23. Türchen
Dec. 23rd, 2008 12:05 amTitel: Frosch und Prinz
Autor:
Fandom: FAKE
Challenge: „Hey! Da ist ja gar kein Mistelzweig!“
Characters: J.J. Adams in der Hauptrolle und seine Kollegen vom 27. Revier der NYPD
Wörter: ~ 900
A/N, Warnung und Disclaimer: Ich hatte eine Idee, die mir irgendwie auf halben Weg abhanden gekommen ist…/ Slash. / FAKE und alle seine Charaktere gehören Sanami Matoh. Mit dieser Fanfiction wird kein Geld verdient.
Frosch und Prinz
Am Morgen nach der Weihnachtsfeier war die Stimmung auf dem Revier ein wenig angespannt. Nicht, dass sich jemand von ihnen etwas zu Schulden hatte kommen lassen, das ihm peinlich hätte sein müssen. Nein, die Feier selbst war überraschend gesittet abgelaufen. Im Vergleich zu anderen Jahren, heißt das. Immerhin hatte niemand die Polizei gerufen, um – nun ja, die Polizei wegen einer Ruhestörung zurechtzuweisen. Aber es hatte etwas in der Luft gelegen, das selbst dem Unsensibelsten unter den Ermittlern nicht verborgen geblieben war.
Wäre die Jahreszeit eine andere gewesen und wäre aus den Lautsprechern der Musikanlage nicht zu laut das nervtötendste Weihnachtslied aller Zeiten gedröhnt, dann hätte man die Weihnachtsfeier der Ermittler des Morddezernats fast für eine Valentinstagsparty halten können. Wohin man auch schaute – überall mehr oder minder frisch verliebte Paare.
Ryo und Dee, Ted und Janet, Commissioner Barclay und Diana – um nur einige zu nennen. Alle schienen jemanden gefunden zu haben. Alle, bis auf J.J. und Drake, die sich eigenartig unauffällig verhielten.
Ausgerechnet Dee musste auffallen, dass sich die beiden über das Büffet hinweg verdächtig oft ansahen. Dee kannte diese Art von Blicken, da er selbst oft genug Ryo auf genau dieselbe Weise angesehen hatte. Natürlich ließ es Dee keine Ruhe, und so war es nicht verwunderlich, dass er zu vorgerückter Stunde bei einer Runde Wahrheit oder Pflicht von J.J. etwas forderte, das dazu angetan war, das Weihnachtsfest des Mannes entweder zu einem Besuch im siebten Himmel oder aber zu einem Trip in die Hölle werden zu lassen.
„Hey, da kommt jemand!“, flüsterte Ted jetzt so laut, dass Janet am Empfangstresen ihn hörte und ihn fragend anschaute. Doch Ted hatte bereits hastig die Tür des Pausenraums geschlossen und hatte so gar keinen Blick für seine frischgebackene Freundin, von deren Seite er am Abend zuvor nicht eine Sekunde gewichen war.
„Na dann – ran an den Speck!“, verkündete Dee munter.
Ryo, der neben ihm an den Tisch gelehnt dastand, hob schweigend eine Braue und machte auf diese Weise seine Missbilligung der Situation deutlich.
J.J. blieb, wo er war und schluckte schwer. „Warum tue ich das hier eigentlich?“, fragte er sich zum wiederholten Mal. Aber dann dachte er an Drake und an das bevorstehende Weihnachtsfest – und damit hatte er seine Antwort.
Der Mistelzweig in seiner Hand zitterte leicht, als sich die Tür öffnete, J.J. die Augen schloss und einen entschlossenen Schritt nach vorn tat.
Dann schien die Zeit stillzustehen.
Es wurde mucksmäuschen still, als J.J. den ersten küsste, der seinen Kopf zur Tür des Pausenraums hereinsteckte. Vor lauter Aufregung vergaß J.J. völlig, den Mistelzweig zu heben, unter dem er seinen Partner hatte küssen sollen – wie Dee es ihm zur Aufgabe gemacht hatte.
Irgendetwas stimmte jedoch nicht.
