[identity profile] 4r63n24.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Kobold
Challenge: Orte — unter einer Decke (fürs Team)
Fandom: Tatort München



Eigentlich war’s viel zu warm unter der Decke, auch wenn’s draußen kalt war und die Heizung in der Wohnung nur schlecht funktionierte. Zu zweit auf so wenig Platz unter der dicken Decke war es dann doch heiß und stickig, aber es war auch bequem und kuschlig, und keiner wollte der Erste sein, der dieses warme Reich, das sie sich hier geschaffen hatten, verließ. Ganz eng lagen sie beieinander, so als wären sie eins geworden – Franz’ Kopf nur ganz knapp unter Ivos Kinn, auf dessen Schulter ruhend, Arme und Beine ineinander verschlungen und verknotet, schwitzig aneinander klebend, unzertrennbar. Franz’ heißer Atem auf Ivos Brust, Franz’ Locken, die Ivos Kinn kitzelten, und Ivos Atem, der sie immer wieder durcheinanderblies.


Beide waren beinahe nackt, Haut auf Haut, so eng, dass nichts mehr zwischen sie passte. Und obwohl es so heiß war, waren beide zufrieden – keiner von beiden würde loslassen. Denn draußen war es kalt, dunkel und einsam, und da konnten sie auch die Hitze ignorieren. Die Decke schirmte auch das Licht der Straße ab, machte es stockdunkel um sie. Nichts konnte man mehr sehen, vielleicht noch Umrisse erahnen. Man hörte nur den Atem von beiden, wie er heiß auf den jeweils anderen traf, und immer wieder das Rascheln der Decke, wenn einer den anderen noch näher zog oder noch näher rückte.


Beide würden am liebsten nie wieder loslassen – nur noch die Haut, den Atem, die Haare des anderen auf sich spüren. Als wären sie eigentlich gemacht, eins zu sein. Als wär’s das größte Vergehen überhaupt, dass man sie je in zwei trennte. Denn sie gehörten doch zusammen wie zwei Puzzleteile, so perfekt passten sie ineinander. Sie wollten einander jetzt nie wieder freigeben, weil sie nur zusammen Sinn ergaben, nur zusammen ein stimmiges Bild erzeugten. Einer allein war eben nicht vollständig.


Die Decke war wie ein Schutz – nicht nur Schutz vor der Kälte oder dem Licht draußen, sondern Schutz vor allem Bösen, das in der Welt auf sie wartete. Solang sie unter der Decke blieben, konnte nichts ihnen wehtun, konnte nichts sie stören. Da gab es nur sie zwei – und mehr brauchten sie auch nicht. Ihr ganz eigenes Reich war das hier unter der Decke. Ein Reich, in das kein anderer so schnell eindringen würde.

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