Team: Kobold
Challenge:Schreibaufgaben - Flashback (für mich)
Fandom: Blind ermittelt
Charaktere: Alex, Niko
Sprache: Deutsch
Wörter: 867
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Alex verschaffte sich einen ersten Überblick über sein Hotelzimmer, dann ging er ins Badezimmer, um sich frisch zu machen, bevor Niko ihn abholen kam. Er war etwas nervös. Er war nicht sicher, ob Sophie Recht hatte und das hier heute Niko wirklich gefallen würde. Außerdem war es das erste Mal, dass sie gemeinsam essen gingen, seit ihrem Besuch im Kaffeehaus, kurz bevor er von dem Angriff auf Martin erfahren hatte.
Er verzog das Gesicht bei der Erinnerung daran, wie er reagiert hatte. Er hatte sich zuerst nichts dabei gedacht, es war für ihn selbstverständlich gewesen, den Besuch eines so edlen Kaffeehauses mit Niko teilen zu wollen und ihn einzuladen. Als Niko es angesprochen hatte, war er bei seinem panischen Versuch, keinen Verdacht an seiner Bisexualität aufkommen zu lassen, übers Ziel hinausgeschossen. Hatte es als rein geschäftlich abgetan, dass es bloß nicht wie ein Date wirkte. Bloß nicht riskierte, dass Niko bemerkte, was er für ihn fühlte.
Er hatte sich zum Idioten gemacht und Niko sinnlos verletzt.
Warum sollte er seinen Mitarbeiter rein geschäftlich in so ein Lokal ausführen? Wenn Niko wirklich nur sein Assistent wäre, hätte er ihn einfach am Kaffeehaus absetzen können. Niko hatte sich mit Robert angefreundet und ging noch immer ab und ab mit ihm etwas trinken, Alex wusste also, dass Niko nicht schwulenfeindlich war.
Und doch hatte er Angst gehabt, dass seine Gefühle so unwillkommen wären, dass Niko ihn zurückstoßen, ihn beschimpfen oder verlassen könnte. Hatte lieber Niko zurückgestoßen, bevor er es konnte. Niko hatte ihn schon öfter verletzlich und schwach gesehen, und war doch noch hier. Und doch hatte er Angst gehabt, hatte verbal um sich geschlagen, um seine Schwäche zu verstecken.
Wie er es als Kind gelernt hatte.
Niko hatte ihm vergeben, aber trotzdem hatte er das Bedürfnis, es wieder gutzumachen.
Alex hörte nur am Rande den Künstlern zu. Seine Gedanken kreisten noch immer um ihr Gespräch am Seeufer. Niko war auch bi? Er hatte, seit sie sich kannten, mit mindestens zwei Männern Beziehungen gehabt? Waren die Beziehungen ernst gewesen?
„Die sind wirklich gut.“ Niko hatte sich etwas zu ihm gelehnt, um die anderen an ihrem Tisch nicht zu stören. „Ich war ja nicht sicher, was mich erwartet von so einer Gala.“
Alex rang sich ein Lächeln ab. „Freut mich, dass es dir gefällt.“ Er musste sich bei Sophie bedanken für die Idee. Es war zwar eine Benefizgala, aber nicht allzu groß. Die Stücke, die zwischen den Gängen präsentiert wurden, waren eine Mischung aus Musicals, Oper und einigen klassischen Stücken.
Er fragte sich, was Niko mit Männern unternahm. Lord Whisham hatte bei der Pokerrunde eine Jazzplatte aufgelegt. Hatte er die auch allein mit Niko gehört? Er erinnerte sich an Abende mit Kara auf dem Sofa, mit Martin, Abende, an denen er einfach die Nähe genossen hatte. Mal hatten sie einfach nur beieinander gesessen und jeder für sich gelesen, mal hatten sie gekuschelt, mal über ihren Tag gesprochen. So waren er und Martin damals auch zusammengekommen. Sie hatte über einen Fall gesprochen, hatten über einen besonders unfähig und bigotten Kollegen und seinen Umgang mit Zeugen geschimpft, im nächsten Moment hatten sie sich geküsst.
Danach hatten sie sich regelmäßig für „Fallbesprechungen“ getroffen. Manchmal hatten sie tatsächlich über die Arbeit gesprochen, aber häufiger einfach die Gelegenheit genutzt, ungestört die Intimität zwischen ihnen zu genießen. Martin war kein großer Jazz-Fan gewesen, hatte sich aber auch nicht gestört daran, wenn er Platten im Hintergrund laufen ließ.