Ryo hätte um ein Haar seine Teetasse fallen lassen und selbst Dee klappte die Kinnlade herunter, als die Identität des Geküssten kein Geheimnis mehr blieb.
Als J.J. einen Schritt zurück machte und sein 'Werk' begutachtete, blieb auch ihm die Luft weg. Für einen Moment wurde er aschfahl, dann röteten sich seine Wangen und er wäre vor Verlegenheit am liebsten im Boden versunken. „Upps! Sie sind nicht Drake.“ Er hätte nicht enttäuschter dreinschauen können, hätte er einen Frosch geküsst.
„Dafür sei Gott gedankt“, sagte Commissioner Barclay trocken und räusperte sich. Er schien nicht im Mindesten verlegen zu sein, als er sich betont ernst die Brille zurecht schob und streng hüstelte.
Die Atmosphäre in dem kleinen Raum war zum Schneiden dick, zerbarst jedoch in der nächsten Sekunde, als ausgerechnet Drake sich an Barclay vorbei in den Raum schob.
„Mann, hab ich einen Kohldampf!“, teilte er den Versammelten ungefragt mit. „Ah, J.J., du bist ja schon hier –“ Erst jetzt schien im etwas aufzufallen, das nicht zu dem zu passen schien, was er erwartet hatte. Er schaute sich fragend um. „Was ist los? Ihr seht aus, als hättet ihr einen Geist gesehen. Und wo ist mein Mittagessen?“, fragte er arglos.
Ted übernahm es, seinem Kollegen und Freund die Situation zu erklären, da alle anderen noch immer zu erstaunt, zu erschrocken oder einfach zu fassungslos waren. „J.J. war etwas übereifrig“, plauderte er aus. „Der Kuss unter dem Mistelzweig war eigentlich für dich gedacht.“
„Aber er hat Barlcay geküsst“, stellte Drake fest und verkniff sich ein Lachen, als der Commissioner das Gesicht ärgerlich verzog. Drake hob beschwichtigend die Hände und schaute unwillkürlich zum Türsturz hoch. Und runzelte die Stirn. „Da ist gar kein Mistelzweig“, bemerkte er treffend.
„Oh, den hab ich hier“, half J.J. mechanisch aus und hielt einen kleinen grünen, ziemlich mitgenommen aussehenden Zweig hoch, an dem noch eine einzige weiße Beere hing. „Hab ganz vergessen, ihn hoch zu halten“, murmelte er.
„Zu Ihrem Glück, Adams“, mischte der Commissioner sich ungerührt ein und ging sofort zum Geschäftlichen über. „Layton, Ihr Bericht über den Kinsey-Mord ist unvollständig. Berichtigen Sie das, bevor Sie auf Urlaub gehen.“ Sprachs und machte auf dem Absatz kehrt.
Dee grummelte etwas zu seinem Glück Unverständliches, ehe er seinem ungeliebten Vorgesetzten folgte.
J.J. fing stotternd eine Endschuldigung an Drake an, doch seine Bemühungen wurden jäh unterbrochen.
Drake nahm ihm den Mistelzweig aus der Hand und pflückte die letzte Beere ab.
„Wir brauchen keinen Mistelzweig, J.J.“, sagte er und ließ Zweig und Beere zu Boden fallen. Im nächsten Moment zog er J.J. an sich und küsste ihn nach allen Regeln der Kunst.
„Das hätte ich schon viel früher machen sollen“, bemerkte er dann mit einem breiten Grinsen, als er den Kopf wieder hob.
„Meine Rede“, entgegnete J.J. und ergriff nun seinerseits die Initiative. Soweit es ihn betraf, hatte er seinen Prinzen gefunden.
Diesmal fiel Ryos Teetasse.
no subject
Date: 2008-12-24 08:46 am (UTC)Ich liebe diese beiden Charaktere. Super Schreibstil. Gefällt mir.
Mach weiter so. Vielleicht verbrigen die beiden ja auch Silvester zusammen???!!!!;-)
Wünsche schöne Feiertage.