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Titel: Nicht ganz koscher
Autor: [livejournal.com profile] nebel_kraehe
Challenge: "Also gut - was soll der ganze Körperkontakt?"
Fandom: Harry Potter
Charaktere: Ron, Hermione, Harry, Draco
Warnungen: slash
Rating: PG
Disclaimer: Alle verwendeten Charaktere gehören JKR und ich verdiene kein Geld mit der Story.


Ronald Bilius Weasley war kein Idiot – egal, was George manchmal behauptete. Er mochte nicht die Kombinationsgabe einer Hermione Granger besitzen, doch wer tat das schon, Hermione war schließlich brillant. Während er dies dachte, drückte er ihre kleine Hand ein wenig fester und fuhr mit dem Daumen über ihren Handrücken. Aber er war definitiv kein Einfaltspinsel und er wusste nicht erst seit gestern, dass etwas in seinem Freundeskreis nicht ganz koscher war.

„Meinst du, das hier würde ihm gefallen?“, fragte Hermione und schob einen gläsernen Drachen in sein Blickfeld, „Es ist zwar nicht gerade der praktischste Glaskrug, aber er sieht ziemlich hübsch aus... wir könnten noch eine Falsche Elfenwein dazu kaufen“.

Ron knurrte.

„Er ist nicht einmal teuer“, fügte Hermione hinzu und wendete den Drachen in ihren Händen.

„Darum geht es nicht“, warf Ron ein und blickte mit zusammengezogenen Augenbrauen auf den Krug, „Warum müssen wir ihm überhaupt etwas schenken?“

„Oh, Ron“, begann Hermione und ließ die Schultern sinken, „Das haben wir doch schon mehrere Male durchgesprochen. Er gehört jetzt zu uns, er hat sich verändert“, Ron schnaubte verächtlich, doch Hermione ignorierte ihn, „Davon abgesehen ist es sehr unhöflich ihm nichts zu schenken, wo er mir zum Geburtstag dieses Buch über Lunar Magie geschenkt hat – als Runenausgabe“.

Ron widerstand dem Drang die Augen zu verdrehen. Wieso war es überhaupt so etwas Besonderes, dass es die Runenausgabe war? In Englisch wäre es doch viel bequemer zu lesen gewesen...

„Ja und? Ist ja nicht so als hätte es seinem gigantisch dicken Geldbeutel weh getan. Hat vermutlich eh einer seiner Hauselfen für ihn eingekauft. Wette, der hat es nicht einmal selbst eingepackt“, erwiderte Ron und vergrub missmutig die Hände in den Taschen seines blaukarierten Wintermantels. Es war einfach nicht richtig, dass sie hier vor einem der zahlreichen, bunt geschmückten Weihnachtsstände in der Winkelgasse standen und nach einem Geschenk für Draco Malfoy suchten.
Wie hatte es überhaupt soweit kommen können, dass sie den zweiten Weihnachtstag in demselben Haus würden verbringen müssen wie er? Ach ja, erinnerte Ron sich übellaunig, irgendwann zwischen dem Prozess gegen die Malfoy-Familie, ihrem Freispruch und ihrer politischen Rehabilitation hatte Harry ja angefangen sich mit Malfoy anzufreunden. Und seitdem hatte sich das verdammte Frettchen irgendwie in seinen Freundeskreis geschlichen.

Mit aufeinander gepressten Lippen beobachtete Ron wie Hermione dem weißbärtigen Verkäufer hinter dem Stand einige Galleonen reichte und dann einen geschrumpften Karton entgegennahm, den sie in ihrem hellbraunen Handbeutel verschwinden ließ.

„Jetzt fehlt nur noch etwas für Ginny“, verkündete sie zufrieden und verhakte ihre Finger wieder mit seinen.
~

Am zweiten Weihnachtstag stapfte Ron mit gemischten Gefühlen neben Hermione die Treppe zu Harrys Wohnung in Godric's Hollow hinauf. Einerseits freute Ron sich darauf Harry wiedersehen zu können; seit Ron nicht mehr in der Aurorenzentrale, sondern mit George Weasleys Zauberhafte Zauberscherze führte, sah er ihn für seinen Geschmack viel zu selten. Auf der anderen Seite jedoch stand Malfoy, auf den er gut und gerne ganz verzichten konnte.
Dessen Existenz schob Ron aber erst einmal beiseite, als Harry ihnen die Tür öffnete und sie anstrahlte. Hermione quiekte leise, wie immer, wenn Harry sie während ihrer Umarmung kurz hochhob und wünschte ihm dann frohe Weihnachten. Ron tat es ihr gleich, während er Harry ebenfalls umarmte und sie sich brüderlich auf den Rücken klopften. Als sie sich voneinander gelöst hatten, bat er sie mit ausgestrecktem Arm herein. Die Wärme, die sich Ron entgegen drückte, nachdem er über die Türschwelle getreten war, fühlte sich gut auf seinem kalten Gesicht an und er begann die Hände aneinander zu reiben.