Möchte Niko Jazz als Hintergrundmusik auch? Oder bevorzugte er andere Musik?
„Bin ich froh, dass ich für das Menü wirklich keine große Einweisung brauch.“, sagte Niko. Neckend ergänzte er: „Und man davon sogar satt wird.“
„Ich hatte es dir versprochen.“
Bei einem seiner ersten Streite mit Martin war es um Essen gegangen, oder vielmehr ums Essen gehen. Martin hatte mit ihm in einem Lokal essen wollen, statt dass sie es sich liefern ließen oder abholten, dank seinem Namen auch bei Lokalen, die das normalerweise nicht anboten. Aber er hatte sich geweigert. Zu groß war seine Angst gewesen, dass jemand sie sehen und die richtigen Schlüsse ziehen würde. Er hatte Angst gehabt, dass Kollegen sie attackieren könnten, sie im Einsatz im Stich lassen könnten. Und, so schwer es ihm fiel, es sich einzugestehen, er hatte Angst gehabt um seinen Ruf und seine Karriere.
Mit Kara war das einfacher. Niemand hatte es gekümmert, wenn er mit ihr essenging.
Und dann hatte er durch den Anschlag auf sie sein Augenlicht und damit seine Karriere verloren, hatte einen neuen Weg finden müssen. Warum hatte er es nicht mit Martin gekonnt?
Vielleicht hatte es aber auch den Verlust gebraucht. Auch mit Kara hatte er sich nicht vorstellen können, die Mordkommission zu verlassen, selbst als sie von Hochzeit und Kindern gesprochen hatten.
„Hier.“ Niko schob das hochstielige Glas mit dem Dessert gegen seine Finger, so dass er es nicht suchen musste und dabei riskierte, es umzuwerfen.
Und sicher hatte er es auch Niko zu verdanken, dass er jetzt Sonderermittler war, nicht nur, weil der ihn führte und den Tatort beschrieb, sondern auch, weil er ihn immer wieder antrieb, es neu zu versuchen, anders zu versuchen, weil er ihm half, seine Grenzen zu überwinden.
Und vielleicht gab es da eine Grenze, an der er nun arbeiten sollte.
Challenge:Schreibaufgaben - Flashback (für mich)
Fandom: Blind ermittelt
Charaktere: Alex, Niko
Sprache: Deutsch
Wörter: 867
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Alex verschaffte sich einen ersten Überblick über sein Hotelzimmer, dann ging er ins Badezimmer, um sich frisch zu machen, bevor Niko ihn abholen kam. Er war etwas nervös. Er war nicht sicher, ob Sophie Recht hatte und das hier heute Niko wirklich gefallen würde. Außerdem war es das erste Mal, dass sie gemeinsam essen gingen, seit ihrem Besuch im Kaffeehaus, kurz bevor er von dem Angriff auf Martin erfahren hatte.
Er verzog das Gesicht bei der Erinnerung daran, wie er reagiert hatte. Er hatte sich zuerst nichts dabei gedacht, es war für ihn selbstverständlich gewesen, den Besuch eines so edlen Kaffeehauses mit Niko teilen zu wollen und ihn einzuladen. Als Niko es angesprochen hatte, war er bei seinem panischen Versuch, keinen Verdacht an seiner Bisexualität aufkommen zu lassen, übers Ziel hinausgeschossen. Hatte es als rein geschäftlich abgetan, dass es bloß nicht wie ein Date wirkte. Bloß nicht riskierte, dass Niko bemerkte, was er für ihn fühlte.
Er hatte sich zum Idioten gemacht und Niko sinnlos verletzt.
Warum sollte er seinen Mitarbeiter rein geschäftlich in so ein Lokal ausführen? Wenn Niko wirklich nur sein Assistent wäre, hätte er ihn einfach am Kaffeehaus absetzen können. Niko hatte sich mit Robert angefreundet und ging noch immer ab und ab mit ihm etwas trinken, Alex wusste also, dass Niko nicht schwulenfeindlich war.
Und doch hatte er Angst gehabt, dass seine Gefühle so unwillkommen wären, dass Niko ihn zurückstoßen, ihn beschimpfen oder verlassen könnte. Hatte lieber Niko zurückgestoßen, bevor er es konnte. Niko hatte ihn schon öfter verletzlich und schwach gesehen, und war doch noch hier. Und doch hatte er Angst gehabt, hatte verbal um sich geschlagen, um seine Schwäche zu verstecken.
