[identity profile] m-chris-h.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Elias ist in Erfurt, um mit Ben, Leyla und Raya Weihnachten zu feiern.

„Und hier ist noch ein Päckchen.“ Leyla tat überrascht, als sie unter den Baum griff und es hervorholte. Sie musterte es von allen Seiten, dann reichte sie es Raya, die mit ihr auf dem Boden vor dem Baum saß. „Da steht auch dein Name drauf, siehst du?“

Raya nickte strahlend und begann schnell, es auszupacken.

„Ich hoffe er passt.“, murmelte Elias, während er mit Ben vom Sofa aus zusah, wie die Fetzen Geschenkpapier flogen.

„Ich bin selbst überrascht, wie schnell sie wächst, und ich sehe sie jeden Tag.“, erwiderte Ben. Schnell fügte er hinzu: „Das war nicht als Vorwurf gemeint.“ Natürlich fand er es noch immer schade, dass sein bester Freund nun in Freiburg wohnte statt in Erfurt oder in einer Stadt in der Nähe, dass sie sich nicht mehr so häufig sehen konnten. Aber er respektierte Elias‘ Entscheidung, weiter dort zu wohnen und zu arbeiten, auch wenn seine Beziehung mit Dr. Paula Báthory in die Brüche gegangen war.

„So weich! Und mit einem Pferd drauf!“, jubelte Raya. „Guck mal, Papa!“ Sie hielt einen gestrickten Pullover hoch, dessen Vorderseite ein Pferd zierte.

„Der ist ja schön.“, bestätigte Ben.

„Kann ich den gleich anziehen?“

„Wenn du magst.“, sagte Leyla. Sie nahm den Pulli entgegen, den Raya auszog, und gab ihr dann den neuen. „Ja, wirklich schön.“ Er war etwas weit, aber dann würde sie ihn hoffentlich noch etwas tragen können. Und sie konnte ihn, wie heute, über ein anderes Shirt anziehen.

„Ich geh’s mir im Spiegel anschauen.“ Raya sprang auf und eilte zum nächsten Spiegel.

„Du lagst richtig mit der Größe.“, sagte Ben. Er schenkte ihnen beiden Kakao nach. „Wir müssen also nicht versuchen, ob wir den Pulli hier in Erfurt umgetauscht bekommen.“

„Das würd eher nicht klappen.“, nuschelte Elias in seine Tasse.

„Was meinst du damit?“, fragte Leyla. Sie stand auf und setzte sich zu den beiden Männern an den Tisch. Ben reichte ihr ebenfalls eine Tasse heißen Kakao.

Elias antwortete nicht, sondern musterte scheinbar fasziniert den Plätzchenteller in der Mitte des Tisches.

„Bärchen?“, hakte Ben nach.

Elias seufzte, dann erklärte er: „Ich hab ihn selbst gestrickt.“

Leyla und Ben sahen ihn erstaunt an. „Du strickst?“, fragte Leyla. Sie konnte sich nicht erinnern, dass er es schon einmal erwähnt hätte.

„Ich hab dieses Jahr erst angefangen es zu lernen.“

„Dafür, dass du Anfänger bist, sieht der Pulli aber sehr gut aus.“, sagte Ben.

„Ich hatte Hilfe von...“ Elias zögerte. War er schon bereit, es mit Lelya und Ben zu teilen? Nein, es war noch zu neu, zu unklar, wie genau er es bezeichnen wollte. „...den anderen der Gruppe, mit denen ich strickte. Einige machen das schon länger.“

„Eine Strickgruppe? Wo hast du die denn gefunden? Auf einer Station in der Klinik?“, fragte Ben. Er hatte auch schon öfter einige ihrer älteren Patientinnen und Besucherinnen zusammen stricken sehen. In Freiburg war das sicher ähnlich.

„Nein, in... einem Kulturzentrum, das ein Kollege mir gezeigt hat und wo wir öfter hingehen. Da gibt es eine Gruppe, die zusammen was machen. Handarbeit, Malen, alles Mögliche kreatives. Unter anderem auch stricken.“

„Schön, dass es dir in Freiburg gefällt.“, sagte Leyla. Auch wenn sie sich natürlich freuen würde, wenn er zurückkäme. Nicht nur wegen der Arbeitsentlastung durch einen weiteren Facharzt.

„Hm. Freiburg und das Zentrum geben mir Raum... Sachen auszuprobieren.“ Und vielleicht war er bald bereit, ihnen mehr davon zu erzählen.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios