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Team: Kobold
Challenge: Sinneseindrücke — Blut (Geschmack) (fürs Team)
Fandom: Tatort München



Franz war es schon gewohnt. Natürlich war er’s gewohnt – es war schließlich schon immer so, seit seiner Kindheit, fast seit er denken konnte. Also wieso konnte er es nicht einfach beiseite schieben? Wieso erwischte es ihn trotzdem jedes Mal wieder, beinahe so, als wär’s das erste Mal? Auch diesmal war der Schlag in sein Gesicht nicht anders als sonst, nicht fester oder schwächer. Franz kannte das Gefühl schon lang. Es war ihm so vertraut wie anderen Kindern vielleicht die Umarmung ihrer Väter. So vertraut war Franz das Gefühl, von seinem Vater geschlagen zu werden. Und trotzdem – auch wenn es nach außen so wirken mochte, als ließ es Franz kalt – erwischte es ihn jedes Mal wieder. Franz fragte sich, was er wohl diesmal falsch gemacht hatte. Warum, und wie, sein Vater so etwas tun konnte.


Irgendwie hatte er wohl genau während des Schlags in sein Gesicht den Mund zugemacht, vielleicht seinen Kiefer angespannt. So genau wusste Franz das ein paar Sekunden später schon gar nicht mehr. Aber was er wusste, war, dass da jetzt Blut in seinem Mund war. Franz kannte den süßen Geschmack, würde ihn überall wiedererkennen. Viel war es nicht, aber genug, dass Franz es schmeckte, wie es seine Wangeninnenwand nach unten auf seine Zunge rann. Dann leckte er mit der Zunge über die Wunde. Aber das Brennen vom Schlag war noch so stark, dass er das kaum spürte. Nur der Geschmack vom Blut intensivierte sich – süß und nach Eisen.


Der Geschmack erinnerte Franz an seine Kindheit. Alles hieran erinnerte ihn an seine Kindheit: der Schlag, die Wohnung, sein Vater – und der Geschmack. Alles wie damals. Franz’ Gesicht verriet nichts, sein Blick war leer. Nur die Bewegung seiner Zunge konnte man von außen sehen, wie sie über die Wange schleckte.


Franz’ Vater tobte weiter. Noch ein Schlag ins Gesicht – und jetzt spürte Franz den Schmerz in seiner Wange, als die offene Stelle schmerzhaft gegen seine Zähne gedrückt wurde. Franz spannte seinen Kiefer noch mehr an, verzog jetzt doch das Gesicht, konnte die Fassade nicht länger aufrechterhalten. Der Geschmack vom Blut hatte längst seinen ganzen Mund eingenommen.

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