Peccato

Sep. 29th, 2025 09:25 pm
[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sci-Fi & Fantasy – andere Länder andere Sitten (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgte

Rose hatte längst genug von Elaines ungebremster Begeisterung. Jeder Stand, jedes Schaufenster, jedes dampfende Rohr in dieser Stadt schien für sie ein kleines Wunder zu sein – und das ging Rose gewaltig auf die Nerven. Caio nutzte die Gelegenheit, die Vorräte zurück zum Flugschiff zu bringen, während Aliyah versuchte, die Stimmung zu retten, indem sie Rose dazu überredete, gemeinsam nach neuer Kleidung zu schauen. Rew hatte Elaine zuvor ein paar Münzen in die Hand gedrückt, ein kleines Vermögen für sie – dabei war Geld etwas, womit sie kaum Erfahrung hatte. Auf der Militärbasis hatte sie alles gestellt bekommen. Jetzt fühlte es sich fremd und ungewohnt an, die eigene Tasche schwer von Metallklimpern.
Die drei Frauen schlenderten durch die belebten Straßen. Überall zischte es aus Ventilen, kleine Automaten rollten klappernd vorbei, und Händler priesen ihre Waren mit lauter Stimme an. Essensstände reihten sich aneinander wie Zahnräder in einem Getriebe, jeder roch anders: gebratene Fleischspieße, süße Teigwaren, Gewürze, die in der Luft prickelten. Elaine sog die Düfte tief ein, ihre Augen funkelten neugierig, und Aliyah, die ihr Staunen bemerkt hatte, blieb schließlich an einem Stand mit dampfenden Nudeln stehen.
„Komm, probier das mal“, schlug Aliyah vor und bestellte drei Portionen. Die Nudeln wurden in kleinen, dampfenden Bechern gereicht, das Aroma von Tomatensud und Kräutern stieg auf. Rose griff routiniert nach ihrem Becher, Aliyah ebenfalls. Elaine dagegen starrte etwas unsicher auf die langen, glitschigen Stränge.
„Zu lang…“, murmelte sie, als sie die Nudeln mit der Gabel hochhob, nur um zu sehen, wie sie wieder zurück in den Becher glitten. Schließlich nahm sie sich – ganz pragmatisch – ein Messer aus dem Besteckkorb und begann, die Nudeln in handliche Stücke zu schneiden.
Ein plötzlicher Aufschrei ließ sie zusammenzucken. „Bist du verrückt?“ Der Verkäufer, ein älterer Mann mit Ölflecken auf der Schürze, beugte sich empört über seinen Stand. Seine Augen blitzten, als hätte Elaine gerade eine Todsünde begangen. „Wie kannst du es wagen, sie zu schneiden!“
Elaine sah ihn erschrocken an, die Gabel mit den halbierten Nudeln noch in der Hand. „Ich… ich wollte nur…“
Der Mann riss die Gabel an sich, rollte sie geschickt im Becher herum und hob einen ordentlichen Bissen aufgedrehter Nudeln in die Höhe. „So macht man das! Aufrollen, verstehen Sie? Aufrollen! Alles andere ist eine Schande für die Küche!“
Rose schlug die Hand vor die Stirn und verdrehte die Augen, während Aliyah das Lachen kaum zurückhalten konnte. Elaine dagegen lief rot an, senkte schuldbewusst den Blick und nickte hastig. „Ich… versuche es.“
Sie stach erneut in den Becher, drehte die Gabel, und tatsächlich – die Nudeln schlangen sich sauber darum, als wären sie dafür gemacht. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Oh… das ist gar nicht so schwer.“
Der Verkäufer nickte zufrieden, als hätte er soeben eine Schülerin bekehrt. Rose aber seufzte hörbar. „Kindischer geht’s nicht mehr.“ Doch Aliyah legte Elaine freundschaftlich die Hand auf den Rücken. „Lass sie doch. Jeder fängt irgendwo an.“
Und so standen sie, drei Frauen inmitten der dampfenden, lärmenden Stadt, während Elaine mit roten Wangen ihre Nudeln aß – ein winziges Stück Freiheit, ein neuer Geschmack, der nach mehr schmeckte als nur Suppe und Gewürze.

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