„Ihr könnt gerne schon mal ins Esszimmer gehen. Draco ist schon da“, sagte Harry und verzog sich in die Küche. Ron zog eine Grimasse und spürte kurz darauf Hermiones Ellenbogen in seiner Seite.

„Draco. Frohe Weihnachten!“, sagte Hermione, als sie das Esszimmer betreten hatten und schritt auf Malfoy zu, um ihm die Hand zu schütteln. Ron schlurfte hinter ihr her.

„Frohe Weihnachten, Hermione“, antwortete er und wandte sich dann mit einem „Weasley“ und einem knappen Nicken an Ron.

Es war beinahe interessant gewesen zu beobachten wie 'Schlammblut' zu 'Granger' und langsam sogar zu 'Hermione' geworden war. Ron selbst war lediglich vom Wiesel zum Weasley aufgestiegen, aber er war auch nicht gerade erpicht darauf, von Malfoy mit Vornamen angesprochen zu werden. Davon abgesehen war er wohl auch nur deshalb nicht mehr 'das Wiesel', weil Harry Malfoy gedroht hatte, ihn andernfalls in die nächste Woche zu hexen – zumindest war dies die Art, mit der Harry Ron davon überzeugt hatte, Malfoy nicht mehr Frettchen zu nennen, wenn er daneben saß.

Ron fiel auf, dass Malfoy (wie eigentlich nicht anders zu erwarten) eine vermutlich sündhaft teure, dunkelgrüne Robe mit silbernem Verschluss trug, wogegen seine und Harrys Roben sich nicht stark von denen unterschieden, die sie auch bei der Arbeit trugen. Wenn man es so betrachtete unterschied sich Malfoys Robe allerdings auch nicht sonderlich von den Designerumhängen, in denen er sonst umher stolzierte.

Aber wenigstens hatte Malfoy den Anstand sich angemessen über Hermiones Geschenk zu freuen (offiziell war es zwar auch von Ron, aber in Gedanken sah er dies ein wenig anders) und betrachtete es nun aufmerksam. Harry trat hinter ihn und begutachtete den Drachen über Malfoys Schulter. Warum er dabei seine Hände auf dessen Oberarme legen musste, war Ron schleierhaft, aber es passte in das Verhaltensmuster, das Harry seit ein paar Monaten an den Tag legte. Hermione schien davon nichts mitbekommen zu haben, doch Ron war aufgefallen, dass die Beiden sich zunehmend seltsam verhielten. Seltsam vertraut, um genau zu sein.

Vor zwei Wochen, beispielsweise, als sie alle in seiner und Hermiones Wohnung gesessen und sich über einige anstehende Veränderungen in der Abteilung für Magische Strafverfolgung unterhalten hatten. Malfoy hatte neben Harry auf dem Sofa gesessen, den Ellenbogen auf die Lehne gestützt und hatte irgendwann damit begonnen desinteressiert an Harrys Haarsträhnen zu zupfen. Harry hatte dies entweder nicht bemerkt (Malfoy hatte nicht viel mehr getan die Haarspitzen durch seine Finger streichen zu lassen) oder er war so ein Verhalten gewöhnt, worüber Ron in diesem Zusammenhang nicht unbedingt weiter nachdenken wollte. Andererseits – welcher Kerl fummelte einem anderen Kerl an den Haaren herum? Er hatte das jedenfalls nie gemacht...
Aber wenn es doch das wäre, dann hätte Harry es ihm doch sicherlich anvertraut, sagte Ron sich immer wieder. Harry hatte ja nicht einmal ein Wort darüber gesagt, dass er überhaupt auf diese Weise tickte und das hätte doch wohl Ron als Allererster erfahren. Harry wusste doch, dass er immer sein bester Freund bleiben würde – selbst wenn er aus ihm unerklärlichen Gründen nicht auf Frauen stünde.


Das gemeinsame Essen verlief größtenteils friedlich; nicht zuletzt dank Harry, der bei jedem Anzeichen einer Zankerei lauthals damit begonnen hatte kürzlich ausgetragene Quidditchspiele zu diskutieren. Hermione beschwerte sich wohl nur deshalb nicht, da sie wusste, dass es eine Art schlecht verdecktes – wenn auch effektives – Ablenkungsmanöver war.

Als Malfoy aber eine Hand auf Harrys Unterarm legte, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, sie danach jedoch nicht wieder fort nahm, beschloss Ron das Thema anzusprechen, klipp und klar: „Warum fasst ihr euch die ganze Zeit an?“

Zwei weit geöffnete Augenpaare blickten ihn stumm an, als wären ihre Besitzer nicht in der Lage diese Frage zu verarbeiten.

„Ich meine, was soll der ganze Körperkontakt? Jetzt gerade auch wieder?“, Ron wedelte mit der Hand in ihre Richtung.

Harry begann an seiner Unterlippe zu nagen und schien sein Gehirn nach einer passenden Antwort zu durchforsten. Malfoy hingegen sah mit halb amüsiertem Blick an Ron vorbei, als hätte er mit nichts etwas zu tun. Hermione hatte derweil angefangen unruhig auf ihrem Stuhl herum zu rutschen. Langsam wandte Ron seinen Kopf zu ihr.

