Team: Kobold
Challenge: Wetter — (Kopf-) Schmerzwetter — für mich
Fandom: Basketball RPF
Charaktere: Sasu Salin, Lassi Tuovi
Wörter: 1075
Zeit: ~90min
ich suche uns
aber wo?
wo soll ich uns suchen?
Der Boden war feucht, noch vom gestrigen Regen. Und die Blätter fielen von den Bäumen, stumm und doch unendlich laut. Und ihre Schritte hallten im Wald wider, so ohrenbetäubend schrill. Und ihre Stimmen schwiegen, stumm, wie die endlose Weite des Wassers vor Helsinki. Und die Tiere flohen vor ihnen, als wären sie zwei Engel des Todes.
Vielleicht waren sie das ja. Auf eine Art.
Sie brachten einander Unglück—nicht den Tod, aber ein Ende.
überall dort, wo ich suche
sehe ich nur dich
oder mich
aber nie uns
Sasu atmetete tief durch. Unter ihm knackte ein Stock. Brach. Sasu stockte, hielt inne. Es war nur ein gefallener Ast, nur Holz.
Aber Lassi spürte es auch. Das nahende Ende. Es war unausweichlich.
Und doch trafen sich ihre Blicke, als könnten sie sich daran festhalten. Es war hoffnungslos, das wussten sie. Aber…
Sasus Haltung war angespannt. Seine Muskeln zerrten an ihm, hatten ein Ziel, das unvereinbar mit dem Schmerz seines Herzens war. Oder vielleicht war es auch andersherum.
Er blinzelte, als könnte er damit die innere Zerissenheit vergessen oder zumindest vor Lassi verstecken. Doch das konnte er nicht. Nein, das konnte er nicht.
Lassi fühlte doch genauso. Verstand ihn besser als Sasu sich selbst.
Sasu merkte das, sah es in jedem einzelnen, verdammten Blick.
ich seh dich
nicht mich
nicht uns
nur dich
Es brannte. Brannte auf seiner Haut, unter seinen Fingernägeln, in seinen Händen, in seinen Augen. Überall dort, wo er reagieren konnte und es doch nicht tat.
Das Gefühl des Verlierens.
Kein Punkt, kein Trainingsspiel, kein EM-Spiel. Nein.
Er verlor Lassi. Nicht den Lassi, der sein Trainer war. Er verlor den Lassi, den er liebte.
und es fühlt sich so falsch an
dabei war es immer richtig
bei dir zu sein
war immer richtig
Erneut knackte ein Ast. Es war nicht Sasu, der draufgetreten war. Nicht dieses Mal. Denn er konnte sich nicht mehr bewegen, auch wenn sein Körper ihn in Lassis Arme ziehen wollte. Da war keine Kraft mehr.
Nein, es war Lassi gewesen. Ein Schritt in Sasus Richtung. Und dann noch einer.
Bis er direkt vor Sasu stand, hochblickte, in seine Augen schaute. Blau in Blau. Angst in Angst.
„Wohin gehen wir?“, fragte Lassi, obwohl er die Antwort wusste. Sasu schluckte.
Warum fragte Lassi, wenn er es doch auch wusste? Hatte er Hoffnung? Wollte er Klarheit? Einverständnis? Einen finalen Schlussstrich ziehen?
Sasu verstand es nicht.
„Das weißt du“, antwortete er trocken. Lassi schloss die Augen, nickte. Ja, er wusste es, aber er wollte es nicht wissen. Er wollte wieder in die Zeit zurück, in der er nicht all die Verantwortung auf seinen Schultern tragen musste, in der er nicht allein gegen die Welt war, in der Sasu ihn in den Arm nahm und beschützte.
Es war verrückt. Lassi war immer so selbstständig, so selbstbewusst gewesen und jetzt… Jetzt sehnte er sich danach, beschützt zu werden. Von Sasu.
