[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sinneseindrücke – nassen Hund (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgt


Der Regen war plötzlich gekommen, so typisch für diese Jahreszeit. Keine Vorwarnung, nur ein dumpfes Grollen in der Ferne, dann brach der Himmel auf und goss unablässig. Falc stapfte mit gleichmäßigen Schritten voraus, das nasse Haar klebte ihm an Stirn und Nacken. Rew lief neben ihm, den Kragen hochgeschlagen, doch der Mantel sog sich trotzdem voll und wurde schwer.
Zwischen den Tropfen, die unaufhörlich auf Pflaster und Erde prasselten, mischte sich ein Geruch, der Rew unvermittelt die Nase rümpfen ließ. Er war vertraut, unverkennbar – nasser Hund. Er kam in Wellen, je nachdem, wie der Wind stand, und legte sich schwer in seine Sinne.
Rew blinzelte, sah zu Falc hinüber. Der Regen perlte von dessen Schultern, rann in dunklen Bahnen über den Stoff. Er wirkte ungerührt, so als störte es ihn nicht im Geringsten, dass er pitschnass war. Doch die Wärme, die sein Körper ausstrahlte, verband sich mit dem Geruch, ließ die Luft um sie schwer werden.
„Weißt du eigentlich, wonach du riechst?“, fragte Rew trocken, während er die Hand gegen den Regen hob, um sich die Sicht freizuhalten.
Falc drehte nur leicht den Kopf, seine Augen funkelten unter halbgesenkten Lidern. „Nach Abenteuer?“
Rew schnaubte, verzog das Gesicht. „Eher nach nassem Hund. Intensiv.“
Es war nicht nur ein Geruch, es war ein ganzer Sinneseindruck. Feucht, erdig, schwer. Als ob man einen alten Pelz in der Sonne trocknen würde, dazu eine Note von Eisen und Leder, die Falc ohnehin immer umgab. Der Regen verstärkte es, ließ die Welt enger erscheinen, als hinge dieser Duft in jeder Faser der Luft.
Rew zwang sich, nicht zu husten. Stattdessen nahm er noch einen Atemzug – und musste zugeben, dass etwas Eigenes darin lag. Nicht nur Tier, nicht nur Regen. Es war Falc. Robust, herb, unverwechselbar.
Sie gingen schweigend weiter, die Stiefel platschten durch Pfützen, jeder Schritt ein dumpfer Schlag gegen den aufgeweichten Boden. Der Regen prasselte in einem gleichmäßigen Takt, wie Trommeln auf Blech. Und immer wieder legte sich der Geruch neu um Rews Nase, klebte ihm fast im Rachen, als wollte er ihn daran erinnern, neben wem er hier lief.
„Es ist wirklich heftig“, murmelte er schließlich, halb belustigt, halb angeekelt. „Man könnte dich kilometerweit wittern.“
Ein Grinsen huschte über Falcs Gesicht, kaum merklich. „Vielleicht ist das auch der Sinn.“
Rew schüttelte den Kopf, doch er konnte nicht verhindern, dass ein Lachen in seiner Kehle hängen blieb. Der Regen schlug hart gegen seine Wangen, kühlte die Hitze, die der Geruch in ihm hervorgerufen hatte.
Sie stapften weiter, durch das unbarmherzige Nass, zwei Gestalten im Regen, die Welt auf wenige Meter Sichtweite zusammengeschrumpft. Und Rew wusste, so unangenehm der Geruch auch war, er würde ihn so schnell nicht vergessen.

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