[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Angst – Joker (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgt
Inspiration: Geisterbahn - Die Uhr läuft ... jetzt! — LiveJournal

Die Straßen der Stadt lagen im schummrigen Dunst, durchzogen von dampfenden Rohren und Laternen, deren kupferne Gehäuse matt glühten. Ein Schimmer aus Öl und Regen legte sich über die Pflasterung, während das Hovercar der Crew beinahe lautlos über den Schienenkorridor glitt.
Falc saß am Steuer, die Hände fest um die Hebel gelegt. Es war nicht sein erstes Mal, doch das Gefühl blieb jedes Mal eigenartig, zu schweben, während die Maschine unter einem summte wie ein schlafender Drache. Draußen blitzten Reklametafeln auf, zeigten Zahnräder, Mode und Essen, alles getränkt in die Farben der Dampfstadt. Elaine, auf dem Rücksitz, drückte die Stirn an die Scheibe. Ihre Augen leuchteten wie die vieler Kinder, die etwas zum ersten Mal sahen.
„Es ist so… groß“, hauchte sie, als sie die Hochhäuser betrachtete, die wie stählerne Wächter über den Straßen ragten. Das Gewimmel, die Händler, das Chaos – all das kannte sie nicht. Ihre Stimme war erfüllt von ehrlicher Begeisterung.
„Versuch dich dran zu gewöhnen“, murmelte Rose neben ihr, die Arme verschränkt, der Blick nach vorne gerichtet. In ihrem Ton lag ein Hauch von Spott, doch mehr noch Ungeduld. Jede kindliche Freude, die Elaine zeigte, war für sie wie ein Stachel, der tiefer in ihre Haut schnitt.
Falc warf Rose einen kurzen Blick zu, sein Kiefer angespannt. Er hatte ihr die Szene von vor einigen Tagen noch nicht verziehen. Er wusste nicht jedes Detail – aber genug. Genug, dass die Finsternis in seinen Augen sich sofort wieder auf sie legte, sobald sie sprach.
„Siehst du das, Elaine?“ fragte er plötzlich, als sie an einem mechanischen Karren vorbeizogen, der von dampfenden Kolben angetrieben wurde. „Man sagt, sie laufen schon seit zwanzig Jahren, ohne dass man sie neu erfinden musste. Technik, die bleibt.“ Seine Stimme war weich, beinahe ermutigend, und es galt nur Elaine.
Rose’ Finger krallten sich in ihren Rock. Immer nur Elaine.
Die Stille im Wagen wurde dichter, das Summen des Hovercars schien lauter. Elaine bemerkte es kaum. Sie zeigte auf die Marktstände, das Licht, die Menschen. Doch Rose spürte, wie Falcs Blick wieder auf ihr ruhte. Ein Blick, der brannte, finster, durchdringend. Kein Wort musste fallen. Er wusste, sie wusste.
Ihre Kehle wurde trocken, die Angst kroch zurück. Für einen Moment fühlte sie sich wieder wie vor ein paar Tagen auf dem Schiff, als sie glaubte, ihr letzter Tag sei gekommen. Falcs Augen sagten: Ein falscher Schritt, Rose. Nur einer.
Elaine wandte sich um, ihre Stimme hell: „Falc, meinst du, wir können morgen nochmal herkommen? Ich möchte alles sehen.“
Er sah kurz zu ihr in den Rückspiegel, und sein Blick veränderte sich – warm, beschützend. „Wenn es sicher ist, bringe ich dich überall hin.“
Rose biss sich auf die Lippe. Ihre Brust fühlte sich an, als würde etwas sie zerdrücken. Zwischen ihnen vibrierte die Luft, wie die unsichtbare Spannung vor einem Sturm.
Das Hovercar glitt durch die Straßen, doch im Inneren war es kein Schweben. Es war ein Korridor aus unausgesprochenen Worten, aus Loyalität und Verrat, aus Angst und diesem finsteren Blick, der Rose das Herz enger schnürte als jeder Gurt.

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