„Du wusstest es“, entfuhr es ihm und Hermione verzog schuldbewusst das Gesicht, „Was immer es ist, du wusstest es und du hast es mir nicht erzählt“. Ron konnte sich vorstellen, was es war, aber diese... Vermutung beinhaltete Malfoy und das konnte er so nicht aussprechen.

„Es tut mir leid, Ron, aber das ist nun wirklich etwas, das Harry dir selbst sagen muss. Andernfalls wäre es irgendwie nicht richtig“, erwiderte sie.

Ron blicke wieder zu Harry, der sichtlich nach den richtigen Worten rang. Malfoy schien derweil Mühe zu haben seine zuckenden Mundwinkel unter Kontrolle zu bringen. Ja, sehr witzig, Frettchen.

„Hör zu“, sagte Harry schließlich und lehnte sich ein Stück zu ihm, „Ich wollte es dir schon längst gesagt haben, aber... naja, du kommst nicht gerade gut mit Draco zurecht und-“
Ron unterbrach ihn.

„Ach, und wessen Schuld ist das?“, fragte er, was Malfoy doch dazu brachte ihn anzusehen, nun eher genervt als belustigt. Gleichzeitig war Ron nun wirklich klar, woher genau Harrys seltsames Verhalten rührte.

„Ihr seid in dieser Beziehung beide Idioten“, stellte Hermione mit erschreckend sachlichem Tonfall dar. Harry nickte bekräftigend. Ron sah ihn nun herausfordernd an.

„Okay“, sagte Harry und nickte eifrig weiter, griff dann fahrig nach Malfoys Hand, „Wir sind ein Paar. Draco und ich“, fügte er überflüssigerweise hinzu.

„Oh“, machte Ron tonlos, weil er nicht wusste, was er sonst dazu sagen sollte. Es zu hören, war etwas anderes als es zu ahnen und er würde ihnen jetzt bestimmt nicht überglücklich gratulieren. Doch es war nicht dieses Geständnis an sich, das ihn wütend machte.

„Und wann hattest du vor mich einzuweihen? Die ganze Sache meine ich. Ich dachte, ich bin dein bester Freund, ich hätte doch nicht – so engstirnig bin ich nicht und... oh Mann, ständig hab ich mit dir über Frauen geredet, aber du hast niemals sowas gesagt wie: 'Hey Ron, eigentlich finde ich Malfoy viel heißer'“

Malfoy verbarg sein Grinsen hinter seiner freien Hand, während Hermione ein leises, halb glucksendes, halb hustendes Geräusch von sich gab.

„Ich mein's ernst“, protestierte Ron.

„Es tut mir leid“, versicherte Harry, „aber ich habe halt gedacht, du rastest aus“.

„Doch nicht wegen sowas. Wegen ihm hier vielleicht“, gab Ron zu und zeigte auf Malfoy. Der hob nur stumm die Augenbrauen.

„Ich hätte es dir gesagt, glaub mir. Es hat nichts damit zu tun, dass ich dir nicht vertraue oder so etwas. Ich dachte nur, dass du und Draco, dass ihr euch vorher wenigstens akzeptieren solltet“, sagte Harry.

„Ach“, machte Ron, „Er hängt doch jetzt schon dauernd mit uns rum. Was sollte mich noch mehr nerven als seine ständige Anwesenheit? Mir doch egal, was ihr macht, wenn wir weg sind“. Ron wäre es lieber gewesen, er hätte den letzten Satz nicht ausgesprochen, denn sie zogen eine Reihe Assoziationen mit sich, die er wirklich, wirklich nicht in seinem Kopf haben wollte.

„Oh... okay“, sagte Harry lahm und sie schwiegen für einen Moment. Auf gewisse Weise konnte Ron Harry ja sogar verstehen. Vielleicht hätte er an seiner Stelle sogar etwas Ähnliches getan, aber das hieß ja nicht, dass es in Ordnung war. Harry schien das Thema jedoch erst einmal ruhen lassen zu wollen, weswegen Ron nichts weiter dazu sagte.
Irgendwann fing Malfoy dann an sich nach Hermiones letztem Fall zu erkundigen und Harry und Ron nahmen ihr Gespräch über die Caerphilly Catapults wieder auf. Doch er würde sich später noch ausführlicher mit Harry über seine unfaire Geheimniskrämerei unterhalten und darüber, dass er mehr Vertrauen in ihre Freundschaft haben sollte... irgendwann. Vielleicht.
Solche Gespräche waren immer sehr anstrengend.


„Ernie Macmillan ist doch schwul. Kannst du nicht mit dem gehen?“, jammerte Ron, als er und Hermione von Harry zur Tür gebracht wurden. Harry lachte leise und ließ sich zum Abschied von Ron umarmen.

„Kannst du nicht versuchen, mit Draco klarzukommen?“, fragte er dann ernst.

Ron seufzte schwer und zuckte dann mit den Schultern.

„Wir mögen immerhin dasselbe Quidditchteam“.

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