Wie er es als Kind gelernt hatte.
Niko hatte ihm vergeben, aber trotzdem hatte er das Bedürfnis, es wieder gutzumachen.
Alex hörte nur am Rande den Künstlern zu. Seine Gedanken kreisten noch immer um ihr Gespräch am Seeufer. Niko war auch bi? Er hatte, seit sie sich kannten, mit mindestens zwei Männern Beziehungen gehabt? Waren die Beziehungen ernst gewesen?
„Die sind wirklich gut.“ Niko hatte sich etwas zu ihm gelehnt, um die anderen an ihrem Tisch nicht zu stören. „Ich war ja nicht sicher, was mich erwartet von so einer Gala.“
Alex rang sich ein Lächeln ab. „Freut mich, dass es dir gefällt.“ Er musste sich bei Sophie bedanken für die Idee. Es war zwar eine Benefizgala, aber nicht allzu groß. Die Stücke, die zwischen den Gängen präsentiert wurden, waren eine Mischung aus Musicals, Oper und einigen klassischen Stücken.
Er fragte sich, was Niko mit Männern unternahm. Lord Whisham hatte bei der Pokerrunde eine Jazzplatte aufgelegt. Hatte er die auch allein mit Niko gehört? Er erinnerte sich an Abende mit Kara auf dem Sofa, mit Martin, Abende, an denen er einfach die Nähe genossen hatte. Mal hatten sie einfach nur beieinander gesessen und jeder für sich gelesen, mal hatten sie gekuschelt, mal über ihren Tag gesprochen. So waren er und Martin damals auch zusammengekommen. Sie hatte über einen Fall gesprochen, hatten über einen besonders unfähig und bigotten Kollegen und seinen Umgang mit Zeugen geschimpft, im nächsten Moment hatten sie sich geküsst.
Danach hatten sie sich regelmäßig für „Fallbesprechungen“ getroffen. Manchmal hatten sie tatsächlich über die Arbeit gesprochen, aber häufiger einfach die Gelegenheit genutzt, ungestört die Intimität zwischen ihnen zu genießen. Martin war kein großer Jazz-Fan gewesen, hatte sich aber auch nicht gestört daran, wenn er Platten im Hintergrund laufen ließ.
Möchte Niko Jazz als Hintergrundmusik auch? Oder bevorzugte er andere Musik?
„Bin ich froh, dass ich für das Menü wirklich keine große Einweisung brauch.“, sagte Niko. Neckend ergänzte er: „Und man davon sogar satt wird.“
„Ich hatte es dir versprochen.“
Bei einem seiner ersten Streite mit Martin war es um Essen gegangen, oder vielmehr ums Essen gehen. Martin hatte mit ihm in einem Lokal essen wollen, statt dass sie es sich liefern ließen oder abholten, dank seinem Namen auch bei Lokalen, die das normalerweise nicht anboten. Aber er hatte sich geweigert. Zu groß war seine Angst gewesen, dass jemand sie sehen und die richtigen Schlüsse ziehen würde. Er hatte Angst gehabt, dass Kollegen sie attackieren könnten, sie im Einsatz im Stich lassen könnten. Und, so schwer es ihm fiel, es sich einzugestehen, er hatte Angst gehabt um seinen Ruf und seine Karriere.
Mit Kara war das einfacher. Niemand hatte es gekümmert, wenn er mit ihr essenging.
Und dann hatte er durch den Anschlag auf sie sein Augenlicht und damit seine Karriere verloren, hatte einen neuen Weg finden müssen. Warum hatte er es nicht mit Martin gekonnt?
Vielleicht hatte es aber auch den Verlust gebraucht. Auch mit Kara hatte er sich nicht vorstellen können, die Mordkommission zu verlassen, selbst als sie von Hochzeit und Kindern gesprochen hatten.
„Hier.“ Niko schob das hochstielige Glas mit dem Dessert gegen seine Finger, so dass er es nicht suchen musste und dabei riskierte, es umzuwerfen.
Und sicher hatte er es auch Niko zu verdanken, dass er jetzt Sonderermittler war, nicht nur, weil der ihn führte und den Tatort beschrieb, sondern auch, weil er ihn immer wieder antrieb, es neu zu versuchen, anders zu versuchen, weil er ihm half, seine Grenzen zu überwinden.
Und vielleicht gab es da eine Grenze, an der er nun arbeiten sollte.