Sie haben meinen Ehemann schon kennengelernt." Albrecht lächelt, aber sein Blick macht klar, was er am liebsten mit Emilia machen würde.
"Herr von Hohenheim, entschuldigen Sie, wie gedankenlos von mir. Ich wollte Ihren Gatten natürlich nicht so lange nur für mich in Beschlag nehmen. Wir haben uns nett unterhalten und dabei die Zeit vergessen."
Emre ist zwar der Meinung, dass er sehr gut auf sich allein aufpassen kann, aber er weiß auch, dass es klüger ist, sich nicht einzumischen.
"Dann möchte ich nicht weiter stören und wünsche Ihnen beiden noch einen schönen Abend", sagt Emilia freundlich. Sehr schnell verschwindet sie irgendwo zwischen den anderen Gästen.
Einerseits ist es ja süß, wie eifersüchtig Albrecht ist, aber andrerseits hat sich Emre doch nur mit Emilia unterhalten. Er braucht wirklich keinen Anstands-Wauwau.
"Willst du rausgehen, um dich wieder abzukühlen?", fragte Emre ein klein wenig genervt.
"Ich brauch mich nicht 'abkühlen'. Es reicht, wenn diese … Person nicht mehr mit dir flirtet", zischt Albrecht.
"Wir haben nicht geflirtet", erwidert Emre ruhig.
"Du nicht. Sie schon."
Hat sie?
Emre sieht Emilia nachdenklich nach — oder eher dort hin, wo sie untergetaucht ist. Sie haben sich doch wirklich nur ganz normal unterhalten …
"Canim benim", seufzt Albrecht. "Du hast wirklich keine Ahnung."
Emre richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf Albrecht.
Die Falte auf Albrechts Stirn ist verschwunden. Dafür sind die Fältchen um seine Augen tiefer geworden. Als würde Albrecht sich ein Lächeln verkneifen müssen. Offenbar ist die Eifersucht verschwunden. Sehr gut.
"Wie kann jemand, der so intelligent und aufmerksam ist wie du, nur so unbedarft sein, was Flirts betrifft?"
Emre senkt seinen Kopf ein wenig, bis seine Nase Albrechts berührt. "Es ist doch nur wichtig, dass ich merke, wenn du mit mir flirtest."
Darauf hat Albrecht keine Antwort — zumindest keine, die aus Worten besteht.