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[personal profile] aleamakota posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sommer: Joker. Inspiration dank [livejournal.com profile] fischgraetes Milchstraße (fürs Team)
Fandom: Original: Fast vier obdachlose Jugendliche
Charaktere: Aydougmus, hier noch mit Obdach
Wörter: ~440

Aydougmus war Soloschläferin, ganz klar. Sie schlief aber auch mit Nadja. Gerade um diese Jahreszeit ne ganz ungünstige Kombination.
Der nur noch von Panzertape und gutem Willen zusammengehaltene Radiowecker zeigte 3:18 Uhr, als sie sich zum x-ten Mal auf dem Hochbett umdrehte und die Decke von ihrem widerlichen, schwitzenden Körper strampelte. Am Fußende drehte ein kleiner Tischventilator seine Halbkreise. Dann und reichte sein Atem gerade weit genug, um ihr unambitioniert den Bauch zu streicheln. Mit müden, klebrigen Augen schaute Aydougmus zum Fenster hinaus. In der Nachbarplatte brannten noch ein paar Lichter. Oder schon? Langsam wurde es für die frühste Frühschicht Zeit zum Aufstehen.
Die Studenten drüben im Technologiepark schliefen dagegen tief und fest. Kein einziges gelbes Fenster mehr. Ungestört von benachbarten Lichtern glänzte der seit 2000 abgeschaltete Forschungsreaktor silbrig im Mondlicht. Ein halbes Osterei, das sich gut mit dem Hasenkopf aus Donnie Darko vertragen hätte.
Es wäre leicht gewesen, sich hier wegzuträumen. Runter von der durchgelegenen Matratze, durch die sie den Lattenrost spürte. Raus aus der Platte, rein in den Schnee. Zurück auf Klassenfahrt nach Seefeld in Tirol. Die Milchstraße war millionenmal schöner als die Frühschichtlichter nebenan. Unter den Sternen hatten sie sich ihren ersten Kuss gegeben, still und heimlich und im Tausch gegen ihre abfrierenden Zehen und Fingerspitzen.
In Seefeld hatte sie keine Probleme gehabt, neben Nadja einzuschlafen. Sie waren die ganzen Tag im Schnee gewesen, auf Bigfoots, auf Plastikschlitten, die ihren Namen nicht verdienten, und einmal sogar auf teuren Langlaufskiern. Selbst ihr soloschlafender Körper hatte da kapituliert und sie einfach tot in die Schwärze lassen, trotz des vollen Mehrbettzimmers. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass es dort einfach mal dunkel gewesen war. Richtig dunkel. Echte Nacht, wie sie sie vor- und nachher nie wieder gesehen hatte.
Aber neben ihr atmete Nadja ruhig und gleichmäßig und manchmal leise schnarchend vor sich hin. Der Ventilator brummte sanft und das silberne Osterei schimmerte, während ein goldenes Rechteck nach dem anderen neben ihr zum Leben erwachte. All das hielt sie vom Schlafen ab. All das nervte sie. All das sorgte dafür, dass sie nirgendwoanders sein wollte. Vielleicht war es der übermüdete Wahnsinn. Vielleicht war es die Liebe, an die sie nicht glaubte. So oder so lächelte Aydougmus entrückt, während sie ihre Bettdecke umdrehte und sich mit der kühleren Seite wieder zudeckte. Selbst wenn sie die Decke noch zwanzigmal wenden und morgen – heute früh im Cornflakesteller ertrinken würde, weil ihr Kopf hineingefallen war. Genau hier war gut. Genau hier war richtig. Hinter den Lichtern war die Milchstraße ja trotzdem da.
Sie rollte sich auf die Seite und kuschelte sich in den Frieden der schlaflosen Nacht, um Nadja nicht zu stören.

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