16. Türchen
Dec. 16th, 2008 09:41 amTitel: Von Einzigartigkeit
Autor:
Fandom: Original
Charakter: Er & Sie
Kommentar: Kitsch *__* Ausnahmsweise ! -flüster-
„Aee.. Schatz ?“ Langsam und mit unheilvollen Gefühl hatte er endlich das kitschig pinke Herzchengeschenkpapier zerrissen, und blickte nun, die dunklen Augenbrauen vorwurfsvoll in die Höhe gezogen, zu ihr hinüber, die da saß, mit ihren langen Wimpernkränzen klimperte, ganz unschuldig und ahnungslos.
„Kann es sein, dass ich die das letzte Jahr auch schon bekommen habe?“ Er hielt die rechteckige Packung in die Luft, die eine neongelbe Krawatte enthielt, deren Farbe einem fast schon schmerzhaft in die Augen stach.
„Letztes Jahr ? Nein, nein, hab' ich dir da nicht...“
„..auch eine neongelbe Krawatte geschenkt ?“
Immer wieder wickelte sie ihre braunen Löckchen, die sie sich unordentlich und in keiner auszumachenden Ordnung hoch gesteckt hatte, um ihren Ringfinger. Sie dachte nach. Er liebte diesen verwirrten, unsicheren Blick, wenn sie im Chaos ihrer Gedankenwelt zu kramen schien. Den Kopf leicht zur Seite geneigt, auf der Unterlippe zaghaft herum kauend, die wohl geschwungenen Augenbrauen zu einem kritischen Ausdruck verzogen.
„Also, nicht das ich wüsste.“ Er blickte sie viel sagen an.
„Du wirst mir ja wohl nicht übel nehmen, dass ich das letzte Weihnachtsfest verdrängt habe ! Du weißt schon, als dann ganz plötzlich dieser eine Bekannte von dir, na wie heißt er denn... der mit der Nase!“
„Eric.“, erwidert er ohne großartig darüber nach zu denken.
„Genau, als Eric ganz spontan vor der Tür stand, und anfing... bei aller Liebe, ein Segen war er ja nun wirklich nicht.“ Ein Schmunzeln konnte er sich gerade so verkneifen. Jetzt hieß es den Ernst der Lage zu wahren, ein schweres Unterfangen. „Und trotzdem hast du mir zum Zweiten mal die gleiche, neongelbe Krawatte geschenkt.“ Sie neigte dazu vom Thema abzulenken.
„Aber Schatz, mein Schatzipuh, die ist doch gar nicht die gleiche!“
Schnell war sie bei ihm, und entriss seinen Händen die durchsichtige Schachtel, die sie sogleich öffnete.
„Guck' sie dir doch mal genauer an. Siehst du ? Die Form ist ganz anders, der Stoff viel edler, ja, sie ist einfach einzigartig, wird bestimmt noch um einiges besser aussehen – nicht, dass dir die letzte nicht gestanden hätte.“
„Du hast mir wirklich zum zweiten Mal die gleiche Krawatte geschenkt. Und das direkt im Jahr darauf -wären fünf oder sechs Jahre dazwischen, okay, ich könnt's ja noch verstehen- aber es war nur 12 Monate her, und du schaffst es tatsächlich...“
„Aber das ist doch gar nicht die gleiche.“ Sie klimperte wieder mit ihren langen, dichten Wimpern. Ihre bezaubernden, kastanienbraunen Augen glitzerten im matten Schein der Christbaumkerzen geheimnisvoll.
„Wie wir gerade eben festgestellt haben, handelt es sich hier bei...“
„Oh, jetzt versuch' dich auch noch herauszureden! Das ist einfach unglaublich..“ Er verzog seinen Mund zu einer beleidigten Schnute. „Mir zum zweiten mal die gleiche, hässliche Krawatte zu schenken...“
„Sagtest du hässlich?“
„Oh...“ erschrocken weiteten sich seine Augen. „Sagte ich etwa hässlich ?“ Schockiert zog sie die Luft ein, in der der pikante Geruch einer verbrannten Weihnachtsgans lag, der zu seinem Leidwesen so intensiv und alles durchdringen war, das jede Duftkerze kläglich scheiterte.
„Moha, du hast diese stilvolle, unverwechselbare Krawatte doch tatsächlich als hässlich bezeichnet. Und dabei war ich mir so sicher, dass du zu den Menschen auf dieser Welt gehörst, die Wert auf Individualität legen! Und was ist ? Getäuscht in seinem eigenen Ehemann. Und das an Weihnachten! Oh, wie bitter...“
Sie rümpfte ihr Nässchen, und schenkte ihm verächtliche Todesblicke. „Schatz...“
„Nein, ich meine es erst – du solltest dich schämen!“ Schweigen. Er blickte sie an, die Lider zu misstrauischen Schlitzen verengt. Sie blickt ihn an, ebenfalls ihre Abfälligkeit zum Ausdruck bringend, in dem sie die Arme verschränkte, und eine besonders dunkle Miene aufsetze.
Er lachte als erste. „ Mein Herz, du weißt doch, ich liebe neongelbe Krawatten über alles! Nichts geht über diese wundervolle Farbe !“ Sanft zog er sie an sich, als sie glockenhell in sein Lachen einstimme.
„Und ich liebe dich...“ Auf ihren Lippen lag jetzt ein atemberaubendes Lächeln. Er wünschte sie so sehr, dass er es für immer einfangen können würde
„Ich hab' doch gewusst, dass du keine deiner heimlichen Neigungen vor mir verstecken kannst.“, flüsterte sie, und gab sich in seinen Armen einem feurigen Kuss hin.