[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Angst - Hilflos (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgte


Nachdem sie die dampfenden Nudeln gegessen hatten, führte Aliyah die beiden Frauen weiter durch die Straßen der Stadt, bis sie ein Bekleidungsgeschäft erreichten. Der Laden war vollgestopft mit Kleidern aus schweren Stoffen, Korsetts, leichten Mänteln und Accessoires, die mit kleinen Zahnrädern, Ketten und Schlüsseln verziert waren. Für Elaine war es eine völlig neue Welt – sie lief zwischen den Kleiderständern hindurch, strich ehrfürchtig über die Stoffe, die so ganz anders waren als die schlichte Uniform, die sie kannte.
Rose dagegen war die Begeisterung ihrer Begleiterin ein Dorn im Auge. Jeder freudige Ausruf, jedes Staunen über eine hübsche Stickerei oder eine raffinierte Naht ließ die Bitterkeit in ihr wachsen. Für sie war Elaine nichts weiter als ein Störfaktor. Eine, die nicht hierher passte. Eine, die sich wie ein unbeschriebenes Blatt zwischen sie und Falc gedrängt hatte. Und genau das konnte Rose nicht ertragen.
„Ich… ich brauche frische Luft,“ murmelte sie zu Aliyah, die gerade ein Kleidungsstück in die Hand nahm. „Bleibt ruhig hier, ich komme gleich nach.“
Aliyah nickte abwesend, konzentriert auf die feinen Details des Stoffes. Rose hingegen schlüpfte hinaus, doch anstatt wirklich tief durchzuatmen, steuerte sie zielgerichtet zwei Soldaten an, die am Rand der Straße patrouillierten. Ihr Blick war kalt, voller Berechnung, während sie mit gespielter Dringlichkeit sprach:
„Da drin… da ist jemand. Jemand, den ihr sucht. Ich habe sie erkannt. Sie versteckt sich zwischen den beiden Frauen. Ihr solltet sie mitnehmen.“
Die Soldaten musterten sie scharf, dann wechselten sie ein knappes Nicken. Rose wich einen Schritt zurück, als ob sie nichts weiter damit zu tun hätte. Doch in ihr wuchs eine dunkle Genugtuung – bald wäre Elaine weg. Fort. Aus ihrem Leben und vor allem aus Falcs.
Einige Minuten später, als Aliyah gerade Elaine half, einen Mantel über die Schultern zu legen, traten die Soldaten durch die Tür. Schwer, bedrohlich, zielgerichtet.
„Du kommst mit,“ knurrte einer und griff nach Elaines Arm.
„W–Was? Nein!“ rief Elaine entsetzt, ihr Blick huschte suchend zu Aliyah. Doch die Soldaten zogen bereits fest zu, ihre groben Hände wie eiserne Klammern.
„Lasst mich! Ich… ich gehöre nicht zu euch!“ Sie zerrte, versuchte sich loszureißen, doch ihre Arme waren viel zu schwach. Verzweiflung ergriff sie, ihre Füße stolperten, während sie von den Soldaten fast über den Boden geschleift wurde.
„Hört auf! Sie tut doch nichts!“ Aliyah warf die Kleidung zur Seite und eilte hinterher, packte den Arm eines der Männer, doch wurde grob weggestoßen. „Sie ist hilflos, lasst sie!“
Elaine keuchte, ihre Augen weit vor Angst. Alles in ihr schrie danach, zu fliehen, doch ihre Beine versagten. Sie fühlte sich wie ein gefangenes Tier, das keinerlei Chance hatte. Ihre Stimme brach, als sie um Hilfe rief: „Aliyah! Bitte!“
Rose, die im Türrahmen stand, legte gespielt entsetzt die Hand an den Mund. „Bei allen Göttern… was macht ihr da? Wieso…?“ Ihre Stimme war voller falscher Empörung, die sie geschickt inszenierte.
Aliyah drehte sich zu ihr um, die Augen vor Wut und Schock funkelnd. „Hilf mir doch! Sie nehmen Elaine mit!“
Doch Rose blieb zurückhaltend, tat so, als wüsste sie nicht, was sie tun sollte – während sie innerlich lächelte. Sie hatte bekommen, was sie wollte: Elaine wurde fortgezerrt, hilflos und allein. Und niemand ahnte, dass es Rose gewesen war, die diesen Verrat in Gang gesetzt hatte.

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