Team: Kobold
Challenge: Wetterphänomene — klirrender Frost (fürs Team)
Fandom: Tatort München
„Ivo, muss das denn sein? Es ist total kalt draußen“, beschwerte Franz sich jetzt sicher zum fünfzigsten Mal heute.
„Das muss sein. Und ich hab dir gesagt, du musst nicht mitkommen, wenn du nicht willst. Ich geh auch allein.“
Ivo seufzte – auch das hatte er heute schon fünfzig Mal gesagt. Und trotzdem war es immer wieder dasselbe. Schön langsam verlor er die Lust an Franz’ Genörgel. Er hatte sich ja sogar freiwillig gemeldet, mit Ivo zum Konzert zu gehen. Ivo hatte sich gefreut, weil Franz klassische Musik eigentlich hasste, und es hatte ihn ehrlich gewundert. Und jetzt war genau das passiert, was er befürchtet hatte: Franz versuchte tausend Ausreden, um doch nicht mitzumüssen.
Zu seinem Unglück war es wirklich arschkalt draußen. Letzte Nacht war der Winter über München hereingebrochen, alles war gefroren, und natürlich war das Konzert auch noch am Vormittag. Es hatte immer noch Minusgrade draußen, und auch Ivo fand die Kälte lästig. Aber das Konzert war von einem bekannten Musiker, und die Uni bot es gratis für Studenten an. Ivo musste dahin – auch wenn es ein Stück von der Wohnung weg war. Das hieß, sie mussten ein gutes Stück durch die Kälte laufen.
„Dreh halt um, ich hab dich nie gebeten, mitzukommen.“
„Ich will doch mitkommen! Wie schaut das denn aus, wenn’sd da ganz allein bist. Kann ich dich doch nicht zulassen. Aber Ivo, weißt du, wie kalt’s ist?“
„Ja, Franz, ich lauf schon genauso lang durch die Kälte wie du. Mir ist mittlerweile aufgefallen, dass es Minusgrade hat.“
„Ja, und es ist auch furchtbar rutschig“, jammerte Franz weiter.
„Sowas nennt man Glatteis.“
„Ich weiß, wie man das nennt“, kam es jetzt trotzig von Franz.
Er hatte seine Hände tief in den Taschen seiner Jacke vergraben. Wenn nicht, hätte Ivo jetzt vielleicht Franz’ Hand genommen – auch wenn normale Freunde das vielleicht nicht taten, aber Ivo und Franz halt schon.
„Wir sind jetzt dann eh gleich da. Nur noch zwei Straßen runter, dann müsst’s da sein.“
„Bist da sicher?“
„Ja, schon.“
„Ich sag’s dir, Ivo, wenn das da nicht ist, dann geh ich wirklich nach Haus. Das ist doch unmenschlich, bei dem Wetter draußen rumzurennen.“
Franz hatte jetzt die Hände aus den Taschen genommen und fuchtelte etwas damit herum. Bevor er sie wieder verstecken konnte, blieb Ivo stehen, griff eine von Franz’ Händen, nahm sie in seine und führte die wirklich eiskalten Finger zu seinem Mund, hauchte Wärme darauf, grinste dann zu Franz hoch und sah ihn fragend an.
„Besser so?“
Franz war etwas rot geworden – damit hatte er wohl nicht gerechnet – und nur irgendein unverständlicher Laut kam aus seinem Mund. Jetzt umschloss Ivo Franz’ Hand mit seiner und trat neben ihn.
„Komm.“ Er drückte Franz’ Hand und zog ihn weiter die Straße runter. „Bis wir da sind, schaff ich’s vielleicht noch, deine Hand aufzuwärmen.“
Franz ging jetzt auf Ivos Wette ein. „Niemals.“
„Wirst schon sehen.“