Doch er konnte ihn nicht mehr beschützen. Ihre Zeit war vorbei.
doch jetzt
jetzt gibt es uns nicht mehr
nur dich
und mich
kein uns
Und trotzdem. Trotzdem standen sie hier im Wald, irgendwo Nähe Helsinki, alleine gemeinsam und ohne Ziel.
Oder einem Ziel, das immer weiter verblasste.
sag mir
wie viel zeit bleibt uns noch
und wann verblassen wir
wann vergessen wir
Sasu schluckte.
Lassi schluckte.
Sie standen da, in einer Position, in der sie schon so oft gewesen waren, in der sie sich schon so oft gefunden hatten.
Doch jetzt, jetzt standen sie da wie eingefroren.
Schwiegen, obwohl in ihnen ein Sturm tobte.
Die Blicke voller Fragen, die keine Antwort fanden, die die Antwort gar nicht wissen wollten. Weil sie sich vor ihr fürchteten; vor ihrem Gewicht, vor ihrer Bedeutung, vor ihrer Konsequenz.
und wohin geht unsere erinnerung
wenn wir sie vergessen
wenn wir nicht mehr sind
Es waren stille Fragen. Sie hörten sie beide. Aber sie reagierten nicht. Nicht heute, nicht vor morgen, nicht jetzt. Jetzt, wo sie es noch nicht mussten.
noch nicht
ich weiß es noch nicht
„Sag es noch nicht“, sagte Sasu, seine Stimme kaum mehr als ein schwaches Flüstern. Er wollte die Antwort nicht hören. Jetzt, solange er sich noch in Ungewissheit tränken konnte, solange er die Antwort noch ausblenden konnte.
Und Lassi ging es nicht anders. Er nickte. So langsam, so sanft, so verständnisvoll, wie es nur das letzte Nicken sein konnte.
und wenn ich es morgen weiß
dann war es besser
dass ich es heute noch nicht wusste
„Okay.“
Lassis Stimme brach, aber das war okay. Und Sasu hatte Tränen in den Augen, aber das war okay. Und es donnerte, der Himmel brach über ihnen zusammen, der Regen peitschte hinab, aber auch das war okay. Noch war das alles okay.
also lass es uns vergessen
unser schicksal
für diesen
letzten moment
Sasu trat näher, hob einen Arm und—
Ihre Körper prallten zusammen, so scharf und schmerzhaft wie ihr Ende. Sie schwankten, obwohl sie sich hielten. Der Regen tränkte sie in Kälte, doch es waren die Tränen, die sie ertränkten. Der Wind heulte, doch nicht so laut wie ihre Seelen. Und den Donner hörten sie gar nicht mehr, weil ihr Schmerz so viel lauter und schwerer war.
Lassi krallte sich in Sasus Hoodie fest, drückte sich an ihn, um es für diesen letzten Moment noch einmal echt wirken zu lassen. Um ein letztes Mal in seinen Armen Schutz suchen zu können.
Er drückte sein Gesicht an Sasus Brust, kneifte die Augen zusammen—denn die Realität konnte er nicht sehen—und hörte nur auf ihre Herzen. Spürte nur das Gefühl, das sie beide noch verband. Noch.
Und Sasu hielt ihn; er hielt ihn, als wäre es das Letzte, das er tat. Das er tun musste. Er hielt ihn, als müsste er Lassi retten, als könnte er ihn retten. Als wäre es nicht alles schon vorbei.
und weck mich noch nicht auf
aus diesem traum
Er strich Lassi durch die Haare, so sanft, als würde in ihnen und um sie kein Sturm toben. Und er küsste ihn, als hätten sie noch Kraft, noch Luft, obwohl sie schon längst erstickt waren. Und er zog ihn noch näher, obwohl sie sich schon unendlich nahe waren.
Und Lassi krallte sich noch fester an ihn, drückte sich noch näher. Nahm sich, wonach er sich ab morgen für immer sehnen würde. Jetzt, solange er Sasu noch hatte, hielt er ihn, als würde die Welt untergehen.
sonst komm ich nicht mehr zurück
in diesen traum